Herzlich willkommen zum 378. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 1. Oktober 2025
Der Herbst geht nun seinen Lauf. Ungemütliche Regentage. Beginnender Goldener Oktober. Zeit für eine Kerze, für wärmende Gedanken, schöne Musik, Gebet und Segen. Wir halten inne, kommen zur Ruhe.
Und so sammeln wir uns heute Abend:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,
im Namen Jesu Christi, der uns trägt und segnet,
und im Namen des Heiligen Geistes, der uns verbindet zwischen Himmel und Erde.
Amen.
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

Bild: Michaelistag, Erzengel Michael
Psalm 34,8: „Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.“
Der Michaelistag 29. September wurde durch Ludwig den Frommen auf dem Konzil von Mainz 813 eingeführt. Er erinnert die Menschen daran, dass sie auf ihrem Weg in die dunklere Jahreszeit von Gott und seinen Engeln begleitet und beschützt werden.
Der Erzengel Michael, der Drachenbezwinger, hat diesem Tag seinen Namen gegeben. Es ist der Tag aller Engel: der Kämpfer, Wächter, Musiker, Beschützer. Sie alle sind eins: Erscheinungsweisen und Boten Gottes. Der Wochenspruch zum Michaelistag betont den schützenden Beistand Gottes durch seine Engel für all jene, die ihn lieben und fürchten.
Es geht um die Gewissheit aus, dass Gott für seine Menschen da ist und sie durch seine himmlischen Boten, die Engel, bewahrt und aus schwierigen Situationen rettet.
Dabei bedeutet Luthers Übersetzung „Furcht des Herrn“ hier nicht Angst, sondern Ehrfurcht und Vertrauen in Gottes Macht und Liebe. Wer Gott fürchtet, vertraut ihm sein Leben an und erwartet seinen Schutz.
Musik: Johann Sebastian Bach: Herr Gott, dich loben alle wir, BWV 130 (Chorus 1) · Bach Collegium Japan · Masaaki Suzuki
https://www.youtube.com/watch?v=aDDi6W6QbmM
Eine der schönsten Traumgeschichten der Menschheit, meine ich, finden wir im 1. Buch Mose, der Genesis im 28. Kapitel, Verse 10-17:
Jakob schaut die Himmelsleiter 10 Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran
11 und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen.
12 Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf der Erde, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.
13 Und der HERR stand oben darauf und sprach:
„Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. 14 Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.
15 Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.“
16 Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! 17 Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.
Amen.

Bild: Himmelsleiter Lamberti Münster
Seit Ostern 2021 war diese Himmelsleiter am Stephansdom in Wien zu sehen als Hoffnungszeichen für die Menschen in der Corona-Pandemie-Zeit. Dieses Kunstwerk mit 33 Sprossen der Wiener Künstlerin Billi Thanner wurde danach an und in der St.-Lamberti-Kirche Münster und zwischenzeitig auch an der Pariser Kirche St. Eustache während der Olympischen Sommerspiele 2024 angebracht.
Die Kunstinstallation besteht aus zwei Teilen. Aussen am Turm der St.-Lamberti-Kirche ist ein 36 Meter langes, innen ein 12 Meter langes Teilstück montiert.
Die Himmelsleiter schenkte und schenkt bis heute den Menschen Mut und Hoffnung. Ein Lichtblick, ein Moment, in dem der Himmel sich öffnet, um uns zu versichern: Es gibt etwas, worauf wir hoffen können, egal wie gross die Dunkelheiten um uns herum zur Zeit sind. Genauso hat es auch Jakob mit seinem Himmelsleitertraum erfahren: am Tiefpunkt seines Lebens, auf der Flucht, allein, bedroht und voller Schuld, lässt Gott ihn erfahren: Du bist nicht allein. Ich bin mit Dir, ich will Dich behüten. Ich will Dich nicht verlassen.
Musik: Marius Müller-Westernhagen „Engel“ (1989)
https://www.youtube.com/watch?v=mzPqVcAkZ9I
Fürbitten:
Lass uns den Klang deiner Engel hören.
Du, Gott, im Himmel und auf Erden.
Ihren Gesang, der das Brüllen und Streiten zum Schweigen bringt.
Jetzt in den Kriegs- und Notgebieten unserer Welt hier bei uns.
Lass uns den Klang deiner Engel hören.
Du, Gott, im Himmel und auf Erden.
Ihr sanftes Flüstern zu den Menschen in Not.
Auf den Intensivstationen und an den Sterbebetten.
In einsamen Wohnungen und an den Gräbern.
Lass uns den Klang deiner Engel hören.
Du, Gott, im Himmel und auf Erden.
Ihre Freude am Lachen der Kinder
und am Mut aller, die sich nicht beirren lassen.
Die eintreten für Gerechtigkeit und Freiheit,
für Toleranz und Nächstenliebe.
Lass uns den Klang deiner Engel hören.
Du, Gott, im Himmel und auf Erden.
Damit wir Kraft bekommen in dieser Zeit.
Und uns die Liebe bewahren.
Gemeinsam bitten wir Dich mit den Worten Jesu:
Vater unser im Himmel …
geheiligt werde dein Name;
dein Reich komme;
dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern;
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit
Amen.
MITTEILUNGEN
Herzliche Einladung:
-zum Kaffee und Vortrag im Senioren-Forum morgen am Donnerstag, 2. Oktober ab 14 Uhr mit Pfarrer Stefan Zilker über das Thema: Gibt es einen gerechten Krieg?“
-zur Bach-Kantate „Christus der ist mein Leben“ am Samstag, 4. Oktober 12.15 Uhr in der Augustinerkirche Zürich mit dem Bach-Collegium Zürich und theologischem Beitrag von Pfarrer Thomas Risel
-zum Abendmahls-Gottesdienst am Sonntag, 5. Oktober um 10 Uhr in unserer Martin-Luther-Kirche Zürich und um 16 Uhr in der Haldenkirche St. Gallen.
-das nächste Abendgebet am Mittwoch, 15. Oktober
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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, und wünschen noch eine friedliche und behütete erste Oktoberwoche.
Bleiben wir verbunden. Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern! Thomas Risel mit Marion Werner
SEGEN
Des Abends, wenn du zu Bett gehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen
Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:
Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Alsdann flugs und fröhlich geschlafen.
(Martin Luther)
Musik: Herr Gott, dich loben alle wir, BWV 130: No. 6, Choral. „Darum wir billig loben dich“ · Concentus Musicus Wien · Nikolaus Harnoncourt · Tölzer Knabenchor
https://www.youtube.com/watch?v=P30Su7eNT2I
Fotos: EKHN, Wikipedia