Herzlich willkommen zu unserem (160.) Abendgebet in der Wochenmitte.

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gottesdienste sind immer noch anders als sonst.

Gott bleibt.

Mittwoch abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit dem, was uns ausmacht,

allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen.

Wir machen uns bewusst, dass Christus lebt,

und jetzt ganz nahe bei uns ist.

Amen

 

Wir LAUSCHEN Voces 8 «Abendlied» von Joseph Rheinberger

https://www.youtube.com/watch?v=sIOagJryMik

 

Bild: Steine am Meer

MEDITATION: STEINE DER ERINNERUNG

Liebe Gemeinde,

sicher haben Sie auch schon einmal einen schönen Stein unterwegs mitgenommen, oder sogar mehrere gesammelt. Wir tun das gern. Wenn wir am Strand spazieren gehen, das Wasser unsere Füsse umspült, dann tun sich im Sand plötzlich schöne Steine auf, die wir gern mitnehmen. Auch auf einer Wanderung oder einem anderen Spaziergang können wir Steine entdecken. Wir nehmen sie mit, weil wir Menschen immer noch gerne sammeln. Und weil die kleinen Steine durch ihre Farben, Faserung oder durch ihr Aussehen wir kleine Schätze sind, die wir entdecken.

Und zuhause, da legen wir sie in Schalen, in Gläser oder einfach ins Regal. Hier erinnerun sie uns immer wieder an das, was wir erlebt haben. Wenn wir die Steine Mitten in unserem Alltag bewusst ansehen, dann rufen sie die Erinnerung wieder wach: Erinnerung an schöne Orte, besondere Begegnungen, an Ferien, an Ausruhen, an Glücklichsein. Diese Steine der Erinnung bringen nicht nur das Bild der Erinnerung zurück, sondern lassen auch das Gefühl für kurze Augenblicke in uns aufleuchten. Das tut uns gut und schenkt uns Kraft für den Alltag.

Steine der Erinnerung sind nicht neu. Als das Volk Israel nach 40 Jahren Wüstenwanderung endlich ins gelobte Land einziehen durfte, stellen sie 12 Steine der Erinnerung auf. Gott selber hatte Josua, dem Nachfolger von Moses, diesen Auftrag gegeben. Aus jedem der Stämme Israels sollte ein Mann einen Stein aus dem Fluss Jordan heben und ans Ufer bringen. Diese Steine, in Gilgal aufgerichtet, sollten an der Erlebte erinnern und an die Hilfe Gottes, der die Israeliten trockenen Fusses durch den Jordan und einst durch das Schilfmeer gingen liess. Und Josua sprach zu den Israeliten «Wenn eure Kinder später einmal ihre Väter fragen: Was bedeuten diese Steine?, so sollt ihr ihnen kundtun und sagen: Israel ging auf trockenem Boden durch den Jordan, als der HERR, euer Gott, den Jordan vor euch austrocknete, bis ihr hinübergegangen wart, wie der HERR, euer Gott, am Schilfmeer getan hatte, das er vor uns austrocknete, bis wir hindurchgegangen waren; auf dass alle Völker auf Erden die Hand des HERRN erkennen, wie mächtig sie ist, und ihr den HERRN, euren Gott, fürchtet allezeit. « (Josua 4,21-24)

Steine der Erinnerung, die nicht nur Vergangenes in Erinnerung rufen und die damit verbundenen Gefühle, sondern auch an Gott erinnern, der uns in den Höhen des Lebens begleitet und in den Tiefen des Lebens hilft. So war es damals für das Volk Israel, so kann es vielleicht auch für uns heute werden.

Jetzt, wo die Sommerferien kommen, einige Kanton starten am Wochenende bereits ihre Ferien, da sammeln Sie vielleicht wieder Steine auf Ihren Wegen. Vielleicht lassen Sie die Steine diesmal beides sein: Steine der Erinnerung an Erlebtes und an Gott.

Bild Gilgal – Das Bild zeigt nicht die 12 Steine Israels, die stehen leider heute nicht mehr zu sehen. Was wir sehen, sind die Überreste des megalithisch beeinflussten Tempels in Byblos/Libanon. Es lässt uns erahnen, wie das früher war.

 

Einen besonderen Stein der Erinnerung, der letzte Woche in Zürich eingesetzt worden ist, möchte ich heute Abend nicht unerwähnt lassen. Dieser Stein ist ein sogenannter Stolperstein.

Die Stolpersteine gehen zurück auf eine Aktion des Künstlers Gunter Demnig, der in den neunziger Jahren die Idee entwickelte, mit in den Boden eingelassenen viereckigen Plaketten aus leuchtendem Messing der Naziopfer zu gedenken – und zwar direkt vor dem Haus, in dem sie zuletzt gelebt hatten. Heute gibt es rund 80 000 solcher kleiner Denkmäler in 26 Ländern. Sie gelten als das grösste dezentrale Mahnmal der Welt.

Letzte Woche ist in Zürich ein Stolperstein für Julie Flöscher eingesetzt worden. Er erinnert an das Schicksal der jungen Züricher Frau, die von den Nazis als «lebensunwertes Leben» vergast worden ist. Der Massenmord an geistig und körperlich Behinderten sollte im Geheimen ablaufen. Deshalb wurde auch gegenüber Julies Eltern in Zürich lange vertuscht, was wirklich mit ihr geschen war. Seit letzter Woche nun erinnert der Stolperstein vor dem Haus an der Stapferstrasse 21, wo Julie vor ihrer Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt gewohnt hat, an ihr Schicksal.

Stolpersteine wollen diese unangenehmen Erinnerungen der Vergangenheit in der Alltag hineinbrechen lassen, in der Hoffnung, dass wir, wenn wir das Schlimme nicht vergessen, eine Wiederholung zu verhindern wissen.

Wir LAUSCHEN Voces 8

https://www.youtube.com/watch?v=osgqfOitQWo

 

GEBET

Herr, mein Gott, ich danke dir,

dass du diesen Tag zu Ende gebracht hast.

Ich danke dir,

dass du Leib und Seele zur Ruhe kommen ließest.

Deine Hand war über mir und hat mich behütet und bewahrt.

Vergib allen Kleinglauben und alles Unrecht dieses Tages

und hilf, dass ich allen vergebe, die mir unrecht getan haben.

Lass mich in Frieden unter deinem Schutz schlafen

und bewahre mich vor den Anfechtungen der Finsternis.

Ich befehle dir meinen Leib und meine Seele.

Gott, dein heiliger Name sei gelobt.

In Gedanken, Worten und Gefühlen bringen vor dich was unser Herz bewegt,

unseren Dank,

unsere Erleichterung,

unsere Bitte,

unsere Sorgen,

unsere Ängste,

unsere Lieben,

uns selbst.

 

STILLE

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

SEGEN (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Empfangt den Segen Gottes

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

So segne und behüte dich Gott der Allmächtige und Barmherzige,

Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Amen

Geht getrost in die Nacht und in den kommenden Tag, den Gott ist da.

 

Wir LAUSCHEN Voces8

https://www.youtube.com/watch?v=GeLW43SqqbA