Herzlich willkommen zum 383. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 12. November 2025
Der Herbst geht seinen Lauf im November. Ungemütliche Nebeltage. Wind und wieder klares Sonnenlicht. Zeit für eine Kerze, für wärmende Gedanken, schöne Musik, Gebet und Segen. Wir halten inne, kommen zur Ruhe.
Und so sammeln wir uns heute Abend:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,
im Namen Jesu Christi, der uns trägt und segnet,
und im Namen des Heiligen Geistes, der uns verbindet zwischen Himmel und Erde.
Amen.
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.
Musik: Johann Sebastian Bach: Ich habe meine Zuversicht, BWV 188/1: Sinfonia Orgel und Orchester · Ton Koopman · Amsterdam Baroque Orchestra · 7.40 min.
https://www.youtube.com/watch?v=dKO6d_DiXWI
„Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen.“ Epheser 5,19
„Lobt ihn mit dem Klang der Posaune, lobt ihn mit Harfe und mit Zither! Lobt ihn mit Tanz und Tamburin, lobt ihn mit Saiteninstrumenten und Flöten! Lobt ihn mit klingenden Zimbeln, lobt ihn mit dem Klang lauter Zimbeln.“ Psalm 150, 3-5
Martin Luther:
Denn so vollzieht sich der rechte Gottesdienst, „dass unser lieber Herr selbst mit uns
rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang.“
„Heute, nachdem das Wort Gottes verstanden wird, gibt es keinen Hinderungsgrund, es auf jede Weise zu schmücken und einzuüben, ob mit Musikinstrumenten oder mehrstimmigen Liedern… „
„Die Engel im Himmel orgeln und pfeifen in Ewigkeit, singen das Gloria in excelsis Deo, das Loblied auf Gott und seine Werke…“.

Bild: Orgel Passauer St. Stephan-Dom, grösste Domorgel der Welt
Die ersten Instrumente, die einer Orgel ähnelten, wurden bereits im 3. Jahrhundert vor Christus gebaut. Der griechische Techniker Ktesibios entwickelte ein Instrument, bei dem Töne dadurch erzeugt wurden, dass ein gleichmäßiger Winddruck durch Metallpfeifen geleitet wurde. Er gab dem Instrument den Namen „organon hydraulikon“ („Wasserpfeife“), da der für das Spiel benötigte Winddruck durch Wasser erzeugt wurde.
Diese Orgeln wurden anfangs für die Hausmusik genutzt, oder auch im Theater oder Zirkus. Der Orgelbau wurde ständig weiterentwickelt und bald konnte der Winddruck durch einen Balg erzeugt werden, mit der Hand betätigt.
Die frühen Christen wahrten zur Orgel Abstand, da die Orgel auch bei Kämpfen in der Arena gespielt wurde. Nicht wenige Christen fanden im Zuge der Christenverfolgungen den Tod bei derartigen Unterhaltungsspielen für die römische Oberschicht.
Dann aber fand die Orgel besonders im kaiserlichen Zeremoniell in Rom und Byzanz Verwendung, als das dem Kaiser angemessene Instrument.
Im 9. Jahrhundert liess Ludwig der Fromme für die Kaiserpfalz in Aachen ein Instrument von einem venezianischen Orgelbauer fertigen.
So hielt die Orgel Einzug in die christlichen Kirchen. Zunächst in Kathedralen, später auch in Klosterkirchen. Die Orgel steigerte nicht nur die Feierlichkeit der Liturgie, sie symbolisierte mit ihrem vielstimmigen Klang auch den Zusammenklang der kosmischen Sphären. Im Abendland wurde sie Hauptinstrument der Liturgie, die Ostkirche verzichtete auf eine musikalische Begleitung der Gottesdienste. Teilweise bis heute.
Nach der Reformation entwickelte sich auch in der katholischen Kirche eine eigenständige Orgelmusik mit umfangreichen Orgelmessen und freien Stücke für die Liturgie. So wie auch in den Kirchen der Reformation der Kirchenmusik ebenfalls breiter Raum gewährt wurde. Allein bei den Schweizer Reformatoren Calvin und Zwingli wurde aufgrund eines strengen Puritanismus die Orgelmusik im Gottesdienst verboten.

Bild: Orgel Thomas-Kirche Leipzig
In der Barockzeit erlebte die Orgelmusik eine regelrechte Blüte mit Johann Sebastian Bach und Dietrich Buxtehude. Auch im Orgelbau gab es zu dieser Zeit grosse Fortschritte: Die Mechanik der Orgeln wurde immer mehr verfeinert.
Die grossen Komponisten Mozart und Beethoven schrieben nur wenig Orgelmusik. Mit der Romantik gewann die Orgelmusik wieder an Popularität, besonders in der französischen Orgellandschaft.
Später wurde die Orgel auch ausserhalb der Kirchen zum beliebten Instrument in Konzertsälen und auch in Kinos zur Stummfilmuntermalung.
Heute halten neben der klassischen Pfeifenorgel immer mehr auch Digitalorgeln Einzug.

Bilder: Orgelrevision Martin-Luther-Kirche Zürich 2025
In diesen Tagen wird gerade die Orgel unserer Martin-Luther-Kirche Zürich einer gründlichen Revision unterzogen, nach über 25 Jahren. Dabei wird nicht nur gereinigt, sondern auch die Mechanik geprüft
Eine Pfeifenorgel folgt auch heute noch dem gleichen Prinzip wie bei ihrer Erfindung vor über 2.000 Jahren: mit Luft, die in verschiedene Pfeifen einströmt, wird ein Ton erzeugt. Der Winddruck wird heutzutage mit einem elektronischen Motorgebläse gesteuert; früher mussten Gemeindemitglieder hierzu den Blasebalg an der Orgel betätigen.
Jede Orgel besteht aus vielen unterschiedlichen Pfeifen. Je nach Grösse und Material erzeugen sie einen ganz eigenen Ton. Pfeifen gleicher Bauart sind zu einem sogenannten „Register“ zusammengefasst. Diese Register werden nach Art ihres Klanges bezeichnet: Es gibt zum Beispiel das Register Trompete oder das Register Blockflöte.
Die Orgel wird von einem Spieltisch aus bedient meist mit mehreren Tastenreihen. Drückt man eine Taste, öffnet sich mittels einer mechanischen Steuerung ein Ventil, über das Luft in eine Pfeife einströmt. Mehrere Töne erklingen, wenn man mehrere Register zieht. Auf diese Weise können mit grossen Orgeln auch grosse Kirchenräume gut beschallt werden.
Nicht nur mit den Händen, sondern auch mit den Füssen können mit Pedal Töne gespielt werden. Meist klingen die Pedalregister sehr tief; durch die grössten Pfeifen, manche sogar mit einer Länge von über zehn Metern. (nach kna)
„Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich.“ Martin Luther, der die Orgel auch „Königin der Instrumente nannte, da sie die Herrlichkeit Gottes widerspiegeln kann.
Musik: J. S. Bach – Toccata d-moll BWV 565 – Albrecht Koch an der Silbermann-Orgel im Freiberger Dom
https://www.youtube.com/watch?v=tRZrhg1fm50
CREDO / GEBET
Wir glauben an Gott,
Schöpfer von Klang und Musik, von Schwingung und Rhythmus,
der summt und singt in allem, was lebt.
Wir glauben an Jesus Christus,
in dem Gott sein Lied für die Welt neu angestimmt hat,
das Lied seiner Liebe;
der uns mit einstimmen lässt in Gottes Lied,
das vom Leben singt, von Tod und Auferstehung.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Stummes zum Klingen bringt und Starres in Schwingung versetzt;
der das Gehör schärft und uns hilft, die richtigen Töne zu treffen,
Melodien des Lebens zu finden
und im Rhythmus der Liebe zu bleiben.
Wir glauben, dass Gott sein Lied weiter singt,
in uns, in der Kirche, in der Welt. Amen.
Gemeinsam bitten wir Dich mit den Worten Jesu:
Vater unser im Himmel …
geheiligt werde dein Name;
dein Reich komme;
dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern;
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit
Amen.
MITTEILUNGEN
Herzliche Einladung:
– zum Bazar und Gemeindetreff am 15. November: Gemeindetreff mit Essen und Trinken, Glühwein, Bratwurst, Salate, Kaffee und Kuchen kulturellem Programm, offenes Singen, Musik und Lesung siehe Plakat!
– der Gottesdienst am Sonntag, 16. November, in Wettingen muss aus organisatorischen Gründen entfallen. Der nächste Gottesdienst in unserer Martin-Luther-Kirche ist am 23.11., Ewigkeitssonntag, mit Projektchor.
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Plakat Bazar 15.11.2025
Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, und wünschen noch eine friedliche und behütete Novemberwoche.
Bleiben wir verbunden. Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern! Thomas Risel mit Marion Werner
SEGEN
Segne alle Musikerinnen und Musiker, dass sie durch ihre Kunst näher zu dir führen.
Segne uns als Hörende:
Gott erfülle unsere Ohren mit Musik,
damit der Klang der Harmonie in deinem Leben Wellen schlägt.
Gott erfülle unsere Augen mit Freude,
damit sie die Schönheit der Welt entdecken und in dir Dankbarkeit erwecken.
Gott erfülle unseren Mund mit Lachen,
damit er ein Licht ausstrahlt, das die Gemüter der Welt erhellt.
Gott erfülle unser Herz,
damit unsere Seele seine Liebe zum Vorschein bringt.
So segne uns Gott, der barmherzige Vater der Liebe und der Fülle.
Amen.
Musik:
Camille Saint-Saëns: 3. Sinfonie c-Moll op. 78 ∙ »Orgelsinfonie« (43min.)
hr-Sinfonieorchester, Iveta Apkalna, Orgel ∙ Riccardo Minasi, Dirigent ∙
Das Werk wurde 1886 uraufgeführt und gilt als Höhepunkt der sinfonischen Schaffenszeit des Komponisten. Die Sinfonie wurde der Erinnerung an seinen verstorbenen Freund Franz Liszt gewidmet.
https://www.youtube.com/watch?v=5GrO47WJKTI
Fotos: Wikipedia / privat