Luther Gebet Mittwoch 11.11.2020

Luther Gebet Mittwoch 11. November 2020

Gottesdienste fallen nicht mehr aus. Und doch sind sie anders als sonst.

Gott bleibt.

Wir wollen uns zum Gebet sammeln.    

UNS BEREIT MACHEN

Wir wollen zur Ruhe kommen, ein Licht anzünden, das uns hilft,

uns für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET                                                                                         

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilligen Geistes.

Amen.

 

Wochenpsalm (aus Psalm 85)

Hilf uns, Gott, unser Heiland, und lass ab von deiner Ungnade über uns!

6 Willst du denn ewiglich über uns zürnen und deinen Zorn walten lassen für und für?

7 Willst du uns denn nicht wieder erquicken, dass dein Volk sich über dich freuen kann?

8 HERR, zeige uns deine Gnade und gib uns dein Heil!

9 Könnte ich doch hören, was Gott der HERR redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf dass sie nicht in Torheit geraten.

10 Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne;

11 dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen;

12 dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue;

13 dass uns auch der HERR Gutes tue und unser Land seine Frucht gebe;

14 dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.

 

Musik: St. Martin instrumental

https://www.youtube.com/watch?v=rmX_aRNEq6M

 

I:

Der 11.11. ist in vielen Orten nicht nur der Beginn der Karneval-/ Fasnachts-Session, sondern auch der Gedenktag zu Ehren des Heiligen Sankt Martin – dem Inbegriff für Nächstenliebe.

Geboren wurde er um 316 im damaligen Savaria, dem heutigen Ungarn. Seine Jugend verbringt Martin in Oberitalien, wo er zum ersten Mal von Jesus hört. Früh beginnt für ihn der Ernst des Lebens. Wie es das Gesetz verlangt, muss er in die Fussstapfen seines Vaters treten und Soldat werden. Mit nur 15 Jahren wird er nach Mailand eingezogen und bricht wenig später auf, in den Krieg gegen die Alemannen. Im Krieg ist Martin umgeben von Gewalt, blutigen Schlachten und Brutalität. Intensiv beschäftigt er sich jetzt mit dem christlichen Glauben. Die Botschaft der Gnade und Liebe Gottes berührt ihn zutiefst.

Wenn es wahr ist, dass Gott Menschen liebt, dass er Schuld vergibt und frei macht, dann möchte er zu Jesus gehören. Immer tiefer wächst in ihm die Gewissheit, dass Gott die Antwort ist. Und er trifft die Entscheidung. Vor der Schlacht gegen die Germanen verweigert Martin, inzwischen Offizier des römischen Besatzungsheeres, seinen Dienst. Die Begründung: «Ich gehöre nicht mehr zum Heer des Kaisers. Ich gehöre zur Armee von Jesus Christus.» Er bittet um Entlassung, aber es wird ihm nicht gewährt.

Doch auch als Soldat lebt er die Worte von Jesus. Er gilt als barmherzig, freundlich und mitfühlend. Dann kommt es der berühmten Legende nach zur Begegnung mit dem Bettler. 334 war Martin in Amiens, im heutigen Frankreich, stationiert, als er an dem kalten Wintertag einem armen, unbekleideten Mann begegnet. Ausser seiner Waffen und seinem gefütterten Überwurf trägt Martin nichts bei sich. Soldaten trugen über ihrem Panzer traditionell die so genannte Chlamys, eine Art Mantel aus zwei Teilen. Der Bettler flehte die Passanten um Erbarmen an – aber alle gingen wortlos an ihm vorbei. In einer barmherzigen Tat nahm Martin sein Schwert, teilte seinen Mantel und gab die Hälfte dem Armen. In der folgenden Nacht soll ihm Jesus im Traum begegnet sein, bekleidet mit dem halben Mantel des Bettlers. Ein Bild für die Bibelstelle, in der Gott sagt: «Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Was ihr für einen der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.» (Matthäus, Kapitel 25, Verse 35-40)

Diesem Akt der Nächstenliebe gedenken die Menschen am heutigen Martinstag.

Die Frage ist: Sind wir so barmherzig?

 

II:       Sind wir so barmherzig?

Eine Antwort darauf lieferten zwei US-Psychologen bereits 1973 in einem berühmten Experiment. John Darley und Daniel Batson von Universität Princeton liessen 47 Theologiestudenten ein kurzes Referat vorbereiten – allerdings mit unterschiedlichen Themen. Während die eine Gruppe die Geschichte des barmherzigen Samariters aus der Bibel wiedergeben sollte, ging es bei der anderen um die Berufsaussichten von Theologen. In einem Fall wurden die Teilnehmer unter Zeitdruck gesetzt, so dass sie sich beeilen mussten, um rechtzeitig zum Vortrag im Hörsaal zu sein.

Vor dem Gebäude hatten Darley und Batson jedoch einen Komplizen postiert: ein zusammengesunkener und augenscheinlich hilfsbedürftiger Mann, der laut aufstöhnte. Würden die gestressten Studenten nun unterbrechen und ihm helfen?

Das Ergebnis: Nur zehn Prozent kümmerten sich um den Mann – egal, mit welchem Thema sie zu tun hatten. Mit anderen Worten: Die intensive Beschäftigung mit dem Thema Barmherzigkeit verhinderte nicht, dass sie den Mann ignorierten oder einfach übersahen.

Offenbar spielte der Zeitdruck eine viel grössere Rolle. Denn als Darley und Batson den Teilnehmern keinen Stress vorgaukelten, halfen immerhin 45 Prozent. Wenn sie viel Zeit hatten, halfen sogar 63 Prozent.

Fazit: Ob wir hilfsbereit sind oder nicht, hängt weniger von uns ab – sondern vielmehr von äusseren Bedingungen.

Es ist leider nicht überliefert, ob Martin von Tours es damals eilig hatte. Vermutlich nicht.

Der November, so sagen es jetzt gerade einige, wird ein Monat der Wahrheit. Der November, er könnte auch ein Monat der Barmherzigkeit sein. Aufeinander achten mit Abstand und Anstand, für andere zu verzichten, fürsorglich miteinander umgehen: das sind die eigentlich nicht nur jetzt sehr aktuellen Werte zum Leben.

Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!  Lukas 6,35-36

Fürbitte: Prayer of St. Francis mit Sara McLachlan

Lord, make me an instrument of your peace
Where there is hatred, let me sow love
Where there is injury, pardon
Where there is doubt, faith
Where there is despair, hope
Where there is darkness, light
And where there is sadness, joy

O Divine Master, grant that I may
Not so much seek to be consoled as to console
To be understood, as to understand
To be loved, as to love
For it is in giving that we receive
And it’s in pardoning that we are pardoned
And it’s in dying that we are born to Eternal Life
Amen

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens:

Wo Hass ist, lass mich Liebe säen

Wo es eine Verletzung gibt, Verzeihung

Wo Zweifel bestehen, Vertrauen

Wo Verzweiflung ist, Hoffnung

Wo Dunkelheit ist, da ist auch Licht

Und wo Traurigkeit ist, Freude

O grosser Gott, gewähre, dass ich versuche,

nicht nur getröstet zu werden, sondern zu trösten;

nicht nur verstanden zu werden, sondern zu verstehen;

nicht nur geliebt zu werden, sondern zu lieben

Denn im Geben erhalten wir.

Und im Vergeben ist auch uns vergeben.

Und es ist im Sterben, wo wir zum Ewigen Leben geboren werden.

Amen.

 

Öffnen und klicken auf:

https://music.youtube.com/watch?v=aeqqi6nPkK0&list=OLAK5uy_l-Z5iNsb7BFt6J6PqInzBvVgjZ2C0DAko

Oder:

https://music.youtube.com/watch?v=aeqqi6nPkK0&list=RDAMVMaeqqi6nPkK0

Alles was wir noch persönlich auf dem Herzen tragen, nennen wir Dir in einem Moment der Stille…:

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

 *SEGEN* (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Geht in die Nacht und den neuen Tag mit der Kraft der Barmherzigkeit und Güte und des Friedens,     aus Gottes Segen:

Sei behütet und bewahrt und gesegnet –

im Namen des Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.