Herzlich willkommen zum 408. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 27. Mai 2026
Wir sind in der Zeit zwischen nach Pfingsten. Zeit des Geistes Gottes, des neuen Lebens zwischen Frühling und Sommer – Zeit des Himmels und der blühenden Natur – mit der Hoffnung, dass Gott in unser Leben kommt sein Geist uns immer wieder neue Anfänge schenkt.
Davon hören wir heute in Text, Gebet und Musik.
So sammeln wir uns heute Abend:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,
im Namen Jesu Christi, dem Herrn und Bruder, der uns im Leiden trägt und hilft,
und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns verbindet zwischen Himmel und Erde.
Amen.
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.
Musik: Johann Sebastian Bach – Kantate BWV 59 „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“, 3. Satz
Komm, Heiliger Geist, Herre Gott,
Erfüll mit deiner Gnaden Gut
Deiner Gläubigen Herz, Mut und Sinn.
https://www.youtube.com/watch?v=64SKZk3aau0
Ich zünde eine Kerze an, für das Licht, für den Frieden, für Vertrauen, für die Hoffnung:
Für die, die unter den Verhältnissen leiden, in denen sie leben…,
die Sehnsucht haben danach, dass etwas Zerbrochenes heil wird…,
die Ausschau halten nach Besserung und davon träumen, wie es sein könnte:
all denen wird gesagt:
Es wird nicht durch menschliche Macht
Und nicht mit Gewalt gelingen,
sondern durch meinen Geist.
Ich Gott sage es.
(Wochenspruch Pfingsten aus Sacharja 4,6)

Bilder: „Der Heilige Geist, eine Biografie“ / Giovanni Batista Cima da Conegliano, „Taufe Christi“
Wir sind in der Woche zwischen Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes, und Trinitatis, dem Fest der Trinität oder auch heiliger Dreieinigkeit.
Neben Gott Vater (Schöpfer, ‚Mutter‘) und seinem Sohn Jesus Christus ist der Heilige Geist die dritte Person des «dreieinigen Gottes». Er schwebte vor der Schöpfung über der Urflut, besser gesagt: SIE schwebte, denn im Hebräischen ist der Heilige Geist die „ruach“, die schöpferische Geistkraft.
Der Geist oder die Geistkraft „senkte sich bei der Taufe auf Jesus herab und liess die Apostel im Pfingstwunder in fremden Sprachen predigen und einander verstehen.
Geist erscheint in der Bibel sehr unterschiedlich als säuselnder Wind und brausender Sturm, als Feuer und Taube, sowie in der Kirche und in der freien Natur. Er, sie ist die große verändernde Macht, die zu Taten der Liebe anstiftet, die Visionen befeuert, die KünstlerInnen und Predigende inspiriert, die Traditionen und Autoritäten untergräbt und als Weltgeist die Geschichte vorantreibt.“
So beschreibt der Theologe Jörg Lauster, Prof. für Systematische Theologie in München, unter anderem den Geist Gottes in seinem faszinierenden, über 430 Seiten dicken Buch „Der Heilige Geist – eine Biographie“ (München 2021). Er geht darin weit über die Theologiegeschichte hinaus, denn er zeigt auf, wie sich der Geist Gottes auch in einer säkularisierten Welt Ausdruck verschafft: etwa in politischen Utopien, in philosophischen Freiheitsideen, im künstlerischen Schaffen oder in der modernen Betrachtung der Natur Das Zentrum dieser ersten Biographie des Heiligen Geistes ist die Philosophie und Theologie der Renaissance und Reformationszeit, die Mittelalter und Moderne, göttlichen und menschlichen Geist miteinander verbindet.
Das wäre eine nicht ganz einfache, aber sehr lohnende Sommerlektüre, die auch unser Leben und Glauben stärken kann, wie ein Ausschnitt aus dem Schluss des Buches zeigen mag:
„Es gehört zum Wesen des Geistes, dass er sich so wenig festhalten lässt wie der Wind. Seine Gegenwart ist ein Rauschen der Welt. Nichts von seiner Gegenwart lässt sich mit kristallklaren Kriterien beweisen. Doch eine Biografie des Heiligen Geistes kann Erfahrungen und Beschreibungen zusammentragen, die sich als Indizien seiner Gegenwart verstehen lassen. Das könnte reichen, um ein Leben n der Ahnung zu riskieren, das mit dieser Welt etwas gewollt und gemeint ist – und damit auch mit uns selbst.“

Bild: Pfingstrosen
Gebet
„Heilig heilig, heilig ist der Herr Zebaoth,
alle Lande sind voll von seiner Ehre und Herrlichkeit.“ (Wochenspruch zu Trinitatis aus Jesaja 6,3)
Gott -Vater-Sohn-Heiliger Geist:
Die Lande sind bei uns voll von Machtkämpfen und Zerstörung,
voll von Ohnmacht und Misstrauen, voll von Streit und Unversöhnlichkeit,
voll von Mangel und Neid und Denken an sich selbst.
Dazwischen sehen wir wenigstens Spuren der Herrlichkeit Gottes:
Wo ein tröstendes Wort ein trauriges Herz findet,
wo ein Anstoss zum Leben empfangen wird,
wo jemand Vertrauen zu einem anderen fasst,
wo ein Verstehen auflebt, wo einer Teilt, wo eine sich mitteilt,
wo ein sichtbares Zeichen ist, dass Dein Geist uns Hören und Erfüllen schenkt,
wo die Blume der Liebe erblüht in den Wüsten des Alltags,
wo ein Loblied angestimmt wird mitten im Jammer:
Dazu stärke uns Dein Heiliger Geist, Deine Kraft.
Wären doch alle, mehr Lande voller seiner Herrlichkeit und Ehre.
So lasst uns gemeinsam beten:
Vaterunser im Himmel…
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
VERABSCHIEDUNG
Herzliche Einladung:
-in das Kloster Wettingen, Bruderhof zum Ökumenischen Festgottesdienst von 8 Konfessionen gemeinsam mit Abendmahl am Trinitatis-Sonntag 31. Mai, 11 Uhr, mit u.a. Pfarrer Thomas Risel.
Am gleichen Sonntag beendet die Kath. Bistum Chur-Zürich einen Öffentlichkeitstag mit einer ökumen. Vesper um 16.30 Uhr im Grossmünster mit unserer Mitwirkung. Zuvor ist der ganze Sonntag ein Bistumstag im Zürcher HB.
————————————————————————————-
Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, in über 400 Ausgaben Luther-Gebet, wir wünschen noch eine gesegnete Pfingst- und Frühsommerzeit.
Bleiben wir zuversichtlich. Denn Gottes Geist ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern!
Pfarrer Thomas Risel mit Pfarrerin Marion Werner
SEGEN (Aaronitisch-trinitarischer Segen)
Bild Aaronit. Segenstext Engl.
Diese Worte des „aaronitischen Segens“ wurden einst von Martin Luther als Schlusssegen an das Ende des Gottesdienstes gestellt und stellen seitdem ein bedeutendes Charakteristikum des evangelischen Gottesdienstes dar.
Und bereits im Alten Testament fordert Gott selbst die Priester auf, das Volk Israel mit eben diesen Worten zu segnen:
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
- Mose 6,24-26
Zum Abschluss hören wir den ersten Chor der Bach-Kantate zum Trinitatisfest „Gelobet sei der Herr“ BWV 129.
Musik: J. S. Bach, Gelobet sei der Herr, mein Gott, BWV 129: I. Coro. Gelobet sei der Herr, mein Gott / Netherlands Bach Collegium, Pieter Jan Leusink & Holland Boys Choir
Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben,
Mein Schöpfer, der mir hat mein Leib und Seel gegeben,
Mein Vater, der mich schützt von Mutterleibe an,
Der alle Augenblick viel Guts an mir getan.
https://www.youtube.com/watch?v=xmApm-8gO_s
Bilder: wikipedia und privat