Luther-Gebet für Samstag, 8.5.2021:

Herzlich willkommen zu unserem (149.) Abendgebet, heute zum Wochenschluss.

Wir sammeln uns im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gottesdienste sind immer noch anders als sonst.

Gott bleibt.

Mittwoch und Samstag abends um 21.00 Uhr wollen wir uns zum Gebet sammeln.             

Am Sonntag um 10.00 Uhr.

 

SICH BEREIT MACHEN

Ich suche einen guten Ort für mich. Er hilft mir, zur Ruhe zu kommen.

Ich entzünde eine Kerze.

Ich lasse mich von ihrem Licht bescheinen, das kann mir helfen, mich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

GEBET                                                                                         

Ewiger Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).

Allein,

und doch verbunden in Gedanken und im Gebet,

durch Deinen Geist

mit Schwestern und Brüdern,

mit Freundinnen und Weggefährten.

Wir sind / Ich bin mit Herz und Seele von Zuhause dabei.

verbunden, um diese Andacht zu feiern.

Wir kommen mit dem, was uns ausmacht, allen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen am Wochenschluss.

Wir machen uns bewusst, dass Christus lebt, auch durch andere Menschen, und wie Gott an unserer Seite steht.

 

 

Foto: Sophie Scholl

Heute vor 76 Jahren endete der furchtbare Zweite Weltkrieg in Europa.

Liebe Sophie,

Happy Birthday! 100 Jahre wärst du morgen am 9. Mai geworden. Gestorben bist du mit 21 Jahren. Viel zu früh … umgebracht … „Was für ein Schicksal …. Was für eine tapfere Frau!“ hört man immer wieder, wenn man Deinen Namen nennt. Und jetzt haben sie Dir in Deutschland zum dritten Mal bereits eine eigene Briefmarke ausgesucht, da ist dieses wunderschöne fröhliche Foto von Dir verwendet, das spricht mich sehr an. Und dazu diesen bemerkenswerten Text von Dir:

„22.02.1943: So ein herrlicher, sonniger Tag, und ich soll gehen. Was liegt an meinem Tod, wenn durch unser Handeln Tausende von Menschen aufgerüttelt und geweckt werden!“

Das hast Du an Deinem Todestag geschrieben, andere haben es überliefert und aufbewahrt. Betretenes Schweigen, melancholische Stimmung. Du weiße Rose … Ich frage mich, was Du heute erzählen würdest, wenn Du noch am Leben wärst, als 100jährige. Sophie, weiße Rose … Du würdest über Deinen Widerstand gegen das Naziregime erzählen … immer wieder … Du wärst eine gefragte Rednerin, eine wichtige Zeitzeugin, hättest Bücher geschrieben … auf Papier … Aus Papier waren Deine Flugblätter damals auch … nur Papier und doch so stark … Widerstand …

Sophie Scholl, Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe ´Weiße Rose´, die nur Flugblätter verteilt hat, überall … nur Papier … aber trotzdem so gefährlich für die Ideologie der Nazis, dass sie Dich und Deinen Bruder Hans und euren Freund Christoph Probst festgenommen, verurteilt und umgebracht haben damals 1943… im zweiten Weltkrieg … wegen Worten auf Papier, die nicht ins System passten.

Sophie Scholl … weiße Rose … Ich denke heute an dich … und mit Dir an all die Menschen, die sich gegen Unrecht einsetzen und damit ihr Leben riskieren. Friedlich und doch so gefährlich für all die, die andere diskriminieren.

Am letzten Tag ihres Lebens zitierte Sophie Scholl noch einen Vers aus dem Johannes-Evangelium, aus den Abschiedsreden Jesu:

Jesus spricht: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33)

 

Musik: Fürchte Dich nicht (Jörg Streng, „UNTERWEGS“-Studiochor – arrangiert von David Plüss)

https://www.youtube.com/watch?v=9Mda6m2TgXc

Foto: Sophie Scholl Büste

Sophie Scholl und die „Weiße Rose“ sind nicht gescheitert.

Wer die Augen vor der Vergangenheit offen hält, sieht auch das Unrecht in unserer Zeit. Die Sorgen und Ungerechtigkeiten der Gegenwart erfordern mehr als nur Erinnerung. Es geht immer wieder um die Frage, was leitet mich, wonach richte ich mich. Heute tragen Corona-Leugner Plakate mit dem Bild Sophie Scholls in den Händen bei ihren Demonstrationen, sie fühlen sich als Verfolgte in einem Unrechtsstaat und meinen, sie müssen darum Widerstand leisten.

Ich meine: was für ein Irrtum und sogar Missbrauch eines historischen Erbes. Jede/r hat Gott sei Dank in unseren Demokratien das Recht zu demonstrieren und seine Meinung kundzutun. Wenn dabei Toleranz und Respekt gelten. Das ist der eine wesentliche Unterschied zwischen damals und heute. Und zum Zweiten: Sophie und Hans Scholl und ihre Freunde waren in grosser Fürsorglichkeit engagiert für die Opfer des Krieges und der Verfolgungen damals. Es ging ihnen nicht um ihr eigenes Schicksal, sondern sie haben das ganze Volk im Blick gehabt, das nicht blind ins Verderben gehen sollte durch eben blinden Gehorsam gegenüber damaligen Machthabern. Heutigen Gegnern der Massnahmen zum Schutz vor der Pandemie geht es meist um ihre eigenen persönlichen Freiheiten.

Sophie Scholl ist aufgrund ihrer letzten Taten eine aussergewöhnliche, bewundernswerte Frau. In den letzten jungen Jahren ihres Lebens war sie eine Kämpferin für Mitmenschlichkeit, Glaubensmut und Zivilcourage. In diesem Sinne ist sie ein Vor- und Leitbild, aber nicht ein Kult- oder Heiligenbild. Denn sie war mehr als das.

Foto: Die „Weisse Rose“

 

FÜRBITTEN: 

Schöpfer Gott, wir loben und singen deinen Namen.
Jeder Klang, jedes Wort findet bei dir Gehör. Mit unseren Klagen und Bitten kommen wir zu dir:
Wir bitten für die Menschen, denen nicht nach Singen zumute ist, für die Kranken und Sterbenden, für unsere Verstorbenen…..
für die Trauernden und Verzweifelten.
Wir rufen… Gott, erhöre uns.

Wir beklagen die Friedlosigkeit und Gewalt, die an so vielen Orten der Erde herrscht,

und bitten für alle Frauen, Männer und Kinder, die an den Folgen von Hass leiden, wir bitten für die Menschen, die auf der Flucht sind und für die, die bei uns in Frieden leben wollen.

Wir rufen zu dir: Gott, erhöre uns.

Wir schreien zu dir wegen des Unrechts, das uns in der Nähe und in der Ferne begegnet, und wir bitten dich für alle Menschen, denen die Freiheit zum Atmen fehlt und für die, die benachteiligt werden, wir bitten für die Kinder, die Opfer von Gewalt werden.

Wir rufen zu dir: Gott, erhöre uns

Wir bringen vor dich das Leiden deiner Schöpfung, wir beklagen das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten; wir sorgen uns um das Klima auf der Erde und die Verwüstung von Lebensräumen.

Wir rufen zu dir: Gott, erhöre uns 

Oft vergessen wir beides: wir schreien nicht vom Unrecht, das wir sehen, und wir singen nicht von der Hoffnung, die wir haben. Gib uns den Mut und die Freude, dir Lob zu singen.

Wir rufen zu dir: Gott, erhöre uns.

In der Stille kommen wir zu Dir mit unseren persönlichen Anliegen….

 

VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 *SEGEN* (die Hände evtl. zu einem Segenskörbchen falten)

Geht in die Nacht und den Sonntag mit der Kraft der Güte und des Friedens aus Gottes Segen:

Seid behütet und bewahrt und gesegnet –

im Namen des Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

 

Musik: „Die Gedanken sind frei“ Rundfunk-Jugendchor Wernigerode,

Foto: Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst, Jürgen Wittenstein, München, 24. Juli, 1942

https://www.youtube.com/watch?v=YVc0wBLri1A

 

„Alsdann flugs und fröhlich geschlafen.“ (Martin Luther)