Herzlich willkommen zum 307. Luther Abendgebet am Mittwoch, 8. Mai 2024.

Wir sind noch in der österlichen Zeit, zwischen Ostern und Pfingsten, am Vorabend des Festes Christi Himmelfahrt. Im Frühling wie auch in Zeiten von Krieg und Frieden, von vielerlei Bedrohungen und Ungewissheiten.

Wir halten inne: Zeit der inneren Einkehr, in allen aktuellen Sorgen um den Frieden, um Zusammenhalt und Gerechtigkeit.

Zeit für Gedanken, Musik und Gebet.

Ich zünde eine Kerze an, in Dankbarkeit, in Vertrauen, in Hoffnung.

So sammeln wir uns heute Abend:

im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes

die uns verbinden zwischen Himmel und Erde.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt:  Gott bleibt, unser Gebet bleibt.

Psalm 47

Gott ist König über alle Völker

2Schlagt froh in die Hände, alle Völker,

und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!

3Denn der Herr, der Allerhöchste, ist zu fürchten,

ein großer König über die ganze Erde.

5Er erwählt uns unser Erbteil,

die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt..

6Gott fährt auf unter Jauchzen,

der Herr beim Schall der Posaune.

7Lobsinget, lobsinget Gott, lobsinget, lobsinget unserm König!

8Denn Gott ist König über die ganze Erde;

lobsinget ihm mit Psalmen!

9Gott ist König über die Völker,

Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.

10Die Fürsten der Völker sind versammelt

als Volk des Gottes Abrahams;

denn Gott gehören die Schilde auf Erden;

er ist hoch erhaben.

Lutherbibel, revidiert 2017,

Musik: Psalm 47 (Genfer Psalter 1562) “All People clap your hands”

https://www.youtube.com/watch?v=KWziLfVWXnE

 

Was ist der Himmel?

Die unendlich blauen Weiten über uns oder die scheinbar zeitlosen Sekunden, in denen wir glücklich sind?

Wenn wir Christi Himmelfahrt feiern, erinnern wir an den Abschied Jesu von seinen Jüngern 40 Tage nach seiner Auferstehung. Er kehrt zurück zu Gott.

Seit dieser Zeit ist für Christen der Himmel dort, wo Jesus Christus ist. Zwischen Himmel und Erde leben sie. Und doch: „Was steht ihr da und schaut in den Himmel?“ Die Frage an die Jünger gilt auch uns. Wo und wie erleben wir Himmel?

Im Hier und Jetzt, in unserer Gegenwart können wir etwas vom Himmel und vom Gegenteil des Himmels erfahren: Krieg in Europa und im Nahen Osten und an vielen anderen Gebieten der Erde, die auch Spuren bei uns hinterlassen.

Der 8. Mai heute erinnert uns mitten in Europa an ein besonderes Datum: das Ende des Zweiten Weltkriegs. Für viele Ältere, die den Tag erlebt haben, vor allem in Deutschland, in Polen oder Frankreich oder Österreich, ist und bleibt es ein ganz besonderer Tag.

Wo können wir aber auch Himmelfahrt, Himmel hier und heute entdecken: in dem Glanz auf den Gesichtern unserer Mitmenschen, in Momenten der Freude und der Liebe, in denen wir eins sind mit Gott und Menschen. In der Hoffnung auf Frieden.

Foto: Friedensglocke Zug

Film: Friedensglocke Zug, läutet jedes Jahr seit 1963 immer am 8. Mai, dem Tag des Kriegsendes 1945, für die Bevölkerung der Stadt Zug: während 15 Minuten als Erinnerung an das Ende des zweiten Weltkrieges und für den ewigen Frieden auf der Welt. Die Glocke wird von Hand gezogen. Fotos und Ton: F. T.

https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=_rdWr5LJCvQ

 

Friedensglocke:

„Das beeindruckendste, was ich je erlebt habe in meinem Leben? Oh, da gab es vieles,“ erzählt mir die alte Dame. „Mit 90 Jahren hab‘ ich schon viel erlebt… Ach, ich erinnere mich zum Beispiel: ich stand auf dem Kirchplatz. Es war mitten am Tag, als mit einem Mal die Glocken läuteten. Das war am 8. Mai 1945, Kriegsende. Bei uns im Ort waren schon seit einem Monat die Engländer, eine aufregende Zeit. Dann dieses Erlebnis. Endlich Frieden. Es war wunderbar. Und alle Glocken läuten.“ Die alte Dame schaut aus dem Fenster – als könnte sie noch einmal die Glocken von damals hören.

„Alle Glocken? Naja, nicht alle haben geläutet, sondern die, die noch da waren, wissen Sie? Ich glaube, mindestens zwei der fünf Glocken waren eingeschmolzen worden.“

Zuerst wurden Glocken ja schon im Ersten Weltkrieg zerschlagen, um Geschosse daraus herzustellen. Und dann nochmals nach 1939. Was daraus folgte, wissen wir: In vielen Kirchen gibt es die Tafeln mit den Namen der Gefallenen. Ihre Eltern, die Frauen und Kinder fehlen auf den Inschriften. Vielen haben die Glocken nicht mehr heim läuten können.

Heute, 79 Jahre nach Kriegsende, am 8. Mai läuten an vielen Orten Glocken, auch für all die Vergessenen. Quer durch Europa. 79 Jahre nach Kriegsende. Jahre des Friedens, ein guter Anlass zum Glockenläuten.

Aber die 90jährige Dame denkt auch weiter: „Manchmal sind Glocken eben auch eine Mahnung. Nie wieder Krieg. Die Glocken haben ja auch unter Kriegen gelitten. Viele wurden zu Kriegsmaterial gemacht, selbst die ganz alten und wertvollen Glocken, furchtbar.“

Die alte Dame steht auf, begleitet mich zur Tür. Ich verabschiede mich und denke zuhause noch an das Gespräch, als ich lese: in der Stadt Dessau in Sachsen-Anhalt haben sie den Spiess einmal umgedreht: aus Waffenschrott ( der DDR-Kampfgruppen ) wurde die Friedensglocke von Dessau gegossen. Wer im Stadtzentrum bummelt, sieht sie auf dem Marktplatz, 4,2 Tonnen schwer, freistehend. Darauf stehen die Worte: „Keine Gewalt“ und „Ich läute für Frieden und Freiheit“.

Foto: Friedensglocken von Telfs und Hannover

 

Bob Dylan komponierte vor 60 Jahren 1964 den Song „Chimes of freedom“, Glocken der Freiheit. Er ist orientiert an einem Gedicht von Artur Rimbaud und eine Reaktion des Musikers auf die Ermordung von Präsident Kennedy ein Jahr zuvor. In Chimes of freedom führt er die auf, für die das Glockenspiel läutet: Für die Flüchtlinge. Für die Rebellen, für die Glücklosen, die Misshandelten, die Außenseiter. Dylan führt hier alle die auf, für die Amerika nicht nur der Sehnsuchtsort sein sollte, sondern eine wirkliche, friedliche Heimstatt der Freiheit.

Musik: Bob Dylan & Joan Osborne Chimes of freedom, 1998.

https://www.youtube.com/watch?v=6WYdXschBfc&t=70s

 

Fürbitten von Katharina Wiefel-Jenner VELKD Wochengebet

Christus, du bist im Himmel.
Unsere Augen sehen die Wolken,
unsere Herzen suchen dich auf der Erde.

Sende deine himmlischen Kräfte
zu den vom Krieg bedrängten,
zu denen, die zwischen Trümmern nach dem Überleben suchen,
zu denen, die vor Schmerzen schreien,
zu den Verstummten,
zu den Hungernden.
Christus, du bist im Himmel.
Sieh‘ wie Angst und Not die Erde verdunkeln.

Sende deine himmlische Liebe
zu den Verlorenen,
zu denen, die Orientierung suchen,
zu denen, die sich einen festen Grund für ihr Leben wünschen,
zu denen, die alle Hoffnung aufgegeben haben.
Christus, du bist im Himmel.
Sieh‘ wie Trauer und Ohnmacht die Erde bedrängen.

Sende deine himmlische Hilfe
zu denen, die nach Atem ringen,
zu den Trauernden,
zu denen, die mit leeren Händen dastehen.
Christus, du bist im Himmel.
Sieh‘ wie Leid die Erde gefangen hält.

Sende deine himmlische Freude.
Lass den Himmel auf Erden aufblühen.
Zeige dich in täglichen Wundern,
im Gesang der Vögel,
in den Liedern unserer Kinder. 
Christus, du bist im Himmel.
Du bist in unserer Mitte.
Sprich dein Wort zu uns,
behüte alle, die zu uns gehören.
Segne deine Welt –
heute und alle Tage.

Mit Deinen Himmelsworten beten wir hier für die Erde:

Vaterunser… geheiligt werde dein Name;

dein Reich komme;

dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.   Amen.

 

SEGEN

Himmelfahrt ist ein Abschied im Segen.

Sein Vermächtnis ist der Segen: „Und Jesus hob die Hände und segnete sie.“

Segen heisst:

Das Gute von Gott her ist Dir zugesprochen, Du bist unter Gottes Schutz gestellt, Gottes Auferstehungskraft sei mit und in Dir. Beanspruche sie.

Himmelfahrt ist kein trauriger Abschied.

Jesus sagt: „Ihr seid nicht allein. Ich bin bei euch mit meiner Kraft. Ich bin bei euch mit allem, was ihr braucht. Der Heilige Geist, den ich euch sende, wird euch begleiten.“

Jesu segnenden Himmelfahrts-Hände gelten allen, auch Dir.

So geht in diese Nacht und den neuen Tag und diese Zeit mit Gottes und Christi Segen

Es segne und behüte dich der Allmächtige und die Gütige,

Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

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Verabschiedung:

Herzliche Einladung zum nächsten Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche am Sonntag, 12. Mai um 10 Uhr mit Pfarrerin Marion Werner und Feier des Abendmahls.

Morgen an Christi Himmelfahrt feiern wir um 10 Uhr den Festgottesdienst im Grossmünster Zürich mit der Lutherischen Messe in A-Dur von J. S. Bach und den Pfarrern Martin Rüsch und Thomas Risel.

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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, viele seit über 300 Ausgaben, und wir wünschen allen eine schöne Auffahrt und behütete Frühlingszeit!

Bleiben wir zuversichtlich. Gott ist da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern!

Thomas Risel und Marion Werner

 

Immer wieder ist dieser besondere Song „Chimes of Freedom“ von verschiedenen Künstlern aufgeführt worden, hier bei einem Festival für „amnesty international“ in London 1988, mit vielen weltbekannten Sängerinnen und Sängern:

Musik: Bruce Springsteen, Sting, Peter Gabriel, Tracy Chapman, Youssou N’Dour 1988 ‘Chimes Of Freedom’ (Bob Dylan)

https://www.youtube.com/watch?v=-G-UxrvXJOE

 

Fotos: Wikipedia und Stadt Zug