LUTHER GEBET für SAMSTAG, den 31. Oktober 2020

Herzlich willkommen zu unserem Abendgebet am Mittwoch.

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, von dem alles Leben herkommt,

des Sohnes, der Wahrheit, Weg und Leben ist,

des Heiligen Geistes, der uns Mut zum Leben macht. Amen

 

Gottesdienste fallen nicht mehr aus. Und doch sind sie anders als sonst.

Gott bleibt.

Mittwoch und Samstag abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.              

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

 

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET                                                                                         

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilligen Geistes.

 

Unterbrich mich heilsam Gott,

wenn ich wieder im und am Rad drehe.

Ruf mich zu Vernunft und Besinnung.

Sag mir, was ich mir selber nicht sagen kann:

dass ich geliebt, wundervoll, frei bin.

Lies mir vor aus den alten Geschichten,

von Wüsten und Wundern,

vom neuen Himmel und der neuen Erde,

vom Gott der Liebe, der über mir, um mich, in mir ist.

Brich mir das Brot, wenn es Abend wird.

Zünd eine Kerze an.

Zeichne ein Kreuz auf meine Stirn, bevor ich schlafe.

Bete mit mir, für mich, wenn ich es selbst nicht mehr kann.

Lass uns schweigen, wenn uns beiden die Worte fehlen.

Halt mich, meine Hand.

Sei einfach da.

(Thorsten Latzel)

Amen

 

Wir LAUSCHEN J.S. Bach – Andante and Allegro from sonata in e minor; an der Flöte Kristine West

 

https://www.youtube.com/watch?v=EDrpMA6_rw4

 

MEDITAION: So schützen wir uns seelisch

Liebe Gemeinde,

der heutige Tag, der 31. Oktober ist der Gedenktag der Reformation. Wir erinnern uns an Martin Luther, seinen mutigen Thesenanschlag, an die deutsche Bibelübersetzung, an die berühmte Rechtfertigungslehre, die besagt, dass wir durch Christus geliebte und geschätzte Kinder Gottes sind, gerecht gesprochen, ohne davor eine Leistung erbringen zu müssen. Als Christen leben wir begleitet von der Zusage der Liebe und Gnade Gottes für uns. Wir wissen, wir sind von Gott angenommen, auch dann noch, wenn wir uns selbst nicht annehmen können. Das ist unendlich wertvoll für unser Leben.

 

Zu Luthers Zeiten war das Leben von Angst geprägt. Angst vor Kriegen, vor Hungersnot, vor Krankheiten, besonders vor der Pest, Angst vor Arbeitsverlust und Armut, Angst vor Hölle und Fegefeuer, Angst vor dem strafenden Gott. Gegen diese Angst durfte Luther, von Gott geleitet, den liebenden Gott für uns alle wiederentdecken. Die freundliche Stimme Gottes konnte wieder hörbar werden, das: «Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!  Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen. Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. …Weil du wertvoll bist in meinen Augen und herrlich und weil ich dich lieb habe» (Jesaja 43,1-4).

 

Unsere heutige Zeit ist auch von vielen Ängsten geprägt. Es geht nicht mehr um die Pest, aber um den Corona Virus und andere Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Kriege, Hungersnot, Klimakatastrophen…. Auch zu uns spricht Gott heute das «Fürchte dich nicht!»

 

Doch manchmal, so habe ich das Gefühl, kommt das vor lauter Eindrücken und Informationen und Zahlen nicht bei uns an. Wir wissen um die Zusage und Nähe Gottes, fühlen sie aber nicht.

Letzte Woche fand ich in den sozialen Medien eine andere Art von Massnahmen gegen die Corona Krise «Seelische Massnahmen in der Corona Krise», heisst es da. «So schützen wir uns seelisch». Und da fand ich gute Ratschläge:

 

  1. Akzeptieren, was man nicht ändern kann. Dinge annehmen, die man nicht ändern kann. Das macht den Anfang.
  2. Dann geht es weiter, mit dem Rat «Normalität und Routine schaffen». Wir Menschen brauchen Normalität und Routine. Corona hat Unsicherheit gebracht, fordert mehr Flexibilität als uns guttut, hat das normale Leben auf den Kopf gestellt. Der Rat ist, mitten in dieser Zeit, die noch eine Weile andauern wird, Rituale zu entwickeln. Rituale, die einem gut tun, so dass der Tag wieder an Normalität gewinnt. Sicher ist sie anders als früher. Aber es kann in den persönlichen Alltag wieder eine Ordnung und Normalität einkehren.
  3. «Dosierte Fakten statt Informationsflut und rotierende Gedanken». – diesen Rat finde ich persönlich sehr gut. Neulich sagte mir wieder jemand: «Dauernd die ganzen Zahlen und Informationen erschlagen mich!». Nachrichten kann man bewusst dosieren, auf eine bestimmte Zeitspanne am Tag. Dann bleibt Zeit übrig… übrig für die Liebe, für die Arbeit, für das Leben, für die Sonne, für das Lachen der Kinder und Vieles mehr.
  4. «Bewusst Auszeiten und Rückzugsmöglichkeiten schaffen». Augenblicke, die ganz allein uns gehören, die brauchen wir alle. Durch die Woche verteilt. Sucht euch kleine Rückzugsmöglichkeiten und Atempausen. Mit Büchern, Spaziergängen, Musik, ohne Telefon und Internet…. Ganz so, wie es euch guttut.
  5. «Grosszügigkeit bei Unterstützung, Konflikten und Hilfe». So oft wie noch nie habe ich in diesem Jahr Menschen gesagt «Sei grosszügig». Grosszügig mit Menschen, deren Meinung man nicht teilt; grosszügig anderen zu helfen, grosszügig für andere da zu sein, sich Zeit zu nehmen.
  6. «Kontakte und Nähe kreativ und herzlich pflegen». Ich würde hier noch «achtsam» hinzufügen. Den Umgang, den wir bisher miteinander hatten, müssen wir ändern und das ist mühsam, das weiss ich. Aber wir Meschen sind kreativ. So füllt doch den gebotenen Abstand mit Herzlichkeit in ganz neuen Arten. Ich weiss, dass ihr das könnt

 

Liebe Gemeinde, schliessen möchte ich mit den Worten von Luthers Reformationslied «Ein feste Burg ist unser Gott». Es bleibt aktuell, weil das Leben der Menschen immer auch ein bedrohtes Leben ist:

 

  1. Ein feste Burg ist unser Gott,
    ein gute Wehr und Waffen.
    Er hilft uns frei aus aller Not,
    die uns jetzt hat betroffen.
    Der alt böse Feind mit Ernst
    ers jetzt meint;
    groß Macht und viel List
    sein grausam Rüstung ist,
    auf Erd ist nicht seinsgleichen.
  2. Mit unsrer Macht ist nichts getan,
    wir sind gar bald verloren;
    es streit‘ für uns der rechte Mann,
    den Gott hat selbst erkoren.
    Fragst du, wer der ist?
    Er heißt Jesus Christ,
    der Herr Zebaoth,
    und ist kein andrer Gott,
    das Feld muß er behalten.
  3. Und wenn die Welt voll Teufel wär,
    und wollt uns gar verschlingen,
    so fürchten wir und nicht so sehr,
    es soll uns doch gelingen.
    Der Fürst dieser Welt,
    wie saur er sich stellt,
    tut er uns doch nicht;
    das macht, er ist gericht‘:
    Ein Wörtlein kann ihn fällen.

 

Wir LAUSCHEN oder SINGEN «Ein feste Burg»

https://www.youtube.com/watch?v=E969xwHA91E

 

GEBET

 

Auf dein Wort,
ewiger Gott,
haben unsere Mütter und Väter gehört.
Wir danken dir dafür.

Dein Wort,
Jesus Christus,
ist uns Trost und Mahnung.
Wir danken dir dafür.

Dein Wort,
barmherziger Gott, ist das Leben.
Sprich es heute:
zu den Müttern und Vätern,
damit es die Kinder lernen.
Sprich es heute:
zu den Kranken,
damit sie genesen.
Sprich es heute:
zu denen, auf die man hört,
damit sie den Schwachen zum Recht verhelfen.
Sprich es heute:
zu den Klugen und Weisen,
damit sie ihr Können zum Wohl aller einsetzen.
Sprich es heute:
zu deiner Kirche,
damit sie es predigt.
Sprich es heute zu uns,
damit wir als versöhnte Menschen leben
und deinen Frieden in die Welt hineintragen
durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

 

Barmherziger Gott,

Vieles bewegt uns heute. Freude und Sorge und Angst bringen wir dir.

Unser Leben und alle die wir von Herzen lieben.

 

STILLE

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

SEGEN (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Empfangt den Segen Gottes, heute aus dem 5. Buch Mose 31,6:

«Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!»

 

Geht gesegnet in die Nacht. Bleibt zuversichtlich. Gott ist da.

Amen

 

 

Wir LAUSCHEN: Kristine West an der Flöte, sie spielt Jacob van Eyck – Psalm 9

https://www.youtube.com/watch?v=V2OyavJUoq0