Herzlich willkommen zum 236. Luther Abendgebet am 14. Dezember.

Adventslichter, erster Schnee, Kälte und erster Frost, wir empfangen das wenige Tageslicht und sehen auf die Lichter dieser Zeit. Wir sehen auch die Dunkelheit.

Zeit für Kerzen, Gedanken, Ruhe, schöne Musik und Gebet.

 

Und so sammeln wir uns auch heute Abend

im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,

im Namen Jesu Christi, der zu uns auf dem Weg ist,

und im Namen des Heiligen Geistes, der uns verbindet zwischen Himmel und Erde.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Amen.

 

In allem, was in dieser Welt und in unserem persönlichen Leben geschieht und sich wandelt: 

Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

 

Mittwoch abends um 21.00 Uhr, am Sonntag um 10.00 Uhr.

SICH BEREIT MACHEN.

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze (am Adventskranz?) und denke an den Frieden um mich und in der Welt.

Ich lasse mich vom Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes und seinen Heiligen Geist zu öffnen.

 

GEBET                                                                                       

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist, mit Schwestern und Brüdern, mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen dieser Tage. Mit Leid und Trauer, mit Erschrecken über Kriege und Ungerechtigkeiten dieser Welt, mit Freude und Dank.

Wir machen uns bewusst, du Gott, bist da.               

Amen.

 

LIED: Oh Heiland reiss die Himmel auf – Gesangbuch Nr. 7

https://www.youtube.com/watch?v=J39j1xvIgKg

Gebet:

Helle Lichter erhellen die dunklen Tage

und flackernde Kerzen hüllen mein zu Hause in warmes Licht.

Ich rieche den süßen Duft von Plätzchen

und den harzigen Geruch von Tannengrün.

Ich kann spüren: es ist eine besondere Zeit.

Ich kann ahnen: da kommt etwas Gutes auf mich zu.

Gott, lass mich dich finden

in den süßen Gerüchen und den strahlenden Lichtern

in der Hektik des Alltags

und in den Momenten der Stille

in der Zeit, die ich mir nehme

um bei mir zu sein

und mit dir.

Amen

 

TEXT: «Bethlehem» von Iris Macke aus dem Kalender «Der Andere Advent 2022/2023»

 

«Hört her, ihr Leute von Bethlehem! Aus dir, kleines Bethlehem, wir der kommen, der in Israel der Herr sein wird!» Der Prophet Micha war meine Lieblingsrolle in unserem jährlich gleichen Krippenspiel. Dieser Ruf klang nach grosser Welt und kuscheligem Krippenplatz zugleich.

Ich träumte von fremden Düften, von Beduinen und leuchtenden Sternen. Und sass zwischen Oma und Vater in unserer kleinen Kirche im Bielefelder Western. Sie war mit rotem Teppich ausgelegt, hatte weissen Flor auf den Treppen zum Altar und mit Flanell bezogene Stühle. Nebenan im Büro durfte ich die Gemeindestempel ausprobieren und auf der Empore neben de Organistin sitzen. Die so schrecklich-schön hoch singen konnte.

Jahre später habe ich Bethlehem besucht, stand in langer Schlange vor der Geburtsgrotte, hörte vom Streit der Religionen, erfuhr, dass Bethlehem «Haus des Brotes» heisst. Meine Bielefelder Kirche ist längst umgewidmet. Ich glaube nicht, dass sie noch diesen roten Teppich hat. Aber mein Haus des Brotes wird sie immer bleiben».

 

MUSIK: Zu Bethlehem geboren mit Bildern aus Bethlehem

https://www.youtube.com/watch?v=cI-XrSKAg-E

 

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

warum Jesus in Bethlehem geboren werden musste, wo seine Eltern doch in Nazareth zuhause waren, das hat der Evangelist Lukas begründet. Und jedes Jahr hören wir dies in der Weihnachtsgeschichte. Wir hören von einer Volkszählung, die Kaiser Augustus befohlen hatte, davon, dass Josef ein Nachfahre des grossen Königs David war, dessen Familie ihre Wurzeln in Bethlehem hatte. Und aus diesem Grund muss Josef sich in Bethlehem in die Steuerlisten eintragen. So kommt es zu dem beschwerlichen Weg von Josef und der schwangeren Maria nach Bethlehem und der Geburt von Jesus in Bethlehem in der Krippe.

 

Aber eigentlich geht es hier um mehr. Jesus, der Sohn Gottes, der Messias, musste in Bethlehem geboren werden, weil sich mit diesem kleinen Ort seit jeher eine grosse Hoffnung verbunden hat. Die Hoffnung, dass aus dem Kleinen ganz Grosses werden kann.

 

Diese Hoffnung geht auf die Zeit des Königs David zurück, der ungefähr im Jahr 1000 vor Christus gelebt hat. Er war in Bethlehem geboren und zuhause. Bethlehem war damals ein kleiner Ort. David war der jüngste in der Reihe vieler Brüder. Dieser kleine David besiegt mit seiner Schleuder den riesigen und gefährlichen Krieger der Philister Goliath. Damit verhilft er den Israeliten zum Sieg. Später wird aus dem kleinen David aus dem kleinen Bethlehem der grösste König, den sie in Israel je hatten.

Seitdem wohnt die Hoffnung in Bethlehem, dass so etwas noch einmal passieren könnte. Dass nochmals aus dem kleinen Bethlehem ganz Grosses kommen könnte. Der Prophet Micha spricht davon.

 

Ugur Sahin kam mit vier Jahren aus der Türkei nach Köln. Sein Vater arbeitete bei Ford. Ein Nachbar sorgte dafür, dass er trotz Hauptschulempfehlung aufs Gymnasium kam. Er war der erste türkischstämmige Abiturient dort.

Seine spätere Frau Özlem Türeci lernte er beim Medizinstudium kennen. Sie ist ebenfalls eine Tochter türkischer Einwanderer. Zwei Kleine unter den Tausenden von Gastarbeiterkindern in den 60er Jahren in Deutschland, aus der Provinz. Die beiden aber haben später die Firma Biontech gegründet und den Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt, der uns allen so viel Hoffnung gegeben hat.

 

Klein unter den Tausenden und trotzdem etwas Großes.

Wir feiern an Weihnachten die Geburt eines kleinen Kindes, das in dem kleinen Bethlehem zur Welt gekommen ist. Weil Gott es so wollte, genau so und nicht anders.

Weil Gott ein Zeichen setzten wollte. Gegen die üblichen Massstäbe der Welt.

Bethlehem steht für die Hoffnung, dass auch aus Kleinem Grosses werden kann.

Dass Kleines wichtig und wertvoll ist.

Amen

MUSIK: Es ist ein Ros entsprungen – Gesangbuch Nr. 30

https://www.youtube.com/watch?v=7RjAXOcTebI

 

FÜRBITTE

Was geschieht, Gott,
wenn deine Boten in unsere Wirklichkeit treten,
wenn das Undenkbare,
das Unerwartete einbricht?
Können wir dich erkennen, wenn du zu uns kommst
in deinen Engeln, deinen Zeichen?
Verwandle und heile uns, Herr,
dass wir spüren, wenn du nahst und uns dir öffnen können.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Komm zu allen, die dich suchen,
die in ihren Nöten fragen:
Wo bist du Gott?
Die nach dir verlangen, aber dich nicht finden können.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Komm zu allen,
die nicht mehr hoffen können,
deren seelische Kräfte aufgebraucht sind,
die den Glauben an sich und andere
und an eine freie Gesellschaft mit Chancen für alle verloren haben.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Komm zu allen,
die einsam sind,
zu den Alten, die ihre Familien vermissen,
zu den Kindern, die in ihren vier Wände keine Heimat haben.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Komm zu allen,
die in Krankheit ins Ungewisse schauen,
die sich an der Grenze ihres Lebens wissen und fragen,
was sie erwartet
und wie sie bestehen können in ihrer Angst.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich!

Komm zu allen,
die sich in Feindbilder einschließen,
die Andersdenkende diffamieren müssen,
um sich selbst in den eigenen Wahrheiten zu bestätigen,
die keine Kritik ertragen können.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich!

Komm zu allen, die in Unfrieden leben,
zu all den Hungernden,
die vergessen werden,
zu allen, die auf der Flucht sind
vor Gewalt und Elend
und die auf unser Mitgefühl hoffen.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich!

 

In der Stille bringen wir vor dich unsere persönlichen Bitten …

 

Du bist nahe.
Verwandle und heile uns, Herr,
dass wir dich dort, wo wir dich nicht erwarten,
erwarten können.

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

SEGEN

Empfangt den Segen Gottes:

Der Herr segne und behüte dich.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

 

Bleibt zuversichtlich, denn Gott ist da.

Amen

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Herzliche Einladung am Sonntag um 10.00 Uhr zum Gottesdienst zum 4. Advent in unsere Martin Luther Kirche. Unsere Kirche wird bereits weihnachtlich geschmückt sein und der Gottesdienst mit viel Musik und Wunschliedern schon weihnachtlich ausgerichtet.

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Wir danken allen, die mitbeten, mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft und wünschen allen eine bewahrte Zeit in diesen Adventstagen!

Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern,

Marion Werner und Thomas Risel

MUSIK: Zum Ausklang: Bach: Air

https://www.youtube.com/watch?v=CvglW3KNSsQ&list=RDEMVuJMFQY6SyvaEaGiZndKfQ&index=4