Herzlich willkommen zum 382. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 5. November 2025
Der Herbst geht seinen Lauf in den November hinein. Ungemütliche Regentage. Winde und klares Sonnenlicht. Zeit für eine Kerze, für wärmende Gedanken, schöne Musik, Gebet und Segen. Wir halten inne, kommen zur Ruhe.
Und so sammeln wir uns heute Abend:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,
im Namen Jesu Christi, der uns trägt und segnet,
und im Namen des Heiligen Geistes, der uns verbindet zwischen Himmel und Erde.
Amen.
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

Bild: Lobe den Herrn meine Seele (Psalm 103,2)
Musik: Lobe den Herrn meine Seele
https://www.youtube.com/watch?v=5CqdBeNk2wM
Meine Seele lobt Gott. Meine Seele will zur Ruhe kommen. Allerseelen, Ewigkeitssonntag: November, der Seelenmonat, ist geprägt von Feiertagen, die sich mit den Themen Tod, Trauer und Ewigkeit beschäftigen. Was ist eigentlich gemeint, wenn von der Seele gesprochen wird? Die Psyche? Ein unsterbliches Ich? Etwas Göttliches? Was ist die Seele nach christlichem Verständnis? Aus einem Interview mit Wolfgang Reinbold, Professor für Neues Testament an der Universität Göttingen (epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen-D)
Wolfgang Reinbold: In der Bibel gibt es keine ausgeformte Lehre von der Seele. Der biblische Kernsatz zum Thema steht am Beginn der zweiten Schöpfungsgeschichte: „Da machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“… Im hebräischen Original heißt es: „Und es wurde der adam le-nefesch chaja“. Das bedeutet: Adam – das ist der von der Erde genommene Mensch – wird durch den göttlichen Geist zu einem „lebendigen Wesen“. Oder eben zu einer „lebendigen Seele“. Erst durch den göttlichen Geist wird der von der Erde genommene Mensch zu einem Lebewesen. Das heisst also: Er „hat“ keine Seele, sondern er „ist“ Seele!
Musik: David Qualey, fantasy“ of Bach’s Thema „Jesu, Joy of Man’s Desiring / Jesus bleibet meine Freude“
https://www.youtube.com/watch?v=pEemo9i-sCI
Wichtig ist zunächst, dass die Seele in der Regel nicht ohne den Körper gedacht wird, wie das … häufig geschehen ist. Als „Seelen“ empfinden wir uns als Individuen, die ein Bewusstsein haben.
Wie kann ich mich als ein „Ich“ verstehe, obwohl meine Körperzellen alle paar Jahre ausgetauscht werden und ich mit 60 also keineswegs mehr derselbe bin wie mit 30?
Gibt es irgendwo ein Zentrum, das sich nicht verändert? – Darauf lässt sich christlich antworten: Ja, dieses unveränderliche Zentrum existiert. Und zwar, weil ich eine lebendige Seele bin und weil diese Seele ihr Leben unmittelbar Gott verdankt.
Heisst das, dass die Seele aus christlicher Perspektive also nicht unsterblich ist?
Reinbold: Aus meiner Sicht lässt sich das klassische Konzept des Platon nicht mit den biblischen Kernaussagen verbinden. Besonders deutlich wird das, wo der Apostel Paulus sich Gedanken über die Auferstehung macht. Man könnte vermuten, dass er sagt: Der Leib stirbt, die unsterbliche Seele wird ewig leben. Diesen einfachen Schluss aber vermeidet er und besteht darauf, dass auch die Auferstandenen einen „Leib“ haben. Am Ende bringt er es auf die Formel: „Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.“ (Ende Interview)
Musik: „Schweige und höre“ Vokalensemble Elbcanto
https://www.youtube.com/watch?v=se0Sl4PPqto
Wenn ich also frage: wie kommt meine Seele zur Ruhe, dann meint das also richtig verstanden: wie komme ICH zur Ruhe, gerade in solchen Monaten wie November?
Ein Beispiel: seit 3 Jahren gibt es das ökumenische Angebot der „Stille am Mittwoch“: reformierte, lutherische und katholische Hauptamtliche und Gemeindemitglieder treffen sich jeden ersten Mittwoch im Monat abends in der Krypta der Kirche Bruder Klaus am Milchbuck. Hier heisst es zum Eingang, bevor dann alle Teilnehmenden 20min. in Stille gehen:
Innen berührt (Almut Haneberg)
Den Lärm lassen
zur Ruhe kommen
Schritt für Schritt
in mich gehen
Auf Zehenspitzen der Stille zuhören
ihren Antworten nachsinnen
mich vortasten
Schicht für Schicht
immer eine Haut breit
nach innen
Den Atem entlang
ganz innen ankommen
Da sein und warten
und wenn es Zeit ist
vom göttlichen Funken
in mir
berührt werden
Bild: Stille am Mittwoch
Ökumenisches Angebot: Stille am Mittwoch… Lied – Bibelvers – 20 Minuten Stille – Fürbitte – Segen
18.15-19.00 Uhr in der Krypta der Kirche Bruder Klaus
Fürbitten:
Im Schatten der Angst
der Hoffnung trauen
Im Nicht-mehr und Noch-nicht
zwischen gestern und morgen
das Heute bejahen
Für den Frieden bitten
gegen alle Gewalt hier und auf der Welt
Für Gerechtigkeit beten
gegen die Armut und den Hunger
Für die bedrohte Schöpfung bitten
Gegen alle Zerstörung im Taifun, auf schmelzenden Gletschern, sterbenden Bäumen.
Ruhe finden, und dabei wachsam sein
für Gottes alltägliches
Ich-bin-da-für-dich
Im Schatten der Angst
der Hoffnung trauen
und sich Tag für Tag
entscheiden fürs Leben.
Gemeinsam bitten wir Dich mit den Worten Jesu:
Vater unser im Himmel …
geheiligt werde dein Name;
dein Reich komme;
dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern;
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit
Amen.
MITTEILUNGEN
Herzliche Einladung:
-zum Kaffee und Vortrag im Senioren-Forum morgen am Donnerstag, 6. November ab 14 Uhr mit Maria Just auf Reisen nach Georgien, Armenien und Aserbeidschan.
-zur Bach-Kantate „Ich habe meine Zuversicht“ am Samstag, 8. November 12.15 Uhr und als Kantaten-Gottesdienst mit Abendmahl am Sonntag, 9. November, 10 Uhr in der Augustinerkirche Zürich mit dem Bach-Collegium Zürich und theologischem Beitrag/Predigt von Pfarrer Thomas Risel sowie Pfarrerin Denise Wyss
-zum Bazar und Gemeindetreff am 15. November: hier werden dringend noch Helfende und Spenden für Kuchen und Salate gesucht!
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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, und wünschen noch eine friedliche und behütete erste Novemberwoche.
Bleiben wir verbunden. Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern! Thomas Risel mit Marion Werner
SEGEN
Ein Segen, der dich im November wärmt (aus Irland)
Gottes Liebe wärme dich
Gottes Gegenwart umstrahle dich
Gottes Geist möge in dir sein
Gottes Kraft soll in dir wirken
Gottes Zärtlichkeit beschütze dich
Gottes Friede soll dich umgeben.
Amen.
Musik:
Der berühmteste Satz aus Claude Debussys Suite bergamasque, 1890:
Clair de Lune, Maria João Pires live at Jardin Musical (nach „Clair de lune“, Gedicht von Paul Verlaine,1869)
https://www.youtube.com/watch?v=Ch2mrPm1JnM
Fotos: EKHN, Bruder Klaus Gemeinde ZH