MUSIK: Bach: Wachet auf, ruft uns die Stimme!

https://www.youtube.com/watch?v=IiUyz4HG-Kc

 Herzlich willkommen am Vorletzten Sonntag des Kirchenjahres zum online Gottesdienst der Lutherischen Kirche Zürich.

Der heutige Sonntag nimmt die biblischen Gerichtstexte auf. Nicht nur wegen der Opfer, denen zu Lebzeiten kein Recht widerfuhr, ist der Gedanke des Gerichtes für die Bibel unverzichtbar. Sondern auch, weil er uns alle neu ausrichten will. Uns wird gesagt, Gott richtet anders als Menschen. Sein Blick auf die Menschen ist gnädig und sein Urteil ist gerecht. Das Gericht hat einen Sinn und einen Zweck: es will Menschen neu ausrichten, hin zu Barmherzigkeit und Liebe. Das Gericht ist eine Chance zur Wandlung und Erneuerung. Es zeigt uns, was heil und gut ist. Vor diesem Hintergrund dürfen Christinnen und Christen schon jetzt barmherzig und verantwortungsvoll leben.

LITURGISCHER GRUSS

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G: Amen

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

G: Der Himmel und Erde gemacht hat.

BILD: Herbst am See   

 

KYRIE: Erbarme Dich, mein Gott.

Lass uns ausruhen und aufatmen in Deiner Liebe.

Kyrie eleison. Herr erbarme dich. Christus erbarme dich.

https://www.youtube.com/watch?v=gpnadT6L0cs

 GLORIA: Gott geht barmherzig und freundlich mit uns um. Wir brauchen uns nicht selbst zu richten. Im ersten Johannesbrief (3,19f) heißt es: „Gott ist größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.“ Lasst uns Gott loben:

https://www.youtube.com/watch?v=jMpDF2pJkRc

 GEBET – Lasst uns beten:

Gott, Du bist größer als unser Herz.

Auch wenn wir oder andere mit uns ungnädig und unfreundlich

umgehen, so blickst Du uns voller Liebe und Güte an –

als liebender Vater, als fürsorgliche Mutter.

Dafür danken wir Dir und bitten Dich,

dass wir Deinen liebevollen Blick spüren an jedem Tag unseres Lebens.

G.: Amen.

BILD: Portal Berner Münster (Wikimedia)

 EVANGELIUM Matthäus 25,31-46

Das Bild vom Weltgericht ist ein starkes und prägendes Bild, das über die Jahrhunderte auch viel Angst gemacht hat. Durch Jesus Christus glaube in an einen gnädigen und großzügigen Gott, der für die da ist, die ihn brauchen. So will auch ich großzügig sein.

 Wir hören einen Abschnitt aus dem Matthäusevangelium im 28. Kapitel.

 31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, 32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 

33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 

35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 

36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. 

37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 

38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? 

39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 

40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. 

Lob sei dir, Christe!

 BUCH Hiob. Wer mag, kann sich hier eine gute Zusammenfassung des gesamten Buches Hiob ansehen. Es ist ein kluges, weisheitliches Buch, das angesichts der Welt da draussen helfen kann.

https://www.youtube.com/watch?v=Fb0FBrvO7zQ

 LIED: Hiob sagt den Satz „Ich weiss, dass mein Erlöser lebt“ Hiob 19,25. Wir hören diese Worte von Händel vertont.

https://www.youtube.com/watch?v=7lbHVQAtBuQ

 PREDIGT:

Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen

 Liebe Gemeinde,

der Glaube ist kein bequemes Ruhekissen. Wer glaubt, sieht die Welt oft noch schärfer – und damit auch das Leid und die Ungerechtigkeit. Dann stellen sich die alten Fragen neu: Wie kann ein gütiger, allmächtiger Gott so viel unschuldiges Leid zulassen? Warum greift er nicht ein? Warum hilft er nicht den Schwachen und den Kindern?

Diese Fragen treiben auch Hiob um. Seine Worte gehen weiter, als wir es uns vielleicht trauen würden. Er klagt Gott an, das Leben des Menschen noch schwerer zu machen, anstatt ihn zu entlasten. „Sieh doch weg von mir, Gott!“ – ruft er verzweifelt.

 Hiob betet zu Gott: Hiob 15,1-6

1 Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe,

2 geht auf wie eine Blume und welkt, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht.

3 Doch du (Gott), tust deine Augen über einen solchen auf, dass du mich vor dir ins Gericht ziehst.

4 Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer!

5 Sind seine Tage bestimmt, steht die Zahl seiner Monde bei dir und hast du ein Ziel gesetzt, das er nicht überschreiten kann:

6 so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag kommt, auf den er sich wie ein Tagelöhner freut.

„Sieh doch weg von mir Gott!“ – bittet Hiob.

 Hiob war ein gerechter, gottesfürchtiger Mensch. Er hatte eine große Familie und Reichtum. Dann verlor er an einem einzigen Tag alles: seine Kinder, sein Hab und Gut. Schließlich wurde er selbst krank. Und trotzdem hielt er zunächst an Gott fest: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen.“

Doch dann zerbricht er. Seine Freunde sitzen schweigend bei ihm, sieben Tage lang. Als sie schließlich reden, behaupten sie: Wer leidet, muss schuldig sein. Für sie ist das Leben eine einfache Rechnung: Die Guten werden belohnt, die Schlechten bestraft. Doch Hiob wehrt sich. Er weiß, dass er nicht vollkommen ist – aber er hat keine Schuld begangen, die so großes Leiden verdient. Für ihn ist Gott der Ungerechte.

 Damit steht Hiob in einer langen Reihe von Menschen, die fragen: Warum trifft es die Guten und nicht die Bösen? Wo bleibt Gottes Gerechtigkeit? Diese Fragen kennen wir selbst nur allzu gut.

Hiob schreit sein Leid hinaus – und er ist damit nicht allein: Mit ihm schreien die Kranken, die Hungernden, die Opfer von Gewalt und Krieg. Und es ist gut, dass die Bibel diesen Schrei bewahrt hat. Auch Jesus hat am Kreuz geschrien: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Manchmal bleibt nur das Klagen und Anklagen. Gott hält das aus. Wir dürfen ihm alles sagen.

BILD: Abend Kreuz

 Luther nennt die Augenblicke, in denen wir Gott nicht verstehen Anfechtung. “Es ist, als wenn Gott hinter einer Mauer steht, und du sollst glauben: Dahinter steht er voll von Liebe. Es ist, als wenn sich der gütige Gott eine scheußlich aussehende Maske übergezogen hat – und der Glaube muss gegen den Augenschein dieser Maske daran festhalten: hinter dieser Maske verbirgt sich ein freundliches, liebreiches Gesicht.” Es sind Momente, in denen der Glaube sehr stark herausgefordert wird. Und doch sind solche Zeiten wichtig, weil dadurch unser Glaube lernt, sich auf das Wort Gottes und seine Zusage zu verlassen. 

 Am Ende hält Hiob – gegen Gott – an Gott fest: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ sagt er, erschöpft von Leid und Klage.

Darin klingt die Hoffnung des Evangeliums: Durch das Dunkel führt ein Weg zum Licht. Kreuz und Tod sind nicht das Ende. Christus verspricht: „Ich bin bei euch alle Tage.“

Hiob bekommt keine Antwort auf das „Warum?“ – und wir oft auch nicht. Aber Gott zeigt ihm neu seine Größe und schenkt ihm Hoffnung. Er erinnert ihn daran, dass die Welt in seiner Hand liegt. Und Hiobs Leben wendet sich zum Guten.

So dürfen auch wir vertrauen: Gottes Wege verstehen wir nicht immer, aber wir sind darin gehalten.

Amen

 MUSIK: Er hält die ganze Welt in seiner Hand.  – Stellenbosch Universitätschor

https://www.youtube.com/watch?v=slI2wbv98Lw

 FÜRBITTEN

Gott, unser Vater, unsere Mutter, Du siehst uns voller Liebe an.

Wir bitten Dich für alle, die Deiner Liebe bedürfen:

Menschen, die sich einsam fühlen,

Kranke und Sterbende, Trauernde und Verzweifelte,

Flüchtende und Neuankömmlinge,

Kriegsopfer und Kriegstäter.

Sei gegenwärtig mit Deiner Nähe, Deinem Trost und Deiner Liebe.

 Herr Jesus Christus, wir bitten Dich um den Mut,

Entscheidungen aus Liebe zu treffen.

Wir bitten Dich um den Frieden in der Welt.

Hilf uns, den Frieden zu suchen – jeden Tag und an jedem Ort.

 Gott, Heilige Geistkraft, Du willst in unseren Herzen wirken

und uns zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen lassen.

Wir bitten Dich für unsere Kirche,

unseren Ort und unsere Kirchengemeinde.

Stärke uns, dass wir einander geschwisterlich

und im Frieden begegnen.

 Was uns persönlich wichtig ist,

bringen wir vor Dich.

 STILLE

Danke, dass Du all unsere Gebete erhörst und ernst nimmst.

 Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name;

dein Reich komme;

dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.                                Amen

SEGEN

Gottes gnädiger Blick begleite dich durch den November –
durch Nebel und Kälte, durch Dunkelheit und schweres Wetter.
Er schenke dir Wärme im Herzen, Klarheit für deine Schritte
und Licht, das dich trägt, wenn die Tage grau sind.

So segne und behüte dich der barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen

 MITTEILUNGEN

Herzliche Einladung nächsten Sonntag zum Ewigkeitsgottesdienst. Wir gedenken aller Verstorbenen und ihrer Familien, wir entzünden Kerzen und beten für sie. Der Projektchor unserer Gemeinde begleitet uns mit seinem Gesang. Aufgeführt wird eine wunderschöne Irische Messe.

Alle sind zum Gottesdienst herzlich willkommen.

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Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, und wünschen eine gute und behütete neue Woche.

Bleiben wir verbunden. Gott ist da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern!     

Marion Werner mit Thomas Risel

 LIED: Max Richter: November

https://www.youtube.com/watch?v=0jinOTQ9BaU