Zeit für Gedanken, Musik und Gebet inmitten von Dankbarkeit und auch Sorgen des Alltags und der Welt

 BILD:  Berge mit Blumen

Wir sind in der sogenannten Trinitatiszeit angekommen, eine Zeit ohne grossen Festen. Die grüne Farbe in der Kirche erinnert uns, wir haben nun Zeit über Vieles nachzudenken, wir dürfen uns die Zeit nehmen innerlich zu wachsen.  

 So sammeln wir uns heute Abend:

im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes

die uns verbinden zwischen Himmel und Erde.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Amen.

 In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt:  Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

 Wir entzünden eine Kerze

 BILD Kerze

Wir beten:

Herr, ich zünde eine Kerze an.

Still brennt und leuchtet sie vor mir.

Lass sie für mich Licht von deinem Lichte sein.

Ich möchte ruhig werden,

den Tag in deine Hände zurücklegen.

Jesus, unser Bruder, du kennst mich.

Schau auf die Kerze und auf ihr Licht,

nimm sie an als mein Gebet.

Und wenn ich schweige, dann soll sie dir deutlich machen,

dass mein Anliegen weiter in deiner Gegenwart bleiben möchte.

Jesus, du hast gesagt: «Ich bin bei euch alle Tage eures Lebens».

Schenke mir Mut und Kraft den Weg zu gehen, der vor mir liegt.

Lass mich auf diesem Weg erfahren, dass deine Liebe mich hält und trägt.

Amen

 LIED: Wir singen oder lauschen «Herr bleib bei mir, der Abend bricht herein».

https://www.youtube.com/watch?v=6jifqtP9iik

 

Bleib bei mir, Herr! Der Abend bricht herein.
Es kommt die Nacht, die Finsternis fällt ein.
Wo fänd ich Trost, wärst du mein Gott nicht hier?
Hilf dem, der hilflos ist: Herr, bleib bei mir!

Wie bald verebbt der Tag, das Leben weicht,
die Lust verglimmt, der Erdenruhm verbleicht;
umringt von Fall und Wandel leben wir.
Unwandelbar bist du: Herr, bleib bei mir!

Ich brauch zu jeder Stund dein Nahesein,
denn des Versuchers Macht brichst du allein.
Wer hilft mir sonst, wenn ich den Halt verlier?
In Licht und Dunkelheit, Herr, bleib bei mir!

Von deiner Hand geführt, fürcht ich kein Leid,
kein Unglück, keiner Trübsal Bitterkeit.
Was ist der Tod, bist du mir Schild und Zier?
Den Stachel nimmst du ihm: Herr, bleib bei mir!

Halt mir dein Kreuz vor, wenn mein Auge bricht;
im Todesdunkel bleibe du mein Licht.
Es tagt, die Schatten fliehn, ich geh zu dir.
Im Leben und im Tod, Herr, bleib bei mir!

 GEDAKEN Kirche, Orte der Stille

 Liebe Gemeinde,

gestern sprach ich mit einem Pfarrkollegen im Kanton Schwyz. Hier wurde gerade ein neues und sehr schönes Altenheim gebaut, das mein Kollege letzte Woche zum ersten Mal besucht hat.

Dabei musste er feststellen, dass die jungen Architekten an alles gedacht hatten, nur nicht an einen Andachtsraum. Diesem neuen Haus fehlt der Andachtsraum. Ein grösserer Raum, in dem man sich zur Andacht versammeln kann, aber auch um die Toten bei einer grösseren Trauerfeier zu verabschieden. Es gibt einen Speisesaal, eine kleine helle Cafeteria und auch einen kleinen Raum, um Tote aufzubahren. Aber keinen Andachtsraum.

Für meinen Kollegen ist das ein Sinnbild dafür, wie Kirche und Spiritualität in der Gesellschaft immer weniger eine Rolle spielen. Er klagt über die Kirchenaustritte und die kleiner werdenden Gemeinden.

 Geht man in Zürich in eine der Altstadtkirchen, ins Grossmünster zum Beispiel, ist es anders. Täglich besuchen mehrere hundert Menschen die Kirche, in der Hochsaison sind es bis zu 2000 Menschen. Sie gehen nicht nur hinein, um das Bauwerk zu bewundern. Nein, viele suchen die Nähe Gottes. Sie wollen ruhig werden – das kann man in der kleinen 12 Boten-Kapelle. Sie wollen beten. Sie wollen ein Gespräch. Deswegen sind im Grossmünster auch während der Öffnungszeiten immer Seelsorger da und die Besucher können mit kurzen Musik- und Gebeteinheiten zur Ruhe kommen.

Viele Menschen suchen und brauchen immer noch die Nähe Gottes, haben eine Ahnung davon, dass es mehr gibt, als wir sehen und anfassen können. Viele brauchen die Kirchen als Orte, an denen sie Gott näherkommen, Orte, an denen sie sich angenommen fühlen, so wie sie sind.

 Beides gehört zu unserer Zeit. Dass die Rolle der Kirche kleiner wird. Sie ist nicht mehr die grosse Volkskirche von einst, zu der selbstverständlich alle gehören. Nein, sie wird zur kleineren Gemeinschaft der Glaubenden, die sehr bewusst und treu dabei sind.

Als Gebäude – werden manche Kirchen umfunktioniert. Andere aber bieten vielen Menschen einen Ort, an dem sie mit ihren Fragen und Hoffnungen, mit ihrem Dank und mit ihrer Verzweiflung aufgefangen werden und Geborgenheit erleben. Dabei ist es für die Menschen nicht mehr so wichtig, zu welcher Konfession, ja Religion sogar sie gehören. Sie suchen die Nähe Gottes inmitten der Sorgen des eigenen Lebens und der Bedrohungen der Welt.

Und Kirchen sind sehr besondere Orte, Orte der Berührung von Himmel und Erde, von Gott und Mensch. In diesem Sinne sind sie «heilig» also herausgehoben aus dem Alltäglichen. Denn in diesen Kirchen haben schon seit vielen Jahren und Jahrhunderten Menschen ihre Tränen, Sorgen und Gebete vor Gott gebracht und sind getröstet und gestärkt worden. Menschen haben ihr Lachen und ihre Freude geteilt. Menschen sind getröstet worden und ihnen wurde Hoffnung geschenkt. Kirchen sind Orte, wo wir angesehen werden und angenommen sind.

 Bild Martin Luther Kirche

Ein zweites Gespräch hatte ich zufällig ebenfalls gestern mit einer Bekannten, sie ist Religionslehrerin in der Nachbargemeinde. Sie sagte mir, dass ihr die Pfingstpredigt immer noch nachgeht. Im Pfingstgottesdienst hatte der Pfarrer davon erzählt, wie Gott den Heiligen Geist geschickt hat und die Menschen vor 2000 Jahren angesprochen hat. Die Gemeinde hat der Pfarrer mit der Frage entlassen: «Wo höre ich die Stimme Gottes heute in meinem Alltag?». Diese Frage ist meiner Bekannten seither nachgegangen. Sie fand, unsere Welt ist so laut geworden, überall Geräusche und Worte, Medien, die uns umgeben. Sogar wenn man auf der Rigi oben ist, ist es nicht mehr still, weil der Berg so beliebt ist, dass man immer Menschen antrifft. Für sich stellte meine Bekannte fest, der Gottesdienst und die Kirche sind Orte der Ruhe, wo sie die Stimme Gottes zu hören versucht.

Dazu hat sie den Kindern eine Geschichte erzählt, die ich uns heute zum Abschluss vorlesen möchte.

 Der alte Jim

Dem Pastor einer Gemeinde in Kenia fiel ein alter, ärmlich wirkender Mann auf, der jeden Mittag um 12 Uhr die Kirche betrat und sie schon nach kurzer Zeit wieder verließ. Eines Tages wartete der Pastor auf den Mann und fragte ihn, was er denn in der Kirche tue.

Der alte Mann antwortete: „Ich gehe hinein, um zu beten!”

Auf die verwunderte Feststellung: „Aber Du bist niemals lange genug in der Kirche, um wirklich beten zu können?!” erklärte der alte Mann: „Ich kann kein langes Gebet sprechen, aber ich komme jeden Tag um 12 Uhr vorbei und sage: Jesus, hier ist Jim! Dann warte ich eine Minute und er hört mich.“

Nach einiger Zeit kam der alte Jim mit einer Verletzung seines Beines ins Krankenhaus. Die Schwestern stellten fest, dass er auf alle anderen Patienten einen heilsamen Einfluss hatte. Die Nörgler wurden zufrieden, die Ängstlichen gewannen neue Zuversicht, die Traurigen wurden fröhlich. Und es wurde viel gelacht in Jims Zimmer.

„Jim“, sagte die Stationsschwester eines Tages zu ihm, „die anderen Männer sagen, dass du diese Veränderung herbeigeführt hast. Du bist immer glücklich!“ – „Ja, Schwester, ich kann nichts dafür, dass ich immer so fröhlich bin. Das kommt durch meinen Besucher.” 

Die Schwester hatte bei Jim noch nie Besuch gesehen, denn er hatte keine Verwandten und auch keine näheren Freunde hier.

„Dein Besucher?“ fragte sie, „wann kommt er denn?“ – „Jeden Tag um 12 Uhr mittags“, antwortete Jim. „Er kommt herein, steht am Fußende meines Bettes und sagt: Jim, hier ist Jesus!“

 MUSIK: Piao Guys

https://www.youtube.com/watch?v=QgaTQ5-XfMM&list=RDEMdVnVIAwYlB4zIe31nRwa4Q&start_radio=1

 FÜRBITTE von Katharina Wifel-Jenner

Du sprichst auch heute,
ewiger Gott.
Du berufst Menschen,
die deine Barmherzigkeit zeigen,
die der Gerechtigkeit helfen,
die dem Frieden dienen.
Du sprichst,
ewiger Gott,
damit deine Schöpfung auflebt.

Wir bitten dich
für die Menschen,
die zuhören,
die die anderen respektieren,
die Brücken bauen,
die Verständigung ermöglichen.
Ihre Freundlichkeit belohne,
ihre Geduld stärke,
ihre Worte und Taten segne.
Erhöre uns.

 Wir bitten dich
für die Menschen,
die ihre Ohren und Herzen verschließen,
die die Wahrheit verachten,
die Hass verbreiten,
die die Gewalt feiern.
Ihre Herzen verwandele,
ihre Pläne durchkreuze,
ihre Opfer beschütze.
Erhöre uns.

 Wir bitten dich
für die Menschen,
die durch Krieg und Gewalt leiden,
die Verletzten,
die Traumatisierten,
die Verschleppten und Flüchtenden.
Ihre Wunden heile,
ihrer Angst antworte,
ihre Zukunft segne.  
Erhöre uns.

 Wir bitten dich
für deine gute Schöpfung
und ihr Leiden.
Für die Opfer der Fluten,
in unserer Nachbarschaft,
in Brasilien, 
auf Papua-Neuguinea.
Rette und bewahre sie.
Erhöre uns.

 Wir bitten dich
für deine Gemeinde,
die Kranken,
die Suchenden,
die Trauernden, 
Ihre Schmerzen lindere,
ihre Hoffnung erfülle,
ihre Trauer tröste. 
Erhöre uns.

Ewiger Gott,
du sprichst heute.
Sprich zu uns,
sprich durch uns,
öffne unsere Herzen und Hände
durch Jesus Christus,
dein lebendiges Wort in unserer Mitte.

 In der Stille bringen wir vor dich, was uns persönlich wichtig ist

STILLE

 Vaterunser… geheiligt werde dein Name;

dein Reich komme;

dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.   Amen.

 

SEGEN

Aus Panama

Göttliche Kraft stärke deinen Rücken,
so dass du aufrecht stehen kannst, wo man dich beugen will.

Göttliche Zärtlichkeit bewahre deine Schultern,
so dass die Lasten, die du trägst, dich nicht nieder drücken.

Göttliche Weisheit bewege deinen Nacken,
so dass du deinen Kopf frei heben und ihn dorthin neigen kannst,
wo deine Zuneigung vonnöten ist.

Göttliche Zuversicht erfülle deine Stimme,
so dass du sie erheben kannst, laut und klar.

Göttliche Kraft stärke deine Füsse,
so dass du auftreten kannst, fest und sicher.

Göttliche Sorgfalt behüte deine Hände,
so dass du berühren kannst, sanft und bestimmt.

Göttlicher Segen sei mit Dir!

 Bleibt zuversichtlich, denn Gott ist da. Amen

 

Verabschiedung:

Herzliche Einladung zum Bachkantaten- Wochenende.

Am Samstag, den 1. Juni erklingt die Kantate von J.S. Bach «Die Elenden sollen essen» um 12.15 Uhr in der Augustinerkirche mit musikalischen und theologischen Erklärungen.

Am Sonntag, den 2. Juni wird sie im Bachkantaten-Gottesdienst um 10.00 Uhr in der Augustinerkirche nochmals aufgeführt. Im ökumenische Gottesdienst Predigt Pfr. Risel und es wird Abendmahl gefeiert.  

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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, viele seit über 300 Ausgaben, und wir wünschen allen eine schöne und behütete Frühlingszeit weiterhin!

Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern!

Marion Werner und Thomas Risel

 

MUSIK: Voices8 «May It Be»

https://www.youtube.com/watch?v=x7M5ZqFSynQ