Herzlich willkommen zu unserem Luther-Abendgebet am 14. Mai. Gemäss liturgischem Kalender befinden wir uns in einer besonderen Zeit: zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Zwischen dem Abschied von Jesus an Himmelfahrt und der Erfüllung des Versprechens, den Heiligen Geist als Stellvertreter zu schicken, was an Pfingsten gefeiert wird.

 Diese Woche erleben wir Mitten im bereits warmen Frühling auch etwas Regen und kältere Temperaturen. Zwischen dem 11. Und 15. Mai gedenkt die Katholische Kirche an die sogenannten Eisheiligen: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia. Die Erfahrung der Jahrhunderte und die alten Bauernregeln sagen uns, dass diese Tage die letzten Frostnächte des Frühlings bringen.

 Wir halten inne: Zeit der inneren Einkehr, in allen aktuellen Sorgen um den Frieden, um Zusammenhalt und Gerechtigkeit.

Zeit für Gedanken, Musik und Gebet.

Ich zünde eine Kerze an, in Dankbarkeit, in Vertrauen, in Hoffnung.

So sammeln wir uns heute Abend:

im Namen Gottes, Quelle und Ziel unseres Lebens,

im Namen Jesus Christ, Grund der Liebe

und im Namen der Heiligen Geistkraft, Fülle des Lebens.

Amen  

 In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt:  Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

 

LIED – zum Mitsingen oder zum Lauschen:

Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget.

https://www.youtube.com/watch?v=bPEffgbsTU8

GEBET: Wir beten gemeinsam

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist, mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen dieser Tage.

Mit Erschrecken über die Folgen der Klimaerwärmung,

der Kriege und der Ungerechtigkeiten dieser Welt,

aber auch mit persönlichen Sorgen und Ängsten und Gedanken die wir uns machen.

Wir kommen auch mit Freude und Dank.

Für so viel Kleines und Grosses in unserem Alltag und Leben.

So vieles, was nicht selbstverständlich ist.

Wir machen uns bewusst, du Gott, bist da.

Amen.

 

MUSIK: Felix Mendelssohn Bartholdy «Denn er hat seinen Engel befohlen über dir» Thomanerchor Leipzig

https://www.youtube.com/watch?v=Cymlsm8E6vU

 

FOTO: L`ange protecteuer_3 (Wikimedia)

 

L`ange protecteuer, Niki de Saint Phalle

L`ange protecteuer, der Schutzengel im Bahnhof Zürich – kennen Sie ihn? Gross und bunt und kurvig und unkonventionell hängt er seit dem 14. November 1997 in der Bahnhofshalle. Tausende von Menschen (man rechnet mit über 400.000 Besucher pro Tag) bewegen sich jeden Tag durch den Hauptbahnhof in Zürich und der Engel ist da: Er begrüsst, er verabschiedet, er erinnert: Gott ist da, du bist nicht allein.

Sicher, oft wird er in der Hektik des Alltags auch gar nicht wahrgenommen. Dennoch ist er da. So wie Gott da ist, auch wenn wir nicht an ihn denken oder ihn nicht sehen.

Die farbige Schutzengelsfrau – der Engel ist nämlich weiblich – ist 1,2 Tonnen schwer und 11 Meter lang. Sie war ein Geschenk der Firma Securitas zum 150-Jahr-Jubiläum der Schweizer Bahnen. Sie wurde in drei Teilen von den USA per Schiff über Rotterdam und Basel nach Zürich transportiert. Niki de Saint Phalle, die schweizerisch-französische Künstlerin, überwachte die Installation in 15 Metern Höhe persönlich.

Das farbige Kleid sowie die goldenen Flügel des Engels werden drei bis viermal im Jahr abgestaubt. Da Niki des Saint Phalle Wasserfarben benutzte, kann der Engel lediglich mit einem Staubwedel und einem Druckluftspray vorsichtig behandelt werden, sonst würde die Fabre verblassen. Aufwändig restauriert wurde er 2018.

Bei der feierlichen Einweihung am 14. November 1997 nannte die Künstlerin ihre bunte Engelsfrau, die ursprünglich von ihr als ein «Engel der Mässigung» geplant worden war, Schutzengel – L`ange protecteuer. Sie begründete das mit den Worten: «Jeder möchte sich beim Reisen beschützt fühlen. Und in der Welt, in der wir heute leben, brauchen wir erst recht einen besonderen Schutz».

 Ich sehe den Engel gern und spreche immer wieder mal, besonders aber am Ende der Konfirmandenreisen, bewusst mein Dankgebet. Es ist nicht selbstverständlich, dass man sicher reisen kann und auch behütet ist.

Die Autorin Luisa Aeberhard schrieb in «hellozurich»: «Ich schaue zur Engelsfrau hoch – da schwebt sie, wie eine füllige Mama, die sich um mich, einen ihrer Schützlinge, sorgt und mich in einen unsichtbaren Kokon einspinnt. In dieser Hülle eingebettet, ist das Gewusel vergessen. Ich fühle mich geborgen».

So wünsche ich es uns, dass wir, wenn wir durch den HB Zürich gehen, uns von der Engelsfrau daran erinnern lassen, dass Gott uns begleitet und uns in seien Armen Geborgenheit schenken will.

Amen

 BILD: Engel Nr. 1 Wikimedia

ABBA: I Have A Dream

https://www.youtube.com/watch?v=ER_3h03omdE

 Ich habe einen Traum:
Ein Lied, das ich sing’
Das mir hilft, mit allem fertig zu werden.
Wenn du das Wunder eines Märchens sehen kannst,
Dann kannst du die Zukunft angehen,
Wenn du auch scheitern magst.

Ich glaube an Engel
An das Gute in allem, das ich seh’
Ich glaube an Engel
Wenn ich weiß, dass die Zeit für mich gekommen ist,
Dann werde ich den Strom überqueren
Ich habe einen Traum

Ich habe einen Traum, eine Wunschvorstellung,
Um mir durch die Wirklichkeit zu helfen
Und mein Ziel ist der Mühe wert,
Um mich immer noch eine weitere Meile
Durch die Dunkelheit zu kämpfen.

Ich glaube an Engel
An das Gute in allem, was ich seh’
Ich glaube an Engel
Wenn ich weiß, dass die Zeit für mich gekommen ist,
Dann werde ich den Strom überqueren
Ich habe einen Traum

FÜRBITTE

Du Lebendiger,
wirst du uns deinen Geist senden?
Wirst du uns die Wahrheit zeigen,
uns ermutigen,
uns trösten,
uns retten,
beistehen?
Du hast es uns zugesagt.
Wir sind angewiesen auf dich,
Wir bitten um deinen Heiligen Geist.
Komm.

 Mit dir wächst der Mut.
Sei bei denen, 
die Verantwortung für andere übernehmen,
die überfallen, verprügelt und bespuckt werden,
bei denen,
die ihre Stimme erheben,
die mit Hass überzogen werden,
bei denen, 
die resignieren.
Dein Heiliger Geist weise die Angreifer zurecht.
Dein Heiliger Geist bewahre ihre Opfer.
Wir bitten:
Komm.

 Mit dir wächst der Friede.
Sei bei denen,
die mitten im Krieg leben,
die in Todesangst erstarren,
die verwundet werden,
die in Schutzräumen Sicherheit suchen
und keinen Schutz finden,
bei denen,
die auf Hilfe warten,
die verschleppt wurden,
bei denen,
die unentwegt hoffen,
die den Frieden suchen.
Dein Heiliger Geist weise die Kriegsherren zurecht.
Dein Heiliger Geist bewahre ihre Opfer.
Wir bitten:
Komm.

 Mit dir wächst der Trost.
Sei bei denen,
die von Schmerzen geplagt werden,
die unheilbar krank sind,
bei denen,
die sie umsorgen und pflegen,
bei denen,
die hoffen,
die genesen und neue Kraft schöpfen,
bei denen 
die den Kampf gegen den Tod verloren haben,
die trauern und weinen.
Dein Heiliger Geist umhülle sie mit Liebe.
Wir bitten:
Komm.

 Mit dir wächst der Glaube.
Sei bei deiner weltweiten Kirche,
bei unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden,
bei denen,
die an dir festhalten
und dein Wort lieben,

bei allen, die von deiner Kirche enttäuscht sind,
die verletzt und missbraucht wurden.
Dein Heiliger Geist segne uns und alle,
die zu uns gehören.
Wir bitten für heute und morgen und alle Tage:
Komm.
STILLE

Vaterunser… geheiligt werde dein Name;

dein Reich komme;

dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.   Amen.

 

SEGEN:

Empfangt den Segen Gottes

Geh unter Gottes Schirm und Schutz,
Er bewahre dich vor Unglück und Streit,
er bewahre deinen Leib und deine Seele.
Gott schenke dir die Fähigkeit der Ruhe,
ein Herz, dem Unrast fremd ist,
und Zeit, einzukehren bei anderen und bei dir selbst.
Gott mache dein Herz froh und deinen Schritt fest,
Er lasse dich willkommen sein, wo immer du hingehst
und gebe dir immer wieder Gelegenheit zum Staunen.
Gott führe dich sicher heim
und schenke uns ein fröhliches Wiedersehen.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Verabschiedung:

Am Sonntag, den 19. Mai feiern wir das Pfingstfest. Im Gottesdienst mit Abendmahl werden unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden unter den Segen Gottes gestellt und konfirmiert. Pfr. Thomas Risel und Pfrin. Marion Werner gestalten den Gottesdienst gemeinsam mit unserem Organisten Christian Gautschi.

—————————————————

Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft! Wir wünschen allen ein gesegnetes Pfingstfest und eine behütete Frühlingszeit!

Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern!

Marion Werner und Thomas Risel

 

MUSIK: Improvisation «Der Tag, mein Herr, ist nun vergangen»

https://www.youtube.com/watch?v=8WD65JsbM5k