Luther-Gebet für Mittwoch 17.3.2021     „1 Jahr“:

„In diesen Tagen scheint es,

als gerate die Welt immer mehr aus den Fugen:

Bilder von leergeräumten Regalen in Supermärkten,

von Menschen in Schutzanzügen,

von isolierten Dörfern und Städten machen die Runde.

Ein Virus macht sich breit und mit ihm die Angst.“

Dies waren die Worte von Marion Werner, als wir heute fast genau auf den Tag vor einem Jahr, am 18. März 2020, einen Tag nach dem ersten Schweizer Lockdown, unsere erste Abendandacht per Whatsapp hielten.

Herzlich willkommen zu unserem 134. Abendgebet, nun 2 ½ Wochen vor Ostern mitten in der Passionszeit.

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gottesdienste sind anders als sonst.

Gott bleibt.

Mittwoch und Samstag abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.         

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen. 

GEBET                          

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Tageslosung Mittwoch 17. März 2021:

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ (1. Mose 16, 3)

 

Musik aus Taizé: „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke mein Licht“

https://www.youtube.com/watch?v=HgcuMAOjCCo

(aus Herz Jesu Gemeinde Zürich-Wiedikon)

 

Andachten, Gottesdienste, 1 Jahr Pandemie, 1 Jahr Gebetsgemeinschaft am Abend um 21 Uhr, manche hören/lesen es nachts, morgens, mittags, eine grosse Gemeinschaft über Generationen, viele Bilder von Alleinlebenden oder Familien, Paaren, die um den Tisch sitzen mit Kerze und sich ihren Altar oder Herrgottswinkel zuhause gebaut haben.

Im März 2020 haben wir u.a. so gebetet:

Stärke und ermutige diejenigen, die im öffentlichen Gesundheitswesen
und im medizinischen Bereich tätig sind: Pflegekräfte,
Krankenpflegepersonal, Betreuende, Ärztinnen und Ärzte, alle, die sich für die
Bedürfnisse der Kranken und ihrer Familien einsetzen. Höre unser Rufen,
o Gott.

Inspiriere alle Forschenden, die an der Entwicklung eines Impfstoffs
arbeiten, gib ihnen Erkenntnisse und Hoffnung. Höre unser Rufen, o Gott,

Unterstütze alle Arbeitnehmenden und Geschäftsleute, die aufgrund von
Schließungen, Quarantänen, geschlossenen Grenzen und anderen
Einschränkungen in ihrem Lebensunterhalt gefährdet sind … schütze und
bewahre alle, die reisen müssen. Höre unser Rufen, o Gott,

Leite die führenden Politikerinnen und Politiker der Nationen, dass sie die
Wahrheit sagen, die Verbreitung von Fehlinformationen unterbinden und
gerecht handeln, damit die ganze Menschheit Heilung erfahre. Höre unser
Rufen, o Gott,

Heile unsere Welt, heile unsere Körper, stärke unsere Herzen und unseren
Geist und gib uns inmitten des Aufruhrs Hoffnung und Frieden. Höre
unser Rufen, o Gott,

Halte in deiner sanften Umarmung alle fest, die gestorben sind und die
heute sterben werden. Tröste ihre Lieben in ihrer Verzweiflung. Höre unser
Rufen, o Gott,     

Gedenke in deiner Liebe der Schwestern und Brüder, der gesamten
Menschheit und deiner ganzen Schöpfung.

Was ist daraus geworden, wieviel Bewahrung und Gefährdung hat es gegeben?!

Wie haben wir Gemeinde, entfernt und doch nah beieinander, neu, ganz neu erlebt?

Aus kurzen Gebeten sind Texte geworden, immer wieder bewegende Musik, ob selbst gemacht oder von unserer Orgel aufgenommen oder als Links aus dem Internet. Und dann kam die Sprache, die Stimme, das aufgesprochene Wort, der Segen hinzu. Und viele, viele sagten: das tut so gut, die Stimmen zu hören, vor allem beim Segen. Aus täglichen Abendandachten wurde dann nach Pfingsten der Mittwoch und der Samstag und immer wieder auch mal ein Sonntagsgottesdienst.

Auch ohne Pandemie ist das ein schönes Gefühl von Gemeinschaft und Verbundenheit. Auch nach der Pandemie wird das so oder so ähnlich bleiben. Es ersetzt natürlich nicht unsere persönlichen Begegnungen, Berührungen, Gesänge. Aber es schafft dennoch Verbundenheit. Wo man viele Leute nicht mehr sehen kann, Kontakte beschränkt sind, da wird diese unsichtbare Gemeinschaft als Christenmenschen im Gebet verbunden, als Lutheraner in der Schweiz um so wichtiger. Und sie war und ist spürbar. Das wünschen wir uns auch für die Zeit danach.

Was ist die Zeit danach, wie wird sie sein? Wir sagen DANKE, für alle mutmachenden, wertschätzenden Worte und Gesten an uns. Für jedes Gebet, für jedes Mitmachen.

Und nun: wie geht es weiter auf dem Weg in die Zeit danach?

Bei einem online-Seminar der Theol. Fakultät der Uni Zürich gestern erzählte einer der Referenten eine kleine Geschichte. Er wurde von einem Jugendlichen befragt: „Die Medizin hat doch für alles eine Diagnose und sie hat Therapien, und was hat die Religion? Die Religion hat sowas nicht.“

Und der Theologe antwortete dem Jugendlichen: „Die Religion hat etwas anderes, die Religion hat Utopien.“

Was meint nun Utopien? Religiöse Utopie meint nicht ein Vertrösten auf das Jenseits, so wie es vielfach verstanden und vermittelt wurde, so wie es oft aber auch ein wirklicher Trost war. Nein, es gibt ein Leben auch vor dem Tod. So hat es mal jemand an unseren Kirchturm der M-L-Kirche gesprüht. Das meint der Begriff Utopie auch. Wörtlich: U Topos, kein Ort. Es ist etwas, das es gibt und geben wird, das aber noch keinen Ort hat. Als Christenmenschen leben wir in solch einer Zeitrechnung: es ist Leben und es wird Leben geben, als ob, und es wird einen Ort geben für dieses bessere Leben, schon hier und dann erst recht.

Ein Ort, so wie es im gleich folgenden Lied heisst, dass wir auch am 18.3.2020 gesungen haben. Ein Ort mit Quellen und Brot in Wüstennot. Ein Ort voll Wärme und Licht in schweren Zeiten. Ein Ort wo Segen und Frieden ist und der Heilige Geist Gottes mit auf unseren Wegen.

Als Christenmenschen glauben und hoffen wir, dass das, was wir hier erleben, noch nicht alles ist. So wie es ein christlicher Dichter sagte:

Menschen, die aus der Hoffnung leben, sehen weiter.

Menschen, die aus der Liebe leben, sehen tiefer.

Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht. 

Amen.

 

Wir SINGEN: «Bewahre uns Gott, behüte uns Gott» (Evang. Gesangbuch Nr. 171)

https://www.youtube.com/watch?v=_mvYPNnxPms

(Eugen Eckert live)

FÜRBITTEN

Herr,

lass mich leben nach meiner Phantasie!

Ich brauche ein wenig wilde Freiheit,

ein wenig Taumel im Herzen

und diesen fremden Geschmack von unbekannten Blumen.

Für wen wären Deine Berge,

und dieser Wind von Schnee und von Quellen?

Die Schafe verstehen nichts!

Sie rupfen, sie rupfen

Alle und allzeit im selben Sinn,

und käuen dann endlos wieder

ihre geschmacklose Gewohnheit…

Ich, ich will springen inmitten Deiner Schöpfungen,

über deine Abgründe hinweg,

und, das Maul voll Kräuter ohne Namen,

erschauern vor abendteuerlicher Freude

auf dem Gipfel einer Welt.

Carmen Bernos de Gasztold, Ordensfrau

 

In der Gedanken, Worten und Gefühlen bringen vor dich was unser Herz bewegt,

unseren Dank,

unsere Erleichterung,

unsere Bitte,

unsere Sorgen,

unsere Ängste,

unsere Lieben,

uns selbst.

 

STILLE

 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

SEGEN
(eventuell Hände zum “Segenskörbchen“ falten)

Empfangt den Segen Gottes:

Gesegnet sei euer Hören und Reden,

euer Tun und Lassen,

euer Freigeben und Binden,

euer blindes Vertrauen und Nachfragen,

euer Kämpfen und Feiern,

eure Nähe und Distanz,

euer Infragestellen und Antworten,

euer Entscheiden und Warten,

euer Ja und Nein,

euer Sein und Werden.

 

So segne und behüte euch Gott,

der allmächtige und barmherzige,

Vater, Sohn und Heiliger Geist.

 

Geht zuversichtlich in die Nacht und in den kommenden Tag,

denn Gott ist da.

Amen.