Herzlich willkommen zum 422. Luther-Abendgebet am Mittwoch, 26. August 2026

Wir sind noch im Hochsommer – Zeit der Wärme, des Lichts, und auch des Schattens:

zwischen Schulbeginn, Entspannung an Sommerabenden, und zugleich Erschrecken über schreckliche Kriegs- und Gewaltwirren im Nahen Osten, Ukraine, Sudan –

mit der Hoffnung, dass Gott Licht und Schatten mitträgt.

Heute beenden wir die kleine Reihe zum Thema „Glocken und unser Leben“.

Darüber hören und beten wir heute in Texten und Musik.

So sammeln wir uns:

im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und eine Mutter in Liebe umfängt,

im Namen Jesu Christi, dem Herrn und Bruder, der uns im Leiden trägt und hilft,

und im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns verbindet zwischen Himmel und Erde.

Amen.

In allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht und sich wandelt:  Gott bleibt, unser Gebet bleibt. 

Ich zünde eine Kerze an, für den Frieden, für die Hoffnung:

Bild: Glocke Martin-Luther-Kirche Zürich

Psalm 150

1 Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligtum, lobet ihn in der Feste seiner Macht!

2 Lobet ihn für seine Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!

3 Lobet ihn mit Posaunen, Glocken, lobet ihn mit Psalter und Harfen! 4 Lobet ihn mit Pauken und Reigen, lobet ihn mit Saiten und Pfeifen!

5 Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit klingenden Zimbeln!

6 Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja!

Es gibt viele Beispiele aus der Musikgeschichte, wie Glocken dort vorkommen.

Ein verspieltes Beispiel kommt aus der Oper „Die Zauberflöte“ von W.-A. Mozart. Hier nutzt Papageno sein Glockenspiel, um böse Geister zu vertreiben und seine Papagena zu beschützen. 

Musik: WOLFGANG AMADEUS MOZART ‚DIE ZAUBERFLÖTE‘ KV.620, 1791.

ERSTER AUFZUG 15. Auftritt: PAPAGENO

Wer viel wagt, gewinnt oft viel!

Komm, du schönes Glockenspiel,

Laß die Glöckchen klingen, klingen,

Daß die Ohren ihnen singen!

(Papageno spielt auf seinem Glockenspiel. Sogleich tanzen und singen Monostatos und die Sklaven, und gehen unter dem Gesang marschmässig ab)

https://www.youtube.com/watch?v=Kqn5xtmFSuE

 

Kinder entdecken Glocken und alle lernen:

„Achtung, das sind 22 steile Stufen! Passt auf und haltet euch gut fest!“

Kaum gesagt, klettern die 6- und 7-Jährigen schon geschickt und neugierig nach oben. Höher und höher geht es im Kirchturm. Und dann stehen sie unter der grossen Glocke.

Sie wollen am liebsten gleich alles wissen und ausprobieren. Wie klingt die? Ist das laut, wenn wir dann hier stehen? Geht die gleich los?

Wann läutet diese Glocke eigentlich? Wie schwer ist sie? Was steht da denn drauf?

Nacheinander versuchen wir, alle Fragen so gut wie möglich zu beantworten.

„Kirche zum Anfassen“ nennen wir das, wenn wir mit Kindern und auch Konfirmanden die Kirche entdecken. Und es ist wirklich zum Anfassen.

Ganz leicht berühren wir mit den Fingern die große Glocke und lauschen ihrem Klang nach.

Die Glocke daneben klingt anders. Ein anderer Ton. Die läutet ja auch bei einer anderen Gelegenheit.

Ja, morgens um halb neun, das kennen sie. Mitten im Spiel im Kindergarten und Schule unterbrechen sie:

„Hört doch mal, da ist ein Mensch gestorben. Da sind manche jetzt traurig“, erzählen sie sich. Manchmal zünden sie dann eine Kerze an und denken an die Familie. 

„Und wofür sind die anderen Glocken in der Kirche dann da?“ gehen die Fragen im Glockenturm weiter.

Und wir erzählen von Silvester und Ostern und Weihnachten, von Sonntags und alltags, von der Uhrzeit – und von einem besonderen Gebet, zu dem Glocken erklingen.  Wissen die Erwachsenen wohl noch etwas davon?

Bild: Glocke Berner Münster

Die Grosse Glocke im Berner Münster (von 1611, auch «Susanna» genannt) ist mit fast 10 Tonnen Gewicht die mächtigste und grösste Kirchenglocke der Schweiz.

„Das besondere Gebet, zu dem eine Glocke erklingt und das wir im Gottesdienst sprechen, ganz am Ende, kennen die meisten.

Es hat sieben Bitten und bei jeder Bitte drückt der Küster, Sigrist auf einen Knopf und die kleine Glocke läutet, das ist die Gebetsglocke.

„Wisst ihr, wie das Gebet heisst, zu dem die Glocke schlägt?“ „Das ist doch das mit dem Brot“, ruft ein Mädchen,

und wir versuchen einmal, dieses Gebet zusammen zu sprechen und die Bitten zu zählen: „Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe…“ 

„Und wenn hier in der Kirche die Glocke läutet, können die Menschen ja zu Hause mitbeten“, sagt das Mädchen.

„Das stimmt“, sage ich: „Und das ist gerade für alte und kranke Menschen wichtig.“

Sieben Glockenschläge für sieben Bitten. „Dann muss der Mann, der die anstellt, ja genau aufpassen und mitzählen?!“, bemerkt ein Junge.

„Beim nächsten Mal zähle ich genau mit“, verspricht er und steigt die Treppe nach unten.

Fürbitten:

Glocken läuten.

Überall, wo man sie hören kann, können wir unterbrechen,

für einen Augenblick das, was wir gerade tun.

Einen Moment beiseite legen, was mich gerade beschäftigt,

und auf das Läuten hören.

Einatmen … Ausatmen …

Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

Ich leihe mir Worte der Psalmbeter aus dem Ersten Testament,

um mit ihnen zu danken, zu klagen, zu loben, zu bitten, so wie Glocken es auch tun.

 

In deinen Händen, Gott, steht meine Zeit.

Denke an mich in deiner Gnade.

Erhöre mich und hilf mir.

Beten: beim Klang der Glocke mit Gott reden.

Und darauf vertrauen:

Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Still sein

Ich will dir danken, Gott …für…

Ich denke an …

Das beschäftigt mich …

Hilf mir, dass ich in aller Ungewissheit

nicht das Vertrauen verliere.

Lass mich und die anderen besonnen bleiben.

Bewahre die Schwachen.

Sorge für die Kranken.

Sei bei allen, die sterben.

Beschütze alle,

die in Spitälern und Laboren arbeiten,

die Kranke pflegen,

Menschen versorgen und beschützen,

und sich darum bemühen, dass wir haben,

was wir zum Leben brauchen.

Segne unser Tun und Ruhen

und lass uns wie die Glocken Botinnen und Boten deines Friedens sein –

heute und in der kommenden Zeit.

Mit noch vielen anderen Bitten in unseren Herzen sprechen wir das eine Gebet Jesu:

Vaterunser im Himmel…

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

VERABSCHIEDUNG

Herzliche Einladung:

– am Sonntag, 30. August, zum Gottesdienst mit Vorstellung der neuen Konfirmanden um 10 Uhr in der Martin-Luther-Kirche Zürich, mit Kirchenmusiker Christian Gautschi, Pfarrerin Marion Werner und Pfarrer Thomas Risel.

————————————————————————————-

Wir danken allen, die mit unterwegs sind in Gebet und Gemeinschaft, in über 400 Ausgaben Luther-Gebet, wir wünschen gesegnete Spätsommertage.

Bleiben wir zuversichtlich. Denn Gott ist da.

 

Herzliche Grüsse nach nah und fern!

Pfarrer Thomas Risel mit Pfarrerin Marion Werner

SEGEN

„Komm in diesem Glockensegen,
Herr, uns allen du entgegen,
Daß wir gehn in deiner Gnad,
Eh der finstre Abend naht.“

(Albrecht Goes)

So segne, behüte und bewahre dich Gott,

Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Amen.

 

Musik und Text: Mike Oldfield: Tubular Bells mit 1. Korinther 13, Hohelied der Liebe

 

Fotos: Privat und Berner Münster