Guten Abend und herzlich willkommen zum 381. Luther Abendgebet am Mittwoch, den 29. Oktober. Zeit für schöne Musik, Gebet und Besinnung.
Und so sammeln wir uns auch heute Abend:
im Namen Gottes, der uns in seiner Liebe birgt wie in einem wärmenden Mantel,
im Namen Jesu Christi, der uns Weg und Weggefährte ist,
und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns erfüllt und belebt.
Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde geschaffen hat.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

BILD: Herbst Blätter
AbendGEBET von Dietrich Bonhoeffer
Herr, mein Gott,
ich danke dir, dass du diesen Tag zu Ende gebracht hast.
Ich danke dir, dass du Leib und Seele zur Ruhe kommen lässt.
Deine Hand war über mir und hat mich behütet und bewahrt.
Vergib allen Kleinglauben und alles Unrecht dieses Tages
Und hilf, dass ich allen vergebe, die mir Unrecht getan haben.
Lass mich in Frieden unter deinem Schutz schlafen
Und bewahre mich vor den Anfechtungen der Finsternis.
Ich befehle dir die Meinen, ich befehle dir dieses Haus,
Ich befehle dir meinen Leib und meine Seele.
Gott, dein heiliger Name sei gelobt.
Amen
MUSIK: Andreas Volz “Solang ich atmen kann»
https://www.youtube.com/watch?v=p8c6Vj6cSv0
GEDANKEN:
Liebe Gemeinde, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
vor kurzer Zeit erzählte mir eine Frau: «Als wir klein waren, schickte meine Grossmutter uns immer vor die Türe, wenn mein Bruder und ich gestritten haben. Sie sagte «Geht und kühlt euch ab!». Und wir mussten raus, egal wie das Wetter war. Und wissen Sie was? Es hat geholfen.»
Wir lachten zusammen und ich dachte, manche der mächtigen Männer und Frauen unserer Zeit müssten auch mal mehr Zeit draussen verbringen, um sich abzureagieren und runterzufahren. Dann würden sie vielleicht bessere Entscheidungen treffen.
Es ist ja wirklich so, dass unsere Gefühle Raum brauchen. Ganz konkret brauchen sie Platz. Nicht nur etwas Kälte für die Wut der streitenden Kinder sondern Raum.
Unsere Alltagsgefühle passen in ihrer Intensität in die Wohnungen. Aber sobald Trauer, Wut, Ärger, Leid, Angst und Sorge – aber auch Freude – grösser werden, reicht der Raum des Zimmers nicht mehr. Dann muss man raus, dahin, wo der Himmel weit oben ist, wo wir Luft zum Atmen haben, wo Emotionen ihren Raum bekommen, so dass sie uns nicht mehr erdrücken und ersticken.

BILD MEER Sonnenuntergang
Immer wenn ich am Meer bin und die Weite des Horizontes sehe, muss ich daran denken: Sorgen und Ängste sind hier am Strand nicht kleiner, aber sie haben viel Platz und drücken daher nicht mehr so stark auf der Seele. Ähnlich geht es mir, wenn ich über die Felder gehe oder oben auf der Rigi stehe.
Im Psalm 31,9 gibt es den schönen Spruch: «Herr, du stellst meine Füsse auf weiten Raum». Es ist eine befreiende Aussage. Unser Leben nimmt seinen Lauf zwischen Wagemut und Ängsten. Doch Gott stellt unsere Füsse immer wieder auf weiten Raum, so dass wir wieder atmen können, neue Chancen und Ressourcen sehen und unseren Lebensweg weitergehen.
Und vielleicht ist genau das die leise Hoffnung, die uns trägt: Dass wir nicht im Engegefühl unserer Sorgen bleiben müssen, sondern dass Gott selbst uns hinausführt – Schritt für Schritt- in die Weite, in die Freiheit, ins Licht. Dorthin, wo die Seele wieder Platz hat, wo wir aufatmen und spüren: Ich bin gehalten. Ich kann weitergehen.
Amen
MUSIK: Musik-Momente Online-Kirche «Du stellst meine Füsse auf weiten Raum»
https://www.youtube.com/watch?v=yf7zEsPiYf4
FÜRBITTE
Gott, unsere Hilfe, mache unser Herz weit.
Allein können wir das nicht.
Mache unser Herz weit,
damit wir die anderen sehen,
die dich auch brauchen.
Sieh auf die Nationen und Religionen in dieser Welt.
Christen, Juden, Muslime und die vielen anderen.
Auf ihre Enge und ihre Weite.
Sieh auf die geballten Fäuste
und die geöffneten Hände, die zum Dialog einladen.
Hilf ihnen, dass sie sich für Frieden einsetzen.
Zu dir rufen wir: Herr, erbarme dich.
Sieh auf die jungen Leute.
Kinder, die niemand liebevoll in den Arm nimmt.
Jugendliche, die aus Frust gewalttätig werden.
Schüler, die gemobbt werden.
Mädchen und Jungen, die nicht aufgeben wollen
und sich engagieren für Toleranz und Achtung vor allen Menschen.
Schütze sie.
Zu dir rufen wir: Herr, erbarme dich!
Sieh auf die Menschen, die unter Klimaerwärmung, Gewalt und Ungerechtigkeit seufzen.
Die Menschen, die an Leib und Seele verletzt werden.
Die Kinder, die hungrig einschlafen müssen.
Die Obdachlosen auf den Straßen.
Menschen, die vor dem Nichts stehen.
Sei ihnen bergender Halt.
Zu dir rufen wir: Herr, erbarme dich!
In der Stille nennen wir die Menschen, die uns besonders am Herzen liegen.
Stille
Sei du mit allen, die uns lieb sind.
Und auch mit denen, die uns nicht lieb sind.
Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

BILD: Meer Sonnenuntergang 2
SEGEN
Gott schenke dir Raum,
wenn dir alles zu eng wird.
Er öffne dir den Blick,
wenn Sorgen dich niederdrücken.
Er lasse dich spüren,
dass deine Füsse festen Grund haben,
auch wenn der Weg steinig ist.
Gott weite dein Herz,
dass Hoffnung und Freude wieder Platz finden.
Er schenke dir Atem, Mut und Frieden
unter seinem weiten Himmel.
So segne dich
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist
Amen.
MITTEILUNGEN:
Herzlich laden wir für Sonntag um 10.00 Uhr zum Abendmahlsgottesdienst und Kindergottesdienst mit Pfrin Marion Werner ein. Im Anschluss sind alle zum Kirchenkaffee eingeladen. Wir wünschen allen ein gesegnetes Miteinander.
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Wir danken allen, die mit uns unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft.
Bleiben wir zuversichtlich, denn Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern.
Marion Werner mit Thomas Risel
Zum AUSKLANG: Irischer Segen
https://www.youtube.com/watch?v=vioms0A1axk