Luther-Gebet für Mittwoch, 4. Mai 2022:

Herzlich willkommen zum 205. Luther Abendgebet am 4. Mai, noch in der Osterzeit des Jahres 2022.

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat. Amen

 

Diese Zeit ist anders, voller Sorgen und Bedrohungen,

und noch ist weiterhin Krieg in Europa.

Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

Mittwoch abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

SICH BEREIT MACHEN.

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze und denke an den Frieden um mich und in der Welt.

Ich lasse mich vom Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes und seinen Heiligen Geist zu öffnen.

GEBET

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist, mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen dieser Tage. Mit dem Leid und der Ohnmacht, unter denen viele zurzeit stehen. Wir machen uns bewusst, Gott ist da.

Seien wir heute willkommen mit dem Wochenspruch des Sonntags nach Ostern. (So schreibt der 1. Petrus-Brief am Ende des 1. Jahrhunderts von der Hoffnung:)

„Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.“ (3.Joh 2)

Bild: Monatsspruch Mai 2022

Dieser Satz ist das, was man einen „frommen Wunsch“ nennen kann. Er hat äusserlich wenig mit Frömmigkeit zu tun – innerlich aber viel. Er steht in der Bibel in einem Brief, der sonst kaum je Verwendung findet: der 3. Johannesbrief. Dieser gehört zu den späten Texten im Neuen Testament und ist einer der Briefe, die nicht an ganze Gemeinden, sondern an eine Einzelperson gerichtet sind: an einen gewissen Gaius, eine Bezugsperson in einer Gemeinde.

Geschrieben sind die Briefe von einem gewissen Johannes, der in Stil und Theologie an den Evangelisten erinnert. Dieser Johannes also schreibt an Gaius, was er ihm wünscht, nämlich, dass es seiner Seele wohlergehe. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein frommer Wunsch.

Die Seele ist eines Menschen grösster Schatz, manchmal ein sehr geschundener Schatz. Seele ist der Zusammenklang aus Denken, Fühlen und allem Gebrauch der Sinne. Sie bildet sich in einem Menschen als etwas, was nicht sichtbar und nicht fassbar ist. Viele vermuten sie im Gehirn, andere im Herzen. Das ist vielleicht medizinisch von Interesse, aber die Psyche braucht eigentlich keinen Ort, solange wir wissen, dass sie da ist. Und dass sie so sehr von uns geprägt wird, wie wir sie prägen.

 Die Seele ist ein „weites Land“, schreibt der österreichische Dramatiker Arthur Schnitzler (1862–1931) in einem Theaterstück mit diesem Titel. Damit ist alles gesagt. Das weite, manchmal bekannte, aber ebenso auch unbekannte Land mit Namen Seele bestimmt uns mehr, als wir wissen. Vieles verstehen wir, versteht unsere Seele nicht, so wie es die Gruppe Maybebop ganz aktuell besingt:

Musik: Lied vom Nicht-Verstehen (2022) – MAYBEBOP

https://www.youtube.com/watch?v=sP27L0bD28w

Nicht verstehen, und doch spüren wir, unsere Seele nimmt alles auf, mehr als wir denken und verstehen, mehr als wir vielleicht wollen. Unsere Seele weiss und merkt sich alles, auch das, was sie sich vielleicht besser nicht merken sollte.

Seit mehreren Monaten nun ist unsere Seele sehr belastet mit Kriegsbildern, Erzählungen, grauenvollen Berichten. Die Seele, ja sie war bereits 2 Jahre lang in der Pandemie so belastet. Und die Seele gibt uns zurück und erinnert uns, was sie sich gemerkt hat. Darum müssen wir sie pflegen, sollten auch offen und ehrlich zu ihr sein und nicht versuchen, sie zu betrügen.

Als glaubende, ja als oft trotz allem glaubende Menschen vertrauen wir unsere Seele Gott an: der uns kennt und uns in Liebe ansieht. Wir spüren bewusst oder unbewusst, was uns unsere Seele sagt: Vielleicht spricht Gott am ehesten durch die Seele. Und wir bitten Gott wie so viele Psalmbeter der Bibel, er möge uns helfen, dass es „unserer Seele wohlergehe“.

Lassen wir unserer Seele auch die Zeit, die sie braucht, um all dem vielen Geschehen hinterher zu kommen. Geben wir Gott die Zeit, in uns Vertrauen zu schenken, auch wenn wir nicht alle Fragen beantworten können, auch wenn wir nicht auf alles eine Erklärung haben. So wie es der Liederdichter Klaus-André Eickhoff in seinem Lied beschreibt „Frag mich nicht“:

An irgendetwas muss man glauben,
so weit verstehst du mich dann doch,
doch so konkret mit Gott zu leben,
wer glaubt denn so was heute noch?!

Kann die Gedanken gut verstehen,
begreifen kann ich ́s selber kaum,
denn trotz der Enge all der Fragen
bleibt mit für meinen Glauben Raum.

Raum, den ich brauche, um zu atmen,
randvoll gefüllt mit Zuversicht,
randvoll gefüllt mit Mut zum Leben,
aber erklären kann ich ́s nicht.

Musik: Klaus-André Eickhoff – Frag mich nicht

https://www.youtube.com/watch?v=maL8-SxHc5g

 

Fürbitten

Du Schöpferkraft.

Ich lebe aus deinem Blick. Ich bitte jetzt für andere.

Blicke auf alle, die Mut brauchen, um standzuhalten vor der Gewalt des Krieges und der Unmenschlichkeit.

Richte unsere Augen auf den Frieden in der Welt.

 Blicke auf alle, die dem Hass entgegentreten. Die ein großes Herz haben und Toleranz üben. In den Schulen. Bei der Arbeit. In den Chat-Foren. Richte unsere Augen auf die menschliche Gemeinschaft.

Blicke auf alle, die nicht müde werden, Gutes zu verbreiten.

Die Kindern beistehen in Schulklassen und Zukunftskonferenzen.

Richte unsere Augen auf die Zeit, die kommt.

Blicke auf alle, deren Herz schwer ist. Die sich fremd fühlen oder einsam. Die einen Menschen betrauern oder das Leben loslassen müssen und Hoffnung gegen allen Augenschein brauchen.

Richte unsere Augen auf die Kraft der Auferstehung.

 Blicke auf alle, die eine starke Seele brauchen für alles, was sie verantworten.

Die Kraft in sich finden wollen.

Richte unsere Augen auf Jesus, der dich seinen Vater nannte.

Ich lebe aus deinem Blick.

Du Schöpferkraft.

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.   Amen.

„Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.

SEGEN:

Bild: Wiese Friedhof Nordheim

So überreich

Wie das Gras, das wächst,

wie der Sand am Meeresstrand,

wie der Tau auf den Blättern,

so weit wie der Himmel, in dem Christus über uns wacht,

so sei der Segen des Königs der Gnade

auf jeder Seele, die ist, die war

oder die kommen wird.

Amen.