Herzlich willkommen zu unserem (153.) Luther-Gebet am Abend vor Pfingsten.

 

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gottesdienste sind anders als sonst.

Gott bleibt.

Mittwoch und Samstag abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.             

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET                                                                                         

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit dem, was uns ausmacht,

allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen.

Wir machen uns bewusst, dass Christus lebt, auch durch andere Menschen, und wie Gott an unserer Seite steht.

 

Der heutige Abend soll bereits im Zeichen des Pfingstfestes stehen. Aus dem Buch des Propheten Sacharja 4,6 stammt der Wochenspruch, der uns in die Pfingsttage begleiten soll:

 

«Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth».

 

Dazu der Lehrtet aus dem Neuen Testament:

«Gott hat den heiligen Geist in reichem Masse über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter, damit wir, durch seine Gnade gerecht gemacht, das ewige Leben erben, auf das wir unsere Hoffnung gesetzt haben.» (Titus 3,6-7)

 

Wir LAUSCHEN oder SINGEN mit: «Zieh ein zu deinen Toren» GB 133

https://www.youtube.com/watch?v=Tn3p4bZnK8k

1) Zieh ein zu deinen Toren,
sei meines Herzens Gast,
der du, da ich verloren,
mich neugeboren hast,
o hochgeliebter Geist
des Vaters und des Sohnes,
mit beiden gleichen Thrones,
mit beiden gleich gepreist.

2) Zieh ein, lass mich empfinden
und schmecken deine Kraft,
die Kraft, die uns von Sünden
Hilf und Errettung schafft.
Entsündge meinen Sinn,
dass ich mit reinem Geiste
dir Ehr und Dienste leiste,
die ich dir schuldig bin.

3) Du bist ein Geist, der lehret,
wie man recht beten soll;
dein Beten wird erhöret,
dein Singen klinget wohl.
Es steigt zum Himmel an,
es lässt nicht ab und dringet,
bis der die Hilfe bringet,
der allen helfen kann.

 

GEBET: Einladen möchte ich heute zu einem Gebet zu Gott, als dem Heiligen Geist.

 

Ruf in mir Heiliger Geist

Nach Gott und seiner Gerechtigkeit

Bet in mir Heiliger Geist

Um Freude und Zuversicht

Schrei in mir Heiliger Geist

Nach Freiheit und Leben

Wein in mir Heiliger Geist

Vor Schmerz und Trauer

Klag in mir Heiliger Geist

Über Trennung und Tod

Sing in mir Heiliger Geist

Das Lied der Befreiung

Juble mit mir Heiliger Geist

Im Land der Lebendigen 

Du heiliges Feuer

Brenn in unseren Herzen

Du heiliges Wasser

Fliess in unsere Beziehungen

Du heiliger Geist

Beflügle unsere Gedanken

Du heiliger Fürsprecher

Sprich in unserem Innern

Du heilige Taube

Flieg durch unsere Welt

Du heilige Liebe

Begeistere alle Menschen  

Amen  –  (Anton Rotzetter, Gott der mich atmen lässt, Herder 1994, S. 91)

 

Bild Pfingsten

 

HEILIGER GEIST in der BIBEL

 

Liebe Gemeinde,

Neben Gott-Vater und Christus ist der Heilige Geist die dritte Person der göttlichen Dreifaltigkeit/Trinität.

Diese unsichtbare Kraft und Energie Gottes ist für uns sehr schwer zu begreifen. Daher gibt es in der Bibel verschiedene Bilder für den Geist Gottes, die uns helfen ihn zu verstehen.

 

WIND – ist eines der Bilder. Das hebräische Wort für Geist bedeutet ursprünglich „Wind“ oder „Hauch“. Ein schönes Bild: Der Geist Gottes umweht die Menschen und befähigt sie, dem Leben dienliche Dinge zu tun. Der Wind ist eine unsichtbare Kraft. Wir sehen allein seine Wirkung. Der Heilige Geist durchdringt uns, treibt uns an und treibt voran, befähigt uns, führt uns hoffnungsvoll in die Zukunft.

 

TAUBE – die Taube in der Kirche ist selten eine Friedenstaube. Ihre Abbildung weist immer auf den Heiligen Geist hin. In Gestalt einer Taube vom Himmel kam er von Gott und liess sich bei der Taufe auf Jesus nieder. «Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe» Eine Taube – ein Vogel der sich zwischen Himmel und Erde bewegen kann und so die Verbindung zwischen Mensch und Gott aufrecht erhält.

Ich muss gestehen, jedes Jahr neu erkläre ich in unserem biblischen Unterricht den Heiligen Geist und er ist für die Kinder nicht so leicht zu verstehen – für Erwachsene sicher auch nicht. Vor 2 Jahren war es dann, als einer der pfiffigen Jungs mich plötzlich fragte: «Funktioniert der Heilige Geist so wie das Wlan?» Ich war zuerst erstaunt und musste dann lachen. Ja Gott ist immer online und der Heilige Geist funktioniert wirklich ähnlich wie ein Wlan und hält unsere Verbindung zu dem unendlich grossen Gott aufrecht. Das Wlan-Zeichen kommt bei uns nun immer als Erklärung mit dazu.

 

FEUER – ist ein anderes Bild des Geistes. In der Pfingstgeschichte hören die Jünger, die eingesperrt und traurig in einem Zimmer sassen, ein Brausen und dann sieht man über ihren Köpfen Feuerzungen tanzen. Der Heilige Geist – er befreit die Jünger aus der Trauer, er verwandelt sie, er begeistert sie im wahrsten Sinne und löst ihre Zungen, so dass sie von Gott erzählen können, so dass sie die richten und guten Worte für andere Menschen haben. Petrus ist es, der den Menschen das Pfingstwunder erklärt: Schon Jahrhunderte zuvor hat der Prophet Joel angekündigt: «Es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgiessen von meinem Geist auf alles Fleisch» (Joel 3,1)

 

GABEN – das Neue Testament erzählt davon, dass der Heilige Geist den einzelnen Menschen unterschiedliche Gaben schenkt – also Talente (dieses Wort stammt aus der Bibel). Und mit ihnen sollen wir der Gemeinschaft dienen. Wir haben unterschiedliche Talente, weil die Gemeinschaft unterschiedliche Talente braucht. Gekrönt werden die Gaben von der Liebe, sagt der Apostel Paulus. Er zählt die «Früchte des Geistes» folgendermassen auf: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte und Treue (Galater 5,22)

 

SÜNDE – eine wenig bekannte Besonderheit gibt es über den Heiligen Geist noch. Jesus sagt im Markusevangelium 3,28: es gibt eine Sünde auf dieser Welt, die absolut unverzeihlich ist: «Wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit».

 

Der Heilige Geist, der weht, wann und wo er will, das Wesen Gottes, gehört seit dem 4. Jahrhundert zum Glaubensbekenntnis aller christlichen Kirchen.

 

 

Wir LAUSCHEN oder SINGEN mit: «Komm, o komm, du Geist des Lebens» GB 134

https://www.youtube.com/watch?v=amfzjbUwKms

 

1) Komm, o komm, du Geist des Lebens,
wahrer Gott von Ewigkeit!
Deine Kraft sei nicht vergebens,
sie erfüll uns jederzeit;
so wird Leben, Licht und Schein
in dem dunklen Herzen sein.

2) Gib in unser Herz und Sinnen
Weisheit, Rat, Verstand und Zucht,
dass wir ander’s nichts beginnen
als nur, was dein Wille sucht;
dein Erkenntnis werde groß
und mach uns vom Irrtum los.

3) Lass uns auf dein Zeugnis bauen,
dass wir Gottes Kinder sind,
die auf ihn allein vertrauen,
wenn sich Not und Drangsal findt;
denn des Vaters Lieb und Zucht
einzig unser Bestes sucht.

4) Lass uns vor den Vater treten,
ihn zu ehren stets bereit;
seufz auch in uns, wenn wir beten,
und vertritt uns allezeit,
so wird unsre Bitt erhört
und die Zuversicht vermehrt.

 

PFINGSTEN – Pfingsten zählt neben Weihnachten und Ostern zu den wichtigsten Festen der christlichen Kirche. Ich weiss, viele können damit nicht so viel anfangen und geniessen die oft sonnigen Pfingsttage in der Natur.

Pfingsten ist aber ein wunderbares und für uns Christen unglaublich wichtiges Fest. Während Weihnachten und Ostern in ihren Geschehnissen an Zeit und Raum gebunden sind, befreit sich Gott sozusagen und kommt durch seinen Geist zu jedem und jeder überall, unabhängig von Zeit und Raum. Haben Sie sich das schon überlegt?

Weihnachten passiert vor 2000 Jahre in Bethlehem. Das Leben von Jesus spielt sich in Galliläa ab. Nach seiner Auferstehung erscheint Jesus seinen Jüngern und anderen Menschen für 40 Tage in der gleichen Gegend. Dann folgt die Himmelfahrt. Jesus kehrt zurück zu Gott, woher er gekommen war. Er ist nicht mehr auf der Erde verfügbar.

Erst nachdem er entschwunden ist, sendet Gott seinen guten und heilenden, tröstenden und verwandelnden, eben seinen Heiligen Geist seinen Menschen. Und der Heist kann nun jeden Mensch überall auf der Welt und zu allen Zeiten berühren. Niemand muss zu einer Wallfahrt nach Jerusalem fahren um Gott zu begegnen. Niemand muss bestimmte Zeiten oder festgelegte Orte aufsuchen um Gottes Trost zu spüren. Durch den Heiligen Geist können alle Menschen überall zu Gott dem Vater kommen.

Daher ist Pfingsten eines der drei Hochfeste unseres Kirchenjahres. Pfingsten ist so gesehen das Fest der geistlichen Weite, die Vielfalt und Unterschiedlichkeit im christlichen Glauben. Pfingsten steht für dieses unergründliche Staunen darüber, dass Gott  jeden Menschen unmittelbar berühren und verwandeln will, dass er sich Zeit nimmt für jeden Menschen und ihn in seiner und ihrer Sprache ansprechen will. Und weil der Geist die Menschen zusammenruft zu einer Gemeinschaft und einer Gemeinde, wird Pfingsten auch Geburtstag der Kirche genannt.

 

So wünsche ich Ihnen morgen ein begeisterndes Pfingstfest,

Staunen und Freude über die unmittelbare Nähe Gottes

Amen

 

Pfingsten ist immer inspirierend und begeisternd. Heute möchte ich Ihnen eine ganz andere Pfingstinspiration vorstellen im Stephansdom in Wien. Wiener Stephansdom als Schauplatz einer künstlerischen Begegnung zwischen Rap, Ballett und Orgelmusik. Ein christlicher Rapper, eine Primaballerina, ein Solotänzer und der Domorganist treffen in der Mitte des Stephansdoms aufeinander. In ihren jeweiligen Genres interpretieren sie die Botschaft des Pfingstfests. Durch ihre musikalisch-künstlerische Begegnung zeigen sie, wie vielfältig Kirche ist.

https://www.youtube.com/watch?v=UUNa1EuZ8Dk

 

FÜRBITTE

Komm, Heiliger Geist, und schaffe alles neu!
Wir sind in Unruhe.
Komm mit deiner Weisheit.
Viele sind verunsichert.
Komm mit deiner Klarheit.
Die Mächtigen sind uneins.
Komm mit deinem Rat.
Die Kranken sehnen sich nach Heil.
Komm mit deiner Stärke.
Die Wissenschaftler und Forscherinnen mühen sich.
Komm und schenke ihnen Erkenntnis.
Die Traurigen verlieren den Mut.
Komm mit deinem Trost.
Deine Gemeinde sehnt sich danach,
zu singen und gemeinsam aufzuatmen.
Komm und berühre deine Menschen.
Brich mit uns zusammen auf.
Geh mit uns hinaus ins Weite
und heile uns.
Komm, wir warten!
Komm, Heiliger Geist, und schaffe alles neu!

 

In Gedanken, Worten und Gefühlen bringen vor dich was unser Herz bewegt,

unseren Dank,

unsere Erleichterung,

unsere Bitte,

unsere Sorgen,

unsere Ängste,

unsere Lieben,

uns selbst.

 

STILLE

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

SEGEN (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Empfangt den Segen Gottes

 

Geht in der Kraft, die euch gegeben ist, geht einfach, geht leichtfüßig, geht zart, und haltet Ausschau nach der Liebe. Gottes Geist geleite euch!

 

Geht zuversichtlich in die Nacht und in den neuen Tag, denn Gott ist da.

Amen