Luther-Gebet für Mittwoch, 13. Oktober 2021:

Herzlich willkommen zu unserem (176.) Abendgebet, in der Mitte der Woche.

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Diese Zeit und auch die Gottesdienste sind immer noch anders.

Gott bleibt.

Mittwoch abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.             

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes und seinen Heiligen Geist zu öffnen.

GEBET      

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen in der Wochenmitte.

Wir machen uns bewusst, Gott ist da.

 

Aus dem Wochen-Psalm 32:

Zu beglückwünschen sind Menschen
wenn ihnen Sünde vergeben ist, wenn ihre Verfehlung zugedeckt ist,
wenn Gott sie für ihre Verkehrtheit nicht verantwortlich macht,
wenn ihr Gewissen nicht getrübt ist.
Solange ich alles verschwieg, verging ich täglich vor innerer Qual..
Da gestand ich dir, Gott, alle meine Fehler ein.
Ich gab es auf, mein verkehrtes Tun zu verbergen.
Ich sagte mir: Gott will ich meine Sünde bekennen.
Und du nahmst mein verkehrtes Tun und meine Fehler von mir.

Wer sich auf Gott verlässt, den schützt die Erfahrung von Gnade.

Freut euch über Gott, alle die ihr zu ihm gehört, weil euer Herz unerschütterlich ist.
(Psalmtexte, übertragen von Horst und Klaus Bannach, Stuttgart 1980, S. 76)

 

Musik: „So ist Versöhnung“ (J. Werth)

https://www.youtube.com/watch?v=yXPS4XasGYU

I:

Ein ganz bestimmtes Wort steht heute hier, und überhaupt in diesen Zeiten, im Mittelpunkt, wird oft gebraucht, falsch verstanden, als Waffe benutzt, eingeklagt…. erbeten:       Toleranz, tolerare, Intoleranz, null Toleranz….

Schauen wir ins Lexikon, was wohl gemeint ist:

Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen anderer oder fremder Überzeugungen und Handlungsweisen.

Das zugrundeliegende Verb tolerieren wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen tolerare („erdulden“, „ertragen“) entlehnt. Das Adjektiv tolerant in der Bedeutung „duldsam, nachsichtig, großzügig, weitherzig“ ist seit dem 18. Jahrhundert, der Zeit der Aufklärung, belegt, ebenso die Gegenbildung intolerant, als „unduldsam, keine andere Meinung oder Weltanschauung gelten lassend als die eigene“.

Der Gegenbegriff zu Toleranz ist die Intoleranz, in der Bedeutung „Unduldsamkeit“

Als Steigerung der Toleranz gilt die Akzeptanz, die gutheißende, zustimmende Haltung gegenüber einer anderen Person oder ihrem Verhalten.

Und heute? Drehte sich in dem Land der Ungeimpften Anfang dieses Jahres die moralisch-ethische Diskussion noch darum, wie die Mehrheit mit den Lockerungen für die wenigen Geimpften umgehen soll, hat sich der Fokus mit der flächendeckenden Verfügbarkeit des Impfstoffes geändert. Es geht nicht mehr darum, wer wann mit was und wo geimpft wird, sondern darum, wer auch zukünftig freiwillig ungeimpft bleiben möchte. Und ob er das überhaupt darf.

Jetzt wird zunehmend mehr von der Pandemie der Ungeimpften gesprochen, schauen wir auf die Patientenzahlen in den Spitälern. Toleranz gegenüber Ungeimpften?

Was ist richtig, was ist geboten, wie verhalten wir uns, miteinander? Diese Diskussionen gehen zur Zeit vehement quer durch Freundschaften, Familien, Arbeitskollegen, Vereine…

Schafft ‚Corona‘ eine Spaltung der Gesellschaft, wie sollen wir denken, wonach uns richten?

Die Toleranz schützt; 18. Jh.

II:

Zwei Positionen dazu:

Die einen sagen: „Wenn die Wissenschaft uns sagt, dass von Getesteten ein ebenso niedriges Infektionsrisiko wie von Geimpften und Genesenen ausgeht, dann darf man sie nicht unterschiedlich behandeln.“

Ein Medizin-Ethiker sagt:

„Nachdem inzwischen für alle … genug Impfstoff zur Verfügung steht …, sehe ich … eine Rechtfertigung für den Staat wie auch für Privatunternehmen, bei Restriktionen künftig klarer … zwischen Geimpften und Ungeimpften zu unterscheiden. …fast noch wichtiger …im alltäglichen sozialen Kontakt (…) Es ist ein uraltes ethisches Prinzip, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo sie die Freiheit anderer Menschen einschränkt. Das gilt in vielen Lebensbereichen ganz selbstverständlich: Rauchen in den eigenen vier Wänden darf man niemandem verbieten, im Kindergarten oder an der Tankstelle aus guten Gründen aber doch. …die Politik hat nun das Recht und die Pflicht, … dafür zu sorgen, dass die vernünftigen Geimpften nicht …in der Wiedergewinnung ihrer eigenen Freiheit eingeschränkt werden.“

Hans-Jürgen Papier, ehemaliger deutscher Verfassungsrichter und Kritiker der Corona-Politik der Regierung, äußert sich ähnlich: „Der Staat ist von Verfassung wegen nicht verpflichtet, die nicht Geimpften, aber negativ getesteten Personen den geimpften und genesenen Personen gleichzustellen. Er kann unter bestimmten Voraussetzungen eine sogenannte 2G-Lösung bei der Nutzung von öffentlichen Einrichtungen oder dem Besuch von Veranstaltungen verbindlich vorschreiben.“

Entsprechende Regelungen dienen jetzt vor allem dem Schutz der Ungeimpften.

Und nun?

(c) Eliza | Photocase.com

III:

„Wir werden uns viel zu verzeihen haben“, sagte der deutsche Gesundheitsminister letztes Jahr. Auch wenn es nach vielen Umfragen die Geimpften stört, dass es immer noch viele Menschen ohne Impfung gibt, sollten sie sich in Toleranz üben? Denn am Ende aller Argumente bleibt die Erkenntnis: Eine freiheitliche Gesellschaft lebt auch von der Toleranz. Toleranz bedeutet aufeinander hören, zuhören, einander achten, Überzeugen,.

Nulltoleranz gibt es nur da, wo Menschen andere bedrohen und eben nicht achten, sondern verurteilen, vernichten mit Worten oder Taten.

Wie tolerant ist aber Gott?

Toleranz Gottes bedeutet: Gott erträgt die Sünde, die Schuld des Menschen, die er hasst, um des Menschen willen, den er liebt.

Und weil nach Martin Luther auch die Gerechtfertigten weiterhin Sünder sind, ist es ein wechselseitiges Ertragen: denn jeder und jede sind letztlich angenommen.

Der Glaube an diesen Gott kann Menschen anleiten, tolerant zu sein. An Gottes Nachsicht lernt der Glaube Toleranz, oder, wie Jesus im Evangelium sagt: lernt 7x70mal zu vergeben und noch eine Meile mitzulaufen, den Mantel zu teilen.

„Gott lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute

und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5,44-45)

 Vielleicht sollten wir es mit den Dänen halten. Hunderte von ihnen haben zur vollständigen Aufhebung der Corona-Regeln vor 5 Wochen ein Lied über das Ende der Pandemie gesungen, den ein Radiosender gemeinsam mit seinen Hörerinnen und Hörern getextet und in Radio und Fernsehen übertragen hat: „Den 11. März werden wir nie vergessen, als wir alle mehr als eine Rolle Klopapier kauften…“.

„Wir sind ein Land voller dänischer Helden, und Dänemark reimt sich auf Liebe“.

 

Musik: Kelly Clarkson: I had a dream

https://www.youtube.com/watch?v=C5HKkUeGLBE

 Eine hochschwangere Kelly Clarkson schrieb diese Hymne zusammen mit ihrem Produzenten Greg Kurstin, nachdem sie sich mit Freunden über ihre Enttäuschung über die heutige Gesellschaft beklagt hatte. Der Song soll ihre Generation dazu inspirieren, eine Stimme zu haben und sich für die Welt um sie herum einzusetzen. „Wir sollten einfach gleiche Rechte für alle Menschen haben, egal, wie man aussieht, egal, wen man mag. Ich verstehe nicht, warum wir uns immer noch mit diesen grundlegenden, dummen Fragen herumschlagen. Das stört mich. Also habe ich diesen Song darüber geschrieben und ich hatte einen Traum, dass wir mehr sind… Ich erinnere mich, dass ich als Kind das zehnjährige Mädchen war, das sagte: ‚Ich kann es nicht erwarten, die Welt zu verändern.‘ Man hat große Träume, wenn man klein ist. Ich denke, wenn ich mir unsere Generation anschaue, reden wir immer noch über dieselben Dinge. Das ist traurig.“

Sie erklärt in dem Song, dass Menschen, die ein Vermächtnis hinterlassen wollen, ein positives hinterlassen sollten, anstatt sich Dingen hinzugeben, die niemandem nützen.

Sie rät Menschen, … sich daran zu erinnern, dass…alles, was sie tun, für alle von Bedeutung sein wird. Deshalb sollten sie darauf achten, dass sie andere nicht negativ beeinflussen. Clarksons Botschaft ist, dass sie von einer Welt träumt, in der ihre Generation mit gutem Beispiel vorangeht und die Menschen durch ihre Worte und Taten inspiriert, anstatt durch eitle Dinge wie einen verschwenderischen Lebensstil.

 

Refrain: I had a dream that we were more

A generation to behold

Lighting fires with our words

Instead of useless smoke that blurs

The lines of right and wrong

Expression that lives on

An army with a song

That lingers when we’re gone

I had a dream

 

FÜRBITTEN:

Gott, wir danken dir für die Vielfalt des Lebens in dieser Welt.

Manchmal haben wir Mühe, diese Verschiedenheiten von Leben, Menschen, Meinungen in unsere Denkmuster einzuordnen.

Mit unterschiedlichsten Merkmalen hast du uns ausgestattet: Herkunft und Hautfarbe, Alter und Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und kulturelle Tradition, religiöse, politische und sexuelle Orientierung, Ängste und Hoffnungen, Träume und Visionen.

Aber in uns allen ist die Sehnsucht nach Anerkennung und Geborgenheit.

Befreie uns von der Blindheit, die nur einen Weg für alle sieht.

Löse uns von allen Fesseln der Vorurteile und Gleichgültigkeit. Schenke uns den Geist der Geschwisterlichkeit und Solidarität.

Nimm von uns alle Angst, wir würden verlieren, wenn wir selbst gezogene Grenzen öffnen.

Lass uns aufeinander zugehen in Respekt und Freiheit, und lass uns aufbereiten das Feld der Versöhnung und Liebe, damit sie wachsen können in Vielfalt und im Übermaß: die Früchte deines Reiches.

Sei bei allen, die krank sind: an Körper, Leib und Seele, an Überforderung, an Hilflosigkeit und Ohnmacht. Steh ihnen bei und zeige Wege zum Leben.

Stärke die, die für uns alle arbeiten in den Diensten der Gesundheit und Pflege, der Ordnung und des Verkehrs, in Verwaltungen und Regierungen, auf ihren Wegen des Heilens, Helfens, Ordnens.

Schütze alle, die gerade in den Ferien sind, zuhause oder auf Reisen und schenk ihnen gute erholsame Zeiten.

In der Stille vertrauen wir Dir unsere persönlichen Anliegen an.           STILLE

Und beten dann gemeinsam:

 

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Im übrigen meine ich

Möge uns der Herr weiterhin

Zu den Brunnen des Erbarmens führen

Zu den Gärten der Geduld

Und uns mit Großzügigkeitsgirlanden

Schmücken

Er möge uns weiterhin lehren

Das Kreuz als Krone zu tragen

Und darin nicht unsicher zu werden

Soll doch seine Liebe unsere Liebe sein

 

Er möge …

Uns auf Wege führen

Die wir bisher nicht betreten haben

Aus Angst und Unwissenheit darüber

Dass der Herr uns nämlich aufrechten Ganges

Fröhlich sehen will …

Denn wir sind Kinder Gottes: Gottes Kinder!

Durch Jesus Christus. Amen.

Hanns Dieter Hüsch