Herzlich willkommen zum 314. Luther Abendgebet am Mittwoch, 26. Juni 2024.

Wir sind in der Sommerzeit angelangt, mitten in Zeiten von Krieg und Frieden, von vielerlei Bedrohungen und Ungewissheiten tatsächlich nun sommerliche Tage.

Wir halten inne: Zeit der inneren Einkehr, in allen aktuellen Sorgen um den Frieden, um Zusammenhalt und Gerechtigkeit.

Kurz vor den herbeigesehnten grossen Ferien. In Zeiten, wo der Ball rollt.

Zeit für Gedanken, Musik und Gebet.

Ich zünde eine Kerze an, in Dankbarkeit, in Vertrauen, in Hoffnung.

So sammeln wir uns heute Abend:

im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes

die uns verbinden zwischen Himmel und Erde.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt:  Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

Olympiastadion Berlin Stadion-Kapelle

(DFB)

Seligpreisungen (nicht nur) zur Fussball-EM

Glücklich,

wer seinen Sieg dankbar feiert,

ihn annimmt wie ein Geschenk.

Glücklich,

wer verlieren kann, ohne den Kopf zu verlieren.

Glücklich,

wer in Sport und Spiel Freiheit spürt.

Glücklich,

wer sich ganz einsetzen kann, ohne sich zu verzehren.

Glücklich,

wer ein gutes Team erlebt – im Sport und im Leben.

Glücklich,

wer im andern immer den Menschen sieht,

nicht nur den Gegner.

Glücklich,

wer sich erholen kann bei Sport und Spiel.

Glücklich,

wer beim Training des Körpers

die Seele nicht vergisst.

Glücklich,

wer mit Körper und Seele

Gott, den Schöpfer, lobt.

(M. Bender)

Musik: „Herr gib mir Mut zum Brücken bauen“

https://www.youtube.com/watch?v=W62eT-6Xkxs

 Ach, seufzt so manche, gibt es denn keine fussballfreien Zonen mehr zur Zeit, nicht nur in Deutschland? Müsste nicht wenigstens die Kirche diesem kollektiven Thema standhalten anstatt jetzt auch noch die Gemeinde zum „public viewing“ samt Würstchen und Bier ins Gemeindehaus einzuladen?

Auch noch Gottesdienste und das Luther-Gebet zum Thema Europameisterschaft…?!

Was gibt es da nicht alles so herrlich auszusetzen am Fußball: die einen schimpfen über die Kommerzialisierung. Die anderen stossen sich an den Fahnen und Gebrüll der Fans. Und gerade die Intellektuellen sind leicht überheblich: „Sinnloser als Fussball ist nur noch ein: Nachdenken über Fussball“, sagte der Schriftsteller Martin Walser.

Ja, es ist leicht, sich über Fussball lustig zu machen. Da sind die Klassiker der Fußballerzitate, Sepp Herberger & Co.: „Der Ball ist rund.“ „Das nächste Spiel ist immer das Schwerste.“ „Das Spiel dauert 90 Minuten.“ Oder Weisheiten in Fernsehinterviews, etwa Franz Beckenbauer: „Am Spielstand wird sich nicht mehr viel ändern, es sei denn, es schiesst einer ein Tor.“ Oder Berti Vogts: „Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle soll man daheim im Wohnzimmer ausleben.“ Und noch Otto Rehagel, vor einigen Jahren der Fussballlieblingstrainer der Griechen: „Wir spielen am Besten, wenn der Gegner nicht da ist.“

Fussball ist und bleibt eine Nebensache, ein Spiel. Wirklich wichtig sind ja andere Dinge im Leben. Was wird mit meinem Arbeitsplatz? Werde ich wieder gesund? Was wird aus unserer Ehe und Familie? Das Klima ändert sich rasant. Unsere Schöpfung ist bedroht.

Es kann ja nicht sein, dass alle Fragen und Herausforderungen unserer Welt völlig in den Hintergrund treten, weil 22 Männer auf einem Uefa-geprüften grünen Rasen hinter einem Ball herlaufen!

Bild:  Heiliggeist-Arena/ evangelisch.de

Aber gleich Spielverderberin sollte die Kirche auch nicht sein. Schauen wir deshalb heute doch mal, ob es da nicht ernsthafte Verbindungen gibt.

Im Brief an die Römer im 12. Kapitel heisst es u.a.:

„Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern nehmt euch der Geringen an. Haltet euch nicht selber für klug. Vergeltet niemals Böses mit Bösem. Seid auf das Gute bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden…“

Um Verantwortung geht es da, um eine Bindung an Gottes Wort, die das Tun unbedingt mit einschliesst.

► Fussball und das Leben

Fussball hat eine ganze Menge auch mit unserem Leben zu tun. Fussballergeschichten sind oft Geschichten gelungener Integration. Da werden Grenzen überwunden, Grenzen von Rasse und Armut z.B.

Tausende von kleinen Jungs kicken in den Elendsvierteln dieser Welt mit dem grossen Traum, Weltklassespieler zu werden. Aber dieser Traum wird nur für wenige wahr. Spieler wie Zidane, Mbappé und Neymar haben eine solche Geschichte aus ärmsten Verhältnissen. Luka Modric aus Kroatien oder Xerdan Shaquiri aus der Schweiz waren Flüchtlingskinder auf dem Balkan. Der deutsche Kapitän Ilkay Gündogan ist türkisch-stämmig aus 3. Generation und wächst in einem ärmeren Stadtteil von Gelsenkirchen auf, spielt als kleiner Junge auf Beton- und Schotterplätzen auf der Strasse. Er macht sein Abitur und ist mittlerweile einer der bestbezahlten Profis beim FC Barcelona. Er engagiert sich an Klimaschutz- und Baumpflanzprojekten auch in der türkischen Heimat seiner Familie.

Aufstieg und Fall spielen immer eine grosse Rolle, nicht nur beim Fussball. Geld spielt eine immer grössere Rolle im Fussball. Es geht einerseits um den edlen Wettstreit von 11 Freunden und ihren fröhlichen Fans. Andererseits auch um Kommerz. Profi-Fussball ist ein Wirtschaftszweig. Vereine machen den Börsengang und die Umwandlung in Kapitalgesellschaften. In den Ligen verdienen Spieler unfassbare Summen und werden mit noch unvorstellbareren Preisen zwischen Vereinen „transferiert“. Und wehe sie leisten dann nicht, was erwartet werden darf für die Ablösesumme. Das ist schon eine merkwürdige Art von Menschhandel im 21. Jahrhundert.

Der Druck ist enorm, Leistung und Erfolg werden da schnell zum Lebensmittelpunkt. „Fussball ist unser Leben“, diese Hymne der WM 1974 drückte das auch aus. Weh dem, der verliert. Ob sich die gute Stimmung im Land halten lässt, wenn die eigene Elf jetzt nicht weitergekommen ist?!

Fritz Walter & Co. durften 1954 nach dem „Wunder von Bern“ neben einem Schwarz-Weiss-Fernseher und einem Lederkoffer noch je 2500 Mark und einen Motorroller mit nach Hause nehmen. 1974 bekamen die nächsten Weltmeister um Kapitän Franz Beckenbauer 70.000 Mark und einen VW-Käfer.

Bild: Fritz Walter, Franz Beckenbauer und Uwe Seeler 1980

Heute erhält jeder Nationalspieler bei einem Einzug ins Viertelfinale 100.000 Euro, beim Erreichen des Halbfinals 150.000 Euro und beim Titelgewinn gar 400.000 Euro. Oder CHF.

Und doch dürfen wir Fussball nicht nur einfach schlecht reden. Unabhängig von Bildung und Herkunft gibt es ja tatsächlich Chancen für alle. Und es gibt positive Grundlagen wie Treue und Gemeinschaft. Davon handelt die Geschichte der ukrainischen Nationalmannschaft bei dieser EM. Und davon handelt auch die Geschichte jenes Musikstückes „You´ll never Walk Alone“, von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein 1945 für ein Broadway-Musical komponiert.

Zunächst wurde dieses Lied wichtig für viele, die um Angehörige im Zweiten Weltkrieg bangten. Später wurde es zur Fussballhymne schlechthin und in Stadien auf der ganzen Welt gesungen. Und das gerade auch nach Niederlagen und in schlechten Zeiten. Zusammenhalt, Gemeinschaft, Fairness und Gleichbehandlung jenseits von Hautfarbe, Herkunft, auch das ist Fussball und auch so manch andere Sportart. Ein Bild des Lebens und friedlichen Zusammenlebens.

Musik: „You’ll never walk alone“

https://www.youtube.com/watch?v=OV5_LQArLa0

Gerry & The Pacemakers, 1963

You’ll Never Walk Alone Übersetzung

Wenn ein Sturm für Dich kommt,
halt‘ den Kopf ganz hoch
Und hab‘ keine Angst vor der Nacht.
An dem Ende des Sturms
ist der Himmel gold
und ein so süß-silbrig Lerchenlied.

Weiter durch den Wind,
weiter durch Regen,
trotz des Traums zerplatzt und aus.

Weiter, weiter mit Hoffnung im Herz;
und du gehst niemals allein.
Du gehst niemals allein.

Gerry and the Pacemakers

Fürbittengebet:

Guter Gott,

wir sagen Dir Dank für ein grosses Fest des Sports, Fussballs, für Freude, Glück, Tränen, Gemeinschaft und das friedliche Zusammensein dabei.

Halte deine schützende Hand über die, die ihre Freude ausleben. Den Gewaltbereiten schärfe deinen Frieden ein.

Gott, im Sport erleben wir Gemeinschaft und Bewegung, im Sport sind wir aufeinander

angewiesen. Stärke du die Bemühungen um Fairplay und Verständigung -hier und

weltweit- um ein faires und gerechtes Spielen und Umgehen aller Beteiligten und gib uns

dazu einen wachen Blick, helfende Hände und Begeisterung füreinander.

Wir bitten dich auch für die, die keinen Sport mehr treiben können, stärke du in ihnen die

Kraft für andere Dinge in ihrem Leben.

Gott, du schenkst uns das Miteinander in unseren Familien und Generationen.

Wir bitten dich für alle Lebensalter, für alle, die zueinander gehören und

miteinander durchs Leben gehen:

für die Kinder und für eine glückliche Jugend, dass sie behütet und geliebt heranwachsen können;

Wir bitten dich für alle jungen Erwachsenen, dass sie aufrecht und mutig ihre Aufgaben

bewältigen und neben ihrem eigenen Glück auch das Wohlergehen anderer suchen und finden;

für alle Älteren unter uns, dass ihr Herz jung bleibe und sie nicht verbittert werden, dass sie Achtung und Zuneigung erfahren und spüren.

Und wir bitten Dich um Frieden, friedliche gerechte Lösungen wo Gewalt und Unrecht herrschen. Schenk uns einen wachen Blick dafür. Auf der Welt und in Treppenhaus.

Gott, wir loben dich und danken dir für das Leben, das du uns schenkst und das du

begleitest, vom Morgen zum Abend, Tag für Tag und Jahr für Jahr.

Mit noch vielen anderen Bitten in unseren Herzen sprechen wir nun das eine Gebet

Jesu gemeinsam:

Vaterunser im Himmel… geheiligt werde dein Name;

dein Reich komme;

dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.   Amen.

SEGEN

Jesus sagt: „Ihr seid nicht allein. Ich bin bei euch mit meiner Kraft. Ich bin bei euch mit allem, was ihr braucht. Der Heilige Geist, den ich euch sende, wird euch begleiten.“

So geht in diese Nacht und den neuen Tag und diese Zeit mit Gottes und Christi Segen:

Es segne und behüte dich der Allmächtige und die Gütige,

Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

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Verabschiedung:

Herzliche Einladung zum Feiern des Gottesdienstes für zuhause am kommenden Sonntag, 30. Juni: ab 10 Uhr.

In der Martin-Luther-Kirche feiern wir dann am Sonntag, 6. Juli um 10 Uhr einen „Gottesdienst für alle Generationen mit Tauferinnerung und Reisesegen für die Ferienzeit“.

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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, viele seit über 300 Ausgaben, und wir wünschen allen eine schöne und behütete Frühlingszeit weiterhin!

Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern!

Thomas Risel und Marion Werner

Der besondere Song aus den Jahren nach dem 2. Weltkrieg, der heute in Stadien in ganz Europa gesungen wird, versprüht am Ende unseres Gebetes noch die Melodie des Glaubens und der Hoffnung:

Musik: David Phelps – You’ll Never Walk Alone

https://www.youtube.com/watch?v=xSmUe4RX7xE

Fotos: Wikipedia; evangelisch.de; DFB.