Herzlich willkommen zu unserem (164.) Abendgebet in der Wochenmitte.

 

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gottesdienste sind anders als sonst.

Gott bleibt.

Mittwoch und Samstag abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.             

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes und seinen Heiligen Geist zu öffnen.

BILD: Zugersee

GEBET                                                                                         

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Pfingst-Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit dem, was uns ausmacht,

mit allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen in der Wochenmitte.

Wir machen uns bewusst, dass Gott an unserer Seite steht.

 

In dem Gewohnten suche ich dich, du grosser Gott.

In den sonntäglichen Gottesdiensten, in den Andachten,

in den gewohnten Gebeten, den vertrauten Liedern.

Gewöhnlich ist die Begegnung mit dir aber nie,

denn du lässt mich die Spuren deiner Güte in meinem Leben erkennen.

Dafür danke ich dir.

Amen

 

LIED: wir LAUSCHEN oder SINGEN «Hinunter ist der Sonne Schein» – in unserem Gesangbuch unter der Nummer 467

https://www.youtube.com/watch?v=IgojeOTFQLU

 

MEDITATION: Dankbarkeit

«Dankbarkeit ist der Wächter am Tor der Seele gegen die Kräfte der Zerstörung». Gabriel Marcel

Heute Abend möchte ich Ihnen und Euch allen einen Text vorlesen, den eine Freundin von mir aus Siebenbürgen in Rumänien geschrieben hat. Ich habe ihn für uns übersetzt. Sie berichtet über ihre Corna Erkrankung.

 

«Ist es dir jemanls passiert, dass du vergessen hast dankbar zu leben?

Meine Geschichte handelt von Dankbarkeit:

für die Liebe, die niemals aufgibt;

für die Hoffnung, die sich niemals geschlagen gibt,

für die Gnade Gottes, die niemals aufhört, egal welches Leid dir zustösst.

Ob es mir schlecht ging? Ja, sehr.

Eine Woche lag ich im Bett ohne irgendetwas tun zu können.  

Ich konnte nicht lesen, nicht zuhören, nicht sprechen.

Ob ich verzweifelt gewesen bin? Ja.

Es gab die Augenblicke der Hoffnungslosigkeit in denen ich schluchzend mein Leid beweint habe

Ob ich Angst hatte? Ja. Mit meiner gesundheitlichen Vorgeschichte konnten sehr leicht Komplikationen eintreten.

Die erste Wochenhälfte war ich alleine. Es waren schwere Tage mit Augenblicken voller Furcht und Hoffnungslosigkeit. Tun konnte ich nichts, ausser schlafen, Tee trinken und hin und wieder meinen Liebsten eine Nachricht schreiben. Ich habe versucht mir eine Suppe zu kochen und benötigte dazu vier Anläufe. Essen konnte ich sie jedoch nicht, als sie endlich fertig war. Dafür ging es mir zu schlecht.

Dann kam endlich mein Mann nach Hause. Ein Sonnenstrahl trat in mein Leben und auch Hoffnung.

Doch nur für kurze Zeit, denn auch mein Mann erkrankte an Covid.

Ich hatte das Gefühl den Boden unter den Füssen zu verlieren und unter Hoffnungslosigkeit und Mutlosigkeit zu zerbrechen.

Was mir dann geholfen hat?

 

Mitten in dieser furchtbaren Zeit hatte ich einen Abend, an dem es mir besser ging. Ich konnte ein Bad nehmen, einige Nachrichten abhören und etwas klarer denken. Und dabei habe ich mich dann endlich daran erinnert, dass eigentlich Gott das Steuer meines Lebens in seinen Händen hält, unabhängig davon, ob ich meine Lebenssituation gerade unter Kontrolle habe oder nicht.

Und ich begann loszulassen. Alles was ich so krampfhaft noch zu halten versucht habe, liess ich los.

Ich habe die Menschen losgelassen, deren Zeit gekommen war zu gehen.

Ich habe die Covid Kritiker losgelassen, über die ich mich immer geärgert habe. Ihre Kritik sollte ihre Sorge sein und nicht meine.

Und ich habe mich selbst losgelassen. Fallen gelassen.

Nein ich bin nicht hingefallen.  

Nein, ich bin auch nicht zerbrochen.

Nein, ich habe mich auch nicht selbst verloren.

Denn über diese gesamte Zeit hat mich ein Beziehungsnetz gehalten und getragen, ein Netzt bestehend aus Familie, Freunden, Arbeitskollegen, Nachbarn und Bekannten.

Und dieses Netz, das wurde mir klar, dieses Beziehungsnetz ist getragen von Gottes Händen.

Danach konnte ich ruhig schlafen. Ich konnte wach sein und nichts tun, ohne daran zu verzweifeln. Selbst als ich auf dem Weg der Genesung war, konnte ich ruhig und tatenlos bleiben, ohne schlechtes Gewissen. Selbst, wenn der Haushalt schlimm ausgesehen hat und mein eigenes Geschäft ins Wanken geraten war.

Es fühlte sich an, als ob Gott auf den Reset – Knopf gedrückt hätte.

Ja, für das reset habe ich einige Tage gebraucht, um es zu verarbeiten, um diese neue Einstellung zu lernen. Loszulassen, das musste ich erst lernen.

Und dann, dann drückte Gott auf den Knopf «Dankbarkeit».

Und plötzlich kamen mir unglaublich viele Gründe in den Sinn, um trotz allem dankbar zu sein.

 

Von diesen vielen Gründen möchte ich drei nennen.

Mein Mann und ich, wir sind 26 Jahre verheiratet, leben jedoch seit 10 Jahren eine Wochenendehe, bedingt durch unsere Arbeit. Wir waren immer ein gutes Team, haben immer zusammengehalten und uns unterstützt. Aber 10 Jahre sind doch eine lange Zeit. Nun waren wir viele Tage krank und in unserer Wohnung eingesperrt. Für uns als Paar war es eine segensreiche und so glückliche Zeit, wie wir sie lange nicht erlebt hatten. Wir hatten nur uns zwei, ohne jede Ablenkung von aussen. Wir erlebten unser gemeinsames Kranksein als Geschenk für unsere Partnerschaft. Wir fühlen uns nun gestärkt für die nächste Lebensetappe. Dafür bin ich unglaublich dankbar.

 

Mein zweiter Grund für grosse Dankbarkeit ist die Gemeinschaft, in der ich lebe. Ich habe mir bewusst ein gutes Netz aufgebaut und pflege bewusst Beziehungen in der Familie, mit Freunden, am Arbeitsplatz und in der Kirche. Als ich krank war und im Haus isoliert, habe ich mich nicht alleine gefühlt. Ich wusste mich getragen, verbunden, unterstützt von so vielen lieben Menschen, denen ich nicht egal bin. Für die Gemeinschaft, deren Teil ich bin, bin ich unglaublich dankbar.

 

Mein dritter Grund für Dankbarkeit: Gottes Liebe. Als ich krank war und nichts leisten konnte, merkte ich, dass Gott mich liebt und für mich da ist. Trotz allem liebt er mich, ohne Gegenleistung und immer. Nicht nur mich, sondern uns alle. Im Stress des Alltags vergisst man Gott immer wieder mal. Aber in dieser Zeit, in der ich so sehr eingeschränkt war, erinnerte ich mich an Gott, fühlte ihn an meiner Seite. Und ich merkte, wie er mir aus dem dunklen Tal herausgeholfen hat. Und dafür bin ich auch unglaublich dankbar. Der Glaube, der ein Halt war in meinem Leben und im Stress des Alltags vergessen ging, ist nun wieder mein Halt und meine Stärke.

 

Ich habe ein Lebensmotto aus dieser schweren Zeit mitgenommen: «Dankbarkeit ist der Wächter am Tor der Seele gegen die Kräfte der Zerstörung». Gabriel Marcel

Täglich versuche ich mir nun meine Grüne für Dankbarkeit vor Augen zu führen und darauf zu vertrauen, dass Gott mein Leben aufmerksam und gütig begleitet.»

 

LIED: Wir SINGEN oder LAUSCHEN «Grosser Gott wir loben dich»

https://www.youtube.com/watch?v=duw26DL5lXU

 

BILD : Andrea Stenzel, Martin-Luther-Kirche, Bad Neuenahr

Schreckliche Bilder von Überschwemmungen und ihren Schäden haben uns in den letzten Tagen begleitet und unser Herz berührt.

 

Torsten Letztel hat unter dem Titel «Woher kommt mir Hilfe? – Psalm 121, überflutet»

Eine Meditation zum 121. Psalm geschrieben.

 

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?“

Sperrmüllberge, soweit das Auge reicht.

Wie verabredet, doch von niemand bestellt.

Häuser, von innen nach außen stülpen.

Ganze Menschenleben auf der Straße.

 

„Meine Hilfe kommt vom Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.“

Hilfe ist hier handfest: Schaufeln, Putzlumpen, schweres Gerät.

Segen hat zwei Worte: „Viel Kraft!“ Was soll man mehr sagen?

Für die großen Fragen von Himmel und Erde ist keine Zeit.

 

„Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,

und der dich behütet, schläft nicht.“

Wasser, die Schlamm sind. Ohne Halt.

30 cm reichen, um drin zu sterben.

Zuerst reißt er als Walze alles mit.

Später, getrocknet, lässt er nichts mehr los.

 

„Siehe, der Hüter Israels

schläft noch schlummert nicht.“

Auch in der Kirche: Schlamm bis zum Rand des Altars.

Die Bibel, verschont, liegt aufgeschlagen vom letzten Sonntag.

  1. Juli, 6. Sonntag nach Trinitatis: Taufsonntag.

 

„Der Herr behütet dich;

der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche

noch der Mond des Nachts.“

Die Sonne brennt: Schönes Wetter, als wäre nie etwas gewesen.

Nachts sticht der Mond. Wenn das Funktionieren aufhört und die Gefühle kommen. Glücklich, wer dann eine Hand hat.

Zum Festhalten, zum Gehalten-Sein.

 

„Der Herr behüte dich vor allem Übel,

er behüte deine Seele.“

Übel sind der Schmutz, Geruch, die zerstörten Leitungen.

Wer fließend Wasser, Strom, gar Telefon hat, ist reich.

Und gesegnet, wessen Seele keinen Schaden nimmt.

 

„Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang

von nun an bis in Ewigkeit!“

Aus- und Eingänge sind zerstört, überall.

Was heißt hier Ewigkeit?

Die Schäden werden weg sein, irgendwann.

Doch die Flut wird bleiben. Eingegraben in der Erinnerung.

BILD: Züricher Seesteg 

 

FÜRBITTE

Ewiger Gott,
Wasserfluten haben uns heimgesucht,
Ortschaften zerstört,
Menschen die Lebensgrundlagen geraubt,
Menschen, Tieren und Pflanzen das Leben genommen.
Immer noch erschüttert stehen wir da
und bringen vor dich unsere Klage,
unsere Verstörung und unsere Gedanken an die Opfer.

Und wir bitten dich:
Sende uns deine Friedenstaube, die Hoffnungsbotin,
und zeichne deinen Regenbogen in den Himmel
als Zeichen deines Bundes mit allem Leben,
dass du die Erde nicht verfluchen willst um der Menschen willen,
dass nicht aufhören soll
Saat und Ernte, Frost und Hitze,
Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Wasserfluten haben uns heimgesucht,
in anderen Weltgegenden wüten Hitzestürme.

Vor dir fragen wir uns, was all das bedeutet,
was wir dazu beigetragen haben und was wir ändern müssen.
Wir wissen: Alles ist uns erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.
Alles ist uns erlaubt, aber nichts soll Macht haben über uns.
Schenke uns deinen Geist, Gott des Lebens,
lass uns Einsicht nehmen und Mut fassen,
begleite uns auf dem harten Weg, der vor uns liegt.
Du bist unser Licht.

 

In Gedanken, Worten und Gefühlen bringen wir vor dich was unser Herz bewegt,

unseren Dank,

unsere Erleichterung,

unsere Bitte,

unsere Sorgen,

unsere Ängste,

unsere Lieben,

uns selbst.

 

STILLE

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

SEGEN (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Empfangt den Segen Gottes

Manchmal sehen wir Gottes Zukunft,

manchmal sehen wir nichts.

Bewahre uns Herr, wenn die Zweifel kommen.

Manchmal wirken wir Gottes Frieden,

manchmal wirken wir nichts.

Erwecke uns, Herr, dass dein Friede kommt.

(Kurt Marzi/Arnim Juhre)

Es segnet und behüte uns Gott der Allmächtige und Barmherzige,

Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Amen

Geht getrost in die Nacht und in den kommenden Tag, den Gott ist da.

 

 Wir LAUSCHEN das „Abendlied“ von Johann Mertz 

https://www.youtube.com/watch?v=ZV5qaR1VbFg