Herzlich willkommen zum 294. Luther Abendgebet am 24. Januar 2024.

Wir sind in der 4. Woche des neuen Jahres, heute 1 Monat nach Heiligabend. Schon ist viel passiert in diesen Wochen, beruflich, persönlich, in der Welt. Wir halten inne: Zeit der Orientierung neben allen aktuellen Sorgen um den Frieden, den Zusammenhalt und das weltweite Klima.

Zeit für innere Einkehr, mit Musik, Geschichten und Gebet.

Ich zünde eine Kerze an, in Vertrauen, in Hoffnung.

So sammeln wir uns heute Abend:

im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes

die uns verbinden zwischen Himmel und Erde.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben im neuen Jahr geschieht und sich wandelt:  Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

Heute mit der biblischen Botschaft für diesen 24. Januar vom Ende des Matthäus-Evangeliums (Mt 28,20):

Jesus Christus spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“.

Bild zum Text: Christus-Glasfenster Martin-Luther-Kirche Zürich

Musik: ‘Siehe, ich bin bei euch alle Tage’ Kirchenkantate Friedrich Wilhelm Zachow,                           1. Chor bis 2.24min.

https://www.youtube.com/watch?v=uuKdYB8kcgc

 

„Ist es Gott hier nicht zu kühl, friert der liebe Gott hier nicht?“

Das fragte einer der Maler-Handwerker, die in der letzten Woche bis gestern für die neue Innenvermalung in unserer Martin-Luther-Kirche tätig waren. Es waren Minus-Grade draussen, besonders über Nacht, und unsere Kirche hat im Winter immer etwa 12 Grad ausserhalb der Gottesdienstzeiten. Zum Arbeiten und zur besseren Trocknug haben wir die Heizung in der Kirche dann letzte Woche etwas höher gesetzt auf 15 Grad. Dennoch kommt es einem, gefühlt, sehr kühl vor in der Kirche.

Darum dann wohl auch diese Frage: „Friert der liebe Gott hier nicht?“ Ob Christ oder Muslim oder gar keine Relgion, für diese Handwerker war es schon etwas besonderes, mal eine denkmalgeschützte Kirche von innen zu verschönern mit frischer Farbe, auf diesem besonderen Putz aus dem Jahr 1958. Wir finden genau diesen Putz übrigens auch in der Kirche „Notre Dame du Haut“ von Ronchamp im Burgund, nach Plänen des französisch-schweizerischen Architekten Le Corbusier.

Im Gespräch erzählte einer der Maler, er werde nie vergessen, wie er mal vor mehr als 30 Jahren in München in einer Kirche tätig war und neben dem Anstreichen auch mit Blattgold arbeitete, Stück für Stück die barocken Figuren und Darstellungen in dieser Kirche farbig erneuerte. Das war für ihn so besonders, dass er es noch heute in guter Erinnerung behalten hat. Man ist dem lieben Gott doch nah, oder näher, dabei und man tut etwas für ihn, so in etwa erzählte er.

Man spürte ihm ab, er mag seinen Beruf, und meistens sind seine Auftraggeber glücklich mit dem Ergebnis seiner Arbeiten. Trägt er doch zum Wohlbefinden der Menschen bei, mit frischer Farbe. Und das wiederum freut ihn sehr.

Aber zurück zu seiner Frage, ob der liebe Gott nicht friere bei den Temperaturen in der Kirche? Eine schöne Frage. Martin Luther sagte einmal: „Gott ist wie ein glühender Backofen voll Liebe“ (Predigt von 1522).  Was für ein Bild. Ein Backofen, der glüht und Wärme in die gesamte Welt strahlt. Gottes unendliche bedingungslose Liebe strahlt in unser Leben und wir bekommen diese Liebe und können sie gleichzeitig auch weitergeben. Mit Worten und mit Taten, auch als Maler. Und wenn unsere menschliche Liebe nicht mehr reicht, dann strahlt Gottes Liebe aus dem „Backofen“. Und so wird Gott wohl auch nicht frieren in unserer 12 Grad kühlen Kirche.

Bilder: Malerarbeiten in der Martin-Luther-Kirche Zürich, Januar 2024

Psalm 127 An Gottes Segen ist alles gelegen

“1 Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.”

Ist es nicht schön, wenn wir auch in unserem Beruf etwas zum Wohlbefinden, für andere und für uns selbst beitragen können?! Wenn unser Tun ein Teil der Arbeit im Weinberg Gottes sein kann, oder wenn ich es erkenne und achte, was dazu beiträgt bei meinem Tun?!

Martin Luther hat auch den Berufen von Menschen einen hohen Wert und eine Würde gegeben. Das, was wir heute als “Beruf” oder “Job” bezeichnen, hat Martn Luther quasi erfunden, und es bekam durch ihn eine Bedeutung, die die gesamte europäische Neuzeit tief prägen sollte. Für ihn war der “Beruf” auch eine “Berufung”: jeder treu erbrachte Dienst im Beruf, nicht nur im Kloster oder als Geistlicher, war für Luther eine Gottgefälligkeit. Ein Gottesdienst. Was zählte, war, dass der Mensch glaubte und handelte, und wie er handelte. Und wie wir die Zusammenhänge sehen, in denen eine Berufstätigkeit auch steht. Davon erzählt auch eine berührende kleine Geschichte:

Drei Steinmetze arbeiten auf einer Baustelle. Ein Passant fragt sie danach, was sie tun. Der erste Steinmetz räumt mürrisch Steine zusammen und sagt: „Ich verdiene meinen Lebensunterhalt“. Der zweite Steinmetz klopft mit wichtiger Miene auf seinen Stein, während er antwortet: „Ich liefere die beste Steinmetzarbeit weit und breit.“ Der dritte Steinmetz aber schaut den Fragenden ruhig und mit glänzenden Augen an und sagt: „Ich baue eine Kathedrale“.

Wir sagen danke für die wirklich guten, sehr gelungenen Arbeiten für die neue Innenvermalung unserer Kirche, für diesen „Gottesdienst“ im Alltag der Welt. Vielleicht, nein, bestimmt kannst Du, können Sie, ebenfalls etwas im Alltag so sehen. Als Gottesdienst, als Dienst an Gott und den Menschen.

Bilder: Fertige Innenvermalung in der Martin-Luther-Kirche Zürich, Januar 2024

Fürbitten:
Gott im Himmel und hier bei uns auf Erden,

Du hast Himmel und Erde

in ihrer ganzen Fülle geschaffen.

Von Anfang an bist du in unserer Geschichte gegenwärtig.

Wir danken dir für die grossen und wunderbaren Dinge

in unserem Leben.

Du gibst uns Verantwortung, Weisheit, Wissen und Verständnis,

damit wir für alles, was uns wichtig ist, Sorge tragen können.

Wenn wir uns auf dich ausrichten,

nehmen wir die Beziehungen zu allen Menschen

in deine Gegenwart hinein.

 

Durch deinen Sohn Jesus Christus sagst Du uns zu: Du bist bei uns alle Tage.

Wir bitten dich, dass du für alle Menschen da bist

Schenke uns Vertrauen zu dir und die nötige Aufmerksamkeit,
zu achten, was das Zusammenleben in Frieden und Gerechtigkeit ermöglicht.

Gott, unsere Hände sind den ganzen Tag beschäftigt mit vielen Dingen,
Wir kochen und putzen, um unsere Familien zu versorgen,
wir arbeiten, um Geld zu verdienen,
wir tippen auf unseren Handys, spielen und beschäftigen uns in der Freizeit.
Wir bitten dich, lass uns immer zuerst hören und dann entsprechend handeln:
hören auf die Bedürfnisse der anderen Menschen und unsere eigenen,
hören auf dein Wort, auf deine Verheissung,
die unser Leben tragen kann.
Und dann lass uns unser Handeln, das Werk unserer Hände,
ausrichten an dem, was wir gehört haben,
so dass wir beitragen, zu einem guten, gerechten und friedlichen
Zusammenleben in dieser Welt.

Gott, wir danken dir für dein Versprechen an uns,
dass gutes Leben möglich ist,
Schütze und segne die, die vieles erleiden müssen in dieser Welt, in Kriegen, Hunger, Katastrophen, Ängsten, Gewalt.
Stärke und bewahre uns im Glauben,
damit wir nach deinem Wort handeln
ein tragfähiges Fundament für unser Leben legen
und an deinem Reich mit bauen.

Mit den Worten deines Sohnes beten wir gemeinsam:

Vaterunser:… geheiligt werde dein Name;

dein Reich komme;

dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

SEGEN

(Katja Süß)

Gott segne deinen Weg
die sicheren und die tastenden Schritte
die einsamen und die begleiteten
die großen und die kleinen

Gott segne dich auf deinem Weg
mit Atem über die nächste Biegung hinaus
mit unermüdlicher Hoffnung
die vom Ziel singt, das sie nicht sieht
mit dem Mut, stehenzubleiben
und der Kraft, weiterzugehen

+ im Namen Gottes,

des Vaters,
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.

 

Verabschiedung:

Herzliche Einladung zum Ökumenischen Bach-Kantaten-Gottesdienst am Sonntag, 28. Januar, 10 Uhr in der Augustinerkirche Zürich.

Anschliessend Beisammensein zum Kirchenkaffee dort.

Die Kantate kann man bereits mit musikalischer und theologischer Einführung hören am gleichen Ort am Samstag, 27.Januar um 12.15 Uhr.

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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft auch im neuen Jahr, und wünschen noch eine gute, behütete 4. Woche 2024!

Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist und bleibt da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern!

Thomas Risel und Marion Werner

 

Musik: Felix Mendelssohn Bartholdy, Denn er hat seinen Engeln befohlen MWV B 53

Thomanerchor Leipzig:

https://www.youtube.com/watch?v=Cymlsm8E6vU