Herzlich willkommen zu unserem Luther Abendgebet am Mittwoch

 

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gottesdienste sind anders als sonst.

Gott bleibt.

Mittwoch und Samstag abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

Verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit dem, was uns ausmacht.

Mit Freude im Herzen.

Aber auch mit Last auf der Seele.

Wir machen uns bewusst, was Christus für uns getan hat.

Wir lassen uns anregen davon, was Gott für uns will.

Amen

 

Wir LAUSCHEN oder SINGEN «Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken» Gesangbuch 91

 

https://www.youtube.com/watch?v=xFEDpdHWOA0

 

  1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,

mich in das Meer der Liebe zu versenken,

die dich bewog, von aller  Schuld des Bösen

uns zu erlösen

  1. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;

Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen.

Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken

am Kreuz erblicken.

  1. Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden

ein Ärgernis und eine Torheit werden:

so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,

die Weisheit Gottes.

 

Bild – Tal der Gemeinden 1

 

MEDITATION: Sinnloses Leiden

 

Liebe Gemeinde,

wir befinden uns Mitten in der Karwoche. Eine Woche, die unsere Blicke auf das Leiden von Jesus richtet und mit ihm auf alles Leiden, das wir sinnlos und ungerecht empfinden.

Wenn wir in dieser Pandemiezeit um uns blicken, sehen wir viel Leiden, das in uns die Frage hervorruft: Warum nur Gott? Warum lässt du das zu?

 

Diese Frage ist nicht neu. Ist nicht erst die Frage unserer Menschengeneration von heute.

Yad Vashem heißt die Gedenkstätte in Jerusalem. Dort gibt es das Tal der Gemeinden. Man geht zwischen riesigen Felsblöcken umher wie in einem Canyon. In die Felsen sind die Namen von jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt eingehauen. Gemeinden, die es nicht mehr gibt, weil ihre Mitglieder ermordet wurden in Theresienstadt oder Riga oder Stutthoff. Wenn man etwas sucht, findet man Lemgo, Detmold, Bad Salzuflen. Trauer und Klage in Stein gemeißelt. Auch Anklage. Gegen die Täter und jene, die es geschehen liessen. Auch gegen Gott, der nichts dagegen unternommen hat, obwohl er es hätte können. Obwohl es um sein heiliges Volk ging.

Im Alten Testament ist es Hiob, der Gott bitterlich anklagt. Er möchte es in Stein meißeln und festhalten (Hiob 19,23), damit es nie vergessen wird, das Unrecht, das ihm zugefügt wurde, das er erlitten hat. Gott ließ es zu, dass der Teufel alle seine Kinder umbringt an einem Tag, sein ganzes Vermögen zerstört, zuletzt seine Gesundheit. Nein, es war Gott selbst, sagt Hiob: «Gott hat mich den Übeltätern übergeben und hat mich in die Hände der Frevler kommen lassen. Ich war in Frieden, aber er hat mich zunichtegemacht; er hat mich beim Genick genommen und zerschmettert. Er hat mich als seine Zielscheibe aufgerichtet; seine Pfeile schwirren um mich her. Er hat meine Nieren durchbohrt und nicht verschont; er hat meine Galle auf die Erde geschüttet. Er schlägt in mich eine Bresche nach der andern» (Hiob 16, 11-14). Hiobs Freunde verteidigen Gott und sind der Meinung, alles was Hiob erlebt ist eine Strafe für ein Unrecht oder eine Schuld gegenüber Gott. Dagegen wehrt sich Hiob aber, weil er um sein gottesfürchtiges Leben weiss. Daher klagt er Gott an, der an seinem ganzen sinnlosen Leid die Schuld trägt. Er hat es nicht nur zugelassen, sondern verursacht.  

 

Irgendwann in seinem Leben geht man zum Steinmetz. Bestellt einen Stein und eine Inschrift. Einen Grabstein für die Eltern. Einmal auch für den Ehemann, die Ehefrau. Manche sogar für ein Kind. Auf den Grabsteinen stehen nur Namen und Jahreszahlen, manchmal ein Bibelvers oder eine Gedichtzeile. „Ich sehe dich in tausend Bildern“, „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

Unausgesprochen steht noch mehr darauf. Erinnerungen, auch schlimme: Wie der liebe Mensch nur noch Haut und Knochen war. Wie ungerecht das ist. Ein unschuldiges Kind überfahren. Angesteckt im Krankenhaus an Corona zufällig, in der letzten Stunde vor der Entlassung nach Hause. Das schreit zum Himmel! Wo ist Gott? Warum hat er das zugelassen, zugefügt? Antworte! Verteidige dich! Wo bist du Gott, der es gut meint mit uns?

Im Lager Auschwitz haben drei Rabbiner ein Gericht über Gott gehalten. Sie haben ihn schuldig gesprochen.

Nach langem Schweigen haben sie dann zusammen gebetet. Denn wo anders, als in Gottes Armen findet man Trost und Hilfe in allen Nöten die einen getroffen haben?

Gott einklagen, herausfordern, hervorrufen. Hiob tut das. Er muss es tun, weil diese Gedanken und Gefühle ihn sonst innerlich zerreissen.

Und Gott, er erscheint Hiob, er antwortet auf die Anklage und am Ende heilt er sein Leben und stellt es wieder her. Hiob aber sagt die Worte, die uns durch Händels Messias so bekannt geworden sind: «Ich weiß, dass mein Erlöser lebt und zuletzt wird er sich über dem Staub erheben. Meine Augen werden ihn sehen, wenn ich schon keine Augen mehr habe. Ich bin kein Fremder für ihn und er wird kein Fremder mehr für mich sein. Danach sehnt sich mein Herz (Hiob 19,25-25). Amen.

Wir LAUSCHEN der Arie «Ich weiss, dass mein Erlöser lebt», aus dem «Messias» von GF Händel

https://www.youtube.com/watch?v=g7OwlFX1Sms

 

GEBET

 

Verborgener und gnädiger Gott,
Erweise deine Nähe,
wo nichts und niemand mehr nah ist,
wo es nichts mehr zu hoffen gibt,
wo Lebensgerüste zerfallen.

Erweise deine Nähe,
wo Worte und Verstehen enden,
wo das Wort „Gott“ nichts mehr sagt,
wo der Glaube ins Offene fällt.

Erweise deine Nähe,
wo das Elend zu groß ist, um es zu begreifen,
wo das Dunkel ohne Widerspruch regiert,
wo die tiefe Nacht alle Gewissheiten raubt.

Erweise Deine Nähe,
wo der Tod den Abschied von allem fordert,
und Menschen zwingt,
sich selbst zu verlassen.

Erweise Deine Nähe,
wo Menschen selbstlos lieben und das Gute tun,
ohne es sich anzurechnen,
ohne sich besser als andere zu fühlen,
weil sie dir allein in sich Raum geben.

Erweise Deine Nähe,
wo du fern bist,
bei denen, die sich selbst überheben,
die andere dem eignen Vorteil opfern,
die keine Gnade und keine Vergebung kennen.

Verborgener und gnädiger Gott,
du fehlst uns
und wir ahnen doch,
dass du uns näher bist, als wir es fassen,
näher als wir uns selbst.
So werden wir still vor dir:

Stille

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt
und als der letzte wird er sich über den Staub erheben.
Ich selbst werde ihn sehen,
meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder.

So beten wir,
wie Christus uns gelehrt hat:

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

SEGEN (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Empfangt den Segen Gottes

 

Der Herr segne und behüte dich

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden

 

Geht zuversichtlich in die Nacht und in den kommenden Tag,

denn Gott ist da.

Amen

 

Wer noch mag: “Er weidet seine Schafe, der gute Hirte» aus Händels «Messias» https://www.youtube.com/watch?v=EsTUTZsSmYM