Guten Abend und herzliche willkommen zum 397 Luther Abendgebet am 18. Februar 2026.
Heute ist Aschermittwoch. Die Fasnachtszeit, die ausgelassene Zeit der Masken, kommt zu einem Ende – ausser natürlich in Basel, wo sie erst noch beginnt.
Heute, am Aschermittwoch beginnt die Passionszeit.
Eine Zeit, die uns einlädt zur Besinnung, zum Innehalten, zur Einkehr, zur Umkehr, zum Verzicht.
Passionszeit – sie lädt ein, zu kleinen Veränderungen im Alltag, die uns aufmerksam machen und neue Erfahrungen ermöglichen.
Passionszeit – ihr Wunsch und ihre Hoffnung an uns ist es, dass wir uns selbst wieder hören und spüren, dass wir die anderen genauer sehen und verstehen, dass wir Gott erfahren und für ihn durchlässig werden.

BILD: Schneeglöckchen mit Marienkäfer
Ich zünde eine Kerze an, gegen das Dunkel, für den Frieden, für Vertrauen, für die Hoffnung.
So sammeln wir uns heute Abend:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,
im Namen Jesu Christi, dem Herrn und Bruder, der uns im Leiden trägt und hilft,
und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns verbindet zwischen Himmel und Erde.
Amen
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.
GEBET
Gott, jetzt und hier rufe ich zu dir.
Zeige mir dein Angesicht
Ich bringe mich und alles mit,
was mich in den letzten Tagen beschäftigt hat.
Laß mich jetzt ganz bei dir sein,
nimm fort von mir, was mich hindert, zu dir zu kommen,
Sei du für mich da, sei für uns da.
Schenke uns Geborgenheit.
Wecke gute Gedanken in uns.
Beflügele uns durch deinen Geist,
Amen
MUSIK: Naomi Scott an der Marimba «Speechless»
https://www.youtube.com/watch?v=XpwCV3Y6Rh0
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
„7 Wochen Ohne“ ist eine mittlerweile internationale deutschsprachige Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland, die jedes Jahr in der Passions- oder auch Fastenzeit stattfindet. Sie beginnt am Aschermittwoch und endet am Ostersonntag. Die Fastenaktion hat inzwischen jährlich über drei Millionen Teilnehmende.
Die Reformatoren hatten Fasten als gutes Werk, durch das man sich die Liebe Gottes verdient, abgelehnt. Sie sahen im Fasten nur noch eine freiwillige Übung, um sich auf Ostern vorzubereiten. Und so geriet es aus der Mode. Erst durch die Aktion «7 Wochen ohne» wurde die alte Tradition der Gestaltung der Zeit vor Ostern wieder populär gemacht. Wir folgen in der Passionszeit den thematischen Schwerpunkten von «7 Wochen ohne»
Menschen sind eingeladen, Alltagsgewohnheiten zu überdenken: Sie verzichten nicht (nur) auf Schokolade oder Nikotin oder Internet oder andere Sachen, sondern folgen der Einladung zum Fasten im Kopf: sieben Wochen lang die Routine des Alltags hinterfragen, eine neue Perspektive einnehmen, entdecken, worauf es ankommt im Leben.
Dieses Jahr lautet das Motto der Fastenaktion «Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Natürlich drängen sich bei diesem Motto gleich Fragen auf: Braucht es nicht auch Härte? Braucht es nicht Klarheit und Entscheidungskraft? Welcher Härtegrad ist heilsam und welcher toxisch?

Bild: Fastenaktion „7 Wochen ohne“ von der Interetseite
Ralf Meister, der Landesbischof von Hannover, der die Fastenaktion unterstützt, schreibt dazu auf der Internetseite der Fastenaktion:
«Liebe Mitfastende,
weit draußen im Weltall soll es einen Planeten geben, der zu einem Drittel aus Diamant besteht. Eine Welt aus dem härtesten Stoff, den wir kennen. Eine faszinierende Vorstellung. Bei uns auf der Erde ist Härte auf andere Weise allgegenwärtig. Sie zeigt sich etwa in Unbarmherzigkeit und Gewalt. Zahllose Menschen erleben sie an Leib und Seele. Wir selbst legen oft eiserne Panzer an, um uns zu schützen. Und verletzen uns damit umso mehr. Wie anders tritt Gott unserer Welt gegenüber. Ungeschützt, mitfühlend. „Also hat Gott die Welt geliebt“, so heißt es in Johannes 3,16. Was für ein heilender Umgang!
Die Fastenaktion steht in diesem Jahr unter dem Motto „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Für sieben Wochen treten wir bewusst aus der Praxis und den Bildern der Härte heraus. Wir fühlen uns ein in den Blick Gottes auf unsere Welt. Wir üben uns in einem mitfühlenden Umgang miteinander. Kein Stoff, und sei er hart wie Diamant, schützt vor den Verletzungen des Lebens und der andern Menschen. Doch Anteilnahme, ein mitfühlender Blick, ein erlösendes Wort können befreiend sein.
„Sie umarmten sich lange. Sie hielten sich so fest, wie es Menschen tun, die etwas miteinander erlebt haben, was so schrecklich ist, dass sie darüber nicht sprechen können. Sie weinten.“ Vor Jahrzehnten las ich einmal diese Zeilen, die ich der Erinnerung nach wiedergebe.
Das können wir tun: einander festhalten im Schmerz und auf den Weg Gottes schauen, der uns herausführen kann. Lassen Sie uns mit Gefühl durch die Passionstage gehen, auf Ostern zu. Lassen Sie uns fühlen, wie lebendig das Leben sein kann, wenn es jenseits aller Härte neu wird! Schön, dass Sie dabei sind». – so weit die Worte von Bischof Meister.
So sind auch wir eingeladen, in diesen sieben Wochen innezuhalten, weicher zu werden, achtsamer mit uns selbst und miteinander umzugehen. Vielleicht gelingt es uns, ein offeneres Herz zu wagen, ein freundlicheres Wort zu sprechen, geduldiger zuzuhören oder uns selbst mit mehr Nachsicht zu begegnen.
Amen
Musik: «Ins Wasser fällt ein Stein»
https://www.youtube.com/watch?v=mcKtl_HdAu0&list=RDmcKtl_HdAu0&start_radio=1
FÜRBITTE
von Christian Lehnert (VLKD)
Nun ist es Zeit, Gott,
umzukehren,
heimzukehren in deine Arme.
Du weichst nicht von unserer Seite
und sagst uns unentwegt:
Mein Reich ist euch ganz nah.
Wir bitten dich:
Unterbrich uns
und überwinde unseren Mangel an Vertrauen,
wenn wir in Sorgen ersticken,
uns in Ängsten vergraben,
wenn wir fest stecken in Routinen und Sackgassen,
in starren Meinungen und moralischem Hochmut,
wenn uns die Kraft fehlt, zu dir ins Offene zu lauschen.
Wir rufen: Gott, erbarme dich.
Wir bitten dich:
Unterbrich uns
und überwinde die immer schnelleren Spiralen der Gewalt,
wenn Menschen Feindbilder aufbauen,
um sich selbst zu bestätigen,
wenn sie getrieben sind von Macht- oder Habgier,
wenn in Krieg und Bürgerkrieg
das Blutvergießen zu immer neuem Blutvergießen führt.
Wir rufen: Gott, erbarme dich.
Wir bitten dich:
Unterbrich uns
und überwinde den strudelnden Sog der Lügen,
der Halbwahrheiten,
der Täuschungen, der Zensur und Desinformation,
wenn Menschen manipuliert und gelenkt werden sollen,
wenn Menschen Angst haben vor anderen Meinungen
oder vor der Komplexität unserer Welt,
wenn Menschen sich verschließen in ihre engen Horizonte.
Wir rufen: Gott, erbarme dich.
Wir bitten dich:
Unterbrich uns
und überwinde den Mangel an Hoffnung,
wenn Menschen sich resigniert zurückziehen,
wenn sie nur noch funktionieren und im Hamsterrad ihrer Pflichten laufen,
wenn sie Schuld verschweigen
und mitleidlos werden gegenüber anderen und sich selbst.
Wir rufen: Gott, erbarme dich.
Es ist Zeit, Gott,
umzukehren.
Wende du unsere Blicke,
wende du unsere Wege
hin zu dir. „Komm rüber“ zu uns, wir gehen Dir entgegen.
Mit den Worten deines Sohnes beten wir gemeinsam:
Vaterunser im Himmel,
geheiligt werde dein Name;
dein Reich komme;
dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
SEGEN
Es segne dich der liebende Gott:
Er behüte dich auf deinem Weg.
Sie sei dir nahe in schweren Zeiten, wie ein Quell in der Wüste.
Er sei dir das Feuer unter der Asche.
So segne euch der gute und immer treue Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist
Verabschiedung:
Herzliche Einladung zum ökumenischen Abendmahlsgottesdienst am Sonntag, 22. Februar, 10.30 Uhr, in der Antonius Kapelle in Wettingen mit Pfarrerin Marion Werner und Pfr. Theo Pindl.
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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, und wünschen allen, auch denen, die noch in den Ferien unterwegs sind, eine behütete Zeit!
Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist und bleibt da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern!
Marion Werner und Thomas Risel
MUSIK zum Abend: Bleib bei mir Herr, der Abend bricht herein
https://www.youtube.com/watch?v=6jifqtP9iik&list=RD6jifqtP9iik&start_radio=1