Herzlich willkommen zu unserem Luther Abendgebet am Samstag

 

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

der Quelle des Lebens, die uns gibt, was wir zum Leben brauchen.

Im Namen Jesu Christi, der Liebe, die uns vom Tod zum Leben bringt.

Im Namen des Heiligen Geistes, der uns durch dunkle Tage zum Licht führt.

Amen

 

Gottesdienste fallen nicht mehr aus. Und doch sind sie anders als sonst.

Gott bleibt.

Mittwoch und Samstag abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.              

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

 

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET 

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

Verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit dem, was uns ausmacht,

allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen

am Ende der Woche.

Aber auch mit Last auf der Seele.

Wir machen uns bewusst, dass Christus lebt,

und auch durch andere Menschen,

an unserer Seite steht.

Amen

 

Luther Moment: Am 17. April 1521 steht Luther in Worms vor den mächtigsten Männern seiner Zeit. Er ist kleinlaut und unsicher. Ein Tag später wirkt der gleiche Mann wie verwandelt. Selbstbewusst und voller Leidenschaft weigert er sich, seine kirchenkritischen Thesen zu widerrufen. Sinngemäss macht der das mit den so berühmt gewordenen Worten «Hier stehe ich und kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen» Was ist in dieser Nacht vom 17. auf den 18. April passiert? Was hat aus einem verzagten, einen mutigen Menschen gemacht?

 

Bild: Luther vor dem Reichstag zu Worms

 

Wir LAUSCHEN Das Lutherlied «Ein feste Burg ist unser Gott» gesungen von einem grossen, internationalen, virtuellen Chor – aus 34 Ländern singen hier Menschen mit. Es soll uns daran erinnern, dass wir als Lutheraner hier in der Schweiz Teil einer weltweiten Gemeinschaft sind, die sich an diesem Wochenende daran erinnern, wie Luther vor 500 Jahren zu seinen Überzeugungen gestanden ist und für sie eingetreten ist.

https://www.youtube.com/watch?v=z4EoLm3_luM

 

MEDITATION: Hier stehe ich!

Liebe Gemeinde,

2017 wurde das Reformationsjubiläum weltweit gefeiert: 500 Jahre „Thesenanschlag in Wittenberg“, also die mutige Aufforderung des Mönchs Martin Luther, doch mal zu schauen, ob in der Kirche noch alles so läuft, wie Jesus sich das wohl vorgestellt hat. Vier Jahre lang tobte daraufhin ein vor allem innerkirchlicher Streit über die Frage, ob und wie man diese Kritik Luthers werten müsse. Er endete mit der Exkommunikation des Reformators.

 

1521 bekam dieser Konflikt dann seine eigentliche gesellschaftspolitische Dimension, denn Martin Luther sollte vor dem Reichstag in Worms vor den versammelten europäischen Fürsten seine Thesen widerrufen. Er weigerte sich – und so wurde dieser wagemutige Auftritt zur eigentlichen Geburtsstunde des politischen Protestantismus und zu einer Sternstunde für Werte wie Haltung und Zivilcourage.

 

Nach einer Nacht, in der er um Gottes Beistand und die Kraft des Heiligen Geistes gebetet hat, tritt Luther vor den Reichstag und steht zu seinen Schriften, die seine tiefste Überzeugung widerspiegeln. «Hier stehe ich und kann nicht anders» diese mutigen Worte sind überliefert.

Doch tatsächlich sollen Luthers eigentliche Worte damals etwas ausführlicher gewesen sein: „Da mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann ich und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“

Die gesamte Rede Luthers ist sehr lesenswert und im Internet zu finden

Für Luther ist klar, sein Gewissen ist an Gott gebunden. Gegen Gott und gegen das eigene Gewissen, kann man nicht handeln.

Die Konsequenzen seiner unbeugsamen Haltung waren gefährlich für Luther: Er wurde unter Reichsacht gestellt. Das heißt: Jeder hätte ihn töten können, ohne Konsequenzen zu tragen.

Doch der Beschützer Luthers, Friedrich der Weise, sorgte dafür, dass Martin Luther entführt und anschließend auf der Wartburg versteckt wurde. Hier übersetzte Luther das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche und schrieb wichtige reformatorische Schriften.

 

Heute Abend, 500 Jahre später, sehen wir mitten aus der Pandemie auf Luther zurück. Zwei Gedanken möchte ich uns mitgeben.

Der Mut Luthers und seine innere Stärke sind bewundernswert. Sein unerschrockenes und glaubensstarkes auftreten. Ein Urbild des Protestantismus. Heute geht es aber nicht um Luther den Helden, sondern um den Luther, der sich von Gott hat stärken lassen für eine gute Sache einzutreten. Es gibt im Laufe der Geschichte und auch heute viele Momente in denen Menschen Haltung bewiesen haben und für ihre Sache eingestanden sind. Es gibt die grossen Namen: Martin Luther King, Ghandi, die zivile Seenotrettung Sea Watch und viele mehr. Es gibt aber auch die kleinen Namen: Peter der dem Jungen zur Seite gestanden ist, über den alle gelacht haben. «Luther-Momente» werden sie genannt. Diese Augenblicke, in denen wir uns erheben und dafür einstehen, was uns wichtig ist.

Was sind meine Luther Momente? – denken Sie in Ruhe darüber nach heute Abend.

 

Und der 2. Gedanke, den ich mitgeben möchte, ist das Wort Gottes. Luther hat es über alles gestellt, über die herrschende Tradition und die dazugehörigen Machtstrukturen. Wir brauchen das Wort Gottes mehr denn je. Es ist uns ein Kompass und kann uns gerade durch diese Zeiten geleiten. Es kann uns trösten und aufrichten. Es kann uns Kraft spenden und Mut geben, aus innerer Überzeugung klare Schritte zu gehen und Aussagen zu treffen. Selbst wenn es Gegenwind gibt. Die Freiheit eines Christenmenschen hat Martin Luther das genannt.

Das Wort Gottes verspricht uns, dass Gott ist bei uns.

Und sagt uns «Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.« «Jesaja 1,9

Amen

 

GEBET

Guter Gott,

wir beten für alle, die sich über die neuen Lockerungen unter Corona freuen.

Und wir beten auch für die Vielen, denen das alles noch unheimlich ist und manches zu schnell geht. Wir hoffen auf gelingendes Zusammenleben

 

Wir beten für alle die ohne Geld und Arbeit sind in unserem reichen Land.

Wir beten für alle Kranken und die Menschen, die für sie sorgen.

Für die Kinder und Frauen und Männer auf dem Weg nach Europa, die auf den Booten verunglücken. Für alle, die unter Gefahren unterwegs sind in dieser Welt, auf der Suche nach Leben und Heimat.

Wir beten für alle, die sich einsetzen für mehr Gerechtigkeit zwischen allen Menschen,

egal woher sie kommen und wie sie aussehen oder wie sie sprechen.

Und für eine Politik, die Fehler beseitigen und neue verhindern will.

Gott wir beten für die Kinder und Jugendlichen, die Gewalt erleiden.

Und für alle, die sich jedem Übergriff auf Schwächere in den Weg stellen.

Wir beten für die Millionen von Kindern und Frauen, die unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten.

 

Kyrie eleison,

Christe eleison

Herr erbarmt dich über uns

In der Stille bringen wir vor dich, was uns persönlich wichtig ist

 

STILLE

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

SEGEN (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Empfangt den Segen Gottes

 

Der Herr segne und behüte dich,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig

der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

 

Geht zuversichtlich in die Nacht und in den neuen Tag,

denn Gott ist da.

 

Amen

 

Wir LAUSCHEN oder SINGEN mit «Verleih uns Frieden» – Thomanerchor Leipzig

https://www.youtube.com/watch?v=t6zQWebmgmU