Luther-Gebet für Mittwoch, 11. August 2021:

Herzlich willkommen zu unserem (167.) Abendgebet, in der Wochenmitte.

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gottesdienste sind anders.

Gott bleibt.

Mittwoch abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.             

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes und seinen Heiligen Geist zu öffnen.

GEBET                                                                                         

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen in der Wochenmitte.

Wir machen uns bewusst, Gott ist da.

Denn:

«Mein Leben wird wert geachtet in den Augen des Herrn, und er errette mich aus aller Not.»          (1. Samuel 26,24. Tageslosung für den 11. August 2021)

 

Musik: „Merci is fallin“ David Ruis

https://www.youtube.com/watch?v=cJS-drw1_Sg

 

  1. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 1961. 2. Buch Mose 19, 3-5:

„3 Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der HERR rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen:

4 Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht.

5 Werdet ihr nun auf meine Stimme hören und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein.“

 

Freiheit zu Gott hin

Das entscheidende Datum in der Geschichte Israels mit seinem Gott ist die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten. Daran erinnerte auch der letzte Sonntag, der sogenannte Israelsonntag. An diesem Sonntag denken wir besonders an das Verhältnis von Christen und Juden. Der Exodus, die Befreiung Israels, ist nicht nur die Befreiung von etwas – von der Sklaverei und der Unterdrückung durch Ägypten –, sondern auch die Befreiung zu etwas und zu jemandem hin. Befreiung hin zu Gott, der das Volk „auf Adlerflügeln“ zu sich gebracht hat.

Freiheit – für mich als im Westen Deutschlands Geborenen ist das ein Gut, über das ich schon länger nachgedacht habe: weil es keine Selbstverständlichkeit gewesen ist für meine Verwandten und Freund*Innen im Osten Deutschlands, damals Bürger der DDR.

Dort, in Berlin, wurde vor genau 60 Jahren die Unfreiheit in Ziegel und Beton gegossen, als der Staat am 13. August 1961 mit dem Bau der Mauer begann und seine Bürger einsperrte. Hunderte von Menschen starben bei dem Versuch, aus diesem „Gefängnis“ auszubrechen.

28 Jahre lang, bis die Mauer am 9. November 1989 fiel und die Menschen ihre Freiheit wiedererlangten. 

Fotos: Mauer Berlin und Tanzen auf der Mauer

 

Fotos: SZ; NZZ; TIP Berlin; Internet

„Ich bin ein Berliner“, rief John F. Kennedy den Berlinern am 26. Juni 1963 vor dem Rathaus Schöneberg in West-Berlin zu.

„Mr. Gorbatschow, tear down this wall.“ Sagte Ronald Reagan am 12. Juni 1987 in Berlin, hinter ihm die Mauer.

Der US-amerikanische Rocksänger Bruce Springsteen sang in Ost-Berlin noch 1988 von den „Chimes of freedom“, den Glocken der Freiheit und sagte dazu wörtlich: „Ich bin hier in der Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren fallen werden…“.

„The chimes of freedom flashing.
Flashing for the warriors whose strength is not to fight
Flashing for the refugees on the unarmed road of flight

Leuchtend für die Krieger, deren Stärke nicht im Kampf liegt

Leuchtend für die Flüchtlinge auf der unbewaffneten Straße der Flucht“

Musik: Chimes of freedom (The Byrds, Text: Bob Dylan)

https://www.youtube.com/watch?v=BaqC7QSXjDU

 

Gott hatte die Menschen nicht vergessen, und die Menschen hatten – gegen die Pläne der Machthaber – Gott nicht vergessen. Die Kirchen spielten eine wichtige Rolle bei der Überwindung der Mauer. Es ging um die Freiheit allgemein, aber auch um die

Freiheit – wozu? Diese Frage stellt sich bis heute.

Freiheit, tun und lassen zu können, was ich will? Das ist nicht die Freiheit, von der Gott im Bibeltext spricht, nicht die Freiheit, zu der das Volk Israel befreit wurde. Diese Freiheit ist Freiheit in einer neuen Bindung. In der Bindung zu Gott. Diese Freiheit bedeutet nicht „Laissez-faire“, sondern ist eine Freiheit mit Regeln. Darüber wird auch jetzt wieder viel diskutiert, was bedeutet eigentlich Freiheit?

Für die Menschen jenseits der Mauer damals bedeutete es die Freiheit, dahin zu gehen, wohin man wollte. Ohne Mauern.

Für mich ist die Freiheit, die Gott schenkt, Freiheit zur Entfaltung, zu einem erfüllten Leben, eine Freiheit in Geborgenheit. Es ist auch eine Freiheit in Toleranz, in Würde, in Respekt und Fürsorge anderen gegenüber. Ich binde mich schliesslich allein an Gott, denn er schenkt mir eine Freiheit, die mir kein Staat oder keine Institution oder irgendetwas anderes geben oder nehmen kann. Und einmal wird er uns diese Freiheit grenzenlos schenken.

Musik: „Über den Wolken“ Reinhard Mey

https://www.youtube.com/watch?v=fZMFF8QH3ew

 

Gebet

GOTT: Ich möchte frei sein

vom Zwang, immer an mich selbst zu denken;

von der Angst, gegen den Strom zu schwimmen;

von der Einbildung, dass ich immer alles richtig mache;

von dem Wunsch, stets den leichten Weg zu wählen;

aber auch vom Verlangen, stets der Erste zu sein.

Hilf mir dazu, Gott.

Barmherziger Gott,
wir beten mit deinem Volk Israel und bitten dich
um Frieden und Versöhnung für dein Heiliges Land
und alle, die darin wohnen,
Du Gott Israels, du unser Gott,
komm mit deiner Barmherzigkeit und erhöre uns.

Wir bitten dich
um Beistand für die Opfer der Flut und der Brände, um Trost in ihrer Verzweiflung,
um Hilfe in Hitze und Rettung der bedrohten Menschen und Tiere.
Du Gott Israels, du unser Gott,
komm mit deiner Barmherzigkeit und erhöre uns.

Wir bitten dich
um eine gute Zukunft in Freiheit für unsere Kinder
und fürsorgliches Handeln aller Verantwortlichen,
um Freundschaft und Respekt in diesen Zeiten
und um Mut, dem Hass zu widersprechen.
Du Gott Israels, du unser Gott,
komm mit deiner Barmherzigkeit und erhöre uns.

Wir bitten dich um deine Gegenwart,
die uns schützt und heiligt,
um deine Liebe, die uns lieben lässt.
Du Gott Israels, du unser Gott,
komm mit deiner Barmherzigkeit zu uns
durch Jesus, deinen Gesalbten.
Er ist unsere Hoffnung, unsere Freiheit und unsere Zukunft.
Durch ihn beten wir gemeinsam:

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

SEGEN (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Den tiefen Frieden im Rauschen der Wellen,

den wünsche ich dir.

Den tiefen Frieden im schmeichelnden Wind,

den wünsche ich dir.

Den tiefen Frieden über dem stillen Land,,

den wünsche ich dir.

Den tiefen Frieden unter den leuchtenden Sternen,

den wünsche ich dir.

Den tiefen Frieden vom Sohne des Friedens,

den wünsche ich dir.

 

Bleib behütet und bewahrt, denn Gott ist da -der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Musik: „Über den Wolken“, R. Mey/Xavier Naidoo

https://www.youtube.com/watch?v=sp7Bi_udKnc