Herzlich willkommen zum 412. Luther-Abendgebet am Mittwoch, den 17. Juni. Zeit für Gedanken, Musik und Gebet inmitten von Dankbarkeit und auch Sorgen des Alltags und der Welt. Heute mit einer Einladung in die Kirche Sagrada Familia in Barcelona
Ich zünde eine Kerze an für den Frieden, den Gott mir geben will.
(Kurz innehalten und die Flamme betrachten)
Herr, du bist mein Licht und meine Zuflucht. Ich lege alle Sorgen und Unruhe in deine Hände.
Lass mich still werden vor dir und deinen Frieden in mir spüren
BILD Sagrada Familia (Wikipedia)
So sammeln wir uns heute Abend:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter liebt,
im Namen Jesu Christi, der uns Licht und Freiheit schenkt,
und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns untereinander verbindet.
Amen
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.
LIED: Berliner Philharmoniker spielen in der Sagrada Familia und lassen uns die Kirche bestaunen
https://www.youtube.com/watch?v=7HJaQosZIq8&list=RD7HJaQosZIq8&start_radio=1
Die Losung für heute aus dem Buch Jesaja 60,16.
«Ich, der Herr, bin dein Heiland, und ich, der Mächtige, dein Erlöser.
Der Lehrtext aus dem 1. Brief des Timotheus 4,10 «Wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt, welcher ist der Heiland aller Menschen, besonders der Gläubigen».
«Sucht ihr den Freund, den Retter, den Heiland? Er ist da! Der Herr kommt nicht im Wetter, im Kindlein ist er nah. Lobsingt dem Menschgeborenen mit aller Himmel Heer! Ja, freut euch, ihr Verlorenen, ihr Sünder, zagt nicht mehr» (Karl Krave)

BILD: Sagrada Familia Eingang (Wikipedia)
GEDANKEN Sagrada Familia
Die meisten von uns kennen die Sagrada Familia in Barcelona aus Bildern. Vielleicht waren einige aber auch schon dort. Millionen Menschen besuchen jedes Jahr diese aussergewöhnliche Kirche. In den vergangenen Tagen ist sie noch einmal besonders in den Blick geraten: Der neue Christus-Turm, der höchste Turm der Basilika, wurde vor einigen Tagen vom Papst eingeweiht. Damit ist ein weiterer wichtiger Schritt in einem Bauwerk vollendet worden, das vor über 140 Jahren begonnen hat.
1882 begann der Bau der Sagrada Familia. Gaudi widmete ihr den grössten Teil seines Lebens, obwohl er wusste, dass er die Vollendung nie erleben würde. Trotzdem arbeitete er mit Hingabe weiter. Denn er baute nicht für sich selbst, nicht für seinen Ruhm und nicht für einen schnellen Erfolg. Er arbeitete für etwas, das grösser war als sein eigenes Leben. Auf die Unmöglichkeit einer baldigen Fertigstellung angesprochen, antwortete Gaudi: „Mein Kunde hat keine Eile.“
Damit spielte er vor allem auf Gott, aber auch auf die Baudirektion an. Als er 1926 starb, war nur ein kleiner Teil fertig.

BILD: Sagrada Familia Innenraum (Wikipedia)
Gaudi war ein tiefgläubiger Mensch. Sein Glaube prägte nicht nur sein persönliches Leben, sondern auch seine Architektur. Er war überzeugt, dass die Natur die grösste Schöpfung Gottes ist. Deshalb studierte er Bäume, Pflanzen, Muscheln, Berge und Kristalle. Für ihn waren sie Ausdruck göttlicher Weisheit und Schönheit. Er sagte: «Die geschaffene Natur ist die göttliche Offenbarung.»
Wer die Sagrada Familia betritt, spürt etwas davon. Die Säulen erinnern an Baumstämme, die sich nach oben verzweigen wie Äste eines Waldes. Das Licht fällt durch die farbigen Fenster und erfüllt den Raum mit einer besonderen Atmosphäre. Man hat fast das Gefühl, nicht in einem Gebäude, sondern mitten in der Schöpfung Gottes zu stehen.

BILD: Sagrada Familia Decke (Wikipedia)
Ein Satz von Gaudi ist bis heute berühmt geworden: «Die gerade Linie ist die Linie des Menschen, die gebogene Linie ist die Linie Gottes.» In der Natur gibt es kaum vollkommen gerade Linien. Alles wächst, entwickelt sich, verändert sich. Vielleicht gilt das nicht nur für die Natur, sondern auch für unser eigenes Leben.
Wir wünschen uns oft klare Wege und eindeutige Antworten. Wir hätten gerne, dass alles nach Plan verläuft. Doch unser Leben kennt Umwege, Kurven und unerwartete Wendungen. Nicht alles entwickelt sich so, wie wir es uns vorgestellt haben. Manche Pläne bleiben unvollendet, manche Wünsche erfüllen sich erst viel später als gedacht. Und doch dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott auch auf den verschlungenen Wegen unseres Lebens mitgeht.
Der Segen der Umwege war Gaudi wichtig

BILD: Sagrada Familia Decke_2 (Wikipedia)
Besonders beeindruckend finde ich einen Gedanken Gaudis zur Demut. Der Christus-Turm der Sagrada Familia ist heute mit seinen 172,5 Metern der höchste Kirchturm der Welt. Dennoch plante Gaudi ihn bewusst etwas niedriger als den Hausberg von Barcelona. Er wollte damit ausdrücken, dass sich der Mensch niemals über die Schöpfung Gottes erheben soll. «Der Mensch darf Grosses schaffen, aber er bleibt Geschöpf» – sagte Gaudi. Nicht wir stehen im Mittelpunkt, sondern Gott.

BILD: Sagrada Familia Turm (Wikipedia)
Gaudi verstand die Sagrada Familia als eine «Bibel aus Stein». Die Kirche sollte nicht einfach ein schönes Bauwerk sein. Sie sollte von Gott erzählen, Menschen berühren und Hoffnung sichtbar machen. Wer sie betrachtet, soll etwas von Gottes Grösse, seiner Liebe und seiner Gegenwart erahnen.
Vielleicht ist das auch eine Frage an uns. Wofür bauen wir in unserem Leben? Was hinterlassen wir? Wo setzen wir unsere Kraft und unsere Zeit ein? Nicht jeder von uns baut eine Kirche. Aber jeder Mensch baut an etwas: an Beziehungen, an einer Familie, an einer Gemeinschaft, an seinem Glauben, an einer gerechteren Welt.
Die Sagrada Familia erinnert uns daran, dass wir nicht alles vollenden müssen. Manches wird erst nach uns wachsen und Früchte tragen. Unsere Aufgabe ist es, den nächsten Stein sorgfältig an seinen Platz zu setzen und darauf zu vertrauen, dass Gott das Werk weiterführt.
Denn oft sehen wir nur die Baustelle unseres Lebens. Gott aber sieht schon das fertige Bauwerk.
Amen.
BILD: Sagrada Familia Turm Früchte (Wikipedia)
Wir LAUSCHEN Bach: «Jesus bleibet meine Freude»
https://www.youtube.com/watch?v=T5Df7f_BLU8&list=RDT5Df7f_BLU8&start_radio=1
FÜRBITTE
Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde,
wir denken heute an die Sagrada Familia,
an ihre Säulen wie Bäume, an ihr Licht und ihre Schönheit.
Sie erinnert uns daran,
dass die ganze Schöpfung von dir erzählt und
dass wir Menschen Teil deines grossen Werkes sind.
Wir bitten dich für unsere Welt:
Für alle Menschen,
die unter Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeit leiden.
Für jene, die ihre Heimat verloren haben,
die Angst haben oder keinen Frieden finden.
Schenke ihnen Schutz,
Hoffnung und Menschen, die ihnen beistehen.
Wir bitten dich für alle, die Verantwortung tragen:
In Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.
Gib ihnen Weisheit und Weitsicht,
damit sie nicht nur an heute denken, s
sondern auch an die kommenden Generationen.
Wir bitten dich für die Schöpfung:
Für Wälder, Meere, Flüsse und Berge.
Für Tiere und Pflanzen, die unsere Erde mit uns teilen.
Bewahre uns davor, achtlos mit deinen Gaben umzugehen,
und lehre uns, die Schönheit und Verletzlichkeit deiner Schöpfung neu zu achten.
Wir bitten dich für uns selbst:
Wenn unser Leben einer Baustelle gleicht und wir den Weg nicht erkennen.
Wenn Pläne scheitern oder Träume unerfüllt bleiben.
Schenke uns Vertrauen, dass du weiterbaust, auch dort, wo wir nur Unvollendetes sehen.
Und wir bitten dich für deine Kirche weltweit:
Dass sie ein Ort des Lichtes und der Hoffnung bleibt.
Dass Menschen in ihr etwas von deiner Liebe erfahren.
Und dass wir selbst mithelfen,
an deinem Reich mitzubauen – Stein für Stein, Tag für Tag.
Denn du bist der Grund, auf dem wir bauen,
das Licht, das uns den Weg weist,
und die Hoffnung, die über unser eigenes Leben hinausreicht.
Was uns persönlich am Herzen liegt,
unseren Dank und unsere Bitte,
das bringen wir nun vor Gott.
Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name;
dein Reich komme;
dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
VERABSCHIEDUNG
Herzliche Einladung:
– zum Gottesdienst um 10.00 Uhr mit Pfarrerin Andrea Deminski in unserer Martin-Luther Kirche mit anschliessendem Kirchenkaffee
————————————————————
Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, und wünschen noch eine gesegnete Woche und einen schönen Abend.
Bleiben wir zuversichtlich. Denn Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern!
Pfarrerin Marion Werner mit Pfarrer Thomas Risel

BILD: Sagrada Familia Fenster (Wikipedia)
SEGEN
Empfangt den Segen Gottes
Gott segne und behüte dich
Gott lasse ihr Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden
Amen.
MUSIK zum Ausklang: Gabriel Fauré: „Cantique de Jean Racine“
https://www.youtube.com/watch?v=g16zSj6Ynko&list=RDg16zSj6Ynko&start_radio=1
Text: O Christus, ewiges Licht,
du strahlender Glanz des Vaters,
ergiesse dein Licht über uns,
damit unsere Herzen dich erkennen.
Gaudi sagte einmal, dass Licht die schönste Offenbarung Gottes sei. Deshalb spielt das Licht in der Sagrada Familia eine zentrale Rolle.