Herzlich willkommen zum 401. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 18. März 2026

Wir sind in der 4. Woche der Passionszeit.

Eine Zeit, die uns einlädt zur Besinnung, zum Innehalten, zur Umkehr, zum Verzicht.

Zu kleinen Veränderungen im Alltag, die uns achtsam machen und neue Erfahrungen ermöglichen will.

Passionszeit – mit der Hoffnung, dass wir Gott in unser Leben lassen, uns selbst hören und spüren, und andere genauer sehen und verstehen. 

Ich zünde eine Kerze an, für das Licht, für den Frieden, für Vertrauen, für die Hoffnung.

So sammeln wir uns heute Abend:

im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,

im Namen Jesu Christi, dem Herrn und Bruder, der uns im Leiden trägt und hilft,

und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns verbindet zwischen Himmel und Erde.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt:  Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

Psalm 43: Sende dein Licht und deine Wahrheit, Samuel Scheidt: Sacrae Cantiones  · Vox Luminis

https://www.youtube.com/watch?v=1V2iDBRIS5M

 

„7 Wochen Ohne“, eine ökumenische Aktion der Passionszeit in den 7 Wochen vor Ostern. In diesem Jahr zu dem Thema „7 Wochen ohne Härte“ und dazu jeweils jede Woche ein Bibeltext und ein Gedanke auch in unserem Luther-Gebet.

Für diese Woche heisst der Gedanke „7 Wochen ohne Härte – mit Gefühl, Mitgefühl“. Dazu lesen wir zunächst den Bibeltext aus dem Römerbrief im Neuen Testament:

„Eure Liebe soll aufrichtig sein. Verabscheut das Böse und haltet am Guten fest. Liebt einander von Herzen als Brüder und Schwestern. Übertrefft euch gegenseitig an Wertschätzung. Lasst nicht nach in eurem Eifer. Lasst euch vom Geist anstecken und dient dem Herrn. Freut euch, dass ihr Hoffnung habt. Bleibt standhaft, wenn ihr leiden müsst. Hört nicht auf zu beten. Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind. Seid jederzeit gastfreundlich. Segnet die Menschen, die euch verfolgen. Segnet sie und verflucht sie nicht. Freut euch mit den Fröhlichen. Weint mit den Weinenden.“

(Römer 12,9–15 in der Übersetzung der Basisbibel)

 

Liebe Mitfühlende,

wem galt unser Mitgefühl in der zurückliegenden Woche besonders? Den Menschen, die Schutz vor Raketen und Drohnen suchen? Denen, die ihre Häuser und ihre Heimat verlieren? Denen, die hungern und dürsten? Den Opfern des Busunglücks in Kerzers?

Haben wir vielleicht einen Menschen in unserer Nähe, dem unser Mitgefühl gerade besonders gilt? Ich bin mir sicher, dass wir alle mit anderen mitfühlen. Ja, dass wir Menschen so gedacht sind, dass wir automatisch mitfühlen mit anderen.

Wir Menschen kümmern uns. Wir sind keine einsamen Wölfe, keine Einzelkämpfer.

Immer wieder werden archäologische Funde gemacht, die zeigen, dass die Menschheit seit Urzeiten gebrochene Knochen ihrer Artgenossen schiente. Das ist eine enorme soziale Leistung. Knochenbrüche heilen nur langsam. Ein Mensch, dessen Bruch geschient wurde, braucht lange Zeit Hilfe und Pflege.

Wir kümmern uns umeinander, wir haben Mitgefühl.

Forschungen haben ergeben, dass diese Eigenschaft sowohl angeboren ist als auch erworben. Wir haben also einerseits die Veranlagung, uns in andere Menschen hineinzuversetzen, andererseits müssen wir das auch üben. Vor allem, wenn es darum geht, eine Perspektive von jemandem zu übernehmen, der oder die uns nicht unmittelbar nah ist.

BILD: 7 Wochen ohne Härte – Mitgefühl

Vielleicht war Paulus ähnlicher Ansicht, als er an die Gemeinde in Rom schrieb:

„Freut euch mit den Fröhlichen. Weint mit den Weinenden.“

Gerade wenn man sich anschaut, in welchem Zusammenhang diese Sätze stehen, erscheint die Aufforderung tatsächlich wie ein Aufruf zum Üben. Über all den Aufforderungen, die Paulus hier zusammenstellt, steht die Überschrift: „Eure Liebe soll aufrichtig sein.“ Zu den dann folgenden Forderungen werden alle, die es lesen, erst einmal Ja sagen können. Das sind gute Forderungen. Das motiviert uns. Lasst uns einander helfen und miteinander beten. Ja, übertreffen wir einander darin, uns gegenseitig wertzuschätzen.

Ja, weinen wir mit denen, die traurig sind. Lachen wir mit denen, die fröhlich sind.

Natürlich sind es letztlich große Anforderungenlisten, die Paulus da an die Leute in Rom stellt. Das Geheimnis dieser Liste ist ihre Überschrift: „Eure Liebe soll aufrichtig sein.“

Das wünschen wir uns alle tatsächlich von Herzen, dass nicht Normen oder Vorschriften bestimmen, dass wir miteinander gut umgehen, sondern aufrichtige Liebe zueinander.

Das gilt gerade auch für jene, die die Hilfe annehmen sollen und dürfen. Sie spüren diese Zuneigung und so fällt es leichter, Hilfe anzunehmen.

Wenn Paulus von Liebe spricht, geht es ihm meist nicht um ein liebevolles Gefühl zu einem anderen Menschen, sondern mehr um eine Haltung. Aufrichtige Liebe zeichnet sich dadurch aus, dass man diese Liebe zutiefst empfindet, und dass man in dieser Haltung bleibt. So eine Haltung könnte man auch als „Anständigkeit“ bezeichnen. Vielleicht ein etwas verstaubt klingendes Wort. Wir könnten aber den anständigen Umgang miteinander aus dem Regal nehmen, ihn abstauben und aufpolieren und ihm die Liebe einhauchen, die Paulus meint.

Gehen wir also anständig miteinander um. Wir spüren es doch selbst, was gut und richtig ist. Wenn jemand weint, lacht nicht darüber. Wenn jemand fröhlich ist, fragt nach dem Anlass, damit ihr euch mitfreuen könnt.

Haltet einander die Tür auf. Hupt nicht aus Ärger! Liebt es, Gästen das Beste aufzutischen, das ihr gerade im Haus habt, und lasst euch auch mal bedienen.

Grüsst freundlich zurück. Verbreitet keine Fake News.

Bleibt in eurer Liebe anständig. Tut all das, weil ihr spürt, dass es das Richtige ist.

Das ist der Beginn einer Liste. Die Wochenaufgabe könnte nun sein: schreiben wir auf, was wir für einen anständigen Umgang miteinander erachten. Was macht uns den Umgang miteinander leichter? „7 Wochen ohne Härte, mit Gefühl, Mitgefühl!“

Fürbitten

Gib uns Frieden jeden Tag! Lass und nicht allein,

denn du hast uns fest versprochen, stets bei uns zu sein.

Denn nur du, unser Gott,

hast die Menschen in der Hand. Lass uns nicht allein.

Gib uns Freiheit jeden Tag! Lass uns nicht allein.

Lass für Frieden und für Freiheit immer tätig sein.

Denn durch dich, unsern Gott,

sind wir frei in jedem Land. Lass uns nicht allein.

Gib uns Freude jeden Tag! Lass uns nicht allein.

Für die kleinsten Freundlichkeiten lass uns dankbar sein.

Denn nur du, unser Gott,

hast uns alle in der Hand! Lass uns nicht allein.

Gib uns Glauben jeden Tag. Lass uns nicht allein.

Dir nur wollen wir vertrauen und gehorsam sein.

Ohne dich, unsern Gott,

bau’n wir unser Haus auf Sand. Lass uns nicht allein.

Text: Rüdeger Lüders / Kurt Rommel 1963

Schau auf uns und auf alle, für die wir beten und erhöre unsere Bitten nach Deinem Willen. Gemeinsam beten wir:

Vaterunser im Himmel…

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Bild: Bergwelt im Frühling

VERABSCHIEDUNG

Herzliche Einladung

-in die Martin-Luther-Kirche Zürich zum Predigt-Gottesdienst am Sonntag Judika, 22. März um 10 Uhr, mit Prädikant Andreas Müller-Crepon und Organist Mikael Pettersson,

-zur Passionsandacht am Dienstag, 24. März 10.15 Uhr mit Pfarrerin Marion Werner.

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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, in über 400 Ausgaben Luther-Gebet, und wir wünschen sonnige und gesegnete Frühlingstage.

Bleiben wir zuversichtlich. Denn Gott ist da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern!

Pfarrer Thomas Risel mit Pfarrerin Marion Werner

 

Geht in die kommende Zeit mit Gottes Segen:

So segne dich Gott,

Schöpfer des Himmels und der Erde,

sein Sohn, unser Erlöser Jesus Christus

und der Heilige Geist, der Atem des Lebens

Amen

Musik: Max Reger: Nachtlied (aus „8 Geistliche Gesänge“, Op. 138,3)

Hyunju Kwon | Dirigentin / RIAS Kammerchor Berlin

https://www.youtube.com/watch?v=0b9EH0YyZwk

Max Reger, Nachtlied:

Die Nacht ist kommen, Drin wir ruhen sollen;

Gott walt’s, zum Frommen Nach sein’m Wohlgefallen,

Daß wir uns legen In sein’m G’leit und Segen,

Der Ruh‘ zu pflegen.

Treib, Herr, von uns fern Die unreinen Geister,

Halt die Nachtwach‘ gern, Sei selbst unser Schutzherr,

Schirm beid Leib und Seel‘

Unter deine Flügel, Send‘ uns dein‘ Engel!

Laß uns einschlafen Mit guten Gedanken,

Fröhlich aufwachen Und von dir nicht wanken;

Laß uns mit Züchten Unser Tun und Dichten

Zu dein’m Preis richten!

 

Fotos: 7 Wochen ohne, Wikipedia