Herzlich willkommen zum 398. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 25. Februar 2026
Wir sind in der ersten Woche der Passionszeit. Gedenken an den Weg der Passion Jesu.
Eine Zeit, die uns einlädt zur Besinnung, zum Innehalten, zur Umkehr, zum Verzicht.
Passionszeit – sie lädt ein, zu kleinen Veränderungen im Alltag, die uns achtsam machen und neue Erfahrungen ermöglichen will.
Passionszeit – mit der Hoffnung, dass wir Gott in unser Leben lassen, uns selbst wieder hören und spüren, und andere genauer sehen und verstehen.

BILD: 7 Wochen ohne
Ich zünde eine Kerze an, für das Licht, für den Frieden, für Vertrauen, für die Hoffnung.
So sammeln wir uns heute Abend:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,
im Namen Jesu Christi, dem Herrn und Bruder, der uns im Leiden trägt und hilft,
und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns verbindet zwischen Himmel und Erde.
Amen.
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.
Musik: Felix Mendelssohn Bartholdy: Ach bleib mit deiner Gnade / Capella Peregrina
https://www.youtube.com/watch?v=Gw-sK-Cr2Es
„Liebe Hartgesottene und Gefühlsbetonte“, (so beginnt die Andacht der Aktion „7 Wochen ohne“ heute)
endlich dürfen wir wieder auf etwas verzichten. Ist es nicht ein Privileg, dass wir uns einmal im Jahr aussuchen können, was wir bleiben lassen wollen?
Keine Anordnung, einfach der eigene Wille, etwas sein zu lassen, das nicht guttut.
Die Aktion „7 Wochen Ohne“ schlägt in diesem Jahr vor, auf Härte zu verzichten und stattdessen „mit Gefühl“ vorzugehen.
Aber wie ist das in Zeiten, in denen wir anscheinend Härte brauchen, weil diejenigen, die uns das Leben schwermachen, selbst mit grosser Härte vorgehen:
Kriege und Gewalt werden angezettelt, auch im eigenen Land.
Hunger und Kälte werden als Waffen eingesetzt, Wahrheiten verdreht und der Respekt geht verloren.
Wie können wir da widerstehen und gleichzeitig darauf verzichten, selbst hart zu sein?
Eine Antwort finden wir im Bibeltext für diese Woche, aus dem 1. Buch der Könige im Alten, Ersten Testament:
Salomo ist der Sohn von König David und erst seit kurzem selbst König, als er träumt, dass ihm Gott erscheint und ihm einen Wunsch gewährt.
Anstelle von Macht oder Reichtum oder Gesundheit wünscht Salomo sich Weisheit. Er bekommt sie, und Reichtum und Gesundheit noch dazu, weil er so gut gewählt hat.
Seitdem ist er als „Salomo der Weise“ bekannt.
Sein Vater David konnte skrupellos sein und reumütig, liebevoll und unbarmherzig.
Sein letzter Wille, den er sterbend seinem Sohn mitteilte, war, dass Salomo mehrere Leute umbringen sollte; Menschen, die ihm den Thron streitig hätten machen können.
Salomo erfüllt den letzten Wunsch seines Vaters. Alle seine Konkurrenten sind tot, als Salomo diesen Traum hat, in dem er sich Weisheit wünscht.
Im Schlaf scheint ihm bewusst zu werden, dass er als König nicht viel taugen wird, wenn er den Weg seines Vaters David weitergeht.
Salomo entgegnet Gott im Traum: „Du selbst, Gott, hast mich zum König gemacht.“ Damit sagt er auch: „Nicht die Morde an meinen Widersachern haben mich zum König gemacht.“
Salomos bittet darum, Gut und Böse unterscheiden zu können, damit er nicht auf andere hören muss.
Machterhalt durch Gewalt? Das wird nicht Salomos Weg sein. Und tatsächlich. Er verhandelt lieber, und gleicht aus. Seine Weisheit wird legendär.

Bild: Waage der Justitia
Vielleicht hat Salomo seit dieser Nacht Weisheit trainiert. Immer wieder hielt er inne, dachte nach, was für Konsequenzen sein Handeln haben würde.
Er lernte, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, so dass er ihre Bedürfnisse berücksichtigen konnte. Er lernte, seine Wut wahrzunehmen, ohne sofort Wut zu schnauben.
Er lernte, Zusammenhänge zu begreifen und nicht alles aus der eigenen Perspektive zu betrachten. Nach und nach wurde er weiser und weiser.
Am Anfang dieser Weisheit steht ein Traum, in dem sich Salomo wünscht, selbst denken und entscheiden zu können.
Ein Traum, in dem Gott sich über diesen Wunsch freut und verspricht, ihn zu erfüllen. Später wird Salomo ein Urteil fällen, das so weise ist, dass es seinen Namen tragen wird.
Daraus können wir die erste Wochenaufgabe entnehmen, die mit Urteilen zu tun hat. In 3 Schritten:
- wenn wir mit anderen über ein kontroverses Thema sprechen. Wir bilden uns unser Urteil darüber. Wie emotional werden wir?
- Als Nächstes frage ich mich: „Wer hat mir beigebracht, dass ich in dieser Sache so denke?“
- Ist das Urteil tatsächlich meins? Will ich diese Ansicht behalten? Oder würde ich lieber anders denken an diesem Punkt? Seien wir dabei möglichst ehrlich zu uns selbst.
Erlauben wir uns, selbst zu denken, und auch Gott um Rat zu fragen, oder: was würde Jesus dazu sagen? Das heisst nicht, dass ich meine Meinung über den Haufen werfen muss.
Aber es bedeutet, dass ich neu anfangen, neu denken kann.
Wiederholen wir die Übung in regelmässigen Abständen.
Es ist ein gutes Weisheitstraining.
Gegen alle Härte.
Fürbitten:
Gott,
gib mir die Gelassenheit,
die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und Weisheit, um den Unterschied zwischen beidem zu erkennen.
Einen Tag nach dem anderen zu leben,
Einen Moment nach dem anderen zu geniessen,
Beschwernis als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren,
Diese Welt, wie Jesus es tat, so anzunehmen, wie sie ist, und so zu ändern, wie es Gottes Wille ist
Darauf zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst,
Wenn ich mich Deinem Willen hingebe,
Auf dass ich recht glücklich sein möge in diesem Leben
Und überglücklich mit Dir auf ewig im nächsten.
Schenke Weisheit und den Willen zum Frieden, wo Gewalt und Krieg herrschen.
Schütze die, die in Bedrohungen leben.
Stärke die, die sich für das Leben in Frieden einsetzen.
Lass uns in Deiner Weisheit leben und immer neu danach fragen.
Dir zur Ehre und der Welt zum Segen.
Schau auf uns und auf alle, für die wir beten und erhöre unsere Bitten nach Deinem Willen. Gemeinsam beten wir:
Vaterunser im Himmel…
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Bild: Frühlingsknospen
VERABSCHIEDUNG
Herzliche Einladung
-in die Martin-Luther-Kirche Zürich zum Abendmahls-Gottesdienst am Sonntag, 1. März.um 10 Uhr, parallel mit Kindergottesdienst zum Weltgebetstag und mit Gedenken für verfolgten Christen in der Welt, dazu hören wir einen Gast aus unserer Gemeinde, der uns von seiner Heimat in Eritrea erzählen wird.
-und schon jetzt zum Weltgebetstag (aus Nigeria) am Donnerstag, 5. März ab 14 Uhr im Gemeindehaus.
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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, und wir wünschen sonnenreiche gesegnete Tage.
Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern!
Pfarrer Thomas Risel mit Pfarrerin Marion Werner
Segen
Es segne, behüte und bewahre Dich Gott,
der Vater und Schöpfer des Himmels und der Erde,
Jesus Christus, Sohn, Bruder und Erlöser und
der Heilige Geist der Weisheit und des Friedens.
Amen.
Musik: Till Brönner, Dieter Ilg – Ach, bleib mit Deiner Gnade (6.52min.)
https://www.youtube.com/watch?v=ZqWfrM0Bv_U
Fotos: privat und Wikipedia