LUTHER GEBET für SAMSTAG, den 2. Januar 2021

Herzlich willkommen zu unserem ersten Abendgebet im Jahr 2021.

Begrüssen möchte ich euch alle mit einem Wort des Schweizer Theologen Kurt Marti:

Ehe wir dich suchten,
warst du da.
Bevor wir dich „Vater“ riefen,
hast du uns als Mutter umsorgt.
Beugten wir die Knie vor dir, dem Herrn,
kamst du als Bruder entgegen.
Beschworen wir deine Brüderlichkeit,
erging die Antwort schwesterlich.
Immer bist du es,
der vorher war;
allwärts bist du es,
der begegnet.

Amen

Möge Gott jedem und jeder von uns in diesem Jahr so begegnen, wie es uns gut tut.

 

Gottesdienste fallen nicht mehr aus. Und doch sind sie anders als sonst.

Gott bleibt.

Mittwoch und Samstag abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.              

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

 

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET                                                                                         

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilligen Geistes.

Amen

 

„Und nun wollen wir glauben an ein langes Jahr,

das uns gegeben ist,

neu,

unberührt,

voll nie gewesener Dinge,

voll nie getaner Arbeit,

voll Aufgabe,

Anspruch und Zumutung;
und wollen sehen,

dass wir`s nehmen lernen,

ohne allzuviel fallen zu lassen von dem,

was es zu vergeben hat,

an die, die Notwendiges,

Ernstes und Großes von ihm verlangen.“

Das schreibt Rainer Maria Rilke am 1. Januar 1907 an seine Frau Clara.

Dem möchte ich noch hinzufügen: bleibt gesegnet und behütet in all eurem Tun und Erleben.

 

Wir LAUSCHEN und sehen «Halleluja» von G.F. Händel – wunderbar inszeniert

https://www.youtube.com/watch?v=NXFhkmyVRgM

 

 MEDITATION: Überraschend

Liebe Gemeinde,

Eine Überraschung kann beides sein, schön oder böse. Zu Neujahr 2020 hat wohl niemand glauben können, dass dieses merkwürdige chinesische Virus uns in irgendeiner Weise betreffen könnte. Die Bilder der abgeriegelten Millionenstadt Wuhan kurze Zeit später – ich erinnere mich noch gut, wie sicher ich war, dass so etwas bei uns niemals passieren könnte.

Und in dem vergangenen Jahr bin ich dann häufig gefragt worden, wie Gott so etwas zulassen kann oder ob das Ganze gar eine Strafe Gottes ist.

Für eine Pfarrerin nicht weiter verwunderlich, ich bin das schon gewohnt. Allerdings wird diese Frage meistens dann gestellt, wenn es sich um eine böse Überraschung handelt, eine Katastrophe, einen Schicksalsschlag. Ich nehme mich da ausdrücklich nicht aus.

Was Gott mit mir vorhat? Ich frage mich das auch.

Ödön von Horvath hat in seinem kurzen Text, den wir als Bild sehen, keine Antwort auf diese Frage bekommen:

«Ich hab mal Gott gefragt, was er mit mir vorhat. – er hat es mir aber nicht gesagt, sonst wäre ich nämlich nicht mehr da. – Er hat mir überhaupt nichts gesagt. – Er hat mich überraschen wollen.»  Aus diesen 4 Sätzen kann man lernen, wie man mit den fehlenden Antworten Gottes umgehen kann. Zuerst einmal: Darauf vertrauen, dass Gott nicht einer ist, der laufend böse Überraschungen ausheckt. Sondern einer, der mir Gutes schenkt, Freude macht, neue Kraft gibt, so viel, dass ich manchmal allein davon schon überrascht bin.

Ich weiss, wir sind gerade alle ein bisschen traumatisiert von den bösen Überraschungen des letzten Jahres. Trotzdem wird es auch im neuen Jahr schöne Überraschungen geben, gute Nachrichten, viel Wiedersehen, Aufbrüche und Neuanfänge.

Mein einziger Vorsatz für 2021 heißt deswegen: Ich lasse mich überraschen.

Unsere Jahreslosung 2021 gibt uns darüber hinaus noch eine Art «goldene Regel» mit auf den Weg: «Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist» (Lukas 6,36) Der Pandemie-Marathon ist noch nicht vorbei. Und mit der Erschöpfung und nervlichen Belastung wird der Umgangston immer rauer werden, weil wir alle immer dünnhäutiger sind. Gerade jetzt spüren wir Unbarmherzigkeit: gegenüber denen, die in der Politik oder Medizin einen Weg durch die Krise suchen, gegenüber denen, die die Regeln scheinbar zu ernst oder zu locker nehmen… Gesellschaftliche Spaltungen werden sichtbarer und vergrößern sich, der Ton wird eben rauer …

«Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist» gibt Jesus uns mit auf den Weg. Barmherzigkeit bedeutet: Geduld, Mitgefühl, behutsamen Umgang miteiandern sowie Schutz vor ungerechtem Verhalten und verletzenden Urteilen. Barmherzigkeit könnte auch Fehlertoleranz und Abschied von manchem Perfektionismus bedeuten Die Jahreslosung erinnert daran, dass Gott Barmherzigkeit schenkt – großzügig, verzeihend, geduldig. Das ermutigt uns selbst barmherzig zu sein. Nicht nur den andern gegenüber, sondern auch mir selbst gegenüber.

Und so wünsche ich es euch und mir, dass wir in diesem neuen Jahr aufmerksam sind für die Überraschungen Gottes, dass wir sie bewusst und dankbar wahrnehmen und dass wir barmherzig sind, auch uns selbst gegenüber.

Amen

 

GEBET

Barmherziger Gott,

hör das Gebet unserer Hoffnung
und vertreibe die Traurigkeit.
Erscheine in diesem Jahr an der Seite der Kranken
auf den Intensivstationen,
in den Heimen und Asylen,
bei allen, die bangen und in Angst sind.
Erbarme dich.

 

Barmherziger Gott,

hör das Gebet unseres Glaubens
und vertreibe die Mutlosigkeit.
Erscheine in diesem Jahr an der Seite der Suchenden
in Schulen und Laboren,
in den Gemeinden und Kirchen,
bei allen, die enttäuscht und in Sorge sind.
Erbarme dich.

 

Barmherziger Gott,

hör das Gebet unserer Liebe
und lass uns grosszügig sein,

verzeihend,

geduldig

und barmherzig –

auch zu uns selbst.
Erscheine in diesem Jahr an der Seite unserer Kinder.
Geh mit unseren Liebsten mit
und geh auch mit denen mit,
die uns zu tragen geben.

Dein Licht und Segen mache dieses neue Jahr
zu einem glücklichen und erfüllten Jahr
für uns und für alle Welt
durch Jesus Christus.

 

In der STILLE bringen vor dich was unser Herz bewegt,

unseren Dank,

unsere Erleichterung,

unsere Bitte,

unsere Lieben,

uns selbst.

 

STILLE

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

SEGEN (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Empfangt den Segen Gottes:

Der gütige Gott gehe an deiner Seite

und begleite deinen Weg.

Er gebe deiner Seele die Ruhe, die du brauchst.

Er heile, wo du verletzt bist und erhalte dich gesund.

Er gebe dir die Kraft, die du für den Alltag brauchst.

Er lassen das Wort der Engel in dir aufgehen und dich erfüllen:

Fürchte dich nicht, hab keine Angst, denn Gott ist da.

Amen

 

Wir LAUSCHEN G.F. Händel: «Tröste dich, mein Volk»

https://www.youtube.com/watch?v=TZRTIuI68-Q