Luther Gebet 18. November 2020

Luther Gebet Mittwoch 18. November 2020

Gottesdienste fallen nicht mehr aus. Und doch sind sie anders als sonst.

Gott bleibt.

Wir wollen uns zum Gebet sammeln.    

UNS BEREIT MACHEN

Wir wollen zur Ruhe kommen, ein Licht anzünden, das uns hilft,

uns für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

GEBET                                     

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilligen Geistes.

Amen.

 

Seit dem 18. März gibt es diese Andachten online unserer Gemeinde, also heute genau vor 8 Monaten, im Zusammenhang mit dem ersten Lockdown in der Schweiz, als das öffentliche Leben drastisch zurückgefahren wurde.

Immer wieder und immer noch bewegt uns diese Zeit mit allem Schwerem und ja auch allem Guten, dass wir dabei erleben. Heute stellen wir ein Wort des Tages in den Mittelpunkt, aus dem biblischen Buch der Sprüche:

Tagesspruch (am dt. Buss- und Bettag)

„Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben.

(Buch der Sprüche 14,34)

 

Hören wir dazu zunächst die Bitte an Gott, um die Sonne der Gerechtigkeit für unsere Zeit, mit dem über 500 Jahre alten Chorallied:

Musik/Lied: Sonne der Gerechtigkeit

https://www.youtube.com/watch?v=MdWoqvPw5wU

 

Ja Gerechtigkeit, gegenüber allen Menschen, gegenüber vor allem auch den Älteren unter uns und den ganz Jungen, den Kindern auch. Ihre Frage sind immer wieder auch unsere Fragen:

Ist das nicht ungerecht, diese ganze Corona-Sache?

Warum ist das so, was passiert da eigentlich? „Aber in der Schweiz passiert das nicht, gell, Oma?So schrieb die Kolumnistin Katja Früh (Drehbuchautorin und Regisseurin) neulich im Tagesanzeiger:

Wie sie ihrem Enkel erklärt, dass das jetzt ein langer Corona-Winter werden wird.

„Noch vor kurzem versicherte ich meinem Enkel, dass in der Schweiz so was niemals passieren kann. Dass sich eine gefährliche ansteckende Krankheit verbreitet. Damals lagen zwar schon zwei Fälle im Triemlispital, aber das war ein Versehen, die hatten sich nur zufällig in die Schweiz verirrt.

Seit ich denken kann, war es mir Trost und Halt, dieses „In-der-Schweiz-Niemals“. Am Esstisch meiner Kindheit wurde viel über den letzten Weltkrieg gesprochen, wie … es für die Menschen in den anderen Ländern war, die in den Luftschutzkellern sassen, die nichts zu essen hatten, deren Häuser zerbombt wurden. Und über die deportierten Juden natürlich. Es war so grauenerregend, so furchteinflössend, dass nur dieser eine Satz geholfen hat: In der Schweiz ist es anders, in der Schweiz passiert so etwas nicht.

Und wenn mein Enkel, von uns ungewollt, etwas mitkriegt von den Nachrichten, von Gewalt und Elend, fragt er als Erstes: Aber in der Schweiz passiert das nicht, gell, Oma? Tja, und was sage ich ihm jetzt? Dass es eben jetzt die ganze Welt betrifft und diesmal auch die Schweiz, ja, diese sogar besonders schlimm – weil wir immer alle gedacht haben, in der Schweiz passiert so etwas nicht? Dass wir es kaum fassen können und überhaupt keine Übung in Krisen haben, dass wir es erst lernen müssen, uns umzustellen, und dass nicht alles planbar ist und alles jederzeit zu Ende sein kann? Dass das eigentlich immer so ist, nur sehen wir es jetzt deutlicher? Dass die Chefs, wie er Politiker nennt, auch Angst haben und deswegen die Augen zumachen, so wie er, wenn man mit ihm schimpft. Weil er glaubt, wenn er es nicht sieht, dann ist es auch nicht so.

Aber so kann ich ihm das nicht erklären, denn Angst ist das Schlimmste für ein Kind, daran erinnere ich mich zu genau. Also sage ich: «Schau, das wird vielleicht ein komischer Winter. Aber die Menschen sind stark, wenn sie etwas erst mal akzeptiert haben.» – «Was heisst akzeptiert?», fragt er. «Akzeptieren heisst, dass du, wenn du etwas nicht ändern kannst, einfach sagst: Okay, ist ja wurscht, jetzt ist es einfach so», antworte ich etwas hilflos.                   «Und dann ist es besser?», will er wissen. «Ja», sage ich, «dann fallen dir mehr Dinge ein, die du machen kannst. Weil du dich nicht mehr so ärgerst. Dann wird es vielleicht sogar ein ganz gemütlicher Winter. Mit Christkindli-Staub im Wald statt im Warenhaus. Und nachher heisser Schokolade. Die Geschenke wählen wir aus dem Katalog aus. Den Franz-Carl-Weber-Katalog gibts nur in der Schweiz. Und die gute Schokolade. Okay so für dich?»

Soweit Katja Früh und ihr Enkel.

Okay so für uns? Gott schenke uns Kraft und Zuversicht für diese Zeit. Amen.

 

Fürbitte

Martin Luthers Abendsegen:

„Des Abends, wenn du zu Bett gehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:

Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen

Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn,

daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast,

und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe,

und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten.

Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände.

Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Gott wir bitten Dich für alle, die in dieser Zeit mitten in der Arbeitswelt stehen:

in den Spitälern und Pflegeheimen, in den Praxen und Testcentern, auf den Baustellen wie bei unserem Neubau an der Kurvenstrasse,

in den Schulen und Universitäten, in den Büros und Banken, in den Polizei- und Rettungsdiensten:

dass sie Erfüllung und Bewahrung und Gerechtigkeit finden und immer wieder auch genug Pausen der Erholung.

Wir legen Dir ans Herz alle Kranken, alle die trauern, alle die sich einsam fühlen: schenke Zuversicht und Hoffnung.

Alles was wir noch persönlich auf dem Herzen tragen, nennen wir Dir in einem Moment der Stille…:

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Musik/Lied: John Legend, singt für eine umfassende Gerechtigkeit in der Welt: „Glory“

https://www.youtube.com/watch?v=HUZOKvYcx_o

 

 *SEGEN* (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Geht in die Nacht und den neuen Tag mit der Kraft der Güte und des Friedens aus Gottes Segen:

Sei behütet und bewahrt und gesegnet –

im Namen des Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

„Alsdann flugs und fröhlich geschlafen.“ (Martin Luther)