Guten Abend und herzlich willkommen zum 312. Luther Abendgebet am Mittwoch, den 12. Juni 2024. Zeit für Gedanken, Musik und Gebet inmitten von Dankbarkeit und auch Sorgen des Alltags und der Welt

So sammeln wir uns heute Abend:

im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter liebt,

im Namen Jesu Christi, der uns Licht und Freiheit schenkt,

und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns untereinander verbindet.

Amen

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt:  Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

MUSIK: Erik Satie: Gymnopédie No. 1

https://www.youtube.com/watch?v=cic1RNHXa-k  

 

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine KERZE und denke an den Frieden den Gott mir schenken will.

Ich lasse mich vom Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes und seinen Heiligen Geist zu öffnen.

BILD: Abend mit Kreuz

Gnädiger Gott,
diesen Tag habe ich heute Morgen aus Deiner Hand empfangen,
in Deine Hand lege ich ihn dankbar zurück.
Du hast meine Wege begleitet und mich behütet.
Ich bitte Dich, vergib, wo ich schuldig geworden bin:
an meinen Mitmenschen, an der Umwelt, an mir und an Dir.
Hilf mir verzeihen, wo andere mir Unrecht getan haben.

Bewahre in meinem Herzen die freudigen und unbeschwerten Momente des Tages,
dass ich von ihnen zehren kann an Tagen, an denen ich solche Erinnerungen brauche.

Sei bei allen Menschen, die mir lieb und wichtig sind,
bei denen, die Dich im Moment besonders brauchen,
in allen Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt.
Und schenk mir und Deiner Welt morgen einen neuen Tag.
Amen

MUSIK: Florence Joy: «Das ist mein Gebet»

https://www.youtube.com/watch?v=X5cGj4LofHo

 

Gedanken zur «Theologie der Hoffnung» von Jürgen Moltman

Am 3. Juni 2024 verstarb in Tübingen der bekannte Theologe Jürgen Moltmann im Alter von 98 Jahren. Seine Schriften, besonders seine «Theologie der Hoffnung» haben ihn weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht. Ich erinnere mich, seine Theologie der Hoffnung als Studentin kennengelernt zu haben. Sie hat mich beeindruckt.

 Wie kam es dazu? Moltmann ist in einer unkirchlichen Familie aufgewachsen. Eine frühe Erfahrung im Krieg liess ihn die Frage nach Gott stellen.

In einem Interview von 2016 erzählte er: «Für eine Woche waren tausend Flugzeuge über der Stadt Nacht für Nacht und haben Ost-Hamburg im Feuersturm vernichtet. Und in der letzten Nacht traf die Bombe auch uns und zerriss den Schulfreund neben mit und verschonte mich auf unerklärliche Weise. Und in jener Nacht habe ich zum ersten Mal nach Gott geschrien. Und die Frage war, die mich bis heute um Antwort suchen lässt, warum bin ich am Leben und nicht tot, wie der Freund neben mir. Wozu lebe ich?»

Als Luftwaffenhelfer geriet er am Ende des zweiten Weltkrieges in Kriegsgefangenschaft in ein Lager in Schottland. Dort ist er, nach eigenen Angaben, «zum christlichen Glauben gekommen».

Tröstlicher als die Gedichte von Goethe und Schiller fand er die Bibel. Psalm Gebete sprachen ihm aus der Seele, so erzählte er. Besonders der Psalm 39: «Ich bin verstummt und muss mein Leid in mich fressen, schweige nicht zu meinen Tränen Gott».

In der Bibel fand er auch einen Vers, der ihm half, das in Hamburg erlebte, in Worte zu fassen. Dieser Vers aus dem Buch Hiob 36,16 ist ein Lieblingsvers von Moltmann geblieben: «So reisst Gott auch dich aus dem Rachen der Angst in einen weiten Raum, wo keine Bedrängnis mehr ist; und an deinem Tische, voll von allem Guten, wirst du Ruhe haben».

Moltmann machte die Erfahrung, dass sich in Gott und im Gebet das Herz weitet und man ausspricht, was man sonst nicht aussprechen kann. Hier erlebt man Trost und auch neue Hoffnung.

 BILD: Jürgen Moltmann Wikipedia

Nach der Kriegsgefangenschaft studiert Moltmann evangelische Theologie in Göttingen, wo er auch promoviert. Er wird zuerst Studentenpfarrer und anschliessend Professor für Systematische Theologie, zuerst in Wuppertal, danach in Bonn und von 1967 bis zu seiner Emeritierung in Tübingen. Verheiratet war er mit der feministischen Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel.  

 Als Moltmann seine «Theologe der Hoffnung» schrieb, regten sich darüber viele auf. Selbst der «Spiegel» bezeichnete ihn als einen Revoluzzer. Für Moltmann war nämlich klar, «Christen müssen zu Kindern des Protestes werden. Intolerant gegenüber den Mächten des Status quo».

Im Römerbrief des Paulus entdeckt Molmann den Gott der Hoffnung und, dass das Reich Gottes nicht etwas ist, was erst am Ende der Zeit kommt, bzw. der Ort, wohin die Glaubenden nach dem Tod kommen. Das Reich Gottes ist ein Auftrag an die Christen: hier und heute die Welt zu verändern und zu verbessern. Hinzusehen, Augen und Mund nicht zu verschliessen, Hilfe nicht zu verweigern. Und dadurch die Welt im Sinne Gottes und seines Reiches zu verändern.

Diesem grossen theologischen Entwurf der Theologie der Hoffnung standen einige kritisch gegenüber. Andere haben sich dadurch ermutigen lassen.

Ich denke Moltmann erinnert uns bis heute daran, dass für Glaubende Menschen zwei Dinge immer zusammengehören: Der Zuspruch Gottes (also sein Versprechen uns zu begleiten, uns zu lieben und uns zu helfen) und der Anspruch Gottes (sein Auftrag an uns). Gott erwartet, dass wir mit unseren Talenten und Möglichkeiten an unserem Ort, die Welt verbessern.  

MUSIK: Da berühren sich Himmel und Erde

https://www.youtube.com/watch?v=gaUVv2pkB10

 

FÜRBITTE  

Wenn ich nicht weiß,

was ich beten soll,

so weiß ich doch:

Du bist da.

Du umgibst mich.

Du hörst auch

mein wortloses Gebet:

Mit meinem Atem

lobe ich deine Schöpfungskraft,

mit meinem Seufzen

klage ich dir alles Leid.

Mit meinem Strahlen

danke ich dir für deine Liebe,

mit meinen Händen

gebe ich deinen Frieden weiter.

Danke, Gott,

dass du mein Gebet nicht abweist

und deine Güte nicht

von mir nimmst!

 

Was mir persönlich wichtig ist, bringe ich in der Stille vor dich.

Meine Sorge …

Meine Angst…

Meinen Ärger…

Meinen Dank…

Meine Lieben…

Mich selbst …

 

Danke, dass du für mich da bist Gott

 

Vaterunser… geheiligt werde dein Name;

dein Reich komme;

dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.   Amen.

 

SEGEN

Empfangt den Segen Gottes:

Sommersegen von Pfrin. Iris Haidvogel

 

«Segne diese langen Tage:

Voll sind sie mit Sonne und Gelächter,

mit Eisbechern und Kirschmarmelade,

mit Vogelzwitschern und Regenbögen.

Segne diese langen Tage:

Gefüllt sind sie

mit Prüfungsangst und Arbeitslast,

mit trüben Gedanken und schweren Schritten

mit Notendruck und Erschöpfung.

Gott, segne diese langen Tage:

Fülle sie mit Freunden und Freundinnen,

mit guten Nachrichten,

mit heller Zuversicht,

mit Schwimmbadsprüngen

und bunten Liebesdingen.

So segne und behüte uns Gott der allmächtige und barmherzige,

Vater, Sohn und Heiliger Geist

Amen

Bleibt zuversichtlich, denn Gott ist da

 

Verabschiedung:

Herzlich laden wir am Wochenende zum Quartiersfest in Oberstrass. Am Samstag, den 15. Juni findet der Oberstrass Määrt statt, an dem unsere Gemeinde einen Kuchenstand betreut.

Am Sonntag, den 16. Juni um 10.00 Uhr laden wir zum ökumenischen Quartiersgottesdienst in die Kirche Oberstrass ein mit anschliessendem Bürgerumtrunk. Unsere Gemeinde wird im Gottesdienstteam von Pfrin Werner vertreten.

 

Am Samstag, den 15. Juni ist Pfrin. Werner mit Familien unserer Gemeinde in Schaffhausen zum Familienausflug unterwegs.

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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft und wir wünschen allen eine behütete Sommerzeit!

Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern!

Marion Werner mit Thomas Risel

 

LIED: Arie «Vergnügte Ruh», J.S. Bach

https://www.youtube.com/watch?v=f9W40e0VO98