Herzlich willkommen zum 385. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 26. November 2025
Zwischen Herbst und Winter, Regen, erster Schnee, tiefstehende Sonne: das ist die Zwischenzeit. Zeit für eine Kerze, für wärmende Gedanken, schöne Musik, Gebet und Segen. Wir halten inne, kommen zur Ruhe.
Und so sammeln wir uns heute Abend:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,
im Namen Jesu Christi, der uns trägt und segnet,
und im Namen des Heiligen Geistes, der uns verbindet zwischen Himmel und Erde.
Amen.
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.
Musik: Johann Sebastian BWV 140 – Kantate – 07 – Choral – Gloria sei dir gesungen
https://www.youtube.com/watch?v=s60a2QCLt6s
Gloria sei dir gesungen:
Wie kann ein Mensch so dichten? Singend verlässt er Raum und Zeit, auf einmal steht er wie ein Engel vor Gott im Chor mit vielen andern und singt berührende Worte mit der schönsten Melodie, die er komponiert hat. Wie hat Philipp Nicolai so singen und dichten können: „Kein Ohr hat je gehört solche Freude.“
Denn was er gerade erlebt hat, war ganz anders. 1598. Philipp Nicolai ist 42, Pfarrer in Unna in Westfalen. Die Pest ist über seine Stadt hereingebrochen. In einem Jahr sind über 1400 Mitbürger gestorben. Von zu Hause in Nordhessen haben ihn Briefe erreicht, dass Schwestern und Freunde gestorben sind. Lauter Erfahrungen, die einen Überlebenden traumatisieren könnten.
Ich könnte gut verstehen, wenn man da verstummt. Vielen Menschen geht es so, wenn sie ähnliches erleben. Andere verzweifeln, finden aber Worte oder Bilder: wie Hiob in der Bibel. Dann wendet sich Leid in Anklage, auch gegen Gott. Viele kämpfen sich auch in Träumen durch ihre Erfahrungen.
Philipp Nicolai ist weiter gegangen, er hat Trost gesucht gegen das Trauma.
Vielleicht kann man sein Lied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, von dem wir die dritte Strophe gehört haben, verstehen als Tagtraum in die Zukunft. Zum Trost gegen das Trauma (der Pest).
Die Bilder für sein Lied findet er in der Bibel, vor allem in der Offenbarung des Johannes. Sie ist auch wie ein Trost-Traum in trostloser Zeit: Johannes sieht die Stadt der Zukunft auf die Erde kommen. Mit 12 Toren, in ihr wird man leben können ohne Gewalt und Leid. Weil Gott in ihr mit wohnt. Es wird endlich gut, was Menschen je traumatisiert hat.
Wir können der Gegenwart, die einen scheinbar einmauert, etwas entgegensetzen: wir können uns öffnen für eine andere Zukunft, über das Hier und Jetzt hinaus hoffen.
Der christliche Glaube ist in diesem Sinne ganz besonders auf Zukunft ausgerichtet. Weil er damit rechnet, dass Gott kommt mit ganz neuen Möglichkeiten.
Und wenn ich diese Worte dennoch nicht so ganz glauben kann, dann kann doch diese Musik trösten. Für mich ist sie ein Vorgeschmack, dass alles gut wird. Auch wenn Gottes Nähe am Ende womöglich ganz anders aussehen mag, als Worte sagen können.
Gloria sei dir gesungen
Mit Menschen- und mit Engelzungen, mit Harfen und mit Zimbeln schön.
Von zwölf Perlen sind die Tore an deiner Stadt, wir stehn im Chore
der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug hat je gespürt
Kein Ohr hat je gehört solche Freude.
Des jauchzen wir und singen dir
Das Halleluja für und für.
(Textfassung seit 1832)

Bild: Hebräer 10,23
Tageslosung 26.11.2025: HERR, deine Ratschlüsse von alters her sind treu und wahrhaftig. (Jesaja 25,1)
Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheissen hat. (Hebräerbrief 10,23)
Zwischen Ewigkeitssonntag und Advent
Die Zeit zwischen den Kirchenjahren. In allen Aufgeregtheiten dieser Zeit fliesst der beständig wiederkehrende Zyklus des Kirchenjahres mit seinen Festen und Gedenktagen, seinen Texten und Geschichten, seinen Symbolen und Bildern verlässlich mit den Jahreszeiten durch unser Leben hindurch.
Die Zeit zwischen Ewigkeitssonntag und dem 1. Advent ist eine bedeutungsvolle Phase des Übergangs. Ein Zyklus geht zu Ende, ein neuer beginnt.
Am Ewigkeitssonntag geht es um Totengedenken und Erinnerung, aber auch um Vollendung und Erlösung. „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (EG 147), tönt der alte Choral im Blick auf die letzten Dinge.
Doch der Advent steht schon vor der Tür und dreht mit der Verheissung der Geburt des Erlösers alles wieder auf Start.
Vollendung und Neubeginn greifen ineinander. Trauer und Hoffnung verbinden sich. Auf das Ende folgt ein neuer Anfang.
Während uns der Totensonntag mahnt, alles loszulassen, was unsere Reise zur Ewigkeit beschwert, so rührt der Advent an unserer Empfänglichkeit:
„Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir“ (EG 11)
Draussen wird die Welt kahl, kalt und grau, doch wenn das Sonnenlicht sich zeigt, durchleuchtet es die Erde um so wärmer, wie der „Morgenglanz der Ewigkeit“ (EG 450).
Die äussere Dunkelheit nimmt zu und in uns wächst die Sehnsucht, ein Licht zu entzünden
und vor einer Kerze still zu sein. Das Licht zieht vom Äusseren ins Innere.
Mit dem 1. Advent scheint es dann wieder neu, auf dem Weg in unsere Herzen.
Wo sind Ihnen/euch in diesem Jahr ein Ende und ein Neubeginn widerfahren und wie ging es Ihnen/euch damit?
Welche Sehnsucht nehmen Sie, nimmst Du mit in den Advent?
Gute segensvolle Reise in den Advent!

Bild: Der Ringleuchter in der Klosterkirche Drübeck strahlt adventlich mit seinen 24 Lampen und nimmt zugleich mit den zwölf Bögen zwischen den Lampen das Motiv von den zwölf Toren des himmlischen Jerusalem auf.
Musik: „Wie soll ich Dich empfangen“ Adventliche Musik aus der Hauptkirche St. Petri in Hamburg (Paul Gerhardt / Johann Crüger) | EG 11, 1+2+6
https://www.youtube.com/watch?v=AP6RtZru7lg&t=11s
Fürbitten
Gott, du von Liebe getriebener, erfüllter Gott, wir erwarten dich.
Wir bitten dich um Trost für alle, die leiden, und um Hoffnung für alle, die in Dunkelheit leben.
Öffne unsere Herzen, dass du uns dabei hilfst, uns auf deine Ankunft vorzubereiten, damit du einziehen kannst und wir deine Nähe jeden Tag auf dem Weg in den Advent spüren können.
Komm zu den Mächtigen und gib ihnen Liebe zur Gerechtigkeit.
Komm zu den Einflussreichen und wecke ihre Liebe zum Frieden.
Komm zu den Kranken und Alleingelassenen.
Komm zu den Familien in Anspannung und Sorge.
Komm zu uns ganz persönlich, mit deinem Wort, einem Licht, mit der Flamme der Hoffnung.
Alles lassen wir einfliessen in das Gebet Jesu:
Vater unser im Himmel …
geheiligt werde dein Name;
dein Reich komme;
dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern;
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit
Amen.
MITTEILUNGEN
Herzliche Einladung:
– zum Familien-Gottesdienst gestaltet von Pfarrerin Marion Werner mit Konfirmanden , erstmals wieder mit unserer neu renovierten Orgel, am Sonntag 1. Advent, 30.11. ab 14 Uhr in der Martin-Luther-Kirche und im Gemeindehaus: nach dem Gottesdienst sitzen wir zum Gemeindetreff zusammen mit Guetzli, Stollen, Kaffee/Tee und gemeinsamen Lieder singen.
-am 11. Dezember ab 14 Uhr ist unsere grosse Senioren-Adventsfeier, bitte dazu gern Anmeldungen im Büro.
————————————————————————————-
Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, und wünschen noch eine friedliche und behütete letzte Novemberwoche auf dem Weg in den Advent.
Bleiben wir verbunden. Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern! Thomas Risel mit Marion Werner
SEGEN
Möge die Zeit in den Advent unter Gottes Segen stehen:
Mögen wir diese Wochen auch erleben als eine Zeit der Vorbereitung auf Jesu Geburt
und die frohe Botschaft von Advent und Weihnachten.
Möge jeder Tag durch besondere Begegnungen
aufgehellt und bereichert werden.
Möge das Licht Gottes in der Dunkelheit
der rauen Winternächte aufstrahlen.
Möge uns in dieser besonderen Zeit täglich ein Licht leuchten
und mögen wir für andere ein Licht sein können.
So segne uns der gute und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
Musik: J. S. Bach – Zion hört die Wächter singen, aus Cantata BWV 140 |
Netherlands Bach Society, Jos van Veldhoven, Dirigent, Daniel Johannsen, tenor
https://www.youtube.com/watch?v=9Do6NLjGqq0
Fotos: Wikipedia