Herzlich willkommen zum 418. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 29. Juli 2026
Wir sind im Hochsommer – Zeit der Wärme, des Lichts, und auch des Schattens: zwischen Ferien, Entspannung, Ruhe, und zugleich Erschrecken über die schrecklichen Kriegs- und Gewaltwirren in Iran, Israel, Ukraine und Berlin – mit der Hoffnung, dass Gott Licht und Schatten mitträgt.
Heute möchte ich mit euch die kleine Serie fortsetzen, bis Ende August vier Andachten über eines der schönen und zugleich auch umstrittenen Themen der christlichen Kirchen: das Glockenläuten. In Geschichte und Geschichten, in Erlebnissen und Bedeutung.
Darüber hören und beten wir heute in Texten und Musik.
So sammeln wir uns:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,
im Namen Jesu Christi, dem Herrn und Bruder, der uns im Leiden trägt und hilft,
und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns verbindet zwischen Himmel und Erde.
Amen.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.
Ich zünde eine Kerze an, für den Frieden, für die Hoffnung:

„Du bist mein Gott. Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Psalm 31,16)
St. Peter Zürich: Durchmesser 8,67 Meter (das grösste Ziffernblatt in Europa. Minutenzeiger 5,73m lang, Stundenzeiger 5,07m. Während einer Stunde legt der Minutenzeiger 27,3 Meter zurück.
Aus Psalm 31: In Gottes Händen geborgen
2 HERR, auf dich traue ich, / lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit!
3 Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest! 4 Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.
8 Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und kennst die Not meiner Seele. 9 …. du stellst meine Füße auf weiten Raum.
15 Ich hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott!
16 Meine Zeit steht in deinen Händen.
Glocken sind (gemeinsam mit der Orgel) das klangreichste Musikinstrument. Glocken künden seit fast 5000 Jahren von der Sehnsucht der Menschen nach Göttlichem, ihr Klang wird Symbol der Stimme vom Himmel. In Kirchen läuten sie seit 1400 Jahren. Einmal gab es aber einen Streik der Kirchenglocken, davon handelt die folgende Geschichte:
Es begab sich aber zu der Zeit, dass unsere Kirchenglocken einmal schwiegen. Manche vermissten den Klang um 12 Uhr mittags. Andere merkten es nicht einmal. Wieder andere meinten, der Blitz habe eingeschlagen. Was war passiert? In Wahrheit streikten sie, die Glocken unseres Ortes. Und das kam so…
Die beiden Stundenglocken hatten zuerst beschlossen, nicht wieder zu läuten. „Keine zehn Pferde bringen mich zum Klingen!“, schimpfte die kleinste. Sie war auch die älteste, bereits über 450 Jahre alt. „Was sollen wir noch hier? Die Leute hören uns doch gar nicht mehr!“ Und die andere kleine Glocke ergänzte: „Die Leute brauchen doch unser Stundenläuten nicht mehr. Sie haben ja ihre Armband- oder Handy-Uhr“. Eine der Sonntagsglocken meinte: „Über uns ärgern sich die Leute immer, weil sie nicht ausschlafen können am Sonntagmorgen. Und wer weiss denn noch, dass die grosse Kirchenglocke jeden Morgen, Mittag und Abend zum Gebet rufen soll?“
„Ja, das stimmt..“, antwortete die grösste Glocke mit dunkler Stimme und seufzte tief. „Irgendein Gebet könnten die Menschen doch ruhig mal sprechen. Oder zumindest einmal kurz stehen bleiben und zuhören. Ich läute mir die Bronze aus dem Leib und komme mir dabei jeden Tag nutzloser vor.“

Bild: St. Peter Zürich
Je länger sie miteinander sprachen, um so mehr Glocken stimmten zu. Und so beschlossen sie, nie wieder zu läuten. Nicht am Morgen, nicht am Mittag, nicht am Abend und nicht am Sonntag. Und sie wollten gleich damit beginnen. Es wurde Mittag. Der Zeiger der Turmuhr rückte auf die 12 Uhr zu – und begann dann erneut seine Runde um das Zifferblatt. Starr und stumm hingen die Glocken im Glockenstuhl. Kein Klang erschallte.
Aber so ganz glücklich waren die Glocken auch nicht. Sie lugten durch die Fenster hinunter auf die Straße. Und sahen zuerst den kleinen Jungen, der zum Kirchturm hinaufstarrte. Dann entdeckten sie die Frau mit der Einkaufstausche, die stehen blieb, und den Bäcker, der aus dem Laden kam und nach oben schaute. Schließlich kam der Sigrist oder Sakretan angelaufen und steuerte mit seinem grossen Schlüssel auf den Kirchturm zu.
Es war die kleinste Glocke, die als erste weich wurde. „Los, Jungs, gebt Euch einen Ruck“, sagte sie – und begann zu läuten wie nie zuvor.
Und tatsächlich: Seitdem haben die Menschen wieder bewusster auf ihre Kirchturmglocken gehört…
Musik: Enya – Only Time Enya, geb. Eithne Pádraigín Ní Bhraonáin in Donegal, Irland
Textauszug:
Wer kann schon sagen, wohin die Straße führt, wohin der Tag fließt?
Nur die Zeit.
Und wer kann schon sagen, ob Deine Liebe so wächst,
wie Dein Herz es sich ausgesucht hat? Nur die Zeit……
Wer kann sagen, wann sich die Wege kreuzen,
dass Liebe in Deinem Herzen sein könnte?
Und wer kann sagen, wenn der Tag schläft,
und der Mond seine Bahnen zieht,
ob die Nacht Dein Herz gefangen hält?
Die Nacht Dein Herz gefangen hält…
Nur die Zeit….
Und wer kann sagen, wohin der Weg führt, wohin der Tag fließt?
Nur die Zeit.
Wer weiss es?
Nur die Zeit.
https://www.youtube.com/watch?v=7wfYIMyS_dI
Die Glocken in unseren Kirchtürmen: sie läuten den Tag ein und aus, sie begleiten unser ganzes Leben. Bei so vielen Ereignissen. Sonntags und Alltags, zu jedem Jahreswechsel, bei der Taufe, zur Konfirmation oder Hochzeit. Und wenn jemand gestorben ist, kündigen sie es an und begleiten den Abschied. Glocken läuten durch unser Leben, sie sind die Töne, die die Melodie des Himmels hier auf der Erde erklingen lassen. Gerade wenn der Lärm des Alltags alles andere überdröhnt, braucht es unsere Glocken. Ihr Klang erinnert uns: Gott geht mit uns durch die Zeit.
Fürbitten (nach: Only time, Enya)
Guter Gott,
Du kannst uns sagen, wohin die Strasse führt, wohin der Tag fliesst.
Es ist Deine Zeit.
Du kannst sagen, ob meine Liebe so wächst,
wie mein Herz es sich ausgesucht hat.
Es ist Deine Zeit……
Du kannst sagen, wann sich die Wege kreuzen,
dass Liebe in unserem Herzen sein kann.
Du kannst sagen, wenn der Tag schläft,
und der Mond seine Bahnen zieht,
ob die Nacht mein Herz gefangen hält?
Schenk uns Deine Ruhe, Deine Zeit…
Du kannst sagen, wohin der Weg führt, wohin der Tag fliesst.
Es ist Deine Zeit, Dein Weg….
Deine Zeit zum Beten und Handeln, zum Frieden wo Krieg und Gewalt sind,
Deine Liebe wo Hass und Verachtung sind,
Deine Zeit, wo Gerechtigkeit und Segen in diese Welt kommen.
Wer weiss es?
Gott – Deine Zeit. Du weisst es. Du hörst uns. Amen.

Bild: Zytglocke Bern
Mit noch vielen anderen Bitten in unseren Herzen sprechen wir nun das eine Gebet Jesu:
Vaterunser im Himmel…
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
VERABSCHIEDUNG
Herzliche Einladung:
– am Samstag, Bundesfeiertag 1. August zur Multi-Religiösen Feier um 9.30 Uhr auf dem Zähringer Platz an der Predigerkirche, mit u.a. Pfarrerin Marion Werner;
– am Sonntag, 2. August, zum „Gottesdienst für Zuhause“, per mail, auf unserer Internetseite hier oder auch per Whatsapp-Kanal mit Pfarrerin Marion Werner.
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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, in über 400 Ausgaben Luther-Gebet, wir wünschen gesegnete Sommertage mit Platz im Schatten.
Bleiben wir zuversichtlich. Denn Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern!
Pfarrer Thomas Risel mit Pfarrerin Marion Werner
SEGEN
„Soll das Werk den Meister loben, doch der Segen kommt von oben.“ Friedrich v. Schiller
Gott des Himmels und der Erde, Herr der Zeit und der Schöpfung,
segne uns:
wie aus Glut und Form eine Stimme entsteht, so forme unsere Stunden im Strom der Zeit. Bewahre uns:
rufe die Lebenden, trage Frieden in die Welt und erinnere unsere Herzen, dass jede Minute in deinen Händen ruht.
Behüte uns:
denn jede Stunde, die schlägt, ist geschenkte Lebenszeit
So segne, behüte und bewahre dich Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.
Musik: Meine Zeit steht in deinen Händen (Peter Strauch) · Andreas Volz, Dania König, Sarah Kaiser
Refr.: Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.
https://www.youtube.com/watch?v=ohsaJTgmr78
Bilder: Wikipedia, St. Peter Zürich