Luther-Gebet Mittwoch 24.3.2021:

Herzlich willkommen zu unserem 136. Abendgebet, einige Tage Wochen vor der Karwoche.

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gottesdienste sind anders als sonst.

Gott bleibt.

Mittwoch und Samstag abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.             

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit dem, was uns ausmacht.

Mit Freude und Glück im Herzen.

Aber auch mit Last auf der Seele.

Wir machen uns bewusst, was Christus für uns getan hat.

Wir lassen uns anregen davon, was Gott für uns will.

 

Spruch für die Woche vor Palmsonntag/Palmarum 2021:

Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer gross sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.

45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.                             (Markus 10, 42ff.; Matthäus 20,28)

Musik aus Taizé: „Bleibet hier und wacht mit mir“

https://www.youtube.com/watch?v=AM5HQu-MsIM

 

Andacht Kopernikus/Queen „Dienen“

Weltmacht mit drei Buchstaben? –

„Ich“.

Im 16. Jahrhundert hat der Domherr und Naturwissenschaftler Nikolaus Kopernikus die Weltsicht verändert.  Kopernikus hatte Theologie und auch Astronomie studiert.

Er beobachtete den Himmel und stellte fest, dass sich die Planeten unregelmässig bewegen, nicht auf einer Kreisbahn, sondern ellipsenförmig, und auch nicht immer mit der gleichen Geschwindigkeit. Aus diesen Unregelmässigkeiten schloss Kopernikus nun, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, und dass die Erde sich um sich selber dreht. So ersetzte er das geozentrische Weltbild (griechisch geo = Erde, d.h. die Erde steht im Zentrum) durch das heliozentrische (griechisch helios = die Sonne, die Sonne steht im Zentrum des Alls).

„Kopernikanische Wende“ hat man das später genannt: wir sind nicht die Mitte des Universums, die Mitte der Welt.

Als wäre diese Wende an uns vorbeigegangen, reden wir noch vom „Lauf der Sonne“, halten uns selbst für den Mittelpunkt der Welt oder denken: „Die Welt dreht sich nur um mich.“

Jakobus und Johannes, die beiden Jesusjünger, hielten sich wohl auch für den Mittelpunkt der Welt.

Das Evangelium ist in der Lutherbibel treffend mit „Vom Herrschen und Dienen“ überschrieben. Die beiden möchten eine besondere Stellung zur Rechten und zur Linken Jesu einnehmen. Sie bitten Jesus nur für sich: „Bitte, wir möchten im Himmel neben dir sitzen!“ Also jetzt schon mal den besten Platz im Himmelreich sichern.

Sie werden aber von Jesus daran erinnert, dass es nicht um Macht und Stellung innerhalb einer Gemeinschaft geht, sondern um das Dienen. Hier tritt die Gemeinschaft der Glaubenden in den Blick, die an die Nachfolge erinnert wird, und das bedeutet auch, eine Haltung des Dienens einzunehmen.

Glaube geht also nicht ohne den Blick auf das, was der andere braucht. Ein zentraler jüdisch-christlicher Gedanke bis heute, und manchmal müssen wir immer wieder neu daran erinnern.

„Ich zuerst“, „unser Land zuerst“ – das kennt man von manchen Staatslenkern ebenso wie aus dem täglichen Leben: Hauptsache ich habe genug Toilettenpapier, Nudeln, Konserven, Impfstoff. Ich bin ja nicht krank… In anderen Ländern geht es mehr um Krankenhausbetten und Beatmungsgeräte. „Hauptsache, ich“; „Hauptsache meine Familie“. Man muss schnell sein, um sich das Beste zu sichern.

Jesus sagt zu Jakobus und Johannes: „Neben mir zu sitzen – das kann ich euch nicht geben;“ „das ist für die, für die es bestimmt ist“. Wer das sein wird, sagt er nicht. Aber er zeigt seinen Jüngern eine andere Sicht auf das Leben: „Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.“ Jesus selbst geht auf diesem Weg des Dienens voran. Er ist gekommen, um den Menschen zu dienen und dafür auch sein Leben zu geben. Damit lebt er Gottes Gedanken auf dieser Welt, Menschensohn und Gottessohn. Auch Gott ist kein einsamer Gott, sondern will in Gemeinschaft sein und in Gemeinschaft leben, unter den Menschen. „Ein geselliger Gott“, wie es ja der christliche Dichterpfarrer Kurt Marti sagte. Gott hat den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen, er suchte PartnerInnen, nicht Konkurrenten. Er möchte den Menschen dienen und wir sollen ihm das nachtun. Sein Sohn sagt zu uns: wer unter euch gross sein will, der sei Diener. Das ist eine Art Umkehrung der Verhältnisse, immer wieder neu.

(Getty Images)

Wenn die britische Queen am 21. April 95 Jahre alt wird, dann hat sie immer ihr besonderes Versprechen gehalten. „I serve – Ich diene“. Dieses Wort, ein Leitmotiv auf ihrem Weg, verkündete Elisabeth schon an ihrem 21. Geburtstag im Jahr 1947 in einer Radioansprache. Sie erklärte, ihr ganzes Leben, „ob es lang oder kurz wird“, in den Dienst ihres Volkes zu stellen. Die junge Frau hielt bis heute Wort. Auf eine Weise, die beispiellos ist. Mit Haltung und Zurückhaltung. Mit wenig Worten und viel Schweigen. Mit lieblichem Lächeln und grimmigem Blick. Mit einem Leben im goldenen Käfig und in größtem Luxus. Sie trägt die ihr anvertraute Last der Verantwortung ohne Klagen und ist bei allem bedacht um den Erhalt der Monarchie und das Leben ihres Landes und seiner Bürger.

Die kopernikanische Wende unter den Menschen – steht offenbar immer wieder neu aus. Jeden Tag sich daran erinnern, dass wir nicht der Mittelpunkt der Welt sind. In diesen Tagen der aus Fürsorgegründen und bestimmten „Kontaktbeschränkungen“ können wir eine Art „kopernikanische Wende“ erleben: Die Welt dreht sich nicht nur um uns. Wie wenig sind wir – wenn wir nur für uns sind!

„Wer gross sein will unter euch, der soll euer Diener sein.“ Wer gross sein will, dreht sich um die anderen, macht die Nächsten zum Mittelpunkt und fragt: Wie kann ich dir dienen, wie behilflich sein? Wer auch beruflich für andere da ist in dieser Pandemie, der sollte auch entsprechende Wertschätzung erfahren.

Jesus verheisst immer wieder das von den Jüngern ersehnte Himmelreich, es wächst langsam wie ein Saatkorn, es ist da wo Menschen füreinander da sind und so schon im scheinbar Kleinen ganz gross sein können.           Amen.

Abendgebet aus dem Kloster Maria Laach:

https://www.youtube.com/watch?v=hgR2KXPRFO0

 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

SEGEN
(eventuell Hände zum “Segenskörbchen“ falten)

Dem HERRN, eurem Gott, sollt ihr dienen, so wird er dein Brot und dein Wasser segnen (2. Mose 23, 25)

Gott segne euch und bewahre euch.

Gott schenke Liebe und Kraft, für andere da zu sein.

Gott erfülle euer Herz mit seinem Geist.

Amen.