Luther-Gebet für Mittwoch 5. Mai 2021:

Herzlich willkommen zu unserem (148.) Abendgebet, in der Wochenmitte.

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gottesdienste sind anders als sonst.

Gott bleibt.

Mittwoch und Samstag abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET                                                                                         

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit dem, was uns ausmacht, allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen in der Wochenmitte.

Wir machen uns bewusst, dass Christus lebt, auch durch andere Menschen, und wie Gott an unserer Seite steht.

 

 

Neutestamentliches Wort für Mittwoch, 5. Mai 2021:

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Matthäus 5,5

 

Musik:SILBERMOND – Machen wir das Beste draus“

https://www.youtube.com/watch?v=q62vWAmBPrg&t=154s

Bleibt gesund und allen, denen es nicht gut geht: viel Kraft. – Stefanie, Thomas, Johannes und Nowi von Silbermond!

 

„Wie geht es Dir?“

Im Moment fällt es gar nicht so leicht, auf die Frage „Wie geht’s?“ eine ehrliche Antwort zu finden. „Gut“ geht vielen nicht so leicht von den Lippen – es gab schliesslich Zeiten, in denen das schon besser gepasst hat. Wie geht es uns denn eigentlich? Gibt es ein Wort für das, was wir gerade durchleben und empfinden?

Ein Artikel in der „New York Times“ – betrachtet man das Echo in den sozialen Medien- traf zumindest bei den Amerikanern einen Nerv, um nicht zu sagen: bei vielen mitten ins Herz. Und auch immer mehr deutschsprachige Menschen teilen den Text mit dem Vermerk: Hier werde genau das Gefühl beschrieben, das gerade viele verbindet. Es könnte eine der vorherrschenden Emotionen in diesem Jahr 2021 sein.

„Languishing“: Ziellos, freudlos, leer

Der amerikanische Psychologe Adam Grant rückt den Begriff „Languishing“ in den Fokus: Er beschreibe den Zustand der Mattheit, in dem sich gerade viele befinden. Wenig klanghaft ist zwar die deutsche Übersetzung „Dahindümpeln, dahinvegetieren, schmachten“, doch fragt man aktuell Menschen nach ihrem Empfinden, fallen tatsächlich vergleichbare Worte gar nicht selten,: „Wir hangeln uns durch“ oder „ich dümpele so vor mich hin“. In Bayern und Österreich auch gern: „Mei, wir wurschteln uns halt durch!“

Euphorisch klingt es jedenfalls nicht. Manche sprechen auch von Corona-Erschöpfung oder „Pandemüdigkeit“. Tatsächlich beschreibt „Languishing“ den Ort zwischen Berg und Tal, die Leerstelle zwischen Depression und Euphorie – das grundsätzliche Wohlfühlen ist irgendwie abwesend. Nachdem Angst und Trauer grosse Emotionen des vergangenen Jahres waren, habe viele dieses neue Gefühl unvorbereitet getroffen, meint Grant. Freudlos, ziellos fühlt man sich, leer in gewisser Weise.

Foto: Ausschnitt aus „Die Kauernde“ von Auguste Rodin

 

Was das Fatale an diesem Gefühl ist

Es sind vielleicht keine Symptome einer psychischen Erkrankung, aber wirklich mental gesund sei man auch nicht. „Nicht deprimiert zu sein heisst nicht, dass wir nicht am Kämpfen sind“, stellt der Psychologe Grant klar. Wir könnten nicht wie sonst aus unseren Ressourcen schöpfen, unsere Kapazitäten nicht voll nutzen: „Languishing“ beeinträchtigt unsere Motivation und Konzentration.

Was vielleicht gar nicht so gefährlich klingt, hat aus Grants Sicht seine Tücken: „Languishing“ tritt häufiger auf als schwere Depressionen, sagt der Professor an der Wharton School der University of Pennsylvania. „Sie werden vielleicht nicht so dramatisch bemerken, dass die Freude nachlässt oder der Antrieb schwindet. Sie ertappen sich nicht dabei, langsam in Einsamkeit zu driften. Ihre Gleichgültigkeit ist Ihnen gleichgültig.“

Fotos: „Der Denker“ von Auguste Rodin

Wichtig, die Emotion zu benennen

Auch wenn man sich selbst nicht in diesem Zustand befinde: „Sie kennen wahrscheinlich Menschen, die davon betroffen sind“, sagt Grant. Er verweist auf die Erkenntnis der Psychologie: eine der besten Strategien zur Bewältigung von Emotionen ist die, sie beim Namen zu nennen. Das hält Adam Grant gerade jetzt für wichtig. Es könnte uns bei den neuen und schwer greifbaren Erfahrungen helfen, die wir gerade machen. Es könnte uns daran erinnern, dass wir nicht allein sind. Es könnte uns auch eine gesellschaftsfähige Antwort liefern auf die Frage: „Wie geht’s Dir?“

Anstelle von „Great“ und „Fine“, wie in Amerika gang und gäbe, könne man antworten: “Honestly, I’m languishing.” – „Ehrlich gesagt, ich dümpele vor mich hin.“ Mit anderen Worten: Wir sollten ruhig mal ehrlich antworten, dass wir ermattet sind.

Was nun lässt sich tun gegen „Languishing“? Wie kommen wir dahin, dass es uns besser geht? Grant bringt das Konzept „Flow“ ins Spiel, das hierzulande unter eben diesem englischen Begriff bekannt ist und sich mit „im Fluss sein“ übersetzen lässt. Im „Flow“ ist man, wenn man sich auf beglückende Weise ganz vertieft in etwas und dabei Raum und Zeit vergisst – wie ein Kind, das völlig in sein Spiel versunken ist. Grant räumt diesem „Flow“ einen hohen Stellenwert ein, mehr noch als Optimismus und Achtsamkeit: Es habe sich in der ersten Phase der Pandemie als zuverlässiges Anzeichen für Wohlbefinden entpuppt.

Schwer in den „Flow“ kommt man, wenn man 74 Mal am Tag seine Mails checke, oder ständig zwischen Aufgaben hin- und herspringe oder – typisch Lockdown – die Kinder oder der Chef ständig etwas von einem wollen. Menschen funktionieren nun mal anders als Computer, die viele Prozesse gleichzeitig bewältigen können. Grenzen setzen ist also wichtig. Oder: spielerische Rituale am frühen Morgen, jetzt die Natur im Frühling wahrnehmen, wo es nur geht, oder Erlebnisse, die uns Genuss bringen oder sinnvolle Arbeit.

Am besten sollten wir uns jeden Tag Zeit für etwas nehmen, das uns viel bedeutet: eine neue Herausforderung, ein interessantes Projekt oder ein gutes Gespräch: „Manchmal ist es nur ein kleiner Schritt dahin, die Energie und Begeisterung wiederzufinden, die uns in all diesen Monaten gefehlt hat.“ Und die Leichtigkeit, die wir in Rodins Tanz sehen.

Foto: Dance III Auguste Rodin

The New York Times, Adam Grant: „There’s a Name for the Blah You’re Feeling: It’s Called Languishing“, 19.4.21. Der Autor des Artikels, Prof. Adam Grant, ist an der Wharton School der University of Pennsylvania tätig und auf Organisationspsychologie spezialisiert. Grant verfasste mehrere Bücher, darunter das auf Deutsch erhältliche „Geben und Nehmen: Warum Egoisten nicht immer gewinnen und hilfsbereite Menschen weiterkommen“.

Fürbitten:

Mit schöner Stimme deine Wunder besingen,
danach sehnen wir uns.
Mit Freude das neue Leben feiern,
das wünschen wir uns.
Aber in diesen Tagen sind
unsere Stimmen heiser
und unsere Lieder sind voller Klage.
Höre uns, ewiger Gott,
und erbarme dich.

Höre die Klage der Trauernden.
Höre unser Klagen
über die Toten in Indien und Brasilien,
über die Toten in unserer Nachbarschaft.
Höre unser Klagen
über den Schmerz der Kranken,
über die Verzweiflung der Erschöpften.
Du bist der Gott des Lebens,
besiege du den Tod
und verwandele unsere Klage in ein Lied.
Erbarme dich.

Höre die heiseren Stimmen der Bedrängten.
Höre die Stimmen aller,
die auf Hilfe angewiesen sind.
Höre die Stimmen derer,
die sich nach Frieden sehnen
und sich dem Hass verweigern.
Du bist ein Gott der Gerechtigkeit,
besiege du das Unrecht
und sing mit den Erniedrigten von der Freiheit.
Erbarme dich.

Mit schöner Stimme deine Wunder besingen,
danach sehnen wir uns.
Höre die Lieder von Vertrauen und Hoffnung,
die wir leise und hinter Masken singen.
Höre die Lieder vom Glauben,
die in den Herzen der Gläubigen wohnen.
Höre die Lieder, die deine Schöpfung singt:
die Vögel, die Steine, die Engel.

Höre was wir Dir in der Stille singen, klagen, danken, sagen….

STILLE

Du bist wunderbar, ewiger Gott,
du verwandelst uns und deine Schöpfung
durch Jesus Christus,
unseren Bruder und Herrn – heute und alle Tage.

GEMEINSAM:

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

SEGEN:

Singt mit den Sternen,
rühmt mit den Menschen,
lobt mit den Engeln!
Denn Gott ist bei euch.

Die Treue Gottes,
im Heil seines Sohnes
und in der Fülle der göttlichen Weisheit
sei mit euch allen.

So segne, behüte und bewahre uns Gott der Vater, in seinem Sohn durch den Heiligen Geist. Amen.

 

Musik: „Sunny“ Vokalhelden 3; Berliner Philharmoniker Education program

https://www.youtube.com/watch?v=VDdNmbvlzno&t=3s