1. Sonntag nach Epiphanias 24. Januar 2021  „Gottesdienst zuhaus“

 

Hinführung

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.

Der Wochenspruch aus dem Lukasevangelium zeigt uns heute, am 3. Sonntag nach Epiphanias: Das Licht, das durch Jesus Christus erschienen ist, leuchtet nicht nur einigen wenigen Menschen. Es leuchtet allen in der ganzen Welt. Daran werden wir heute erinnert. Dass das Licht Jesu Christi auch uns leuchtet, das erbitten wir jetzt für diesen Gottesdienst zuhaus.

Entzünden wir ein Licht zum Zeichen. Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

MUSIK: aus dem Weihnachtsoratorium von J S Bach, Teil V.

„Dein Glanz all Finsternis verzehrt“

https://www.youtube.com/watch?v=DLB7b3vXr9Q

 

Egal, woher wir kommen, aus welchem Land oder sozialen Hintergrund, wir kommen alle von Gott.

Egal, worin wir uns unterscheiden und worüber und warum wir uns uneins sind, wir können uns einig sein in unserem einzigartigen Gott.

Egal wohin wir gehen, welche Ziele wir haben, am Ende führt uns alles zu Gott.
Das feiern und bekennen wir in diesem Gottesdienst und machen uns bewusst, dass wir im Glauben über alle Grenzen von Zeit, Pandemie, Alter, Geschlecht und Herkunft miteinander verbunden sind.

 

Aus Psalm 86

HERR, neige deine Ohren und erhöre mich;

denn ich bin elend und arm.

Bewahre meine Seele, denn ich bin dir treu.

 

Psalm 86 mit Kanon: Lobet und preiset ihr Völker den Herrn (EG 337)

https://www.youtube.com/watch?v=9boy3CYvg2E

 

Denkanstoss

*Gesetzt den Fall, wir würden eines Morgens aufwachen und feststellen, dass plötzlich alle Menschen die gleiche Hautfarbe und den gleichen Glauben haben, wir hätten garantiert bis Mittag neue Vorurteile.

Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799), Deutscher Physiker

 

Sündenbekenntnis/Gnadenzusage

Herr, unser Gott, himmlischer Vater, wir sind versammelt in deinem Namen, um miteinander auf dein Wort zu hören, dich in Gebeten und Liedern anzurufen.

Du bist das Licht der ganzen Welt. Du machst unseren Weg hell.

Wir bitten dich: Nimm alles Dunkle fort, was uns Angst macht, und vergib uns um Jesu Christi willen, was wir dir und einander schuldig geblieben sind.

In der Stille legen wir alles vor dich … – Stille –

 

Gnadenzusage: (Psalm 27,1)

Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

Dank sei Gott für seine Gnade!

Denn Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon (1. Joh. 2,8).

Deshalb sind wir voller Dank an Gott.

 

Gebet zum Tage

Herr Jesus Christus, du bist das Licht der Welt und Heiland der Völker.

Die Botschaft von deiner unendlichen Liebe kennt keine Grenzen.

Überall lässt du dein Licht hell scheinen. Für uns und alle Menschen. Dafür danken wir dir.

Wir bitten dich: Lass dein Licht hell leuchten. Erfülle uns mit deinem Licht. Jetzt. In diesem Gottesdienst. Amen.

Lesung 

Gottes Liebe ist grenzenlos. Sie gilt den Menschen aller Völker. Das beweist Jesus, als ein römischer Hauptmann ihn um Hilfe bittet. Davon erzählt Matthäus im achten Kapitel.

Evangelium:Matthäus 8,5-15

3. Sonntag n. Epiphanias Bibeltexte Mt und Rut

Gott ist ein Gott für alle Menschen, gleich welcher Herkunft, Hautfarbe oder Rasse.

Gott macht keinen Unterschied zwischen seinen Geschöpfen. Vor ihm sind alle Menschen gleich willkommen.

Was heute selbstverständlich ist, war über Jahrhunderte höchst umstritten.

Am Anfang sogar für Petrus, der erst lernen muss, dass Gott seinen Geist nicht nur den Juden, sondern allen Menschen geschickt hat.

Der Blick in die jüngere Kirchengeschichte aber zeigt, wie schwer wir uns in den letzten 100 Jahren mit grundsätzlichen Veränderungen getan haben – und bis heute tun. Denn Grenzen und Schranken gibt es auch heute reichlich.

Der Weg, auf dem Petrus diese neue Einsicht gewinnt, wird dabei beispielhaft auch für eigene Wege, Grenzen zu überwinden und Schranken fallen zu lassen.

 

Lied: Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen (EG 272)

https://www.youtube.com/watch?v=gJGJ7U8I3PY

Predigtgedanken

Der Predigttext ist der Beginn des Buches Rut, das zur sog. Richterzeit spielt. Es erzählt von der Frau, die als Ausländerin in Israel eine Heimat findet.

Rut 1,1–19a: Rut folgt und vertraut ihrer Schwiegermutter und deren Gott

Bild: Ruth im Feld mit Boas: Julius Schnorr von Carolsfeld 19. Jh.

Der Predigttext ist der Beginn des Buches Rut, das zur sog. Richterzeit spielt. Es erzählt von der Frau, die als Ausländerin in Israel eine Heimat findet.

Weil ihr Schwiegervater und ihr Mann verstorben sind, verlässt Rut mit ihrer Schwiegermutter und Schwägerin das Land der Moabiter.
Die Schwiegermutter Noomi möchte wieder zurück in ihr heimatliches Juda und hält es für das Beste, die Schwiegertöchter jeweils zurück in ihre Elternhäuser zu schicken. Doch Rut lässt es sich nicht ausreden und bleibt bei Rut und findet in Bethlehem eine neue Heimat und einen neuen Glauben.
Dort heiratet sie später und geht als Urgrossmutter Davids in den jesuanischen Stammbaum und die Geschichte ein (vgl. Kapitel 4 und Matthäus 1,5). Im Stammbaum Jesu bei Matthäus 1 ist sie eine von fünf Frauen, die erwähnt werden.

Die Geschichte der Rut lohnt wirklich, ganz gelesen zu werden, es sind 4 Kapitel im Alten, Ersten Testament unserer Bibel.

Es ist ein Kleinod der Weltliteratur, eine faszinierende poetische Erzählung aus alter Zeit.

Sie ist so geschaffen, als sollte sie vorgelesen werden. Besonders die Dialoge –ihre Gespräche darin -treiben die Handlung voran.

Nur durch sie wird die Handlung spannend. Bis zum Schluss scheint alles offen.

Dann setzt sich die Erzählung mit der Ansicht ihrer Zeit bis zu unserer Zeit auseinander, die sagen: Flüchtlinge sollen bleiben, wo sie sind. Wir können sie nicht gebrauchen. Und geheiratet wird nur unter uns. Vor- und Nachkriegszeiten -wie in der Entstehungszeit des Büchleins -bedeuten vor allem für Frauen, die zuhause und später ‚zurück‘ bleiben, grosses Leid.

Da wurde dieses Buch bald zu einem ganz besonderen Trostbuch.

Im Buch Ruth gilt kein einziger Name und kein einziger Ort als Zufall. Alles hat seine Bedeutung und seinen Sinn.

Mitten auf dem Weg, noch im ‚Niemandsland‘, fasst sich Noomi ein Herz und fordert ihre beiden ebenfalls bereist verwitweten Schwiegertöchter auf umzukehren nach Moab. –Eindringlich reiht sie ein Argument an das andere. Die eine, Orpa, folgt der Bitte Noomis. Schweren Herzens tritt sie ihre Heimreise an. Und mit keinem Wort wird sie dafür in dieser Erzählung kritisiert.

Nun erzählt das Buch Rut fortan von den zweien. Noomi versucht, auch Rut zu überzeugen: Gönn Dir eine Zukunft. Kehr um!

Wie Ruth ihr dann antwortet, das gehört zu den schönsten Worten der Bibel: Rut schwört Noomi ewige Treue.

Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.

Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden.

Aus Liebe möchte Rut ihr ganzes Leben und so auch ihren Glauben mit Noomi teilen, also gemeinsam mit ihr suchen, woran ihr Herz hängt.

In den kommenden Kapiteln des Buches wird erzählt, wie die, die ihre eigene Herkunft und ihr eigenes Heimatland nie vergessen wird -auf Gottes Wort hin -allem Neuen offen begegnen wird.

Gottes grenzenlose Liebe

Lied: In Christus gilt nicht Ost noch West (Wochenlied)

https://www.youtube.com/watch?v=bCoK9Px66nc

 

Fürbittengebet

Jesus Christus, du bist das Licht der Welt und der Heiland der Völker.

Über alle Grenzen hinweg erscheint die Herrlichkeit des Vaters.

Wo du bist, da wird es hell auf unserem Weg.

 

Darum bitten wir: Lass dein Licht leuchten

für das geschwisterliche Miteinander mit deinem Volk Israel,

für deine weltweite Kirche, für das Miteinander in unserer Gemeinde und der Ökumene,

für die Völker der Welt, für unser Land und den Orten, in denen wir leben,

für uns und alle Menschen.

 

Lass dein Licht leuchten. Heute und alle Tage.

Und sei mit allen, die sich verlassen vorkommen,
die plötzlich alleine dastehen.
Für sie bitten wir:
Finde Du den Weg zu ihnen und lass Dein Licht leuchten.
Sei mit allen, die sich fremd fühlen,
in ihrem Land, in ihrem Wohnort, in dieser Gesellschaft,
in ihrer eigenen Haut.
Für sie bitten wir:
Bleibe ihnen nicht verborgen.

Sei mit allen, die auf der Suche sind,
in dieser Pandemie: nach einem Ausweg, einer Lösung, nach Hilfe und Genesung.
Für sie bitten wir:
Schenke ihnen heilsame Erfahrungen.
 

Sei mit allen, die Vertrauen schenken,
die verlässliche Wegbegleiter sind,
die mutig vorangehen oder folgen, aber sich nicht selbst aufgeben.
Für sie bitten wir:
Bewahre ihre Stärke.

Sei mit uns allen, unser Gott. Auf dich hoffen wir. Gemeinsam beten wir:

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

*SEGEN* (die Hände zu einem Segenskörbchen falten)

Gott segne und behüte Dich.

Gott sorge für Dich.

Gott erfülle Dein Herz mit Liebe.

Amen.

 

Lied: Sende Dein Licht und Deine Wahrheit, Jean Sibelius

https://www.youtube.com/watch?v=WhZKCsre48A