Luther Gebet Samstag 26. September 2020

Luther Gebet Samstag 26. September 2020

Gottesdienste fallen nicht mehr aus. Und doch sind sie anders als sonst.

Gott bleibt.

Wir wollen uns zum Gebet sammeln.    

UNS BEREIT MACHEN

Wir wollen zur Ruhe kommen, ein Licht anzünden, das uns hilft,

uns für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET                                                                                         

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilligen Geistes.

G. Amen

 

Tageslosung für Samstag, den 26. September 2020

Ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dir helfe.

Jeremia 30,11

Paulus schreibt: Bei meinem ersten Verhör stand mir niemand bei, sondern sie verließen mich alle. Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich.

2. Timotheus 4,16-17

 

Musik: „Where have all the flowers gone“ (Pete Seeger, hier: Kingston Trio)

https://www.youtube.com/watch?v=bI3QVsW30j0

 

Frauen in weissen Gewändern, junge und alte, Tausende, die mit ernsten Gesichtern wie bei einer Prozession Blumen in die Höhe halten. Das lässt sich seit Wochen in Minsk und anderen Städten beobachten – durch Handykameras und Medien zoomen wir uns in den friedlichen Aufstand eines Volkes, das Diktatur und Willkürherrschaft nicht mehr hinnehmen will. Belarus, das fremde, ferne Land, ist plötzlich nicht mehr weit weg. Hunderttausende gehen seit Wochen auf die Strassen, es gibt Bilder von Sicherheitsbeamten, die die Seiten wechseln, indem sie selbst eine Blume in die Hand nehmen und mit den Demonstrierenden weiterziehen.

Und es gibt Bilder und Berichte von Gefolterten und Getöteten. Die, die in Belarus auf die Strassen gehen, riskieren viel, vielleicht alles. Sie sorgen sich um Freunde und Familie, um Leib und Leben – und bleiben trotzdem nicht zu Hause. Der Machthaber lässt sich derweil mit seinem Sohn in Waffenmontur abbilden.

Blumen in Gewehrläufen, Blumen als Antwort auf Terror. „Sag mir, wo die Blumen sind“, singt Pete Seeger hinter den Bilderfetzen im Kopf.

Die Demonstrationen in Belarus werden von Frauen getragen, die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja ruft aus dem Exil immer wieder dazu auf, dass der Widerstand friedlich bleibt.

Frauen, Blumen, das passt. Doch gerade weil die Geste so unangebracht zart ist, ist sie eben nicht kitschig oder gar niedlich, sondern besonders widerständig, widerständiger vielleicht als Flaggen und andere politische Zeichen. Und das nicht erst in Belarus.

Man könnte eine Geschichte der politischen Floristik schreiben, so bedeutsam sind Blumen für das Bildgedächtnis und die Widerstandskultur seit vielen Jahren. Rosen, Jasmin, Nelken – Blumen sind die Symbole vieler Revolutionen: 1974 in Portugal, die Bürger Lissabons stecken den Soldaten Nelken ins Knopfloch.

2011 beginnt in Tunesien der arabische Frühling mit Blumen. Im selben Jahr kommt es in China zu Protesten. Die Demonstrierenden tragen demonstrativ Jasminblumen in der Hand. Ein Zeichen, das sofort verboten wird. Die Blume verschwindet sogar für eine Zeit aus Suchmaschinen.

Die Antikriegsbewegungen setzen die Blume als Gegenbild zur Waffe ein, Blumen wurden zu einem Symbol. „Sag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben?“ – dem Antikriegslied liegt ein Gedicht des deutschen Lyrikers Johann Georg Jacobi zugrunde. „Sagt, wo sind die Veilchen hin?“. Anmut, Farbenpracht und Individualität, aber auch Zerfall und Tod sind im Symbol der Blüte nur ein paar Momente voneinander entfernt.

Das ist schon in der Bibel so. Die Blumen, ein Zeichen für absichtslose Schönheit und für Vergänglichkeit, für Nächstenliebe und für Tod. Wer je Blütenblätter zwischen den Händen zerrieben hat oder ein Kind dabei beobachtet, wie es wahlweise auf Blumen herumtrampelt oder einen grossen Bogen um ein Blütenmeer macht, um es vor der Zerstörung zu bewahren: der findet im Umgang mit den verletzlichen Gewächsen alles angelegt, was Menschen ausmacht, seine doppelte Möglichkeit: die Liebe und die Gewalt.

Die politischen Blumenbilder haben immer auch eine religiöse Spur. Wer mit Blumen auf Panzer zielt, wer Blütenstängel in Gewehrläufe schiebt, will ganz im Sinne Jesu eine Gewaltspirale durchbrechen. Die Geste des Widerstands lässt den Atem anhalten: Werden Blütenkörper, werden Menschenkörper zertreten? Die Blume in der Hand der Frauen in Belarus wollen nur das, was ihnen zusteht: Menschenrechte, Versammlungsrechte, Freiheitsrechte, echte Wahlen, eine unabhängige Justiz. In der Geschichte der Revolutionen hatten immer die Umsturzbewegungen, die friedlich geblieben sind, eine Chance, in eine demokratische Bewegung überführt zu werden. Eine Gesellschaft, die sich friedlich erhebt, die streikt und der Angst widersteht. Was in ihnen vorgeht, die heute durch Minsk und andere Städte gehen, die ihre Kinder zum Abschied küssen und dann auf einen der grossen Plätze ziehen – man weiss es nicht. Aber was vor aller Augen geschieht, ist Geschichte als Gegenwart.

Manchmal versuche ich mir eines der Gesichter zu merken, die durch Kameras herangezoomt werden. Stelle mir vor, dass diese Frau, dieser Mann gerne Musik mag, ein Buch liest, mit andern lacht, der alten Mutter über den Kopf streicht. Menschen wie Blumen – das ist biblische Bedeutung. So schön, so leicht zu zerstören, so vergänglich, so einzigartig, mi einem Geist der Hoffnung auf eine Lebensform, die wir hier bei uns selbstverständlich finden und die doch von Vorfahren erstritten wurde, bisweilen bis aufs Blut.

In Deutschland erinnert man sich dankbar an die friedliche Revolution vor 30 Jahren. Auch damals haben sich Kinder, Eltern, Ehepartnerinnen verabschiedet, um an einer Demonstration gegen den Staat teilzunehmen. „Wird heute geschossen? Werden wir uns wiedersehen?“

Revolutionen können auch anders ausgehen. Das Bild eines leeren Platzes, auf dem ein paar verwelkte, zertretene Blumen liegen, gibt es auch. Wenn Menschen für Freiheit und Gerechtigkeit aufstehen, wenn sie einem unberechenbaren Sicherheitsapparat mit Blumen in der Hand begegnen, setzen sie auf ein Versprechen, das im uralten Gleichnis vom Menschen als Blume verborgen ist: auf Anmut und Würde und Dank.

Das ist auch mit gemeint, wenn Konfirmanden morgen bei ihrer Konfirmation Blumen tragen.

Das biblische Bild vom Menschen als Blume bedeutet auch ein Gebet: für einen friedlichen Ausgang und für ein erfüllendes, sinnhaftes Leben.

Mit Gedanken von Petra Bahr, Regionalbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und Mitglied des Deutschen Ethikrats.

 

 

Fürbitten

Unser Gott, so farbenfroh und wunderschön ist Deine Welt, so bedroht und friedlos ist sie auch, darum danken wir und bitten wir:

-Wie das Rot an eine Rose erinnert oder an das Feuer der Liebe so bitten wir,

schenke uns ein liebendes Herz, offen für die Schönheit der Welt und ihrer Menschen.

 

-Mit Dank für das Orange der Aprikosen und für den Sonnenaufgang am Morgen bitten wir, dass wir ein Auge behalten für die vielen Wunder dieser Welt und Ohren für die leisen Stimmen, die unser Gehör suchen.

-Mit Dank für das Gelb deiner Sonne und für reife Kornfelder bitten wir: sende immer wieder deine Sonnenstrahlen uns ins Herz besonders nach dunklen Tagen.

-Mit Dank für das Grün der keimenden Saat, an Wiesen und Bäumen bitten wir, lass in uns die Freude am Leben und an der Arbeit wachsen. Schenke uns eine Prise Humor und eine starke Hoffnung, die nie zu besiegen ist.

-Mit Freude am Blau der Vergissmeinnicht oder an der Farbe des Himmels bitten wir, lass uns deine Güte nie vergessen, halte dich weiterhin unermüdlich in Erinnerung und ermutige uns, davon zu erzählen.

Mit Freude am Blau der kühlen Gewässer, von Kornblumen und Enzian bitten wir darum, lass uns alle Tage deine Treue spüren, dass wir uns in dir geborgen fühlen.

-Mit Dank für das Lila von Veilchen und Flieder bitten wir dich, hilf uns zu glauben, zu vertrauen, zuversichtlich zu bleiben – auch in schweren Zeiten.

So bunt und farbenfroh ist deine Welt. So viel Anlass zum Gebet gibt es derzeit auch:

Für die Menschen auf der Flucht überall auf dieser Erde.

Für die Schülerinnen und Schüler und alle Lehrkräfte in den Schulen und Kindergärten.

Für die Älteren unter uns, dass sie Solidarität und Fürsorge erleben und eine wertvolle Zeit.

Für die mitten in ihren beruflichen und familiären Aufgaben und Herausforderungen, dass sie einen gesunden Wechsel von Arbeit und Ruhe erfahren.

Für die, die Macht ausüben in Politik, Regierungen, Verwaltungen, Wirtschaft, dass sie Gerechtigkeit und Güte mit Augenmass behalten.

Für die Menschen, die sich gegen Gewalt und Diktatur erheben, dass ihr Ziel näher rückt.

Für uns alle, dass wir bewahrt und gesund bleiben.

Und für die, an die wir in einem Moment der Stille denken:

Amen.

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

SEGEN (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Friedenssegen

Gott,

du Quelle des Lebens,

du Atem unsrer Sehnsucht,

du Urgrund allen Seins.

Segne uns, mit dem Licht deiner Gegenwart,

das unsre Fragen durchglüht

und unsren Ängsten standhält.

Segne uns, damit wir ein Segen sind

und mit zärtlichen Händen

und einem hörenden Herzen,

mit offenen Augen,

mit mutigen Schritten

dem Frieden den Weg bereiten.

Segne uns, dass wir einander segnen

und stärken und hoffen lehren,

weil du unserem Hoffen Flügel schenkst:

Ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dir helfe.

Amen, so sei es, so ist es, Amen.

(Katja Süß)

 

„Hausboot“ – Lied vom Frieden

https://www.youtube.com/watch?v=eM8thCzNQSA