Herzlich willkommen zum 295. Luther Abendgebet, am 31. Januar 2024.

 Begrüssen möchte ich Sie und Euch alle mit einem Wort des Schweizer Theologen Kurt Marti:

Ehe wir dich suchten,
warst du da.
Bevor wir dich „Vater“ riefen,
hast du uns als Mutter umsorgt.
Beugten wir die Knie vor dir, dem Herrn,
kamst du uns als Bruder entgegen.
Beschworen wir deine Brüderlichkeit,
erging die Antwort schwesterlich.
Immer bist du es,
der vorher war;
allwärts bist du es,
der begegnet.

Amen

Möge Gott jedem und jeder von uns so begegnen, wie wir es brauchen und wie es uns guttut.

 BILD: Blick in die Welt

 In allem, was in dieser Welt und in unserem persönlichen Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

 

SICH BEREIT MACHEN.

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich vom Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist, mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen dieser Tage.

Mit Leid und Trauer,

mit Erschrecken über die Folgen der Klimaerwärmung, der Kriege und der Ungerechtigkeiten dieser Welt,

mit Freude und Dank.

Wir machen uns bewusst, du Gott, bist da.

Amen.

 BILD Winter 2

Gott, ich danke dir
für die hellen Momente in meinem Leben.
Ich denke an die Zeiten,
in denen ich Liebe erfahre und Herzenswärme spüre.
Wenn ich auf einmal klarer sehe,
welchen Weg ich gehen kann.
Manchmal bekomme ich eine Ahnung davon,
dass die Welt nicht einfach nur Welt ist.
Sie ist durchlässig für dein himmlisches Licht.
Gott, in dieser Woche.
Da möchte ich solche hellen Momente zählen,
damit ich an den dunklen Tagen nicht vergesse:
Es gibt Licht.
Ich bitte dich:
Mach dieses Abendgebet zu einer hellen Stunde für uns!

Quelle: Zentrum Verkündigung der EKHN, www.liturgischer-wegweiser.de

 BILD Gebet 18

Wir hören nun die erste Arie der Kantate «Ich habe genug» BWV 82 von Johann Sebastian Bach. Geschrieben wurde die Kantate für das Fest Mariä Reinigung am 2. Februar 1727.

MUSIK: Bach: Arie „Ich habe genug“

https://www.youtube.com/watch?v=iFIeeALUIZQ

 GEDANKEN zum 2. Februar

Der 2. Februar trägt in den Kalendern verschiedene Namen: Katholisch: «Mariä Lichtmess» oder «Mariä Reinigung»; Evangelisch: «Darstellung des Herrn». In der Ostkirche heisst der Tag «Begegnung des Herrn».

Zu Luthers Zeiten hatte dieses Fest, das auf den 40. Tag nach Weihnachten fällt, noch eine grosse Bedeutung. Da es auf einem biblischen Text zurückging hat Luther es im evangelischen Kalender behalten, als er die Feiertage und besonders Heiligentage reduzierte. Auch zu Bachs Zeiten feierte man den 2. Februar noch im Gottesdienst. Eigens dafür schrieb Bach die schöne Kantate «Ich habe genug» BWV 82.

Nicht nur für den kirchlichen Kalender war dieses Fest wichtig, sondern auch für Bauern, ebenso wie für Knechte und Mägde. Denn an diesem Tag endete jahrhundertelang die Winterpause der Bauern, und in vielen Betrieben gab es einen Wechsel der Angestellten. Knechte und Mägde bekamen an diesem Tag ihren Jahreslohn in Geld und Naturalien. Sie konnten sich bei ihren Dienstherren neu verpflichten oder den Arbeitsgeber wechseln. Die Zeit bis zum Tag der Heiligen Agatha am 5. Februar war ein eine Art von vertraglich gesichertem Nichtstun.

In den katholischen und christkatholischen Gottesdienst dieses Tages werden die Kerzen geweiht, die man in der Kirche das Jahr über benötigt, aber auch Kerzen, die die Leute mitbringen, um sie zu Hause beim Gebet anzuzünden. Von daher und weil man auch eine Prozession mit brennenden Kerzen hält, erklärt sich der Name „Lichtmesse“. Im alten Volksglauben besitzen die «Lichtmess-Kerzen» eine besondere Fürbittkraft in schwierigen Situationen.

MUSIK: Arie «Schlummert ein, ihr matten Augen»

https://www.youtube.com/watch?v=O_4T8MHLWUQ

In den Kirchen wird es an Lichtmess noch einmal weihnachtlich. Vierzig Tage nach seiner Geburt ist noch einmal von dem Kind die Rede, das Maria in Betlehem zur Welt gebracht hat. Einem Brauch entsprechend, soll es nun im Jerusalemer Tempel Gott geweiht werden (Lukas 2,22-40), also Gott dargebracht werden.

Nach dem biblischen Gesetz des Moses gilt die Frau nach der Geburt eines Knaben 40 Tage (Levitikus 12,2-4) und nach der Geburt eines Mädchens 80 Tage (Levitikus 12,5) als unrein. Zur Zeit des Jerusalemer Tempelkultes hatte die Frau nach diesen Tagen als Reinigungsopfer dem Priester ein Schaf oder eine Taube zu übergeben, bei finanziellen Schwierigkeiten ersatzweise zwei Turteltauben oder andere Tauben. Maria kommt also zur Reinigung in den Tempel. Auf diese Tradition geht der Name «Mariä Reinigung» zurück.

Darüber hinaus wurde der erstgeborene Sohn in Erinnerung an die Pessach- Nacht, also dem Auszug aus Ägypten, als Eigentum Gottes angesehen (Exodus 13,2.25) und im Tempel Gott übergeben («dargestellt»), wo er durch ein Geldopfer auszulösen war. Diese Auslösung wird bis heute im traditionellen Judentum praktiziert.

Im Zusammenhang der Darstellung Jesu im Tempel kommt es zur Begegnung mit dem alten Simeon und der greisen Prophetin Hanna. Wir sehen dazu ein altes Bild aus dem Jahr 1444.

BILD: Darbringung im Tempel – Meister der Pollinger Tafeln (1444) Quelle: Wikipedia

Von Simeon wird in wunderbarer Weise geschrieben „und derselbe Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war in ihm“. Vom Geist getrieben kommt Simeon in den Tempel, nimmt Jesus auf seine Arme und sagt den berühmten Satz „ HERR, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; 30 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, 31 welchen du bereitest hast vor allen Völkern, 32 ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel.“ Und auch Hanna, die alte Prophetin, kam hinzu, sah das Kind und predigte zu allen, die auf die Erlösung warteten.

Das Fest Lichtermess/ Tag der Darstellung Jesu im Tempel nimmt diesen besonderen Moment, diese ganz spezielle, intensive tief bedeutungsvolle Begegnung auf. Jesus wird als das „Licht für die Völker“ gepriesen, so wie es in den alten Schriften des Propheten Jesaja 49,6 zu lesen war.

Ein aufstrahlendes Licht: Das ist eine vielversprechende, gute Nachricht. „Endlich kommt Licht in das Dunkel“, sagen wir, wenn sich in einer schwierigen Sache ein Durchbruch, eine Wende abzeichnet. Genau diese Wirkung wird dieses Kind haben. Das verkünden Simeon und Hanna im Jerusalemer Tempel. Er wird die Wende bringen, die Gott durch die Propheten so lange angekündigt hat. Überall auf der Erde können die Menschen nun hoffen. Das Dunkel, das sie erleben, wird weichen. Das Licht dieses Kindes wird es vertreiben.

Ist das wahr? – können wir heute fragen. Angesichts der Probleme, die diese Welt beherrschen, kommen Zweifel auf. Trotzdem machen wir auch immer wieder die Erfahrung, dass eine dunkle Situation gewichen ist: eine Krise, bewältigt werden konnte; ein Streit, nach einem schmerzlichen jedoch klärenden Prozess, beendet werden konnte. Versöhnung wieder eingekehrt ist.

Ich kann deshalb gut nachvollziehen, wie tröstlich und bestärkend es ist, wenn Menschen in einer Kirche ein Licht anzünden – persönlich oder eben am Altar. Es steht für die Hoffnung, dass Gott Licht in die dunklen Seiten unserer Welt und meiner Welt bringt. Und es ist Zeichen für Jesus, das Licht, das Gott hat aufstrahlen lassen in dieser Welt und das nicht mehr erlischt. Amen

Simons Worte vertont Bach in der Arie «Ich freue mich auf meinen Tod».

MUSIK: https://www.youtube.com/watch?v=mTxYx-7r0AM

 

GEBET zu Lichtmess und Epiphanias:

Gott in Jesus Christus, Licht der Welt,

sei du mein, sei du unser Licht und Heil weiter durch dieses Jahr 2024.
Jetzt, wo die Tage wieder länger werden, lass es auch in uns und um uns
herum heller, wärmer, zuversichtlicher, freundlicher und lebendiger werden.
Sei du unser Licht, wenn Ängste, Sorgen, Probleme, auch Streit und
Unfrieden uns bedrängen – damit es nie ganz dunkel oder aussichtslos ist.
Lass uns auch für andere wie ein Licht sein, anderen Mut machen,
beistehen, trösten, aufhorchen, aufatmen lassen und sie zum Strahlen
bringen.
Lass uns nie vergessen, dass dein Himmel über uns allen offen ist –

schenke uns immer wieder himmlische Momente und lass uns in allem

geborgen sein in deinem Licht und Frieden.
Behüte uns an Leib und Seele, bewahre uns und lass uns selbst gut auf der Hut sein. 

Beatme uns immer wieder mit deinem Heiligen und Heilenden Geist und
hilf uns, ein- und aus- und durch- und aufzuatmen und für eine gute Atmosphäre

statt für dicke Luft zu sorgen.
 Segne mich, uns, alle, die einen festen Platz in meinem Herzen haben und
auch alle, mit denen ich mich gerade schwertue –

Und segne deine ganze Erde, die Frieden und Bewahrung braucht.
+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. 

VATERUNSER

im Himmel geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.  

Amen.

 

SEGEN

Gott schenke dir Gesundheit und Heil.

Er segne dich durch Christus, unsern Herrn und Bruder und Licht der Welt.

Gottes Geist leuchte dir mit seinem Licht und Heil,

wärme und schütze dich an Leib und Seele.

Amen.

 

BILD :Darstellung des Herrn – Hans Holbein der Ältere 1501 Quelle Wikipedia

 MITTEILUNGEN

Herzliche Einladung Nachmittag des Forums «Miteinander älter werden», morgen, Donnerstag 1. Februar ab 14.00 Uhr. Das Referat hält Kommissar Hunkeler von der Züricher Stadtpolizei zum Thema: «Telefonbetrug». Wir bitten um Anmeldung im Sekretariat.

Herzliche Einladung am Sonntag den 4. Februar um 10.00 Uhr zum Gottesdienst mit Pfarrer Risel in die Martin Luther Kirche. Parallel findet der Kindergottesdienst mit Paula Sabisch statt. 

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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft und wünsche eine gute und behütete Woche.

Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist da.

 

Herzliche Grüsse nach nah und fern!

Thomas Risel und Marion Werner

 

MUSIK: Wer mag, kann die gesamte Kantate «Ich habe genug» unter diesem Link hören

https://www.youtube.com/watch?v=Q_5DG9BD-SU&t=123s