Gottesdienst in Erinnerung an Kurt Marti (* 31. Januar 1921)

am 31. Januar 2021 (Letzter Sonntag nach Epiphanias)

GLOCKENSPIEL  https://www.youtube.com/watch?v=0uLzAecOm_o

 

ORGEL: J.S.Bach Praeludium F-dur BWV 556  

https://www.youtube.com/watch?v=vWPBraNk24E

 

BEGRÜSSUNG

Herzlich willkommen zu unserem «Gottesdienst zuhause» heute, am letzten Sonntag nach Epiphanias. Unser Gottesdienst kann per Whatsapp, Email, und Facebook verfolgt werden und natürlich auch auf unserer Hompage nachgelesen werden.

 

Mit dem heutigen Sonntag geht im kirchlichen Kalender die Weihnachtskreis offiziell zu Ende. Der grosse Bogen, der mit dem 1. Advent beginnt, den wunderbaren Weg über Weihnachten, Neujahr, hin zu Epiphanias – dem Dreikönigstag führt, endet heute, mit dem letzten Sonntag nach Epiphanias. Von nun an leitet der kirchliche Kalender mit seinen Sonntagen uns bereits an, uns auf die Passionszeit einzustellen.

 

Thematisch möchte ich heute dazu einladen, uns mit Texten von Kurt Marti zu beschäftigen. Am heutigen 31. Januar gedenken wir 100 Jahre seit seiner Geburt. Kurt Marti, Schweizer Pfarrer, Theologe und Dichter, 2017 in Bern verstorben, hat mit seinen Worten und Gedanken neue Perspektiven geöffnet. Auch auf Gott, auf die Dreieinigkeit Gottes, von der er als «Gesellige Gottheit» spricht. Dem gehen wir heute nach.  Möge Gott uns segnen.

 

Votum – Das Eingangsvotum für heute, stammt auch von Kurt Marti

mit uns die weltleidenschaft des vaters

für uns die feindesliebe des sohnes

vor uns die weibheiligkeit ihres geistes:

um uns die dreilebendigkeit gottes

Amen

 

Wir SINGEN oder LAUSCHEN «Lobet den Herren» Gesangbuch 447

https://www.youtube.com/watch?v=0JYuE0e32ug

1.Lobet den Herren alle, die ihn ehren;

lasst uns mit Freuden seinem Namen singen

und Preis und Dank zu seinem Altar bringen.

Lobet den Herren!

  1. Der unser Leben, das er uns gegeben,

in dieser Nacht so väterlich bedecket

und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket:

Lobet den Herren!

  1. Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können

und Händ und Füße, Zung und Lippen regen,

das haben wir zu danken seinem Segen.

Lobet den Herren!

 

SÜNDENBEKENNTNIS UND EINGANGSGEBET

Barmherziger Gott,

manchen bin ich einiges,

einigen bin ich vieles schuldig geblieben.

Und die Zeit läuft davon.

Wessen Liebe kann das noch gutmachen?

(Kurt Marti)

 

Was wir anderen schuldig bleiben

und vor allem uns selbst,

das wissen wir auch selbst am besten,

tief im Herzen.

Du barmherziger Gott siehst,

was vor Augen ist und du siehst unser Herz an.

Wir bitten dich, dass uns dein Licht aufgeht

damit wir aufrichtig leben.

Du bewahrst unsere Seelen,

wir vertrauen auf deine Liebe zu uns.

Amen.

 

Als EVANGELIUM lesen wir heute den Abschnitt über die Verklärung Jesu aus Matthäus 17,19

 

Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg.

Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.

Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.

Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr.

Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!

Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Amen

 

 

CREDO

Gemeinsam bekennen wir nun unseren christlichen Glauben. Wir sprechen gemeinsam mit Andreas Müller Crepon das Glaubensbekenntnis von Kurt Marti, das er «Nachapostolisches Glaubensbekenntnis» genannt hat. Den Text zum Mitsprechen finden sie im Anschluss an die Audiodatei.

 

Ich glaube an Gott,

der Liebe ist,

den Schöpfer

des Himmels und der Erde.

 

Ich glaube an Jesus,

sein menschgewordenes Wort,

den Messias der Bedrängten

und Unterdrückten,

der das Reich Gottes

verkündet hat

und gekreuzigt wurde,

ausgeliefert wie wir der Macht des Todes,

aber am dritten Tage auferstanden,

um weiterzuwirken für unsere Befreiung,

bis dass Gott alles in allem sein wird.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist,

der uns zu Mitstreitern des Auferstandenen macht,

zu Brüdern und Schwestern derer,

die für Gerechtigkeit kämpfen

und leiden.

 

Ich glaube an die Gemeinschaft

der weltweiten Kirche,

an die Vergebung der Sünden,

an den Frieden auf Erden,

für den zu arbeiten Sinn hat,

und an eine Erfüllung des Lebens

über unser Leben hinaus.

 

Wir SINGEN oder LAUSCHEN: «Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht»

https://www.youtube.com/watch?v=kV0Tc9PpjKs

 

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht;

es hat Hoffnung und Zukunft gebracht;

es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten,

ist wie ein Stern in der Dunkelheit.

 

 

 

PREDIGT: Die gesellige Gottheit 

Liebe Gemeinde,

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ – mit diesen Worten werden unsere Gottesdienste eröffnet. „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“: mit dieser Formel wird in allen christlichen Kirchen die Taufe gespendet.

Es ist eine Formel, die uns allen sehr vertraut ist.

Theologisch reden wir von dem dreieinigen Gott und die Sonntage des Sommers tragen alle «Trinitatis» also «Trinität» im Namen.

Dreieiniger Gott – ein Gott mit drei Gesichtern, mit drei Erscheinungsweisen: 1. Vater und Schöpfer, 2. Jesus Christus – Erlöser und Sohn; als 3. Heiliger Geist. Wobei im Alten Testament, der Geist, die «Ruach» weiblich ist. Wir müssten also von der Heiligen Geistkraft reden. Theologisch spricht man von dem weiblichen Prinzip in Gott selbst.

Das alles denkerisch nachzuvollziehen ist nicht so einfach – für Viele von uns. Das weiss ich. Und nicht selten höre ich die Frage: Wie muss ich das jetzt verstehen? Ist es jetzt ein Gott oder sind es drei? Gibt es Gott den Schöpfer und dann war Jesus nur ein Mensch? Oder war er ein Halbgott? Oder wie ist das denn?

 

Kurt Marti erklärt und beschreibt in seinem Gedicht «Die gesellige Gottheit am Werk» in wunderbarer Weise wie wir uns das mit dem dreieinigen Gott vorstellen können. Gott: Von Anfang ist er Geselligkeit, Rhythmus und Beziehung. Er ist lebendig und dynamisch. Er ist in sich selbst Beziehung, Kommunikation und Austausch – von Anfang an. Das meint der christliche Glaube mit: Vater, Sohn und Heiliger Geist.  

Gott spricht sich aus im Wort – also im Sohn und ist zugleich der Geist, der Hauch, der Atem, mit dem das Wort gesprochen wird.

Gott ist Liebender, Geliebter und Liebe zugleich!

Unser Gott ist Geselligkeit, Leben, ist Beziehung selbst. Und er bleibt nicht selbstgenügsam „unter sich“. Er will sich nicht selbst genügen. Und so schafft er sich ein Gegenüber, eine Welt, einen Kosmos – und den Menschen darin als sein „Ebenbild“. Kein Wunder also, dass es diesem Ebenbild, dass es uns Menschen ebenfalls nach Beziehung, nach Liebe, nach Geselligkeit verlangt.

 

Andreas Müller Crepon wird uns nun das Gedicht «Die gesellige Gottheit am Werk» vorlesen. Voller übersprühender Kreativität und Energie schafft Gott hier die Welt. Er ist begeistert vom Werden und allen seinen Einfällen. Ihm zur Seite – so wie das im Alten Testament steht – ist die Weisheit, die Sophia – gleichsam als Inspiration und Muse Gottes.

 

 

Kurt Marti: Die gesellige Gottheit am Werk

Von Ur an:
Gott in Geselligkeit,
Gott mit Sophia,
der Frau, der Weisheit,
geboren,
noch ehe alles begann.

 

Sie spielte
vor dem Erschaffer (Sprüche 8,22-31),
umspielte, was er geschaffen,
und schlug, leicht hüpfend von Einfall zu Einfall,
neue Erschaffungen vor:
Warum nicht einen anmutig gekurvten Raum?
Warum nicht Myriaden pfiffiger Moleküle?
Warum nicht schleierwehende Wirbel, Gase?
Oder Materie, schwebend, fliegend, rotierend?

So sei es, lachte Gott,
denn alles ist möglich,
doch muß auch Ordnung ins Ganze –
durch Schwerkraft zum Beispiel.

Dazu wünschte Sophia sich ebensoviel Leichtigkeit.
Da ersann Gott die Zeit.
Und Sophia klatschte in die Hände,
Sophia tanzte, leicht wie die Zeit,
zum wilden melodischen Urknall,
dem Wirbel, Bewegungen, Töne entsprangen,
Räume, Zukünfte, erste Vergangenheiten –
der kosmische Tanz,
das sich freudig ausdehnende All.
Fröhlich streckte Sophia Gott die Arme entgegen.
Und Gott tanzte mit.

 

Am Anfang also Beziehung.
Am Anfang Rhythmus.
Am Anfang Geselligkeit.

Und weil Geselligkeit: Wort.
Und im Werk, das sie schuf,
suchte die gesellige Gottheit sich neue Geselligkeiten.
Weder Berührungsängste noch hierarchische Attitüden.
Eine Gottheit, die vibriert vor Lust, vor Leben.
Die überspringen will
auf alles,
auf alle.

 

Bildchen, naiv.
Doch wie sonst faß ich´s?
Imagines, imaginatio.
Denn wer glaubt, glaubt an Wunder.
Wunder ist der Inhalt jeder Theologie.“

 

Gott – eine Gottheit, die vibriert vor Lust und Leben, die überspringen will auf alles und auf alle. Gott – er ist Beziehung und liebt es mit uns Menschen in Beziehung zu sein. Er ist nicht eine höchste Idee, ein oberstes Prinzip oder ein einsamer Weltenlenker. Nein, das ist er nicht und das war er nie laut biblischem Zeugnis.

Und in Jesus Christus «entäusserte» er sich selbst, ohne «Berührungsängste» oder «hierarchische Attitüden». In seinem «Sohn» wird Gott Mensch, ohne sein Gottsein aufzugeben. Gott gesellt sich zu den Menschen, der Schöpfer zu seinem Geschöpf – bis in den Tod hinein. Aber Gott «vibriert vor Lust, vor Leben». Und in seiner Dynamik und Liebe sprengt er den Tod. Nicht mehr der Tod ist der ewige Geselle des Menschen, sondern der lebendige Gott allein.

Ja, es fließt etwas über- von der geselligen Gottheit in seine Schöpfung und in sein schönstes Geschöpf, das Mensch heißt. Durch seinen Geist berührt, bewegt und begeistert uns Gott, so dass wir selber Beziehung brauchen, Kommunikation suchen und Geselligkeit lieben.

 

Mit so einem geselligen Gott will ich gern unterwegs sein. Seinen Funken will ich auf mich überspringen lassen. Von ihm will ich mich berühren und bewegen lassen.

Er begleitet uns im Schönen und im Schweren: «Denn siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende». Er ist uns als innere Kraft geschenkt. Und in seinem «geselligen» Sein lädt er uns ein, diese Geselligkeit untereinander zu leben, in Freundschaft und in gesellschaftlichem Engagement.

Amen

 

Wir SINGEN oder LAUSCHEN «Der Himmel, der ist»  (Text von Kurt Marti) Gesangbuch 153

https://www.youtube.com/watch?v=dRsKNBWst-8

 

  1. Der Himmel, der ist, / ist nicht der Himmel, der kommt,

wenn einst Himmel und Erde vergehen.

  1. Der Himmel, der kommt, / das ist der kommende Herr,

wenn die Herren der Erde gegangen.

  1. Der Himmel, der kommt, / das ist die Welt ohne Leid,

wo Gewalttat und Elend besiegt sind.

  1. Der Himmel, der kommt, / das ist die fröhliche Stadt

und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.

  1. Der Himmel, der kommt, / grüßt schon die Erde, die ist,

wenn die Liebe das Leben verändert.

 

MITTEILUNGEN

Der Wochenspruch, der uns begleiten soll, steht bei Jesaja 60,2

«Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir!»

Nächsten Sonntag, den 7. Februar laden wir ein:

            Um 10.00 Uhr in die Kirche Unterstrass zum Gottesdienst.

            Um 10.00 Uhr zum Kindergottesdienst – dafür bitten wir um Anmeldung

            Um 16.00 Uhr in die Haldenkirche Sankt Gallen um Gottesdienst

 

FÜRBITTE  (kursiv gedruckt sind Texte von Kurt Marti)

unser vater der du bist die mutter

die du bist der sohn

der kommt um anzuzetteln

den himmel auf erden

dein name werde geheiligt

 

Gott, wir bitten dich,

dass wir lernen, deinen Namen zu heiligen,

in unseren Worten und mit unseren Taten.

Mach der Lüge und der Hetze ein Ende,

aber auch der Sehnsucht nach den einfachen Antworten.

Den Himmel auf Erden zu schaffen,

das wird uns nicht gelingen,

aber das er unter uns anfängt,

dafür lass uns arbeiten.

Hol mit uns Menschen aus Resignation und Verzweiflung,

aus den persönlichen Höllen,

in denen sie stecken.

Lass uns glauben,

dass über jedem Leben dein Himmel offen ist.

 

dein name möge kein hauptwort bleiben

dein name werde bewegung

dein name werde in jeder zeit konjugierbar

dein name werde tätigkeitswort

bis wir loslassen lernen

 

Gott, wir bitten dich,

dass wir lernen, uns zu bewegen,

ohne die Angst, etwas oder uns zu verlieren.

Dass wir uns nach vorne bewegen,

in deine Zukunft,

Was hinter uns liegt

soll uns nach vorne bringen, statt uns zu bremsen,

in der Gesellschaft und in der Kirche.

 

Lass uns kirchen und gemeinden,

lass uns gerechten und frieden

lass uns andere barmherzen

und in allem einander gnädigen.

 

bis wir erlöst werden können

damit im verwehen des wahns

komme dein reich

in der liebe zum nächsten

in der liebe zum feind

geschehe dein wille – durch uns.

 

Gott, wir bitten dich,

nimm uns die verzweifelte Alleinherrschaft

über unser Leben

und die falsche Freiheit,

die den anderen, die andere nicht mehr sieht.

Dein Reich hat Grenzen

und die sind aus Liebe,

aus der grenzenlose Liebe zu den anderen.

So willst du es.

So willst du uns.

 

In der Stille bringen wir vor dich, was uns persönlich am Herzen liegt. Dank und Freude. Angst und Sorge.

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

SEGEN (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Empfangt den Segen Gottes:

Der gütige Gott gehe an deiner Seite

und begleite deinen Weg.

Er gebe deiner Seele die Ruhe, die du brauchst.

Er heile, wo du verletzt bist und erhalte dich gesund.

Er gebe dir die Kraft, die du für den Alltag brauchst.

Er lassen das Wort der Engel in dir aufgehen und dich erfüllen:

Fürchte dich nicht, hab keine Angst, denn Gott ist da.

Amen

 

Auf den Segen stimmen wir uns ein mit dem Lied: «Bewahre uns Gott, behüte uns Gott»

Wir SINGEN oder LAUSCHEN

https://www.youtube.com/watch?v=b9aO72h2rQY

 

Wer mag, kann später noch Kurt Marti selber kennenlernen, in einem Gespräch über sein Glaubensbekenntnis: Kurt Marti an der OeME-Herbsttagung, 20.11.2010 https://www.youtube.com/watch?v=zTvPvB3OosQ