Herzlich willkommen zum 424. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 9. September 2026. Zeit für Gedanken, Musik und Gebet inmitten von Dankbarkeit und auch Sorgen des Lebens und der Welt.

So sammeln wir uns:

im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,

im Namen Jesu Christi, dem Herrn und Bruder, der uns im Leiden trägt und hilft,

und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns verbindet zwischen Himmel und Erde.

Amen.

In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt:  Gott bleibt, unser Gebet bleibt. 

Ich zünde eine Kerze an, für den Frieden, für die Hoffnung:

GEBET

Gott, ich bin hier. (Wir sind hier).
Allein,
und doch verbunden in Gedanken und im Gebet durch Deinen Geist,

mit Schwestern und Brüdern, mit Freundinnen und Weggefährten.
Wir sind dabei/ Ich bin mit Herz und Seele von zuhause dabei.
verbunden, um diese Andacht zu feiern.
Wir kommen mit allen schönen Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen dieser Tage. 
Mit Sorgen, mit Leid und Erschrecken

über die Auswirkungen der Klimaerwärmung, der Kriege und der Ungerechtigkeiten dieser Welt.

Wir kommen auch mit Dank für grosse besonders aber

für so viele kleine Dinge, die uns erfreuen und guttun,

die so selbstverständlich funktionieren in unserem Leben.
Wir machen uns bewusst, du Gott, bist da. Wir sind nicht allein.

Amen.

 MUSIK Braunwalder Alphornsegen

https://www.youtube.com/watch?v=5vxyjLRb0TA&list=RD5vxyjLRb0TA&start_radio=1

 GEDANKEN: Empathie

In den letzten Tagen bin ich über einen Satz von Elon Musk gestolpert. Und irgendwie ist er mir nachgegangen.

Er sagte: „Die grundlegende Schwäche der westlichen Zivilisation ist Empathie.“

Empathie – also die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, sich von seinem Leid berühren zu lassen – als Schwäche unserer Zivilisation.

Musk hat diesen Satz noch erläutert. Er meint damit, dass Empathie ausgenutzt und manipuliert werden kann. Und natürlich stimmt es: Gefühle können manipuliert werden. Auch Mitleid kann instrumentalisiert werden.

Und trotzdem hat mich dieser Satz nicht losgelassen.

 Denn ich musste an Hannah Arendt denken. An eine Frau, die sich intensiv mit Diktatur, Totalitarismus und der Frage beschäftigt hat, wie Menschen fähig werden, anderen Menschen Ungeheuerliches anzutun.

Als sie Adolf Eichmann beobachtete, einen der Organisatoren des Holocaust, war sie irritiert davon, wie gewöhnlich dieser Mann wirkte. Kein dämonisches Monster. Ein Mensch, der seine Aufgabe erledigt hatte, Vorschriften befolgt, organisiert und funktioniert hatte.

Und Arendt beschreibt etwas, das sie an ihm besonders erschreckte: seine Unfähigkeit, vom Standpunkt eines anderen Menschen aus zu denken.

 Vielleicht beginnt etwas Gefährliches tatsächlich dort, wo man nicht mehr versucht wahrzunehmen, wie die Welt für den anderen aussieht. Wo einen sein Schmerz nicht mehr erreicht. Wo der andere nur noch eine Zahl ist, ein Fall, ein Problem, eine Gruppe – aber kein Mensch mehr.

BILD: verheilter Oberschenkelknochen ca 30.000 v. Chr. Buch: Annabelle Hirsch «Die Dinge», S. 12.

 Und dann fiel mir noch eine Geschichte aus einem meiner Bücher ein. Sie wird über die amerikanische Anthropologin Margaret Mead erzählt. Man habe sie einmal gefragt, woran man eigentlich den Beginn menschlicher Zivilisation erkennen könne. Vielleicht, so könnte man denken, an einer Speerspitze. An einem Werkzeug. An einem Tongefäss.

Ihre überraschende Antwort soll gewesen sein: An einem verheilten Oberschenkelknochen.

Denn ein Mensch, der sich in früher Zeit das Bein brach, konnte nicht einfach weiterziehen. Er konnte kaum Nahrung suchen, kein Wasser holen, sich nicht verteidigen.

Wenn wir also einen gebrochenen Knochen finden, der wieder verheilt ist, dann erzählt dieser Knochen eine Geschichte.

Da muss jemand geblieben sein.

Jemand muss Wasser gebracht haben.
Jemand muss Nahrung gebracht haben.
Jemand muss ihn geschützt haben.
Vielleicht hat jemand den Verletzten getragen.
Und jemand hat ihm die Zeit gegeben, wieder gesund zu werden.

Ob Margaret Mead diese Geschichte tatsächlich genau so erzählt hat, wissen wir heute nicht sicher. Aber der Gedanke darin gefällt mir.

 Vielleicht beginnt Zivilisation tatsächlich nicht dort, wo Menschen die besten Waffen bauen oder die kompliziertesten Werkzeuge herstellen. Vielleicht beginnt sie dort, wo einer nicht an dem vorbeigeht, der sich selbst gerade nicht mehr helfen kann.

Und damit sind wir mitten im Neuen Testament, mitten im Evangelium, bei der Geschichte des Barmherzigen Samariter.

Ein Mensch liegt verletzt am Strassenrand. Andere sehen ihn – und gehen vorbei. Und dann kommt der Samariter. Von ihm heisst es bei Jesus: „Als er ihn sah, hatte er Mitleid.“

Er sieht ihn. Er lässt sich berühren. Und dann handelt er. Er verbindet seine Wunden. Er hebt ihn auf sein Tier.
Er bringt ihn an einen sicheren Ort.
Er sorgt dafür, dass dieser fremde Mensch weiter versorgt wird.

Vielleicht ist der barmherzige Samariter die biblische Geschichte des verheilten Oberschenkelknochens.

 Jesus erzählt uns von einem Menschen, der fähig ist, das Leid eines anderen zu sehen – und sich davon unterbrechen zu lassen.

Sicher ist Empathie manchmal unbequem.
Sicher macht sie auch verletzlich.
Sie zwingt uns, stehenzubleiben, obwohl wir eigentlich weiterwollen.
Und sie kostet Zeit, Kraft und manchmal auch Geld.

Aber ich denke, sie ist gerade deswegen keine Schwäche.

Sondern sie gehört zu dem, was uns menschlich macht.

Amen

 MUSIK: Wenn das Brot, das wir teilen

https://www.youtube.com/watch?v=oa9oauKrAkU&list=RDoa9oauKrAkU&start_radio=1

 

Gebet: Gott, Schöpfer und Erhalter alles Lebens,
wie wunderbar sind deine Werke.
Berühre meine Seele,
dass ich sehe und staune.
Dass ich dein Lob singe.
Laut oder leise.
Tastend oder voller Gewissheit:
Du hast mir viel Gutes getan.

Quelle: Liturgischer Wegweiser EKHN 

FÜRBITTE

Deine Verheißungen machen uns Mut,
treuer Gott.
Bleib an unserer Seite und 
erbarme dich.

 Mach ein Ende mit den Tyrannen,
die die Armen quälen und
Wehrlose ermorden
Bringe zum Schweigen die Spötter,
die Hass säen
und die die Schwachen verhöhnen
Treuer Gott, erbarme dich.

 Bring die zu Fall,
die Kriege gegen andere Völker führen
und zerstören, was ihnen nicht gehört.
Entlarve die Betrüger,
die sich am Elend der Armen bereichern.
Treuer Gott, erbarme dich.

 Höre die Schmerzensschreie der Schöpfung,
der brennenden Wälder,
der ertrunkenen Tiere,
der schmelzenden Gletscher.
Treuer Gott, erbarme dich.

 Schenke deine heilende Kraft 
den Kranken und allen, die ihnen beistehen;
den Ratlosen und allen, die ihnen raten;
den Verzweifelten und allen, die trösten.
Richte die Geknickten wieder auf.
Schütze deine Gemeinde in aller Welt.
Treuer Gott, erbarme dich.

 Wir bitten dich um Glauben.
Ermutige deine Gemeinde –
die bedrängt wird,
die mutig ist,
die sich um die Zukunft sorgt.
Treuer Gott, erbarme dich.

Wir bitten dich um deine Gegenwart.
Sei mit allen,
die auf Reisen sind,
die zu Hause bleiben,
die aufbrechen und neu beginnen.
Sei mit uns und allen, und denen, die zu uns gehören.

Treuer Gott, erbarme dich.

 Deine Verheißungen machen uns Mut,
treuer Gott.
Mache diese Welt zu einem besseren Ort

In der Stille bringen wir vor dich, was uns persönlich am Herzen liegt.

 VATER UNSER im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 VERABSCHIEDUNG:

-Am Samstag machen sich Familien unserer Gemeinde mit Pfrin Werner auf den Weg nach Baden ins Kindermuseum. Der jährliche Familienausflug ist in zwischen eine gute Tradition.

-Am Sonntag ist unsere Gemeinde nach Basel eingeladen, wo der diesjährige Gemeindetag für alle Kirchen des BELK (Bund des Evangelisch-Lutherischer Kirchen in der Schweiz und im Fürstentum Lichtenstein) stattfindet. In der Martin-Luther Kirche feiern wir am Sonntag keinen Gottesdienst.  

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Wir danken allen, die mit uns unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft.

Bleiben wir zuversichtlich, denn Gott ist da.

Herzliche Grüsse nach nah und fern.

Marion Werner mit Thomas Risel

Marion Werner und Thomas Risel

 SEGEN

Empfangt den Segen Gottes:

Der Herr segne und behüte dich,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

Geht zuversichtlich in die Nacht, denn Gott ist da.

Amen

 MUSIK zum Ausklang Vienna Horns: Intermezzo Sinfonico

https://www.youtube.com/watch?v=MfsjKiLgAnU&list=RDyEkhRnqSJTc&index=2