Herzlich willkommen zum 403. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 1. April 2026
Wir sind in der letzten Woche der Passionszeit, der Karwoche.
Die Passion, die Karwoche, eine Zeit zur Besinnung, zum Innehalten, zur Umkehr, zum Verzicht.
Zu kleinen Veränderungen im Alltag, die uns achtsam machen und neue Erfahrungen ermöglichen will.
Passionszeit – mit der Hoffnung, dass wir Gott in unser Leben lassen, uns selbst hören und spüren, und andere genauer sehen und verstehen.
Ich zünde eine Kerze an, für das Licht, für den Frieden, für Vertrauen, für die Hoffnung.
So sammeln wir uns heute Abend:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,
im Namen Jesu Christi, dem Herrn und Bruder, der uns im Leiden trägt und hilft,
und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns verbindet zwischen Himmel und Erde.
Amen.
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

Kar-Freitag, Kar-Samstag, Kar-Woche: das kommt vom althochdeutschen Wort „kara“, was so viel bedeutet wie ‚trauern, klagen‘.
Es war und ist zum Klagen und Trauern, was damals in Jerusalem geschehen ist.
Der Leidensweg Jesu bis zur Kreuzigung. Vom Empfangen wie einen König mit Hosianna-Ruf bis zur Verurteilung mit dem Ruf „Kreuziget ihn“.
Wir denken an diesen Weg mit der Musik aus J. S. Bachs Messe in H-Moll, dem Chor über das Glaubensbekenntnis „Er ist Mensch geworden, incarnatus est“
Musik: Messe h-Moll, BWV 232, III. Credo: No. 4, Et incarnatus est · Thomanerchor Leipzig · Andreas Reize · Gewandhausorchester
https://www.youtube.com/watch?v=WoM2FU5S2gM
Et incarnatus est Und er hat Fleisch angenommen
de Spiritu Sancto durch den Heiligen Geist
ex Mariae Virgine, aus Maria, der Jungfrau
et homo factus est. und Mensch geworden ist.
„Im Gedenken an Jesu Leiden und Sterben –
die Not und das Leiden von Menschen heute mit
anderen Augen erkennen.
Auf-Stehen in seinem Namen.
Auf-Erstehen mit ihm.“
So beginnt der „Ökumenische Kreuzweg Zürich“ auch mit der 30. Ausgabe jetzt an Karfreitag, 3. April 2026 (12.00 – 14.00 Uhr) auf dem Weg durch Zürich.
Dieser Weggottesdienst unter freiem Himmel vereint an Karfreitag Menschen verschiedener konfessioneller, nationaler und politischer Herkunft.
Symbolträchtige Orte im Stadtzentrum werden als Haltestationen ausgewählt.
Im Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu tragen Teilnehmende ein grosses Holzkreuz von Station zu Station. In kurzen Besinnungen und Gebeten verbinden Vertreterinnen und Vertreter verschiedener christlicher Konfessionen die Orte der Stationen mit Leidens-Erfahrungen unserer Zeit sowie mit biblischen Texten.
Der Kreuzweg an Karfreitag ist der grösste regelmässige ökumenische Anlass in Zürich. Es nehmen jedes Jahr 500 bis 1000 Personen teil.
Die Texte werden in verschiedene Sprachen übersetzt. Für gehörlose Menschen wird alles in Gebärdensprache übersetzt.

Bild: 30. Ökumenischer Kreuzweg Zürich 2026
Ein Beispiel einer Station des Kreuzwegs 2026 hören wir jetzt. Mitten aus der Stadt Zürich:
«Wenn wir den Schanzengraben überqueren, sehen wir von da aus das Zürcher Bauschänzli – Reste der Befestigungsanlagen, die ab Mitte des 17. Jahrhunderts errichtet wurden.
Zürich versuchte sich damit vor Gefahren von ausserhalb zu schützen. Doch auch diese Gräben und Bollwerke nutzten nichts. Ende des 18. Jahrhunderts marschieren fremde Truppen ein und besetzen die Stadt. Schutzsysteme versagen. Damals wie heute.
Der Mensch heute ist in seiner Existenz ebenfalls gefährdet. Viele Kriege und Konflikte, weltweit, aber Unsicherheit auch vor unserer Haustür, in unserem Alltag.
Wir umgeben uns mit Firewalls, Passwörtern, Algorithmen – aus Angst vor dem, was der Mensch selbst geschaffen hat. Ob Technik und künstliche Intelligenz Heil oder Unheil bringen – wir wissen es noch nicht. Doch sind wir oft ausgeliefert, hilf- und wehrlos, überrollt von Glück oder Unglück. Andere werfen das Los über unser Gewand. Über unsere Daten. Unsere Zeit. Unser Leben.»
Mit Jesus am Kreuz bringen wir die vielen Menschen vor Gott, die unter dieser Wirklichkeit leiden. Und uns selbst. Wir legen uns mit Jesus in Gottes Hände – und vertrauen gemeinsam mit dem Beter des 22. Psalms: «Du aber, HERR, halte dich nicht fern! Du, meine Stärke, eile mir zu Hilfe!»
Musik: J. S. Bach, Messe h-Moll, BWV 232, III. Credo: No. 5, Crucifixus · Thomanerchor Leipzig · Andreas Reize · Gewandhausorchester
https://www.youtube.com/watch?v=F49j6Yms7EA
Crucifixus etiam pro nobis Gekreuzigt wurde er sogar für uns,
sub Pontio Pilato; unter Pontius Pilatus
passus et sepultus est. ist er gestorben und begraben worden.
Gebet:
Du Gott in Jesus Christus am Kreuz,
Du bist nah, nicht fern!
In allen Gefährdungen unseres Lebens, in aller Bedrohung und Ohnmacht:
Du hast dies selbst erlebt und erlebst es auch heute mit uns.
Du sagst: Deine Kraft will in den Schwachen mächtig sein.
So sei Du meine Stärke, eile mir zu Hilfe!
Diese Welt macht mir oft Angst, und die Angst kommt so nah, so viel
Bedrohungen, Dinge, Geschehnisse, die mich überrollen, die ich nicht mehr
steuern kann.
Wir stehen unter dem Kreuz und bitten Dich:
Öffne Deine Hände für uns, nimm uns auf in Dein Herz.
Segne uns und die Welt und lass sie uns zum Segen werden, nicht zum Fluch.
Der Du allein Wunder tust: unser Gebet zu Dir ist wie atmen.
Schenke uns und der Welt Ruhe und Trost, Geborgenheit und Hoffnung.
Halte dich nicht fern.
Wende diese Karfreitags-Welt hin zum Guten, zur Auferstehung ins Leben.
In Jesu Namen.
Gemeinsam beten wir mit seinen Worten:
Vaterunser im Himmel…
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
VERABSCHIEDUNG
Herzliche Einladungen:
-in die Martin-Luther-Kirche Zürich zum Abendmahls-Gottesdienst am Gründonnerstag 2.4.ab 18 Uhr,
-zum Karfreitags-Gottesdienst mit Stille 3.4. 10 Uhr,
zum Ökumenischen Kreuzweg Zürich Karfreitag ab 12 Uhr, Stationen siehe Plakat;
-zur Ostermorgenfeier am Ostersonntag 5.4. ab 7 Uhr,
zum Familien-Gottesdienst ab 10 Uhr mit gemeinsamem Oster-Frühstück von 8-10 Uhr –sowie zum ökumenischen Ostergottesdienst ab 11 Uhr in der Halden Kirche St. Gallen!
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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, in über 400 Ausgaben Luther-Gebet, wir wünschen noch eine gesegnete Karwoche sowie dann ein frohes Osterfest.
Bleiben wir zuversichtlich. Denn Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern!
Pfarrer Thomas Risel mit Pfarrerin Marion Werner
Segen
Geht in diesen Abend, in die Nacht und die kommende Zeit mit Gottes Segen:
Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:
Niemand ist da, der mir hilft in meiner Not.
Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:
Niemand ist da, der mich erfüllt mit seinem Trost.
Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:
Niemand ist da, der mich hält in seiner Hand.
Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:
Niemand ist da, der mich leitet und begleitet
auf allen meinen Wegen –
Tag und Nacht.
Sei gut behütet und beschützt von dem
Schöpfer des Himmels und der Erde,
seinem Sohn, unserem Erlöser Jesus Christus
und dem Heiligen Geist, Atem des Lebens
Amen.
Musik: Johann Sebastian Bach, Johannes-Passion BWV 245. Schlusschoral „Ach Herr, laß dein‘ lieb Engelein“ (Windsbacher Knabenchor & Freiburger Barockorchester)
https://www.youtube.com/watch?v=mZgk79a5BbE
Ach Herr, laß dein lieb Engelein
Am letzten End die Seele mein
In Abrahams Schoß tragen,
Den Leib in seim Schlafkämmerlein
Gar sanft ohn eigne Qual und Pein
Ruhn bis am jüngsten Tage!
Alsdenn vom Tod erwecke mich,
Daß meine Augen sehen dich
In aller Freud, o Gottes Sohn,
Mein Heiland und Genadenthron!
Herr Jesu Christ, erhöre mich,
Ich will dich preisen ewiglich!