Herzlich willkommen zum 309. Luther Abendgebet am Mittwoch, 22. Mai 2024.

Wir sind in der Pfingstwoche. Mitten im mal kühlen, nassen und mal warmen Frühling wie auch in Zeiten von Krieg und Frieden, von vielerlei Bedrohungen und Ungewissheiten.

Wir halten inne: Zeit der inneren Einkehr, in allen aktuellen Sorgen um den Frieden, um Zusammenhalt und Gerechtigkeit.

Zeit für Gedanken, Musik und Gebet.

Ich zünde eine Kerze an, in Dankbarkeit, in Vertrauen, in Hoffnung.

So sammeln wir uns heute Abend:

im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes

die uns verbinden zwischen Himmel und Erde.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt:  Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

Aus Psalm 113

1Halleluja!

2Gelobt sei der Name des Herrn von nun an bis in Ewigkeit!

3Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang

sei gelobet der Name des Herrn!

4Der Herr ist hoch über alle Völker;

seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

5Wer ist wie der Herr, unser Gott, der oben thront in der Höhe,

6der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde;

7der den Geringen aufrichtet aus dem Staube

und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

8dass er ihn setze neben die Fürsten,

neben die Fürsten seines Volkes;

Halleluja!

Bild: Psalm 113

Musik: Nun bitten wir den Heiligen Geist · Vocal Concert Dresden

https://www.youtube.com/watch?v=tuKhY1AyTHo

 

Unser Kirchenjahr prägt, ob wir glaubend sind oder nicht, immer noch unser Jahr.

Advent, Warten auf die Geburt Christi im Stall von Bethlehem, dann Weihnachten selbst. Karfreitag und Ostern – Leiden, Tod und Auferstehung Christi. Himmelfahrt Christi-spricht für sich. Und nun Pfingsten, da tun wir uns schon schwerer, was war da noch? Die erste christliche Gemeinde kam zusammen, ein Sturm, Feuerzungen, alle verstehen sich in verschiedenen Sprachen: der Geist Gottes sorgt für den ersten Geburtstag der Kirche.

Aber nun haben wir am kommenden Sonntag noch ein weiteres Fest, mit dem es fast noch schwieriger wird: Trinitatis, Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit. Hmm…

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, der eine Gott in drei Personen – wie soll das gehen?

Da das irgendwie nicht leicht zu verstehen ist und auch Theologen über Jahrtausende darüber diskutiert haben, mag uns zunächst ein kleiner Witz helfen…:

Bild: „Achteinigkeit“

Am Sonntag Trinitatis feiern Christen also das Fest der Dreieinigkeit Gottes – einer theologischen Idee, die schwierig ist und doch viel über das Wesen Gottes aussagt. Gott ist umfassender, als ein Mensch begreifen kann. Davon erzählt eine kleine Geschichte:

Die Legende von Augustinus und dem Knaben am Meer

Man erzählt von Augustinus, dass er, zu der Zeit, als er das Buch über die Dreifaltigkeit vorbereitete, an einem Strand entlangging. Da erblickte er einen Knaben, der eine kleine Grube im Sand gemacht hatte und mit einem Löffel / einer Schnecken-Muschel («cochlea») Wasser aus dem Meer schöpfte und in die Grube goss. Als Augustinus ihn fragte, was er da mache, antwortete der Knabe, er habe vor, mit dem Löffel das Meer trockenzulegen und in die Grube zu füllen. Augustinus erklärte, das sei unmöglich, und lächelte über die Einfalt des Knaben. Der aber erwiderte ihm, eher sei es für ihn möglich, das fertigzubringen, als für Augustinus, in seinem Buch auch nur den kleinsten Teil der Geheimnisse der Dreifaltigkeit zu erklären. Und er verglich die Grube mit dem Buch, das Meer mit der Dreifaltigkeit und den Löffel/die Muschel mit dem Verstand des Augustinus. Danach verschwand er. Da ging Augustinus in sich, betete und verfasste danach, so gut er konnte, das Buch über die Dreifaltigkeit.

«De Trinitate» wird dann das philosophische Hauptwerk des Augustinus. Er arbeitete daran seit etwa 400 und schloss es erst zwischen 417 und 428 ab. Das Werk ist in fünfzehn Bücher gegliedert. Das erste Buch befasst sich mit dem Beweis der Einheit und Gleichheit der drei göttlichen Personen auf Grund der Schrift.

Augustinus lehrt, dass Gott eine Dreieinigkeit der Liebe ist. Und Liebe kann nicht für sich allein existieren, Gott kann nicht Liebe sein, wenn es nicht etwas für ihn zu lieben gibt. Für ihn ist der Vater derjenige, der liebt, der Sohn derjenige, der geliebt wird (der „geliebte Sohn“) und der Heilige Geist ist die Liebe, die zwischen beiden fliesst und sie verbindet. Es ist zudem der Geist, der die Gläubigen mit Gott verbindet und uns zu Teilhabern dieser Liebe macht. So ist die Dreieinigkeit ein notwendiger Teil des göttlichen Wesens.

In späteren Kapiteln vergleicht Augustinus dann die Dreieinigkeit mit unserem Menschenleben. In uns ist diese Trinität angelegt: unser Sinn besitzt Gedächtnis, Verstand und Willen – die voneinander unterschieden, aber nicht getrennt werden können, und die alle gleich wichtig sind.

Bild: Löwenzahn-Trinität: Gott als die Pflanze, Christus als die gelbe Sonne, der Heilige Geist als die Pusteblume

Man kann zwar also eher mit einem Löffel das Meer trockenlegen und in eine Grube füllen, als auch nur einen kleinen Teil der Geheimnisse der Dreifaltigkeit zu erklären. Das gilt auch heute. Aber Trinität bedeutet, Gott lässt sich auf eine Geschichte mit den Menschen ein und offenbart, zeigt uns darin mehr von sich: als Vater erwählt sich Gott ein Volk, als Sohn kommt er allen Menschen zum Heil. Schliesslich bezieht Gott in jedem Einzelnen Wohnung: als Begeisterung, als Tröstergeist und als Liebeskraft. Gott kann und will also nicht für sich sein und bleiben. Ein Ausdruck dafür ist seine Dreieinigkeit. Gott ist also Beziehung. In sich und in uns und für uns und für diese Welt.

Musik: Atme in uns Heiliger Geist | Die 2 Priester: Andreas Schätzle und Pater Manuel

https://www.youtube.com/watch?v=xC-nkZcCDI0

 Fürbitten     (Katharina Wiefel-Jenner, aus: VELKD-Wochengebet)

Heiliger Geist,
du Kraft der Liebe.
Die Welt braucht dich.
Die Schöpfung wartet auf dich.
Wir Menschen fragen nach dir.
Deine Kirche lebt von dir.
Komm und schenke neues Leben.

Heiliger Geist,
führe zusammen
die voneinander Getrennten,
die miteinander Zerstrittenen,
die aufeinander Hoffenden.
Komm und schenke neues Leben.

Heiliger Geist,
überwinde 
die Mächte, die Hass säen,
die Kräfte, die zerstören, die Feinde des Lebens.
Komm und schenke neues Leben.

Heiliger Geist,
rette
die Kranken, die Hungernden,
die Verfolgten und Verschleppten.
Komm und schenke neues Leben.

Heiliger Geist,
rüttele auf
die Trägen,
die Gedankenlosen, die Gleichgültigen.
Komm und schenke neues Leben.

Heiliger Geist,
begeistere uns und alle, die zu uns gehören.
Begeistere unsere Kinder.
Begeistere deine Kirche.
Begeistere alle, die dich suchen und herbeisehnen.
Komm Heiliger Geist, 
schenke Einigkeit und Frieden.
Komm und schenke neues Leben –
Heute und morgen und an jedem neuen Tag.

Vaterunser… geheiligt werde dein Name;

dein Reich komme;

dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.   Amen.

 SEGEN

Jesus sagt: „Ihr seid nicht allein. Ich bin bei euch mit meiner Kraft. Ich bin bei euch mit allem, was ihr braucht. Der Heilige Geist, den ich euch sende, wird euch begleiten.“

Jesu Zusage des Heiligen Geistes als Kraftspender, als Trösterin, als Fürsprecher,    gelten allen, auch Dir.

So geht in diese Nacht und den neuen Tag und diese Zeit mit Gottes und Christi Segen:

Es segne und behüte dich der Allmächtige und die Gütige,

Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

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Verabschiedung:

Herzliche Einladung zum besonderen Erlebnis und Mitfeiern eines ökumenischen Gottesdienstes: 7 christliche Kirchen feiern Abendmahl und Gemeinschaft am kommenden Sonntag, 26. Mai, 11 Uhr in der Klosterkirche Wettingen/Aargau.

In der Martin-Luther-Kirche können wir am Sonntag, 26. Mai um 17 Uhr ein besonderes Orgelkonzert erleben: Christian Gautschi spielt Werke vom Frühbarock bis Pop. Der Eintritt ist frei, es gibt eine Kollekte am Ausgang.

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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, viele seit über 300 Ausgaben, und wir wünschen allen eine schöne und behütete Frühlingszeit weiterhin!

Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern!

Thomas Risel und Marion Werner

 

Ein besonderer Song versprüht am Ende unseres Gebetes noch den Rhythmus und die Melodie des Heiligen Geistes:

Musik: Heiliger Geist | DMMK | Akustik Version | Timo Langner & Christine Pfeifle

https://www.youtube.com/watch?v=JUwW3hujwyg

 Fotos: Internet, privat