Luther Gebet Mittwoch 21. Oktober 2020

Luther Gebet Mittwoch 21. Oktober 2020

Gottesdienste fallen nicht mehr aus. Und doch sind sie anders als sonst.

Gott bleibt.

Wir wollen uns zum Gebet sammeln.    

UNS BEREIT MACHEN

Wir wollen zur Ruhe kommen, ein Licht anzünden, das uns hilft,

uns für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

GEBET                                      

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilligen Geistes.

Amen.

Tageslosung 21. Oktober 2020 aus dem Alten Testament:

Ein Engel rührte Elia an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes.

  1. Könige 19,5.8

 

Tageslesung aus dem Neuen Testament:

Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.

2. Korinther 4,7

 

Musik: „Terzett «Hebe deine Augen auf zu den Bergen», aus dem Oratorium «Elias» von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847). Text aus Psalm 121,1–4.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt in diesen Tagen davor, dass viele Menschen die Corona-Einschränkungen leid sind. „Pandemiemüdigkeit“ nennt sie dieses Phänomen. Und wir verstehen sofort was gemeint ist.

Gerade als man den Eindruck gewann, dass die Monate der Einschränkungen sich auszahlen würden und sich die Lage nachhaltig entspanne, meldete sich die Pandemie zurück. Quer durch Europa steigen derzeit die Fallzahlen rasant. 

Die WHO weiss, dass die Leute jetzt neu motiviert werden müssen. Sie hat Ratschläge für Regierungen veröffentlicht, wie man die Corona-Müdigkeit bekämpfen kann: Entscheidend sei, so die WHO, beim Volk „den Puls“ zu fühlen. Die Regierungen sollen die Bevölkerung konsultieren, ehe sie Neues beschliessen. Dänemark tat genau das, als Studierende dort mithalfen, Massnahmen zu erarbeiten, unter denen die Universitäten wieder geöffnet werden konnten.

Auch Innovation ist wichtig. Festtage stehen vor der Tür, und die Menschen wollen etwas, worauf sie sich freuen können. Man sollte gemeinsam Lösungen finden, damit ein Fest stattfinden könne, ohne dass sich das Virus verbreite.

Wir müssen noch Monate, vielleicht sogar ein oder zwei Jahre mit dieser Situation werden leben. Sagt die Professorin der Universität Genf, Samia Hurst-Majno:

„Die Situation wird verwirrend bleiben, weil wir über das Virus vieles vorzu lernen.“ Die Massnahmen würden laufend an das neue Wissen angepasst.

Sie schlägt vor, die Situation im Sinne eines Risikobudgets zu erklären: Je stärker sich das Virus ausbreitet, desto weniger Risiken können wir eingehen und desto stärker müssen wir uns einschränken. Wenn das Virus dagegen zurückgeht, können wir wieder mehr Risiken eingehen.

Hurst-Majno vergleicht die Lage mit einem Langstreckenflug: Der Pilot informiert die Passagiere vor dem Start, dass der Flug acht Stunden dauern und es Turbulenzen geben wird. Damit legt er die Erwartungen fest, und es verärgert niemand, wenn es das Flugzeug zwischendurch schüttelt. Niemand wird nach vier Stunden nervös, weil kein Ende des Fluges in Sicht ist. Zwar wisse niemand genau, wie lange die Pandemie noch dauere, räumt sie ein. „Klar ist aber: Es ist nicht nur eine Sache von ein paar Monaten – aber auch nicht von zehn Jahren.“

Viele Menschen spüren eine körperliche, geistige und emotionale Erschöpfung. Viele sind nur noch stark vermindert belastbar. Man resigniert, wie der Prophet Elija, der sagte: „Nun ist genug!“

Auf dem Höhepunkt seines Erfolges kommt Elijas persönlicher Tiefpunkt.

Elija flüchtet in die Abgeschiedenheit. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich gar den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben. (1 Könige 19,4)

Elija ist erschöpft und ausgebrannt, und schlief ein.

Kurz danach wird er aus seiner Ruhe aufgeweckt. Es erfolgt aber keine Massregelung, sondern ein positiver und fürsorgender Befehl:

„Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss!“ 1 Könige 19,5b

Die göttliche Therapie für Elija beginnt.

Unbekannter Maler, Der Engel weckt Elias in der Wüste (Haarlem, Anfang des 17. Jh.)

Der Engel stärkt Elija mit Brot und Wasser. Zweimal erscheint er und fordert Elija auf sich zu stärken. Der zweiten Aufforderung folgt eine Begründung:

„Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich.“ 1 Kön 19,7b. Oder auch: „der Weg ist noch weit.“

Später zeigt sich Gott ihm noch einmal: in einem Akt der Ruhe, im Säuseln des Windes.

Das Schwache wird zum Bild Gottes.

Die Elija-Geschichte entwickelt in dieser erzählten Situation nahezu therapeutische Konzepte:

Elija darf von der Arbeit ausruhen.

Er erfährt Fürsorge durch Andere.

Er wird in die notwendige Distanz zu seiner Arbeit geführt.

Die Gotteserfahrung bietet ihm eine neue Weltsicht.

Die neuen Aufgaben, die sich ihm stellen, sind schaffbar.

Elija wird nicht alleingelassen, an seiner Seite steht fortan ein Helfer.

Der Engel begegnet Elija ganz entsprechend seiner körperlichen und psychischen Verfassung. „Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich.“

 

FÜRBITTE:

Treuer Gott,

wir danken Dir dass wir immer wieder zu Dir kommen können mit all unseren Sorgen, Gedanken, Ängsten, Hoffnungen.

Du hast den Propheten Elia versorgt und Kraft gegeben, als es fast schon nicht mehr ging. Du hast Dich zu Deinem Sohn Jesus Christus bekannt, nach seinem Kreuz und hast durch die Auferstehung ins Leben auch uns Hoffnung geschenkt:

Hoffnung, dass wir immer wieder neu ins Leben auferweckt werden können,

Hoffnung, dass Du und nicht der Tod und das Leid und die Ohnmacht das letzte Wort haben.

Du gehst allem Verlorenen nach.

Wir bringen Dir unser Leben, unsere Sorgen, unsere Müdigkeit, wir bringen vor Dich alle Lebensmüden und Angefochtenen.

Begegne uns, all denen, die in Furcht und Angst stehen,

lass die Kraft Deiner Auferstehung immer wieder neu in uns mächtig werden.

Stärke die, die Verantwortung tragen und mit gutem Vorbild vorangehen -müssen oder wollen-, in Familien, in Kitas und Schulen, in Betrieben und Geschäften, in Spitälern und Heimen und Heimen und Gesundheitsdiensten.

Gib uns jeden Tag neu das Brot und den Krug mit Wasser, den wir brauchen auf dem langen Weg.

Sende Deine Engel und lass uns selbst welche sein, wo es Not tut.

Alles was wir noch persönlich auf dem Herzen tragen, nennen wir Dir in eine Moment der Stille…:

Amen.

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 *SEGEN* (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Der Herr hat seinen Engeln befohlen über Dir, dass sie Dich behüten auf allen Deinen Wegen.“

So sei behütet und bewahrt und gesegnet –

im Namen des Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

 

Musik „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“:

Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte 1844 die achtstimmige a cappella Motette. Später bearbeitete er das Werk, fügte eine Orchesterbegleitung hinzu und es wurde veröffentlicht als der siebte Satz in seinem Oratorium Elias.

Fünfzig SängerInnen aus fünf verschiedenen Chören in NRW singen die originale Version, in dieser digitalen Form: