Luther Gebet Samstag 24. Oktober 2020

Luther Gebet Samstag 24. Oktober 2020

Gottesdienste fallen nicht mehr aus. Und doch sind sie anders als sonst.

Gott bleibt.

Wir wollen uns zum Gebet sammeln.    

UNS BEREIT MACHEN

Wir wollen zur Ruhe kommen, ein Licht anzünden, das uns hilft,

uns für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

GEBET                                         

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilligen Geistes.

Amen.

 

Moderner Schöpfungspsalm I:

Am Anfang war physikalisch nichts. Unvorstellbar für uns. Keine Zeit, kein Raum, nichts, woran Orientierung möglich wäre.

Doch Du, Gott, bist nicht von dieser Welt, Du warst vor Zeit und Raum.

Und dann riefst Du, Gott. Du riefst aus dem Nichts etwas ins Dasein. Von einem Punkt aus breitete sich der Kosmos aus. Raum und Zeit begannen.

Ferne Sterne senden uns ihr Licht. Wir können den Fingerabdruck Deiner Schöpfung erkennen. Du hast Dir das Licht einfallen lassen.

Du hast Dir damit wirklich etwas Tolles einfallen lassen, etwas, für das unsere Köpfe mit unseren begrenzten Denkmodellen viel zu klein sind.

Und dann hast Du die Materie geschaffen. Keiner weiss, woher sie kam. Ganz unscheinbar war sie da am Anfang.

Aber Du bist der Herr über alles.

Du lässt Sterne entstehen und wieder vergehen. Du bist auch der Herr über die schwarzen Löcher, in denen die Zeit endet. Du setzt Anfang und Ende und auch unsere Zeit ist in Deinen Händen!

Herr, Gott, ich staune und ich lobe Dich! Amen.

 

J.S. Bach, Kantate BWV 76: Nr. 1 Coro „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes

https://www.youtube.com/watch?v=PyV3ghX9ma4

 

Die Lücke

Ein offenes Manteltuch umfängt die Gestalt Gottes – aufgebauscht vom Wind. Adam liegt nackt auf weichem Erdengrün. Beide – Gott und Adam – halten Arm und Hand aufeinander zu gestreckt. Ihre Zeigefinger kommen sich so nah, als würden sich gleich ihre Fingerspitzen berühren. Es ist groß – genauer: 4,80 Meter mal 2,30 Meter groß. „Die Erschaffung Adams“ ist zweifellos das berühmteste Fresko in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Von Michelangelo selbst ist kein Kommentar zu seinem Werk überliefert. Kein Wort zur Schönheit seines mit Pinsel und Farbe geschaffenen Menschen.

Viele haben das Gemälde als so schön empfunden, dass sie meinten, es wäre von Gott selbst gemalt. Doch Michelangelo war sich immer bewusst, dass es da noch Unterschiede gibt zwischen Gott und Mensch. Stets ist er sich des Abstands zwischen Gott und Mensch deutlich bewusst.

 (dpa / Uli Deck)

Der Schöpfer nähert sich Adam – wie im Flug, in gestreckter Haltung, fast liegend und mit übereinander gekreuzten Beinen. „Die frühe christliche Kunst ging selten darüber hinaus, mehr vom Schöpfer zu zeigen als eine riesige Hand, die aus den Himmeln hervorkam.“

Nun strecken sich Arm, Hand und Zeigefinger Adam entgegen. Nicht von hoch oben, sondern fast auf gleicher Höhe mit ihm.

Besonders spannend: die Lücke zwischen den Fingern. Viel wurde in den letzten 500 Jahren darüber diskutiert, berühren sie sich oder nicht?

Die Zeigefinger berühren sich nicht. Gewiss strecken sich Gottes und des Menschen Hand einander entgegen, gewiss weisen ihre Fingerspitzen aufeinander zu – doch da ist eine Lücke, ein Abstand zwischen ihnen. Er mag winzig erscheinen, und dennoch ist er da.

Das hatte Michelangelo deutlich vor Augen: diesen Abstand zwischen Gott und Mensch, diesen Moment, in dem alle Bewegung innehält und sich zu höchster Spannung auflädt. So nah Schöpfer und Geschöpf einander auch sind, so weit sind beide zugleich voneinander entfernt. Deshalb muss zwischen ihnen eine Lücke klaffen.

Wie oft mag Michelangelo auf diese Lücke gestarrt haben – hoch oben auf seinem Malgerüst unter der Decke der Sixtina. Unentwegt kreist sein Denken um die Lücke zwischen Gottes und Adams Finger. Und den spüren wir auch immer wieder.

Michelangelo schreib später noch trotz eigener Ungewissheit und Zweifel die folgenden Zeilen:  „Gott hat uns nicht geschaffen, um uns zu verlassen.“

Vielleicht ist in diesem Satz der Kerngedanke seines Bildes enthalten, das als „Die Erschaffung Adams“ weltberühmt wurde.

Und er schreib dieses kurze Gebet:

„Herr, ganz zuletzt / Nimm mich mir selbst, dass nur Dein Arm mich hält, / Mach mich zu einem, der Dir wohlgefällt.“

Kaum ein Kunstwerk ist so oft reproduziert worden wie Michelangelos Fresko „Die Erschaffung Adams“.

Dieses Bild erscheint nun heute in einem deutschen Nachrichtenmagazin als Titelbild.

Es bedarf zu dieser Zeit keiner weiteren Erklärung, aus der Hand Gottes des Schöpfers kommt die Spritze mit dem Impfstoff gegen das Corona-Virus. Und das Magazin schreibt dazu:

Das letzte Mal als in Mainz Weltgeschichte geschrieben wurde, bastelte Johannes Gutenberg in einem spätmittelalterlichen Hinterhof an einer Druckerpresse mit beweglichen Lettern.

Diesmal, mitten in der Stadt, in einer Strasse mit dem verheissungsvollen Namen „An der Goldgrube“, brütet hinter Sicherheitsschleusen und Desinfektionsbarrieren in einem Bioreaktor der Kandidat BNT162b2: eine „nukleosidmodifizierte messenger RNA, codiert für ein optimiertes Sars-CoV-2-Spike-Glykoprotein in seiner vollen Länge“. Der vermutlich erste reguläre Corona-Impfstoff der Welt.

Entwickelt hat ihn federführend Professor Dr. Ugur Sahin gemeinsam mit seiner Frau Özlem Türeci, beide Kinder türkischer Einwanderer, schon das eine fantastische Geschichte. Aber es geht darum, wie die zweite Welle noch zu stoppen wäre, der Kampf gegen die Pandemie bald vorbei sein könnte. Das hirnlose Virus wird besiegt durch menschliche, im Bild schon göttliche, schöpferische Genialität.

Was und wie auch immer es geschehen wird, wir leben mit diesen Viren und sollten nicht übernatürliches von diesen Forscherinnen und Forschern erwarten. Gewiss, es sind und bleiben schöpferische Akte, die in der Vergangenheit geholfen haben, gefährliche Krankheiten zu besiegen oder zumindest behandeln zu können: Pocken, Typhus, Aids. Erst gerade wurden zwei Hepatitis-Forscher ausgezeichnet.

Gebe Gott, dass dies auch in diesen Zeiten gelingt und die Menschheit vernünftig damit umgeht.

J. S. Bach, BWV 76 Choral 7: Es woll uns Gott gnädig sein

https://www.youtube.com/watch?v=k8uTdXjt7oE

Moderner Schöpfungspsalm II:

Nicht nur das ganz Grosse ist Dir wichtig, Gott, sondern auch im Mikrokosmos hast Du für Ordnung gesorgt.

Oft öffnen sich uns Türen in diesem uns noch teils unbekannten Gebäude Deiner Schöpfung. Dann befinden wir uns in einem neuen Raum mit vielen weiteren neuen Türen, von denen wir im Augenblick nicht wissen, wie sie sich öffnen und wohin sie uns führen.

Du hast Leben entstehen lassen.

Und die Bedingungen auf unserem Planeten waren so, dass es sich weiterentwickeln konnte.

Lehre uns, Leben zu schützen, verantwortungsvoll zu gestalten und zu bewahren.

Stärke die, die gegen Krankheiten kämpfen auf allen Ebenen, auch in der Forschung.

Lass uns gerechte und gute Wege finden, miteinander umzugehen.

Und sei bei denen, die sich um die Kranken kümmern und bei denen, die selbst krank sind, oder einsam in diesen Zeiten.

Du hast auch mich geschaffen. Du hast mich so gewollt. Ein Gedanke von Dir bin ich! Wenn das ja so stimmt, dann muss ich mich fragen: Was habe ich aus dieser Welt gemacht?

Ich wünschte mir, dass es auch bei mir ab und zu einen Urknall gäbe, wo die Zeit wieder neu zu laufen beginnt und ich aus einem schwarzen Loch herauskomme.

Du hast ja tatsächlich so einen Neuanfang mit uns gemacht.

Durch Deinen Sohn Jesus Christus hast Du eine Zeitenwende herbeigeführt und einen schöpferischen Neuanfang mit uns Menschen gemacht. Das Leben kann noch einmal beginnen, jeden Tag! Ich danke Dir dafür!“

Alles was wir noch persönlich auf dem Herzen tragen, nennen wir Dir in einem Moment der Stille…:

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 *SEGEN* (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

So sei behütet und bewahrt und gesegnet –

im Namen des Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.