Gottesdienst «zuhause» für den 9. Sonntag nach Trinitatis mit Pfarrerin Marion Werner, am 2. August 2026 um 10.00 Uhr
BEGRÜSSUNG:
Herzlich willkommen zum online Gottesdienst der lutherischen Kirche Zürich heute, am 9. Sonntag nach Trinitatis, dem 2. August 2026
Wir sammeln uns im Namen Gottes,
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
BILD: Morgenrot über den Alpen (Foto Martin Lichtler)
MUSIK zum Eingang: Edvard Grieg «Morgenstimmung»
https://www.youtube.com/watch?v=M7NLZDig9_U
GEBET
Lasst uns beten
Luthers Morgensegen:
Ich danke dir, mein himmlischer Vater,
durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn,
dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast,
und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel,
dass dir all mein Tun und Leben gefalle.
Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände.
Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.
Amen
Wir SINGEN : Morgenlicht leuchtet. Gesangbuch Nr. 455
https://www.youtube.com/watch?v=ZbwiDCKo54M
HINFÜHRUNG ZUM KYRIE
Nirgends Gott, außer bei dir,
gibt es einen Ort, an dem wir loswerden können, was uns beschwert:
Unsere Angst und unsere Sorgen;
Worte und Taten, mit denen wir Unfrieden gestiftet haben;
unsere Ungeduld und Rastlosigkeit;
unsere Bequemlichkeit und unser Beharrungsvermögen;
unsere Angst vor Veränderungen.
Du nimmst es von uns und gibst uns neue Kraft und neuen Mut.
Darauf wollen wir vertrauen, wenn wir zur dir rufen:
Kyrie eleison. Christe erbarme dich
Wir SINGEN : KYRIE
https://www.youtube.com/watch?v=PEc1QKJAFtw
Kyrie eleison.
Herr, erbarme dich !
Christe eleison!
Christe, erbarme dich!
Kyrie eleison!
Herr, erbarm dich über uns!
HINFÜHRUNG ZUM GLORIA: Gott, obwohl du um unsere Fehler und Schwächen weißt, erbarmst du dich deiner Kinder. Immer und immer wieder seit Menschengedenken. Wir loben dich und singen dir:
Wir SINGEN: GLORIA
https://www.youtube.com/watch?v=BTJ_Il2xkKk
EVANGELIUM für heute steht bei Matthäus im 13 Kapitel. Es geht um das Himmelreich.
44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker. 45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,
46 und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.
Ehre sei dir Herre
Amen
GLAUBENSBEKENNTNIS: Wir sprechen gemeinsam ein Glaubensbekenntnis von Wolfgang Lorenz und Bernhard Wolf
Ich glaube,
dass unsere Welt aus Gottes guten Händen kommt,
schön und unendlich reich an Farben und Formen,
wunderbar geordnet im Zusammenspiel der Kräfte
und dem Geflecht des Lebens.
Lebensraum für alle Kreaturen,
uns Menschen anvertraut, ihn zu bebauen und zu bewahren,
noch nicht am Ziel, sondern immer noch im Werden.
Ich glaube, dass Jesus Christus die Hoffnung ist für unsere Welt.
Mitleidend mit allen Geschöpfen bis hin ans Kreuz,
will er in vorbehaltloser Liebe uns dazu befreien,
leben zu lernen im Einklang mit unserm Schöpfer,
teilzuhaben an seiner Macht, Krankes zu heilen,
Hass, Unfrieden und Resignation zu überwinden.
Als Auferstandener will er uns erwecken zu neuem Leben.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
der uns die Augen öffnet für das göttliche Geschenk der Vergebung,
uns beflügelt zu klarsichtigem Handeln,
und uns zueinander führt in der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes,
über Parteien- und Ländergrenzen hinweg zu gemeinsamem Tun
im Dienste des Lebens zum Lobe Gottes
in der Hoffnung auf Vollendung.
Amen
LIED: Wir singen: Grosser Gott wir loben dich.
https://www.youtube.com/watch?v=qpSx67yCzpc
Predigt: Felsen erzählen

BILD: Castelejo Felsen
An der Algarve stehen Felsen, die über 350 Millionen Jahre alt sind.
Damals gab es noch keine Alpen. Keine Menschen. Keine Sprache. Keine Kirchen.
Diese mächtigen Felsen waren einst nichts weiter als feiner Schlamm und Sand auf dem Grund eines uralten Meeres. Über Millionen von Jahren wurden sie gepresst, versteinert, gefaltet, aufgerichtet und schliesslich von Wind und Meer geformt. In unseren Ferien stand ich davor und empfand viel Ehrfurcht. Ich ahnte die ungeheuerlichen Kräfte, die hier gewirkt haben und konnte den immensen Zeitraum kaum fassen, den es dazu gebraucht hat.
Ich empfand Ehrfurcht und auch Demut vor diesen Felsen.
Nicht weil sie laut sind.
Sondern weil sie schweigen.
Und ihr Schweigen spricht.
Und gerade dieses Schweigen erzählt eine Geschichte, die viel größer ist als wir selbst.
„Die Himmel erzählen die Ehre Gottes.“ (Psalm 19) – heisst es im Psalm 19.
Vielleicht könnte man ergänzen: Auch die Felsen erzählen.

BILD Castelejo
Die dunklen Felsen von Castelejo gehören zu den ältesten Gesteinen der Algarve. Sie entstanden vor rund 350 Millionen Jahren aus Schlamm und Sand, die sich auf dem Grund eines tiefen Ozeans ablagerten. Als später Kontinente zusammenstiessen, wurden diese Gesteinsschichten unter gewaltigem Druck zusammengepresst, gefaltet und teilweise fast senkrecht aufgerichtet. Die wilden Formen, die wir heute sehen, sind das Ergebnis dieser gewaltigen Kräfte – und der unermüdlichen Arbeit von Wind und Atlantikwellen über Millionen von Jahren.

BILD Alpen (Foto Martin Lichtler)
Die Alpen, die uns zu Hause so mächtig und uralt erscheinen, sind im Vergleich dazu noch jung. Sie wurden vor allem in den vergangenen rund 30 bis 40 Millionen Jahren durch die Kollision der afrikanischen mit der europäischen Erdplatte aufgefaltet. Auch sie erzählen von ungeheuren Kräften, von Bewegung und Veränderung, von Geduld und unvorstellbar langen Zeiträumen.

BILD: Ponte de Piedad
Ganz anders sind die goldenen Felsen der Ponta da Piedade. Sie sind mit etwa 20 Millionen Jahren geologisch noch jung und entstanden in einem warmen, tropischen Flachmeer, das einst die Algarve bedeckte. Der helle Kalkstein besteht aus den Überresten unzähliger Muscheln, Korallen, Algen und anderer Meerestiere. Regen und Meer haben den weichen Kalkstein im Laufe der Zeit zu Höhlen, Bögen und den berühmten Felsnadeln geformt, die heute zu den Wahrzeichen Portugals gehören.

BILD: Meer und Felsen
Wir Menschen leben vielleicht achtzig oder neunzig Jahre. Im Vergleich zu diesen Felsen sind wir ein Wimpernschlag, ein Hauch.
Und genau deshalb versuchen wir oft, möglichst viel in unser Leben hineinzupacken. Wir wissen wie kurz das Leben ist und wollen so viel tun und so viel erreichen und so viel erleben.
Wir eilen. Wir planen. Wir sorgen uns. Wir möchten etwas hinterlassen.
Wir glauben manchmal sogar, dass alles an uns hängt.
Und die Felsen – in ihrer Ruhe und Beständigkeit höre ich sie flüstern:
Warum hast du solche Eile?
Ja, warum habe ich Eile? Warum sind wir Menschen so unruhig und oft so gestresst?
Die Felsen lehren Geduld. Sie lehren nicht mit Worten. Sondern indem sie einfach da sind.
Felsen lehren Ruhe. Sie lehren, dass Grosses Zeit braucht.
Ein Centimeter pro Jahr. Eine Welle nach der anderen. Ein Regentropfen nach dem anderen.
Und irgendwann entstehen Landschaften, die Menschen aus aller Welt bestaunen.
Vielleicht gilt das auch für Gottes Wirken.
Wir wünschen uns schnelle Antworten. Sofortige Lösungen. Veränderung bis morgen.
Gott arbeitet oft anders. Langsamer. Tiefer. Beständiger. Und das ist gut so.

BILD: Steilküste Algarve
Ich stehe vor diesen Felsen. Sie sind uralt. Sie kennen den Namen dessen nicht, der gestern dort stand. Sie erinnern sich weder an Könige noch an Touristen.
Das könnte deprimierend sein.
Und dann drängt sich mir ein Gedanke auf, ein schöner, leuchtender Gedanke. Auch er macht demütig, aber auch freudig und lässt aufatmen.
Die Felsen kennen meinen Namen nicht. ABER Gott kennt ihn.
Die Felsen erinnern sich nicht an mich. ABER Gott vergisst mich nicht.
Gott erinnert sich an mich und an dich. Wir sind ihm wichtig.
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Unsere Bedeutung liegt nicht darin, dass wir möglichst lange Spuren in dieser Welt hinterlassen.
Unsere Bedeutung liegt darin, dass wir von Gott gekannt und geliebt sind. Heute und hier in unserem kurzen oder längeren Leben.
Im Psalm 8 heisst es: „Wenn ich den Himmel sehe, deiner Finger Werk … was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“ Als ich vor den Felsen stand, klang der Psalm anders in meinem Inneren: Wenn ich diese Felsen sehe, deiner Finger Werk – was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?
Die Felsen der Algarve und unsere Berge zu Hause sagen uns: Die Welt hat nicht mit uns begonnen, und sie wird nicht von uns getragen. Wir sind nur für einen kurzen Augenblick hier – ein Wimpernschlag in der Geschichte der Erde. Und dennoch dürfen wir staunen, wahrnehmen und fragen:
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Vielleicht liegt gerade darin das Wunder: Vor diesen uralten Felsen werden wir klein. Aber vor Gott sind wir nicht unbedeutend. Derselbe Gott, dessen Grösse Himmel, Meer, Felsen und Berge verkünden, sieht auch unser kurzes Leben.
Er kennt uns.
Er denkt an uns.
Und er vertraut uns diesen einen kostbaren Lebensabschnitt an.
Ihn sollen wir treu gehen und gestalten und uns daran erfreuen.
Und Gott vertraut uns seine Erde an. Nicht damit wir sie beherrschen, ausbeuten und verbrauchen, sondern damit wir sie bebauen und bewahren. Die uralten Felsen erinnern uns daran, dass diese Welt nicht mit uns begonnen hat und uns nicht gehört. Wir haben sie nur für eine kurze Zeit in unsere Hände gelegt bekommen.
Die Erde ist in Gottes Hand geborgen – und zugleich unserer Verantwortung anvertraut.
MUSIK: Querflöte von Bevani
https://www.youtube.com/watch?v=JER2ut7laY4
GEBET und VATERUNSER
Barmherziger Gott,
wenn wir auf deine Schöpfung schauen,
auf Himmel und Meer,
auf Berge und uralte Felsen,
dann staunen wir über deine Grösse.
Du bist Gott über Raum und Zeit.
Und doch verlierst du uns Menschen nicht aus dem Blick.
Du kennst unseren Namen.
Du kennst unsere Freude und unsere Sorgen,
unsere Unruhe und unsere Sehnsucht.
Wir danken dir, dass wir dir wichtig sind.
Schenke uns die Gelassenheit,
nicht alles selbst tragen zu müssen.
Lehre uns Geduld, wenn wir auf Antworten warten.
Lehre uns Vertrauen, wenn wir den Weg nicht sehen.
Und schenke uns offene Augen für die Schönheit deiner Schöpfung,
damit sie uns immer wieder zum Staunen führt und unser Herz weit macht.
Hilf uns, die Erde, die du uns anvertraut hast,
achtsam zu bebauen und zu bewahren.
Wir bitten Dich für die Opfer von Flucht und Fluten,
von grosser Hitze und Dürre.
Für Opfer von Kriegen, Hass und Ungerechtigkeit.
Schenk Mitleid, Mitdenken, Mithelfen,
wo Politik und Planungen und Hoffnungen versagen.
Segne unsere Schritte,
unsere Arbeit,
unsere Familien
und die Menschen, die uns anvertraut sind.
Lass uns unsere kurze Lebenszeit im Vertrauen darauf leben,
dass wir in deiner Liebe geborgen sind.
In der STILLE bringen vor dich, was unser Herz bewegt,
VATER UNSER im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Wir SINGEN: «Mögen sich die Wege vor deinen Füssen ebnen»
https://www.youtube.com/watch?v=YLZBKsSosCw
1) Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen,
mögest du den Wind im Rücken haben,
und bis wir uns wieder sehn, und bis wir uns wieder sehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.
2) Möge warm die Sonne auch dein Gesicht bescheinen,
Regen sanft auf deine Felder fallen,
und bis wir uns wieder sehn, und bis wir uns wieder sehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.
Verabschiedung:
Herzliche Einladung
Am Sonntag, den 10. August, zum Gottesdienst mit Pfr. Risel in die Martin Luther Kirche.
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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, und wir wünschen allen eine schöne und behütete Sommerzeit weiterhin!
Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern!
Marion Werner mit Thomas Risel
SEGEN
Der Herr segne und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen
MUSIK – wir schliessen mit Musik und Tanz
https://www.youtube.com/watch?v=qMG1BXo8Asg