Herzlich willkommen zum 293. Luther Abendgebet am 17. Januar 2024.

Wir sind noch am Anfang des Jahres, Zeit der Neuorientierung in winterlichen Tagen, neben allen aktuellen Sorgen um den Frieden, den Zusammenhalt und das weltweite Klima. In Davos im Engadin wird in diesen Tagen über den Zustand der Welt beraten.

Zeit auch für innere Einkehr, mit Musik, Geschichten und Gebet.

Ich zünde eine Kerze an, ein Licht im neuen Jahr, in Vertrauen, in Hoffnung.

So sammeln wir uns heute Abend:

im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes

die uns verbinden zwischen Himmel und Erde.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben im neuen Jahr geschieht und sich wandelt:  Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

Heute mit der Botschaft der biblischen Jahreslosung aus 1. Korintherbrief 16,14:

„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“

Bild: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“

Musik: „Der du die Zeit in Händen hast“· Siegfried Fietz

https://www.youtube.com/watch?v=-N5r4IMz1Xw

 

Alle eure Dinge, in Liebe: Gott kleidet sich in Liebe

1

Sie hätten den ganzen Tag noch nichts gegessen, sagen die beiden Polizisten und lachen. Sie stehen in einer zerstörten Stadt in der Ukraine. Wir dürfen nicht wissen, wo das ist. Der Feind hört immer mit, sagen sie und schmunzeln. Der Tag war anstrengend. Sie haben Menschen mit ein paar Habseligkeiten aus zerstörten Häusern geholt. Einige sind verletzt. Die Polizisten helfen ihnen in ein Auto, das sie an einen anderen Ort bringt. Manche steigen auch in ihr eigenes Auto und wollen zu Verwandten in eine andere Stadt. Hier können wir nicht mehr leben, sagen sie und zeigen auf ein Hochhaus, das zerstört ist.

Jetzt helfen die Polizisten einer alten Frau. Alleine kommt sie nicht durch die Trümmer vor dem Haus. Beide Männer stützen die Frau. Dann helfen sie ihr auf den Sitz des Polizeiautos. Vorher aber hat die alte Frau noch einen Wunsch, sagt der Reporter. Die Frau macht sich so gross wie möglich und umarmt die Polizisten – erst den einen, dann den anderen. Dabei sagt sie, erzählt der Reporter: Ohne euch wäre ich jetzt tot. Die Polizisten freuen sich. Und sagen: Wir lieben unsere Menschen. Der Wagen fährt jetzt ab. Die Polizisten sagen: Wir essen jetzt gleichzeitig zu Mittag und zu Abend.

Wie unvorstellbar ist das alles für uns im behüteten Land. So viel Flucht, so viele Trümmer. Die Menschen in der Ostukraine, wo jeder kleine Ort umkämpft ist wie eine Festung, sind oft am Ende ihrer Kräfte. Und dann kommen zwei Polizisten und sorgen für etwas Zuversicht. Dabei haben sie selber Hunger. Aber bevor sie essen, sagen sie noch: Wir lieben unsere Menschen. Dafür werden sie von einer alten Frau umarmt.

2

Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe, schreibt der Apostel Paulus an die kleine christliche Gemeinde in der Stadt Korinth (1. Korinther 16,14). Und das Fernsehen zeigt zwei Polizisten, die darüber nicht lange nachdenken, sondern das Nötige tun. Sie helfen ein paar Menschen dabei, dass sie ihr Leben weiterleben können – allerdings an einem anderen Ort.

Krieg ist ein Katastrophe für die Überfallenen wie für die, die mit der Gewalt begonnen haben. Russland ist nicht mehr das Land von vor dem Krieg. Israel und palästina sind es jetzt auch nicht mehr. Die Gesellschaft bleibt nicht, wie sie war. Krieg macht unmenschlich, vor allem die brutalen Angreifer. Auch dies wird noch ans Licht kommen. Zugleich aber scheint jetzt auch ein kleines Licht der Menschlichkeit. Die Polizisten machen ihre Arbeit; sie machen sie in Liebe. Dafür werden sie umarmt. Zu Recht.

In der Umarmung der alten Frau zeigt sich uns Gott. Gott kleidet sich immer in Liebe.

Nach einer Geschichte der ARD/Michael Becker.

Bild:


Friedenssymbol mit Schriftzug “Imagine” des John Lennon Songs auf der John Lennon Mauer in Prag (Marko Kafé)

Imagine, stell dir vor: es gibt keine Kriege, keine Ungerechtigeiten, keinen Hunger, keine Religionen, die sich bekämpfen. Ich bn zwar ein Träumer, aber ich bin nicht der einzige, singt John Lennon.

In diifusem nebligen Licht wird der Musiker John Lennon auf dem Weg gezeigt zusammen mit seiner Frau Yoko Ono, wie sie durch einen Park im Nebel gehen, hin zu einem hellen Haus, das innen ganz dunkel erscheint. Klaviermusik ertönt, die berühmten ersten Akkorde dieses Liedes, das auf Platz der ewigen Bestenliste der Lieder des Jahrhunderts steht. Je mehr er singend träumt, um so heller wird es im Haus, die dunklen Gardinen werden zur Seite geschoben, Licht kommt in die Dunkelheit. Imagine….

Musik: „Imagine“ John Lennon

https://www.youtube.com/watch?v=ugrAo8wEPiI

Fürbittengebet      von Katharina Wiefel-Jenner

Jesus Christus,
du Licht vom Licht.
Deine Liebe vertreibt das Dunkel.
Mach dich auf, damit es hell wird.

Finsternis zieht die Wehrlosen in den Tod.
Endlos gehen die Kriege weiter.
Wo leuchtet das Friedenslicht?
Wir bitten um Licht und Frieden
für die Ukraine,
für Israel und Gaza,
für die Kinder inmitten des Infernos,
für die Verwundeten, die im Graben versorgt werden,
für die Mütter, deren Söhne in den Krieg ziehen.
Jesus Christus,
du Licht vom Licht.
Komm mit dem Licht des Friedens.
Herr erbarme Dich

Mangel raubt den Schwachen den Lebensmut.
Kälte bedroht die Obdachlosen.
Arme, viele, verlieren die Hoffnung.
Wir bitten um die Fülle des Lebens
für die Unzufriedenen,
für die Familien, die bei den Tafeln anstehen,
für Menschen, die sich vor dem morgigen Tag fürchten,
für die Kranken und alle, die sie umsorgen.
Jesus Christus,
du Licht vom Licht.
Komm mit deiner Fülle.
Herr erbame Dich

Misstrauen vergiftet das Leben.
Menschen guten Willens resignieren.
Treue fühlen sich verraten.
Wir bitten um Liebe und Vertrauen
für die mit den müden Händen,
mit den erschöpften Herzen und 
mit den wankenden Knien.
Jesus Christus,
du Licht vom Licht.
Mache dich auf
in deine Welt.
Mache dich auf
zu den Müden und 
zu den Wachen.
Du bist unser Licht.
Mache dich auf zu uns.
Lass uns Licht werden – 
heute und morgen und an allen dunklen Tagen.

Herr erbarme Dich.

Vaterunser:… geheiligt werde dein Name;

dein Reich komme;

dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

SEGEN

„Friedenssegen“ (Katja Süß)

Gott,

du Quelle des Lebens,

du Atem unsrer Sehnsucht,

du Urgrund allen Seins.

Segne uns,

mit dem Licht deiner Gegenwart,

das unsre Fragen durchglüht

und unsren Ängsten standhält.

Segne uns,

damit wir ein Segen sind

und mit zärtlichen Händen

und einem hörenden Herzen,

mit offenen Augen,

mit mutigen Schritten

dem Frieden den Weg bereiten.

Segne uns,

dass wir einander segnen

und stärken und Hoffen lehren

wider alle Hoffnung,

weil du unserem Hoffen Flügel schenkst.

Amen, so sei es, so ist es, Amen.
+ im Namen des Vaters,
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.

Verabschiedung:

Herzliche Einladung zum Ökumenischen Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen: am Sonntag, 21. Januar, 10 Uhr im Grossmünster Zürich: mit deutsch-, italienisch- französisch-reformierter -, tschechischer, ungarischer Gemeinde.

Anschliessend Beisammensein zum Kirchenkaffee/Apéro im Chor des Grossmünsters.

Hinweisen möchten wir auch jetzt schon zur festlichen „Bach-Kantate am darauf folgenden Wochenende 27./28. Januar.

————————————————————————————-

Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft auch im neuen Jahr, und wünschen noch einen guten, behüteten Jahreslauf am Anfang von 2024!

Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist und bleibt da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern!

Thomas Risel und Marion Werner

Fotos: Eigenes Bild “Jahreslosung”; Friedenssymbol mit Schriftzug “Imagine” auf der John Lennon Mauer in Prag (Marko Kafé/Wikipedia)

Musik: Psalm 31 (Text: Anna Letitia Waring (1850) / Musik: J. Dierks) Tine Hamburger, Sängerin

https://www.youtube.com/watch?v=sM1DyL79_OE

Vater, ich weiß, dass mein ganzes Leben für mich vorgesehen ist;

Die Veränderungen, die kommen werden, fürchte ich nicht:

Ich bitte dich um einen gegenwärtigen Geist, der darauf bedacht ist, dir zu gefallen.

Ich möchte nicht den rastlosen Willen haben, der hin und her eilt,

auf der Suche nach einer großen Sache, die ich tun kann, oder nach einem Geheimnis, das ich wissen kann;

Ich möchte wie ein Kind geführt werden, wohin ich gehe.

Ich bitte dich um die tägliche Kraft, die keinem verwehrt wird, der darum bittet,

einen Geist, der sich in das äußere Leben einfügt, während er an deiner Seite bleibt,

zufrieden, einen kleinen Raum zu füllen, wenn du verherrlicht wirst.

 

In deine Hände lege ich meinen Geist;

erlöse mich, mein Gott der Wahrheit

Du hast, oh, Herr, mit all deiner Gnade

meine Füße auf weiten Raum gestellt.