LUTHER GEBET Samstag, den 6. Februar 2021
Herzlich willkommen zu unserem Abendgebet am Wochenschluss.
Wir sammeln uns im Namen Gottes,
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Gottesdienste sind anders als sonst.
Gott bleibt.
Mittwoch und Samstag abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.
Am Sonntag um 10.00 Uhr.

SICH BEREIT MACHEN
Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.
Ich entzünde eine Kerze.
Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

GEBET
Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).
Allein,
und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,
durch Deinen Geist
mit Schwestern und Brüdern,
mit Freundinnen und Weggefährten.
Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Text:
Psalm 119, Verse 105 +116: „Dein Wort ist meines Fusses Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.
Erhalte mich durch dein Wort dass ich lebe, und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.“

Musik: Mensch es ist Dir gesagt, was gut ist (Aufnahme Clemens Bittlinger)

https://www.youtube.com/watch?v=gA4wnR6_4Sg

 Zum Jahresbeginn schwinden die Kräfte. Das berichten nicht nur diejenigen, die jedes Recht haben, abgekämpft, ausgelaugt und erschöpft zu sein: Intensivmediziner und -pflegekräfte, Erziehende im Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling, MusikerInnen, Gastronomen und Skiliftbetreiber im Shutdown, Arme, Obdachlose oder Hochbetagte. Erschöpft sind irgendwie alle, auch die mit sicheren Jobs und den grossen Wohnungen. Erschöpft, zu stumpfer Müdigkeit und Mattigkeit verdammt scheint die ganze flirrende Hochleistungsgesellschaft am Siedepunkt.

„Corona-Mehltau“ liege auf der Gesellschaft, sagt der Soziologe Hartmut Rosa. Damit ist sehr passend ein Bild und ein Ton gesetzt.
Das Virus, das unser soziales Miteinander zum Hauptinfektionsrisiko erklärt, lähmt Körper, Geist und Sinne. An die rückblickend fast rührende Euphorie des letzten Frühjahrs über schulfreie Tage oder leere Fußgängerzonen erinnert sich kaum jemand mehr. Die Pandemie stellt unser bisheriges Leben auf den Kopf, wirft uns aus der Bahn. Sie kaserniert uns, jede, jeden in der Enge ihrer, seiner vier Wände.
Corona lehrt uns, auf Selbstverständlichkeiten zu verzichten. Darauf, dass eigentlich immer alles klappe, im Leben und im Miteinander, „instant satisfaction“. Manche sehen die Krise weniger als „Katastrophenzeit“ denn als Chance zu einer Inventur. Wichtiges von Unwichtigem trennen, mehr Analoges genießen, in sozialen Umgangsformen stärker differenzieren: Wessen Eltern oder Großeltern noch vom Krieg erzählen können, von Hunger, Kälte, Heimatlosigkeit, der fragt sich, wovon wir nach einem Jahr Pandemie eigentlich so erschöpft sind.
Aber: wir sind es! Drei Viertel der 30- bis 59-jährigen meinen, dass es ihnen in der Krise schlechter gehe. Das fand die Uni Basel heraus. Und – um auch Tröstendes zu sagen–, dass Schweizer, Österreicher und Deutsche im Vergleich zu US-Amerikanern signifikant „stabiler“ seien und folglich weniger depressiv. Auch was das Allgemeinbefinden angeht, schneiden sie durchaus passabel ab.
Was ist es, dass unsere Gesellschaft im zweiten Shutdown so auslaugt, ja auszehrt? Der dunkle Januar, jedenfalls dort, wo keine weiße Winterpracht herrscht?! Auch der Mangel an Zerstreuungsmöglichkeiten – keine Kultur, kein Sport, keine Reisen, kein Nachtleben?! Wenig Perspektive, wenig auf das man sich freuen kann. Der Soziologe Harmut Rosa sagt auch: es ist so etwas wie eine gegenseitige Abwesenheit. Ein Prozess des inneren Austrocknens.
Geist und Seele dürfen aber nicht vernachlässigt werden. Auch sie haben gute Nahrung nötig. Worin diese bestehen kann, das sagt das Wort in Psalm 119,116:
„Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe, und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.“

Gottes gutes Wort ist es auch, was für ein inneres Leben unverzichtbar ist. Es zeigt uns etwas auf über Sinn und Ziel des Lebens. Es führt uns zu dem hin, der uns gewollt und gemacht hat.

Was geschieht, wenn wir die Bibel zur Hand nehmen, in ihr lesen, sie studieren: Gott selbst handelt in seinem Wort an mir und kann mir innere Kraft schenken. Darum bittet der Psalmbeter. Oft und auch jetzt erkennen wir, dass wir selbst nicht von allein in der Lage sind, das eigene Leben auf einem guten Kurs zu halten. Gott aber kann dies tun, durch sein Wort und durch seinen Heiligen Geist.
Vieles stürmt derzeit auf uns ein, und lähmt uns. Wir brauchen einen festen Halt. Gottes Wort will uns diesen Dienst tun. Gottes Wort kann uns erreichen und der Heilige Geist, kann mich prägen und gestalten. Leben und hoffen, hoffen und leben, auch und gerade mitten in einer Pandemie.

Fürbitten

Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe,
und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.

Gütiger Gott, unser Schöpfer, wir bitten dich:
Berühre unsere Hände, dass wir sehen, wo unsere Taten gebraucht werden.
Gib uns guten Willen und mache uns sehend, dass wir merken, was wirklich Not tut.

Barmherziger Gott, unser Erlöser.
Wir bitten dich: Berühre unseren Mund, dass wir das Wort von deiner Liebe und Güte weitersagen,
gib uns Hoffnung, dass wir auf seine Wirkung vertrauen,
und Zuversicht, dass es dorthin gelangt, wo es gebraucht wird.

Sprechender Gott, unser Tröster,
dein Wort ist meines Fusses Leuchte und ein Licht auf meinen Wegen.
Wir bitten dich: Berühre uns im Herzen, dass dein Licht uns hell und fröhlich mache.
Gib uns Zuversicht in Freude und in Schmerz,
lass uns Liebe und Freude dankbar aus deiner Hand empfangen.

Ewiger, guter Gott,
durch Deinen Heiligen Geist lass Deinem Wort auf dieser Welt gelingen, wozu Du es sendest: Frieden und Hoffnung für alle Menschen, Trost und Freude, die wir weitergeben und teilen.

Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe,
und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.
Vaterunser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name;
dein Reich komme;
dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit
Amen

Segen
Der Herr segne und behüte dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe dir Frieden.
Amen.

Musik: Joh. Seb. Bach: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, BWV 45 (Chor)

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich:
Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.