Herzlich willkommen zum 423. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 2. September 2026
Wir sind im Spätsommer – Zeit der Wärme, des besonderen Lichts, und auch des Schattens: mit kühlem Morgen und noch warmen Sommerabenden, und zugleich mit Erschrecken über schreckliche Kriegs- und Gewaltwirren im Nahen Osten, Ukraine, Sudan – mit der Hoffnung, dass Gott Licht und Schatten mitträgt.
Heute hören wir eine kleine Geschichte über die Jahreszeiten. Und beten in Texten und Musik für diese Welt und unser Leben.
So sammeln wir uns:
im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,
im Namen Jesu Christi, dem Herrn und Bruder, der uns im Leiden trägt und hilft,
und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns verbindet zwischen Himmel und Erde.
Amen.
In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt: Gott bleibt, unser Gebet bleibt.
Ich zünde eine Kerze an, für den Frieden, für die Hoffnung:

Bild: Sonnenblumen
Die Schöpfung 1. Mose 1
1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. 4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis 5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.
7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. 8 Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.
10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war.
11 Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist auf der Erde. Und Gott sah, dass es gut war. 13 Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.
16 Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott sah, dass es gut war. 19 Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag.
20 Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. ein jedes nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag. 25 Und Gott machte die Tiere des Feldes, und das Vieh und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan 31 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.
Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
„Was meinen Sie – ist die schönste Zeit im Jahr?
Lassen Sie mich nachfühlen. Frühling? Dieser lange, etwas bleichsüchtige Lümmel, … da stakt er über die begrünten Hügel, einen gelben Stecken hat er in der Hand, … alles ist hellblau und laut, die Spatzen fiepen …, die Knospen knospen mit einem kleinen Knall, grüne Blättchen stecken fürwitzig ihre Köpfchen heraus … die Erde sieht aus wie unrasiert, der Regen regnet jeglichen Tag und tut sich noch was darauf zugute: ich bin so nötig für das Wachstum, regnet er. Der Frühling –?
Sommer? Wie eine trächtige Kuh liegt das Land, die Felder haben zu tun, die Engerlinge auch, die Stare auch; die Vogelscheuchen scheuchen, dass die ältesten Vögel nicht aus dem Lachen herauskommen, die Ochsen schwitzen, … eine ungeheure Tätigkeit hat rings sich aufgetan; nachts, wenn die Nebel steigen, wirtschaftet es noch im Bauch der Erde, das ganze Land dampft vor Arbeit, es wächst, … der Sommer –?
Herbst? Mürrisch zieht sich die Haut der Erde zusammen, dünne Schleier legt sich die Fröstelnde über, Regenschauer fegen über die Felder und peitscht die entfleischten Baumstümpfe, … Hier ist nichts mehr zu holen … So sieht es auch aus … Nichts zu holen … und der Wind verklagt die Erde, und klagend heult er um die Ecken, in enge Nasengänge wühlt er sich ein, Huuh macht er in den Stirnhöhlen, denn der Wind bekommt Prozente von den Nasendoktoren … hochauf spritzt brauner Straßenmodder … die Sonne ist zur Kur in Abazzia … der Herbst –?
Und Winter? Es wird eine Art Schnee geliefert, der sich, wenn er die Erde nur von weitem sieht, sofort in Schmutz auflöst; wenn es kalt ist, ist es nicht richtig kalt sondern nasskalt, also naß … Tritt man auf Eis, macht das Eis Knack und bekommt rissige Sprünge, … Manchmal ist Glatteis, dann sitzt der liebe Gott, der gute, alte Mann, in den Wattewolken und freut sich, dass die Leute der Länge lang hinschlagen … also, wenn sie denn kindisch werden… kalt ist der Ostwind, kalt die Sonnenstrahlen, am kältesten die Zentralheizung – der Winter –?
Musik: Here Comes The Sun (Instrumental) George Harrison/Beatles
https://www.youtube.com/watch?v=dL_iaWoQF3E
»Kurz und knapp, Herr Hauser! Hier sind unsere vier Jahreszeiten. Bitte: Welche –?«
Keine. Die fünfte. »Es gibt keine fünfte.« Es gibt eine fünfte. – Hör zu: Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt, so müde ist es – wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat –: dann ist die fünfte Jahreszeit. Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist – nun ist es vorüber. Nun sind da noch die Blätter und die Gräser und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick steht das Räderwerk still. Es ruht. Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen … kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. …– es ruht. So vier, so acht Tage – Und dann geht etwas vor. Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft – es ist etwas geschehen; so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt … , na … na … , und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: die Blätter, die Bäume, die Sträucher … aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen – nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon. Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. Es ist die Zeit, in der ältere Herren sehr sentimental werden – es ist nicht der Johannistrieb, es ist etwas andres. Es ist: optimistische Todesahnung, eine fröhliche Erkenntnis des Endes. Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre. Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.“
Kurt Tucholski schrieb davon, und ich wünsche Ihnen damit nun also eine gesegnete 5. Jahreszeit!
Die fünfte Jahreszeit Kaspar Hauser/ Kurt Tucholski, Die Weltbühne, 22.10.1929, Nr. 43, S. 631.

Bild: Abendhimmel am Zürisee
Musik: – „Jesus bleibet meine Freude“ aus „Herz und Mund und Tat und Leben“, BWV 147, J.S.Bach Arr. D.Qualey
https://www.youtube.com/watch?v=pEemo9i-sCI
Fürbitten:
Wir danken dir für das Grün, das erwachende Leben und die Hoffnung, die mit den ersten Blumen spriesst. Schenke uns Mut für jeden Aufbruch.
Wir danken dir für das warme Licht, die langen Tage und die Fülle der Natur. Schenke uns Freude, Erholung und Zeit zum Durchatmen.
Wir danken dir für die bunte Ernte, die reifen Früchte und die ruh werdende Natur. Lehre uns Dankbarkeit für alles, was du uns schenkst.
Wir danken dir für die stille Zeit, den schützenden Schnee und die langen Nächte. Schenke unseren Herzen Wärme und lass uns in der Ruhe deine Nähe spüren.
Begleite uns durch das ganze Jahr und lass uns in jedem Wandel deine treue Hand erkennen.
Schenke Frieden und Verständigung unter den Menschen und mit deiner Schöpfung.
Mit noch vielen anderen Bitten in unseren Herzen sprechen wir das eine Gebet Jesu:
Vaterunser im Himmel…
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
VERABSCHIEDUNG
Herzliche Einladung:
– am Sonntag, 6. September zum Abendmahls-Gottesdienst um 10 Uhr in der Martin-Luther-Kirche Zürich, mit Kirchenmusiker Christian Gautschi und Pfarrer Thomas Risel. Parallel laden wir auch zum Kindergottesdienst ein!
————————————————————————————-
Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, in über 400 Ausgaben Luther-Gebet, wir wünschen gesegnete Spätsommertage.
Bleiben wir zuversichtlich. Denn Gott ist da.
Herzliche Grüsse nach nah und fern!
Pfarrer Thomas Risel mit Pfarrerin Marion Werner
SEGEN
Ich wünsche dir
die zärtliche Ungeduld des Frühlings,
das milde Wachstum des Sommers,
die stille Reife des Herbstes
und die Weisheit des erhabenen Winters.
(Altirischer Segenswunsch)
So segne, behüte und bewahre dich Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.
Musik: Concerto No. 2 in G minor, Op. 8, RV 315, „L’estate“ (Sommer) : II. Adagio e piano – Presto e forte · Alberto Lizzio · Musici di San Marco
https://www.youtube.com/watch?v=Su1oNYVcrrM
Sommer – 3. Presto
Anne-Sophie Mutter violin /Mutter Virtuosi
https://www.youtube.com/watch?v=124NoPUBDvA
Fotos: Privat