Herzlich willkommen zum 400. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 11. März 2026
Wir sind in der 3. Woche der Passionszeit.
Eine Zeit, die uns einlädt zur Besinnung, zum Innehalten, zur Umkehr, zum Verzicht.
Passionszeit – sie lädt ein, zu kleinen Veränderungen im Alltag, die uns achtsam machen und neue Erfahrungen ermöglichen will.
Passionszeit – mit der Hoffnung, dass wir Gott in unser Leben lassen, uns selbst wieder hören und spüren, und andere genauer sehen und verstehen.

BILD: 7 Wochen ohne
„Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).
Allein, und doch verbunden in Gedanken und im Gebet durch Deinen Geist,
mit Schwestern und Brüdern, mit Freundinnen und Weggefährten.
Wir sind dabei/ Ich bin mit Herz und Seele von zuhause dabei.
verbunden, um diese Andacht zu feiern.
Wir kommen mit allen schönen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen dieser Tage.
Mit Sorgen, mit Leid und Erschrecken über die Auswirkungen der Klimaerwärmung,
der Kriege und der Ungerechtigkeiten dieser Welt.
Wir kommen auch mit Dank für grosse, besonders aber für so viele kleine Dinge, die uns erfreuen und guttun,
die so selbstverständlich funktionieren in unserem Leben.
Wir machen uns bewusst, du Gott, bist da. Wir sind nicht allein.
Amen.“
Ich zünde eine Kerze an, für das Licht, für den Frieden, für Vertrauen, für die Hoffnung.
So sammeln wir uns heute Abend:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,
im Namen Jesu Christi, dem Herrn und Bruder, der uns im Leiden trägt und hilft,
und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns verbindet zwischen Himmel und Erde.
Amen.
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.
So haben wir die ersten Ausgaben Luther-Gebet und alle weiteren bisherigen begonnen, so auch heute die Nummer 400.
Musik: Josh Groban: God will make a way
Das Lied „God Will Make a Way“ handelt von Hoffnung, Trost und unerschütterlichem Glauben auch in ausweglosen Situationen. Es möchte die Botschaft vermitteln, dass Gott selbst dann Wege bahnt und führt, wenn Situationen hoffnungslos erscheinen.
https://www.youtube.com/watch?v=iZuu5WjnyzI
VERLETZLICH
In dieser Woche ist für uns ein Bibeltext ausgesucht, der sehr bekannt ist. Es stecken sogar geflügelte Worte darin: „Lass diesen Kelch an mir vorübergehen“ und „der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“. So übersetzt Luther diese Sätze aus Markus 14.
Jesus im Garten Getsemani (Markus 14,32-42), gelesen von Helge Heynold
https://www.youtube.com/watch?v=MT1FXc4Wf3k
Diese Sätze kann man auch in vielen Situationen hören, die nichts mehr mit der Bibel zu tun haben. Wenn ich etwas Beschwerliches vor mir habe, bitte ich darum, dass der Kelch an mir vorübergeht. Wenn ich wohl weiß, dass etwas getan werden muss, mich aber gerade sehr kraftlos fühle, rede ich womöglich von einem willigen Geist und dem schwachen Fleisch.
Der Text ist also voll mit Bekannten. Auch dass Jesus in diesen Garten geht und dort vor seiner Verhaftung betet. Auf folgendes zum Beispiel macht der Text mich neu aufmerksam: Jesus lässt, als er in den Garten geht, die meisten seiner Jünger zurück und nimmt dann genau die drei Leute mit, die er schon mal mitnahm auf einen Berg: Petrus, Johannes und Jakobus, genau die Richtigen für Extremsituationen. Auf dem Gipfel des Berges war die Stimmung wahrhaft himmelhoch jauchzend, an diesem Abend im Garten ist Jesus zu Tode betrübt.

Bild: Garten Getsemani
Interessanterweise machen die drei ausgewählten Jünger in beiden Szenen keinen besonders guten Eindruck. Auf dem Berg sind sie schlicht überfordert von dem, was sie sehen (Markus 9,2–10). Und an dem Abend im Garten schlafen sie ein. Jesus bittet sie ausdrücklich, wach zu bleiben. Er erklärt ihnen seine Gefühlslage, aber sie können die Augen nicht offen halten. Jesus ist nur ein paar Schritte entfernt und betet in Todesangst, aber seine drei allerengsten Freunde werden vom Schlaf überwältigt. Oder ist es darum, weil Jesus solche Angst und Not hat, dass sie da lieber die Augen zu machen?
Es ist nicht einfach, damit umzugehen, wenn nahestehende Menschen Extremes erleben und von großen Gefühlen gepackt werden. Wir schlagen über die Stränge. Oder in extrem traurigen Momenten ergreifen wir lieber die Flucht. Hätten sie nicht aushalten können, dass Jesus so niedergeschlagen und verwundbar ist? Oder hätte nicht Jesus solche Leute auswählen können, die dem gewachsen sind? Nun, er wählte sich genau diese drei hier aus, und er wusste, was er tat. Die drei sind eben keine Elite, sie sind so schwach und so stark, so mutig und so feige wie wir.
Das kann Anlass für unsere nächste Wochenaufgabe werden. Üben wir, grosse Gefühle anderer auszuhalten. Trainieren wir, nicht wegzulaufen, wenn sich jemand klein und verletzlich zeigt. Lassen wir dieser Person so viel Abstand, wie sie gerade benötigt. Vielleicht will sie – wie Jesus – ein paar Schritte weit weg sein von uns. Flüchten wir aber nicht, sondern warten wir. Halten wir Wache, während jemand Zeit für sich braucht, für den eigenen Schmerz, die eigene Angst. Stehen wir bereit, wenn wir gebraucht werden.
7 Wochen ohne Härte, auch in aller Verletzlichkeit. Bleiben wir wachsam.
Musik: Da wohnt ein Sehnen tief in uns – Klangfarben Duisburg
(Musik: Anne Quigley, Text: Eugen Eckert © 1992 Oregon Press Publications)
https://www.youtube.com/watch?v=L0-t1usQ-fo
Fürbitten
Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.
Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.
In Sorge, im Schmerz sei da, sei uns nahe, Gott.
Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir.
In Ohnmacht, in Furcht sei da, sei uns nahe, Gott.
Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir.
In Krankheit, im Tod sei da, sei uns nahe, Gott.
Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir.
Wir hoffen auf dich sei da, sei uns nahe, Gott.
Schau auf uns und auf alle, für die wir beten und erhöre unsere Bitten nach Deinem Willen. Gemeinsam beten wir:
Vaterunser im Himmel…
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Bild: Osterglocken-Knospen
VERABSCHIEDUNG
Herzliche Einladung
-in die Martin-Luther-Kirche Zürich zum Predigt-Gottesdienst am Sonntag Laetare (dem „kleinen Ostern“), 15. März um 10 Uhr, mit Pfarrerin Marion Werner,
-Um 13 Uhr ist norwegischer Gottesdienst.
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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, in 400 Ausgaben Luther-Gebet, und wir wünschen sonnenreiche gesegnete Frühlingstage.
Bleiben wir zuversichtlich. Denn Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern!
Pfarrer Thomas Risel mit Pfarrerin Marion Werner
Segen
Gott segne dich und behüte dich,
auf geraden und ebenen Wegen im Tal,
auf gewundenen Wegen in den Bergen,
auf steilen Wegen zum Gipfel.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
dass seine Gnade dich aufrichte
und dein Leben erstrahlen lasse
wie die aufgehende Morgensonne
Gott hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden,
dass sich in deinem Herzen
Friede ausbreite und weiterschwinge
wie die Ruhe und Stille in der Nacht.
So segne dich Gott,
Schöpfer des Himmels und der Erde
Amen
Musik: Amazing Grace, Tina Turner 2014
https://www.youtube.com/watch?v=Hs6H5Qcd7QU
Fotos: wikipedia und privat;
Texte z.T. aus „7 Wochen ohne“